Seit zehn Jahren arbeiten am Zentrum für Interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung (ZIN) der Universität Münster Wissenschaftler:innen disziplinenübergreifend zusammen, um die Transformation zur Nachhaltigkeit zu erforschen und transformativ voranzutreiben – darunter auch diverse Akteur:innen des IfE. Die vom ZIN ausgetragene Tagung „wissen(schafft)zukunft“ lädt dazu ein, gemeinsam auf Erkenntnisse und Entwicklungen im Kontext Nachhaltigkeit zurückzublicken, aktuelle Herausforderungen zu diskutieren und zukünftige Anliegen zu identifizieren. Zum Panel „Wie lernen wir Zukunft?“ wurden Dr. Raphael Fehrmann (IfE, Panelist) und Prof. Dr. Christian Fischer (IfE, Moderation) als Experten eingeladen, um gemeinsam mit Dr.’in Dörthe Masemann (MExLab), Prof. Dr. Christian Klein-Bösing (Institut für Kernphysik) und Prof.’in Dr. Regina Jucks (IPBE) zu diskutieren, wie Bildung im Zeichen der Transformation ausgestaltet werden kann: Wie können Lernende befähigt werden, gesellschaftliche, technologische und ökologische Wandlungsprozesse kritisch zu reflektieren und Lösungen verantwortungsvoll aktiv mitzugestalten? Eine Anmeldung zur Teilnahme ist bis zum 15.3.2026 über die Tagungshomepage möglich.
| Neues aus der AG Begabungsforschung und Individuelle Förderung
Begabungsförderung als zentraler Anlass der Schul- und Unterrichtsentwicklung ist der zentrale Untersuchungsgegenstand, der in dem Forschungsprojekt Begabungsförderung am Sächsischen Landesgymnasium Sankt Afra zu Meißen untersucht werden soll. Das Landesgymnasium hat sich ein neues Schulprogramm gegeben und will nun die aktuellen Entwicklungen wissenschaftlich begleiten lassen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Dabei werden die Perspektiven der Schüler*innen, Lehrpersonen, pädagogischen Mitarbeitenden im Internat sowie der Schulleitung und der Erziehungsberechtigten eingebunden. Das Projekt wurde von der Arbeitsgruppe Begabungsforschung und Individuelle Förderung unter der Leitung von Christian Fischer eingeworben. Fragen des Mentorings, also der engmaschigen Begleitung der Schüler*innen, werden durch Carly Abbenhaus bearbeitet. Die weitergehenden Aspekte, etwa zu veränderten Stundentafeln und zur Begabungsförderung werden von David Rott übernommen. Nach einigen Vorgesprächen seit dem vergangenen Sommer kam es nun zu einem ersten Schulbesuch in Meißen, in dem das Vorgehen für die Projektphase konkretisiert wurde. Die Ergebnisse werden für die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt und darüber hinaus in wissenschaftliche Publikationen überführt.
Zukünftig wird die Zeitschrift „Schule. Bildung. Inklusion – Zeitschrift für Qualifizierung und Transformation“ als eine double blind peer-reviewte und open access zugängliche Online-Fachzeitschrift am IfE erscheinen. Die Zeitschrift ist als Weiterentwicklung der QfI – Qualifizierung für Inklusion entstanden und wird unter anderem vom Team der AG Didaktik und Schulforschung in der inklusiven Bildung und Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik herausgegeben. Die SBI versteht sich als interdisziplinär und multiparadigmatisch ausgerichtetes Medium, das für alle zu Bildungsprozessen forschenden Disziplinen offen steht. Publiziert werden theoretische und empirische Beiträge von z. B. didaktischer und konzeptioneller, theoretischer oder auch methodologischer Relevanz. Der Call für die erste Ausgabe 01.2027 ist gerade erschienen und richtet den Fokus auf Transformation. Weitere Informationen finden Sie hier.
Mit der Disputation hat Laura McCullagh (Arbeitsgruppe Forschungsmethoden / Empirische Bildungsforschung) ihr Promotionsverfahren am 5. Februar 2026 erfolgreich mit dem Prädikat summa cum laude abgeschlossen. In ihrer Arbeit mit dem Titel „The Measurement of Student Engagement: A Critical Examination of Operational Definitions and the Development of German-Language Scale“ widmete sie sich der Untersuchung des Konstrukts „Student Engagement“, das kognitive, behaviorale und affektive Dimensionen der Beteiligung im Unterricht erfasst. Obwohl es sich um ein im englischsprachigen Raum weit verbreitetes Konstrukt handelt, sind die Definition und Operationalisierung von Student Engagement umstritten. In ihrer Dissertation analysiert Frau McCullagh die theoretischen Unklarheiten, die zu der uneinheitlichen Operationalisierung des Konstrukts beitragen, und entwickelt Lösungsansätze. Aufbauend auf einer qualitativen Inhaltsanalyse englischsprachiger Selbstberichtskalen entwickelte sie anschließend ein deutschsprachiges Messinstrument. Im Rahmen einer konfirmatorischen Faktorenanalyse erzielte das a priori postulierte Messmodell gute Fit-Werte. Die Ergebnisse von Messinvarianz- und Item-Analysen sowie eine evaluative Inhaltsanalyse kognitiver Interviews bestätigen die Konstruktvalidität der Skala für die Verwendung mit Schüler:innen der Klassen 4 bis 6. Mit der Publikation der Dissertationsschrift wird die Skala für wissenschaftliche Zwecke frei verfügbar sein.
