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Arbeitsalltag mitten im Dschungel Brasiliens

An unserem ersten Tag bekamen wir eine kleine Führung vom Reservat. Dazu gehörte das Coffehouse, welches als Treffpunkt und Unterkunft für Gäste diente. Sowie das Mainhouse mit dem Labor, einer Art Hörsaal für Schulklassen und andere Besucher*innen sowie eine kleine Bücherei und Büros. Das Reservat umfasste außerdem das Greenhouse, einen Gemüsegarten, ein Aquarium und einen Teich. Mein persönliches Highlight war der Fluss, in dem wir fast täglich von unserem persönlichen Steg baden waren.

Unsere ersten richtigen Arbeitstage waren wohl auch unsere anstrengendsten, denn es war Pitfall Woche. Das heißt jeden Tag mussten die fünf Fallen, die auf dem ganzen Reservat verteilt positioniert waren, abgegangen und die gefundenen Tiere notiert werden. Das war sehr spannend, denn es war jedes Mal wieder aufregend die Eimer zu kontrollieren und auf einen interessanten Fund zu hoffen. Doch wie erwartet war es heiß und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch, sodass es herausfordernd war direkt am ersten Tag den steilen Berg zur ersten Pitfall zu erklimmen. Doch wir wurden belohnt, in einer der Pitfall fanden wir ein Opossum.

Zu unserer normalen Arbeitswoche gehörten die Fish und Bird inventory sowie der Mushroom day. Beim Fish inventory haben wir verschiedene Wasserparameter gemessen und die Fische identifiziert, die sich in unseren Fallen befanden. Dafür musste pro inventory immer zwei Leute ins Wasser, entweder es war eine willkommene Abkühlung oder man hatte Pech und es war ein kühlerer Tag und das Wasser war sehr kalt.

Beim Bird inventory liefen wir verschiedene Routen ab und identifizierten alle Vögel, die uns auf dem Weg begegneten, anhand visueller oder auditiver Erkennung. Meine Lieblingsstrecke war die über die Farm. Diese Farm erstreckte sich über eine weitläufige Hügellandschaft umgeben von Regenwald, fast schon ein Ort wie aus dem Bilderbuch. Von einem der Hügel hatte man eine wunderschöne Aussicht auf die Umgebung und konnte so auch viele Vögel erfassen. Am ersten Farmtag knackten wir sogar den Rekord für dieses Jahr, denn wir konnten am meisten Vögel erfassen.

Am Donnerstag war immer mushroom day, das heißt wir laufen in einer kleinen Gruppe durch den Wald und sammeln die verschiedensten Pilze. Im Anschluss saßen wir dann in gemeinsamer Runde zusammen und identifizierten diese Pilze. Mein erster Gedanke war ehrlich gesagt, oh Gott das wird langweilig. Aber es stellte sich heraus, dass es sogar richtig Spaß machen konnte. Wir fanden die unterschiedlichsten Formen und Farben an Pilzen, unserer Betreuer konnte uns zu jedem eine kleine Anekdote erzählen. Ich glaube er hat uns alle mit seinem Enthusiasmus von der Bedeutung von Pilzen überzeugt und wir waren alle hoch motiviert vielleicht sogar einen besonderen Pilz finden zu können. Manche Pilze hatten sogar fast etwas Magisches an sich, denn sie leuchten im Dunkeln. Diese biolumineszenten Pilze sind besonders interessant und auch Gegenstand der Forschung im Labor. Als ich das erste Mal auf einer nächtlichen Begehung mitten im Wald so einen leuchtenden Fleck am Boden sah, konnte ich es nicht glauben. Das war faszinierend und bestätigte mir nochmal, was für wunderschöne Dinge die Natur hervorbringen kann.

Neben dieser biologischen Feldarbeit arbeitete ich als Ecovolunteer auch dabei mit einer invasiven Pflanze auszurotten, um damit einheimische Pflanzen, insbesondere die endemische Palme zu schützen. Diese Palme ist durch Überernte bedroht, denn das Palmherz, der essbare Kern an der Spitze der Palme, ist in Südamerika eine beliebte Delikatesse. Das Institut arbeitet dem entgegen, indem sie Aufforstung betreiben. Dafür investierten wir viel Zeit in die Herstellung des Substrats, das Pflanzen der Setzlinge in kleine Säckchen, den Transport dieser Setzling und schlussendlich das Einpflanzen. Als wir nach all der Arbeit die fertigen kleinen Pflanzen in die Erde setzten, war ich stolz auf uns, denn wir hatten einen aktiven Beitrag geleistet.

Zusätzlich zu all diesen spannenden Tätigkeiten hatte ich mein eigenes Projekt, bei dem ich mich mit Fröschen und insbesondere deren Rufaktivität in Abhängigkeit vom Wetter beschäftigte. Das war mit Abstand die herausforderndste Aufgabe, denn mir wurde sehr viel Freiraum gelassen. Das war schlussendlich gut, aber es stellte mich vor die Aufgabe aus all den interessanten Themenbereichen zu wählen. Doch nach meinem ersten nächtlichen „Amphibian Night Search“ fiel meine Wahl dann ziemlich schnell auf Frösche. Diese kleinen Lebewesen weckten mein Interesse, besonders da sie sensibel gegenüber ihrer Umwelt sind. So kam es, dass ich fast jeden Abend auf meine eigene kleine Frog inventory ging. Und ich denke aus diesem eigenen Projekt habe ich am meisten für mich mitgenommen. Ich habe gelernt, wie man seine eigene These entwickelt und daraufhin die Methodik ausarbeitet, um diese dann im Laufe des Projekts zu verfeinern.

Hannah

Hey, ich bin Hannah und studiere im 5. Semester Biowissenschaften an der Uni Münster. Statt eines regulären Vertiefungsmoduls entschied ich mich für ein Betriebspraktikum in Brasilien. Dafür habe ich zwei Monate am Instituto de Pesquisas da Biodiversidade im Atlantischen Regenwald verbracht.

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