2026

| Institut für Erziehungswissenschaft
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Das IfE trauert um Marianne Krüger-Potratz

Prof. em. Dr. Marianne Krüger-Potratz ist am 18. Januar 2026 im Alter von 82 Jahren in Berlin verstorben ist. 1984 wurde Marianne Krüger-Potratz als Professorin an die Universität Münster berufen. Hier lehrte und forschte sie bis 2009 im Feld der Interkulturellen und International Vergleichenden Erziehungswissenschaft. Seit 1986 leitete sie die Arbeitsstelle Interkulturelle Pädagogik und koordinierte den Zusatzstudiengang Deutsch als Zweitsprache/Interkulturelle Pädagogik. Von 2007-2010 leitete sie an der Universität Münster gemeinsam mit Prof. Dr. Siegfried Gehrmann das Internationale Zentrum für europäische Bildung. Marianne Krüger-Potratz war Mitgründerin der Kommission Interkulturelle Bildung in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Als eine der Ersten wirkte sie daran mit, dass die Bedeutung migrationsgesellschaftlicher Diversität für institutionelle Erziehungs- und Bildungsprozesse von der Erziehungswissenschaft erkannt und systematisch bearbeitet wurde. Gleichzeitig machte sie durch ihre historische Forschung zu Bildungs- und Schulpolitiken deutlich, dass die Thematisierung von Migration und Diversität in institutionellen Bildungskontexten eine lange Vergangenheit hat – trotz der kurzen Geschichte der Fachdisziplin der Interkulturen Pädagogik. Auch nach ihrer Versetzung in den Ruhestand blieb Marianne Krüger-Potratz ihren Forschungsthemen verbunden, etwa im Herausgeber*innengremium der Zeitschrift Die Deutsche Schule, durch die aktive Teilnahme an wissenschaftlichen Tagungen und im Rat für Migration. Marianne Krüger-Potratz hat sowohl Mitarbeiter*innen als auch Studierende geprägt und für ihre Themen begeistert. Mit ihrer direkten, freundlichen und humorvollen Art hat sie sich immer respektvoll und wertschätzend für ihre Studierenden eingesetzt. Das Institut für Erziehungswissenschaft und die Universität Münster werden Marianne Krüger-Potratz als engagierte und ausgesprochen warmherzige Hochschullehrerin in dankbarer Erinnerung behalten.

| AG Allgemeine Didaktik und Unterrichtsforschung
© Springer VS

Die Beurteilung von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst

Die Beurteilung von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst ist Gegenstand der Dissertation von Christoph Kruse (AG Allgemeine Didaktik und Unterrichtsforschung), die nun in der Reihe „Rekonstruktive Bildungsforschung“ im Springer Verlag erschienen ist. Christoph Kruse nutzt in seiner Studie schriftliche Gutachten aus dem Referendariat als bislang unerforschtes Datenmaterial und fragt danach, wie und anhand welcher Kriterien Fach- und Schulleitungen den (Miss-)Erfolg von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst beurteilen. Eingebettet in den Kontext der Professionsforschung werden mittels (konstruktivistischer) Grounded Theory Methodologie Einsichten in die Beurteilungspraxis im Vorbereitungsdienst und den hier relevanten Erwartungen, Bewertungs- und Legitimierungsmustern generiert. In der Studie kann gezeigt werden, wie die Verwobenheit dieser Phänomene dazu dient, die Beurteilung kontingenter Situationen in eine eindeutige und justiziable Beurteilung von Personen zu transformieren. Als dabei erfolgsentscheidend werden Erwartungen an die Unterrichtsplanung, -interaktion und -nachbesprechung herausgearbeitet. Davon ausgehend können problembehaftete Aspekte der Beurteilung – wie etwa die „Lehrerpersönlichkeit“ oder die Vorstellung der Kontrollierbarkeit von Schüler*innenverhalten – als funktional für die Legitimierung der Bewertung von Referendar*innen erklärt werden. Somit werden „durch“ Gutachten forschungsbasierte Einblicke in den Vorbereitungsdienst eröffnet, die über die Beurteilungspraxis hinausgehen.

Kruse, Chr. (2026). Die Beurteilung von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst (Rekonstruktive Bildungsforschung, Bd. 53). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-50449-6
 

| Aus der AG Berufspädagogik
© BIBB

Analyse und Weiterentwicklung der Lernortkooperation in der Pflegeausbildung (LeKoP)

In einem kompetitiven Verfahren konnte die AG Berufspädagogik ein neues Drittmittelprojekt zum Thema Lernortkooperation in der Pflegeausbildung einwerben, das vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren finanziert wird. Aufgrund vieler offener Fragen zu diesem Thema startet das Projekt mit einem hypothesengenerierenden Ansatz. Es folgt eine bundesweite Erhebung, in der die entwickelten Hypothesen geprüft werden. Die Erkenntnisse münden in eine Online-Schulungsreihe sowie in Empfehlungen und Instrumente für die Praxis. In Abgrenzung zu bisherigen Ansätzen im Zuge der Lernortkooperation liegt ein Schwerpunkt auf dem Einsatz hybrider Räume und den damit verbundenen Boundary Objects. Die Wissensbestände der unterschiedlichen Lernorte sollten relationierend in hybriden Räumen zusammengebracht werden, um so ein zielgerichtetes Boundary Crossing zu ermöglichen. Hierin liegt genuin das Potenzial einer innovativen Lernortkooperation.

| Aus der AG Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik
© EJIE

Inclusive Education is not Dead, it just Articulates Differently

In den letzten drei Jahrzehnten hat sich inklusive Bildung zu einem globalen Paradigma entwickelt, das in den Richtlinien internationaler Organisationen verankert ist und sich in wichtigen Vereinbarungen wie der Salamanca-Erklärung, der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) oder den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) widerspiegelt. Obwohl inklusive Bildung darauf abzielt, Diskriminierung und Marginalisierung zu bekämpfen und die Teilhabe aller zu fördern, stößt sie auf zunehmenden politischen Widerstand und wird in verschiedenen kulturellen und nationalen Kontexten unterschiedlich interpretiert. Diese Vielfalt an Interpretationen hat inklusive Bildung zu einem unscharfen Konzept gemacht, was die international vergleichende Bildungsforschung vor erhebliche Herausforderungen stellt. Die Sonderausgabe im European Journal for Inclusive Education fokussiert einige dieser Herausforderungen, indem sich die Beiträge auf unterschiedliche Weise mit der Frage auseinandersetzen, wie solche Forschungen angemessen durchgeführt werden können. Das Heft ist im Rahmen des DFG-Netzwerks „Inklusive Bildung im internationalen Vergleich" entstanden und wurde von Raphael Zahnd, Julia Gasterstädt (AG Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik), Andreas Köpfer und Lea Schäfer herausgegeben. 

European Journal for Inclusive Education, Vol. 4, No. 3 (2025): Inclusive Education is not Dead, it just Articulates Differently. Approaches and Pitfalls to the International Comparison