Die AG Berufsorientierung hat in Kooperation mit der InterVal GmbH zwei Forschungsprojekte zur Evaluation des bundesweiten Berufsorientierungsprogramms (BOP) erfolgreich eingeworben. Seit 2008 unterstützt das BOP Schüler*innen dabei, ihre Stärken zu erkennen, berufliche Perspektiven zu erkunden und ihre Berufswahlkompetenz weiterzuentwickeln. Das BOP ist Teil der Initiative Bildungsketten und wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert. Betreut wird das BOP durch die Servicestelle Berufliche Orientierung/Bildungsketten im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Forschungsaufträge werden in Kooperation zwischen der InterVal GmbH (Hauptauftragnehmerin) und der Universität Münster (Unterauftragnehmerin), vertreten durch Prof.in Dr. Katja Driesel-Lange, umgesetzt. Die AG Berufsorientierung bringt ihre Expertise bei der Instrumentenentwicklung und Datenanalyse ein. Die von September 2025 bis Dezember 2026 laufende Evaluation umfasst zwei Projekte: Der erste Forschungsauftrag untersucht die Umsetzung und Wirkung der Potenzialanalysen und Berufsorientierungstage nach den neuen Qualitätsstandards von 2024. Der zweite Forschungsauftrag befasst sich mit den landesspezifischen Varianten der Ausgestaltung des BOP und deren strukturellen Rahmenbedingungen. Um die Forschungsfragen zu beantworten, wird ein umfassendes Mixed-Methods-Design angelegt, das relevante Akteure wie Schüler*innen, Lehrkräfte, Bildungsstätten und Verantwortliche in der Verwaltung einbezieht. Das Ziel der Untersuchung besteht darin, Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung des Programms zu formulieren. Weitere Informationen zum Projekt finden sich hier.
In der Dokumentation „Die Entdeckung der Kindheit in der Kunst“ (Regie: Nicola Graef) hat Markus Kluge (AG Pädagogik der frühen Kindheit) als Interviewpartner mitgewirkt. Die Dokumentation zeigt anhand von Kinderporträts aus großen europäischen Museen, wie sich der Blick auf die Kinder vom 17. bis zum 20. Jahrhundert geändert hat. Sie begleitet die Ausstellung Kinder, Kinder! Zwischen Repräsentation und Wirklichkeit (28.11.2025-06.04.2026) im Bucerius Kunst Forum, Hamburg. Die Dokumentation wurde am 14.12.2025 bei ARTE ausgestrahlt und ist noch bis zum 13.03.2026 in der ARTE-Mediathek zu sehen.
Prof. em. Dr. Marianne Krüger-Potratz ist am 18. Januar 2026 im Alter von 82 Jahren in Berlin verstorben ist. 1984 wurde Marianne Krüger-Potratz als Professorin an die Universität Münster berufen. Hier lehrte und forschte sie bis 2009 im Feld der Interkulturellen und International Vergleichenden Erziehungswissenschaft. Seit 1986 leitete sie die Arbeitsstelle Interkulturelle Pädagogik und koordinierte den Zusatzstudiengang Deutsch als Zweitsprache/Interkulturelle Pädagogik. Von 2007-2010 leitete sie an der Universität Münster gemeinsam mit Prof. Dr. Siegfried Gehrmann das Internationale Zentrum für europäische Bildung. Marianne Krüger-Potratz war Mitgründerin der Kommission Interkulturelle Bildung in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Als eine der Ersten wirkte sie daran mit, dass die Bedeutung migrationsgesellschaftlicher Diversität für institutionelle Erziehungs- und Bildungsprozesse von der Erziehungswissenschaft erkannt und systematisch bearbeitet wurde. Gleichzeitig machte sie durch ihre historische Forschung zu Bildungs- und Schulpolitiken deutlich, dass die Thematisierung von Migration und Diversität in institutionellen Bildungskontexten eine lange Vergangenheit hat – trotz der kurzen Geschichte der Fachdisziplin der Interkulturen Pädagogik. Auch nach ihrer Versetzung in den Ruhestand blieb Marianne Krüger-Potratz ihren Forschungsthemen verbunden, etwa im Herausgeber*innengremium der Zeitschrift Die Deutsche Schule, durch die aktive Teilnahme an wissenschaftlichen Tagungen und im Rat für Migration. Marianne Krüger-Potratz hat sowohl Mitarbeiter*innen als auch Studierende geprägt und für ihre Themen begeistert. Mit ihrer direkten, freundlichen und humorvollen Art hat sie sich immer respektvoll und wertschätzend für ihre Studierenden eingesetzt. Das Institut für Erziehungswissenschaft und die Universität Münster werden Marianne Krüger-Potratz als engagierte und ausgesprochen warmherzige Hochschullehrerin in dankbarer Erinnerung behalten.
