Herzlich Willkommen auf den Seiten der AG Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik!

Die AG beschäftigt sich mit Themen im Bereich inklusiver Bildung und Sonderpädagogik und verbindet eine Breite konkreter empirischer Fragestellungen mit grundlegenden erziehungswissenschaftlichen Perspektiven im Zusammenhang von Inklusion und Exklusion im Bildungssystem.

Die Entwicklung inklusiver Bildung stellt eine der großen Herausforderungen für Schulsysteme, Einzelschulen, Professionen und Disziplinen dar. Dabei kann inklusive Bildung als ein internationales Paradigma verstanden werden (vgl. SDG 4, UN-BRK), mit dem der Anspruch verbunden ist, die weitreichende Teilhabe an Bildung zu ermöglichen und Diskriminierung zu vermeiden. Dieser Anspruch muss letztlich in konkrete Praxis im alltäglichen (pädagogischen) Handeln umgesetzt werden. In der Arbeitsgruppe interessiert uns daher, wie in einem dialektischen Verhältnis zwischen globaler Norm und lokaler Praxis inklusive Strukturen im Bildungsbereich entwickelt und dabei qualitativ hochwertige Bildungsangebote für alle Schüler:innen sichergestellt werden können. Übergreifend stellt sich so die Frage, wie in diesem dialektischen Verhältnis Transformationsprozesse im Schulsystem prozessiert werden. Einen besonderen Schwerpunkt setzten wir dabei auf die Weiterentwicklung der Sonderpädagogik und ihrer Unterstützungssysteme. [JG1]  

Dazu schließen wir in der Forschung an einen vor allem qualitativen Zugang innerhalb der Bildungs- und Erziehungswissenschaften an, der inklusive Bildung aus der Perspektive einer Beobachtung zweiter Ordnung bearbeitet und so darauf zielt, Reflexionswissen für und in Zusammenarbeit mit der Praxis bereitzustellen. Dabei gehen wir davon aus, dass im Mehrebenensystem des Bildungswesens unterschiedliche Möglichkeitsräume entstehen, in denen Akteure in alltäglichen Interaktionen eine spezifische schulische Ordnung und darin eingelagerte Mechanismen der In- und Exklusion immer wieder hervorbringen und diese dabei sowohl stabilisieren als auch verändern.

Aktuelle Forschungsprojekte finden Sie im Reiter Forschung.

In der Lehre sind wir insbesondere im Studiengang Lehramt sonderpädagogische Förderung sowie bei der Begleitung von Praxisphasen aktiv und erarbeiten mit den Studierenden Themen wie zum Beispiel:

  • zentrale Begriffe und deren praktische Relevanz (z.B. Lernen, Bildung, Förderung, Behinderung, Teilhabe, Partizipation, ...),
  • historische Grundlagen der Entwicklung der Sonderpädagogik und deren Implikationen für heutige Praxis,
  • Zugänge zu (sonder-)pädagogischer Professionalität in inklusiven Settings,
  • Fragen von Differenz, Heterogenität und Diversität,
  • Aspekte inklusiver Schul- und Unterrichtsentwicklung (z.B. Zusammenarbeit zwischen Professionellen),
  • Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten,
  • Pädagogisches Handeln im Kontext der Verfahren zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf,
  • ...

Dabei verfolgen wir neben der Vermittlung konkreter Inhalte in der Lehre den Ansatz, Studierenden über die Verknüpfung theoretischer Grundlagen mit empirischen Fällen und aktueller Forschung ein Verständnis für wissenschaftliches Denken und dessen Relevanz für eine professionalisierte Praxis zu ermöglichen.

Unsere Themenschwerpunkte interessieren Sie und Ihre Bachelor- oder Masterarbeit steht an? Wir freuen uns über Anfragen für Qualifikationsarbeiten im Bereich inklusiver Bildung und Sonderpädagogik und betreuen besonders gerne Projekte, die auf Grundlage von Interviewdaten oder Beobachtungsprotokollen aus der Praxis Bildungspraktiken und Perspektiven verschiedener Akteure rekonstruieren und diese in Zusammenhang mit zentralen Konzepten/Begriffen aus dem Bereich der Inklusion setzen.

Aktuelles

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Inclusive Education is not Dead, it just Articulates Differently

In den letzten drei Jahrzehnten hat sich inklusive Bildung zu einem globalen Paradigma entwickelt, das in den Richtlinien internationaler Organisationen verankert ist und sich in wichtigen Vereinbarungen wie der Salamanca-Erklärung, der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) oder den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) widerspiegelt. Obwohl inklusive Bildung darauf abzielt, Diskriminierung und Marginalisierung zu bekämpfen und die Teilhabe aller zu fördern, stößt sie auf zunehmenden politischen Widerstand und wird in verschiedenen kulturellen und nationalen Kontexten unterschiedlich interpretiert. Diese Vielfalt an Interpretationen hat inklusive Bildung zu einem unscharfen Konzept gemacht, was die international vergleichende Bildungsforschung vor erhebliche Herausforderungen stellt. Die Sonderausgabe im European Journal for Inclusive Education fokussiert einige dieser Herausforderungen, indem sich die Beiträge auf unterschiedliche Weise mit der Frage auseinandersetzen, wie solche Forschungen angemessen durchgeführt werden können. Das Heft ist im Rahmen des DFG-Netzwerks „Inklusive Bildung im internationalen Vergleich" entstanden und wurde von Raphael Zahnd, Julia Gasterstädt (AG Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik), Andreas Köpfer und Lea Schäfer herausgegeben. 

European Journal for Inclusive Education, Vol. 4, No. 3 (2025): Inclusive Education is not Dead, it just Articulates Differently. Approaches and Pitfalls to the International Comparison

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Situationsanalyse in der Erziehungswissenschaft

Der von Julia Gasterstädt, Jana Helbig und Michael Urban herausgegebene Band rückt die u.a. von Adele Clarke entwickelte Situationsanalyse in den Mittelpunkt. Die SitA stellt eine der innovativen Weiterentwicklungen der Grounded Theory Methodologie dar. Sie richtet den Fokus auf die Komplexität von Situationen und eröffnet damit einen methodologischen Zugang zur Situiertheit pädagogischen Handelns in komplexen Möglichkeitsräumen. Die Beiträge des Bandes elaborieren die Breite der Verwendung der SitA in erziehungswissenschaftlichen Feldern und diskutieren zugleich daraus abgeleitete theoretische und methodologische Erweiterungen. Neben Weiterentwicklungen der Bezugnahme auf die Theorie sozialer Welten und Arenen und auf Positionierungen als Forschungs- und Reflexionsansatz bearbeitet der Band zugleich auch Schnittstellen zur Kindheitsforschung, Migrationsforschung und Inklusionsforschung. Damit dokumentiert der Band erstmals die erstaunliche Vielfalt, in der aktuell die Produktivität der SitA in der Erziehungswissenschaft als neue Konzeptionalisierung des Forschungsstils der Grounded Theory Methodologie deutlich wird. Er leistet damit einen Beitrag zur Methodenentwicklung in der qualitativen erziehungswissenschaftlichen Forschung.

Gasterstädt, J., Helbig, J. & Urban, M. (2025). Situationsanalyse in der Erziehungswissenschaft. Grenzobjekte, Positionierungen, Perspektivierungen. transcript.