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5. Münsteraner Poetikdozentur – WS 2023/24

© Uni MS

Hendrik Otremba – DAS DRONISCHE ERZÄHLEN

Hendrik Otremba, Autor, Musiker und Sänger der Postpunk-Band »Messer«, bildender Künstler und seit 2012 Dozent für Kreatives Schreiben an der Münster School of Design, übernimmt 2023 die fünfte Münsteraner Poetikdozentur am Germanistischen Institut der Universität Münster – nach Monika Rinck (2015), Kathrin Passig (2017), Milo Rau (2019) und Kerstin Hensel (2021). Die Poetikdozentur richtet sich sowohl an Studierende und Mitglieder der Universität als auch an die interessierte Öffentlichkeit.

Hendrik Otremba stellt seine Dozentur unter den Titel »DAS DRONISCHE ERZÄHLEN«. Vorgesehen sind drei öffentliche Vorlesungen (23.10., 13.11., 4.12.2023), ein zweitägiger Workshop mit Studierenden (15.–16.01.2024), eine öffentliche Lesung (4.12.2023) sowie ein Künstlerabend am 16.01.2024. Zu allen Veranstaltungen lädt das Germanistische Institut herzlich ein, der Eintritt ist frei.

Studiert hat Hendrik Otremba Germanistik und Medienwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum und Kulturpoetik an der Universität Münster. Sein erster Roman Über uns der Schaum erschien 2017, es folgten die Romane Kachelbads Erbe (2019) und Benito (2022). Für die Arbeit an Kachelbads Erbe erhielt Otremba das Arbeitsstipendium des Berliner Senats.

Mit seiner Band »Messer«, für die er auch die Texte verfasst, hat er seit 2010 außerdem fünf Alben veröffentlicht (Im Schwindel, Die Unsichtbaren, Jalousie, No Future Days, No Future Dubs). 2013 erhielt die Band den Pop.NRW-Preis in der Kategorie Bester Newcomer, 2022 für ein Avatar-Konzert in Kooperation mit dem Center for Literature (Münster) den VUT-Award in der Kategorie Bestes Experiment.

Otremba veröffentlicht außerdem Erzählungen und Essays. 2023 erschien neben seinem ersten Soloalbum (Riskantes Manöver) auch der Lyrikband Wüstungen, Nebel.

Seine komplex erzählten Romane führen immer wieder in traum- und alptraumhafte, auch düstere Welten, in den sich Reales und Surreales, Zeiten und Räume überlagern. Stilistisch kennzeichnet eine geradezu cineastische Bildsprache sein Schreiben, inspiriert vom Film noir bis zu langsamen Erzählern wie Tarr, Angelopoulos oder Tarkowski. Dies spiegelt sich zugleich im bildkünstlerischen Werk Otrembas wider: Mit seinen Aquarell- und Tuschemalereien hatte er bereits mehrere Ausstellungen, zuletzt 2021 in Mainz in der Emde Gallery (ebenfalls unter dem Titel Riskantes Manöver). Die Poetikdozentur in Münster wird flankiert von der Ausstellung »Ich tauchte zu den Ungeheuern« im Alten Wartesaal in Herne (vom 10. November bis zum 10. Dezember 2023).

© Max Zerrahn

Die Veranstaltungen im Überblick:

Vorlesungsreihe DAS DRONISCHE ERZÄHLEN
23.10.23: »Warum bin ich kein Taucher geworden?«
13.11.23: »Ich würde tauchen zu versunkenen Orten«
04.12.23: »Mein Leben wär‘ ein Abenteuer«
18:00 c.t., Audi Max, Johannisstr. 12-20

Öffentliche Lesung
04.12.23, 20:00 c.t., Studiobühne, Domplatz 23

Workshop / Seminar »MOSAIK X«
15./16.01.24, jeweils 9.00-17.00 Uhr, SP4 106, Schlossplatz 4

Künstlerabend »Dronische Verwandtschaft«
Hendrik Otremba mit Seoi Nage und weiteren Gästen
16.01.24, 20:00 c.t., Studiobühne, Domplatz 23

Über die Poetikdozentur

"Ich habe mich in der Unsicherheit immer sicher gefühlt" - Bericht der Westfälischen Nachrichten zur Auftaktveranstaltung

Medienreflexive Moderne. Studien zu Literatur und Medienkultur der 1920er-Jahre

Herausgegeben von Andreas Blödorn und Stephan Brössel

Die Reihe versammelt schwerpunktmäßig Beiträge zu Literatur und Medienkultur der 1920er-Jahre im deutschsprachigen Raum. Fokussiert werden ‚textuelle‘ Verarbeitungen gesellschaftlicher und kultureller Aspekte in Literatur und Theater, Fotografie, Film und Kino, Hörspiel und Radio und anderen medialen Kontexten (z.B. Zeitschriften und Illustrierten). Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf inter- und transmedialen Wechselbeziehungen und Beziehungsgeflechten zwischen Literatur und Medien, wie sie sich paradigmatisch an Döblins Roman Berlin Alexanderplatz zeigen lassen, der unter der Beteiligung des Autors in Hörspiel und Film transformiert wurde, oder an Fritz Langs zweiteiligem Film Dr. Mabuse, Der Spieler, der parallel zur Veröffentlichung der Romanvorlage von Norbert Jacques in der Berliner Illustrirten entstand und mit Reportagen vom Filmset medial beworben wurde.

Neben solchen Querverbindungen zwischen Literatur, Kultur und Medien der Weimarer Republik rücken aber – insbesondere über das Leitmedium Film – auch internationale Aspekte einer sich in den 1920er-Jahren wandelnden Medienkultur in den Blick, die der neuen ‚visuellen Kultur‘ (Béla Balázs) auch die Dimension des Hörens an die Seite stellte: Mit dem Wandel zur Tonfilmära entstanden gegen Ende der 1920er-Jahre zunehmend auch internationale Kooperationsprojekte, in denen die Filmindustrie – wie prominent in der Heinrich Mann-Verfilmung Der Blaue Engel – mit sogenannten Mehrsprachenversionen experimentierte, die den Blick v.a. auf die USA (und Hollywood) richteten.

Band 1 in Planung: "Babylon Berlin und die filmische (Re-)Modellierung der 1920er-Jahre" (2022)

© Rombach

Der erste Band zur medienreflexiven Moderne gibt einen Einblick in Dimensionen und Funktionspotenziale einer Retrospektive auf die 1920er-Jahre. Mit dem Schwerpunkt Babylon Berlin gehen die Beiträge aus einer medienkulturwissenschaftlichen Perspektive der Frage nach, wie ›Gesellschaft‹, ›Kultur‹, ›Geschichte‹ und ›Realität‹ medial konstruiert und ästhetisch wie narrativ modelliert werden. Welche Normen- und Wertesysteme sind in der Serie angelegt, welche Problemkonstellationen und -lösungen werden ausgehandelt, welche filmischen Präsentationsstrategien kommen zum Tragen? Ermittelt und ausgewertet wird dabei das schillernde und facettenreiche, jedoch mitnichten unproblematische retrospektive Bild auf die Weimarer Republik.