Die Beurteilung von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst ist Gegenstand der Dissertation von Christoph Kruse (AG Allgemeine Didaktik und Unterrichtsforschung), die nun in der Reihe „Rekonstruktive Bildungsforschung“ im Springer Verlag erschienen ist. Christoph Kruse nutzt in seiner Studie schriftliche Gutachten aus dem Referendariat als bislang unerforschtes Datenmaterial und fragt danach, wie und anhand welcher Kriterien Fach- und Schulleitungen den (Miss-)Erfolg von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst beurteilen. Eingebettet in den Kontext der Professionsforschung werden mittels (konstruktivistischer) Grounded Theory Methodologie Einsichten in die Beurteilungspraxis im Vorbereitungsdienst und den hier relevanten Erwartungen, Bewertungs- und Legitimierungsmustern generiert. In der Studie kann gezeigt werden, wie die Verwobenheit dieser Phänomene dazu dient, die Beurteilung kontingenter Situationen in eine eindeutige und justiziable Beurteilung von Personen zu transformieren. Als dabei erfolgsentscheidend werden Erwartungen an die Unterrichtsplanung, -interaktion und -nachbesprechung herausgearbeitet. Davon ausgehend können problembehaftete Aspekte der Beurteilung – wie etwa die „Lehrerpersönlichkeit“ oder die Vorstellung der Kontrollierbarkeit von Schüler*innenverhalten – als funktional für die Legitimierung der Bewertung von Referendar*innen erklärt werden. Somit werden „durch“ Gutachten forschungsbasierte Einblicke in den Vorbereitungsdienst eröffnet, die über die Beurteilungspraxis hinausgehen.
Kruse, Chr. (2026). Die Beurteilung von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst (Rekonstruktive Bildungsforschung, Bd. 53). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-50449-6
In einem kompetitiven Verfahren konnte die AG Berufspädagogik ein neues Drittmittelprojekt zum Thema Lernortkooperation in der Pflegeausbildung einwerben, das vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren finanziert wird. Aufgrund vieler offener Fragen zu diesem Thema startet das Projekt mit einem hypothesengenerierenden Ansatz. Es folgt eine bundesweite Erhebung, in der die entwickelten Hypothesen geprüft werden. Die Erkenntnisse münden in eine Online-Schulungsreihe sowie in Empfehlungen und Instrumente für die Praxis. In Abgrenzung zu bisherigen Ansätzen im Zuge der Lernortkooperation liegt ein Schwerpunkt auf dem Einsatz hybrider Räume und den damit verbundenen Boundary Objects. Die Wissensbestände der unterschiedlichen Lernorte sollten relationierend in hybriden Räumen zusammengebracht werden, um so ein zielgerichtetes Boundary Crossing zu ermöglichen. Hierin liegt genuin das Potenzial einer innovativen Lernortkooperation.
| Aus der AG Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik
In den letzten drei Jahrzehnten hat sich inklusive Bildung zu einem globalen Paradigma entwickelt, das in den Richtlinien internationaler Organisationen verankert ist und sich in wichtigen Vereinbarungen wie der Salamanca-Erklärung, der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) oder den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) widerspiegelt. Obwohl inklusive Bildung darauf abzielt, Diskriminierung und Marginalisierung zu bekämpfen und die Teilhabe aller zu fördern, stößt sie auf zunehmenden politischen Widerstand und wird in verschiedenen kulturellen und nationalen Kontexten unterschiedlich interpretiert. Diese Vielfalt an Interpretationen hat inklusive Bildung zu einem unscharfen Konzept gemacht, was die international vergleichende Bildungsforschung vor erhebliche Herausforderungen stellt. Die Sonderausgabe im European Journal for Inclusive Education fokussiert einige dieser Herausforderungen, indem sich die Beiträge auf unterschiedliche Weise mit der Frage auseinandersetzen, wie solche Forschungen angemessen durchgeführt werden können. Das Heft ist im Rahmen des DFG-Netzwerks „Inklusive Bildung im internationalen Vergleich" entstanden und wurde von Raphael Zahnd, Julia Gasterstädt (AG Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik), Andreas Köpfer und Lea Schäfer herausgegeben.