© Privat

Laura M. Reiling, M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin 

Westfälische Wilhelms-Universität
Germanistisches Institut
Abteilung Neuere deutsche Literatur
Stein-Haus, Schlossplatz 34
48143 Münster

Dienstzimmer: SH 230
E-Mail: l_reil02@uni-muenster.de

Biographisches

Sprechstunde im Wintersemester 2019/2020:

Vorlesungszeit: montags, 10-11h, bitte melden Sie sich per Mail an

vorlesungsfreie Zeit: Termin nach Vereinbarung

Lehrveranstaltungen:

Sommersemester 2019

Grundlagenmodul: Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft (096240), Mo 10-12h

Wintersemester 2019/2020

Grundlagenmodul: Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft (098287), Fr 8-10h

Aufbaumodul: Zeit in der Literarischen Moderne (098313), Do 14-18h (Seminar + Übung)

Vertiefungsmodul: Habitat Campus: Gelehrtensatire und Universitätsroman (098199), Fr 12-14h

Master Kompetenzmodul: Landschaft im Blick: Nature Writing seit Rousseau (98318 + 098322), Mo 8-10h + 18-20h


Zu allen Seminaren erhalten Sie ab der ersten Vorlesungswoche einen Reader in Frank's Copyshop in der Frauenstraße.

Obszönität – Jenseits des (guten) Geschmacks. Kultur- und gesellschaftswissenschaftliche Betrachtungen eines notorisch unscharfen Begriffes

Nachwuchskonferenz, Münster, 27. Juli 2019 bis 28. Juli 2019
Tagungsplakat
Tagungsplakat
© Reiling/Arasteh-Roodsary/Klingel/Uelsmann

Als obszön gilt, was Anstoß erregt. Rezeptionsästhetisch ist Obszönität auf diese Weise umschrieben. Eine inhaltlich perspektivierte Definition zu treffen, fällt hingegen deutlich schwerer. Damit ist ein grundlegendes Problem des Begriffes benannt: Obszönität lässt sich ausschließlich ex negativo beschreiben, weil sie eine Provokation bezeichnet, also nur auf der Folie nichteingehaltener Normen erkannt und benannt werden kann. Als Phänomen ist Obszönität omnipräsent und transgressiv. Sie kommt nicht nur in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen vor – wo etwas als obszön beurteilt wird, vermischen sich Kategorien des Geschmacks, der Ethik und Ästhetik. Ursache für die Ubiquität und das Grenzüberschreitende des Obszönen scheint zum einen der Umstand zu sein, dass es sich hierbei um eine Provokation dezidiert geschmacklicher Natur handelt, die aber für moralische und ethische Bewertungen adaptabel ist. Die Beurteilung von etwas als „obszön“ ergibt sich demnach nicht logisch, sondern basiert auf subjektiver individueller respektive kollektiver Wahrnehmung. So stellen sich Fragen nach der Funktion, der Beschaffenheit und den Konsequenzen von Obszönität. Sie sollen während der Diskussion unter vier unterschiedlich perspektivierte Aspekte gefasst werden, die die übergeordneten Programmpunkte der Tagung bilden:

1) Historische Kontexte und Diskurse von Obszönität und deren künstlerische Ausformung

Um die Variationsbreite und Differenzen von Obszönität in sozialen, politischen und kulturellen Diskursen herauszuarbeiten, soll Obszönität interdisziplinär als rezeptionsästhetischen Mechanismus sowohl über eine diskursive wie auch über eine historische Perspektive in den Blick genommen werden. Dabei soll es auch darum gehen, die literarische bzw. künstlerische Varianz des Obszönen im Spiegel seiner kulturellen Kontexte in den Blick zu nehmen.

2) Ökonomie der Obszönität

Das Prädikat der Obszönität ist ein marketingstrategisches Ausrufezeichen, das geschmackliche Extravaganz beschwört.1 Insofern versteht sich eine „Ökonomie der Obszönität“ als Strategie der Aufmerksamkeitsregulation. Zu fragen ist, unter welchen Bedingungen und in welchen Zusammenhängen diese Inszenierungsstrategie von Erfolg geprägt ist, wann sie scheitert und warum.

3) Dynamik der Obszönität

Unter diesem Punkt sollen Beiträge versammelt werden, die sich damit beschäftigen, inwiefern ein einzelner als obszön wahrgenommener Akt in Diskussionen und Diskursen gleichsam eine Art ‚obszönes Register‘ aufruft, also gewissermaßen als Impuls für eine „Dynamik der Verrohung“ fungiert. So ließe erstens sich nach spezifischen Markern und Distinktiva von Diskussionsbeiträgen und Diskurszeugnissen suchen, die als obszön gelten. Gleichermaßen muss bestimmt werden, anhand welcher Parameter das Prädikat der Obszönität in welchen Kontexten vergeben wird. Daraus hervorgehend ließe sich in einem zweiten Schritt rekonstruieren, inwiefern die Rezeption von Obszönität selbst wieder Obszönität hervorbringt. Das beinhaltet ebenfalls die Frage danach, ob es sich dabei um Prozesse der Verstärkung, Umlenkung oder Abschwächung handelt und wie diese differenziert und klassifiziert werden können.

4) Strategien und Methoden der Obszönität

Neben seiner Existenz als Geschmacksurteil ist Obszönität vor allem eine Inszenierungsstrategie. Unter diesem Aspekt, anknüpfend an den Themenkomplex 1), soll hauptsächlich untersucht werden, wie Obszönität in verschiedenen Medien und Kontexten inszeniert wird. Leitende Fragestellung ist, ob es über verschiedene Themen, Medien und Diskurse hinweg identifizierbare Strategien gibt, Obszönität zu inszenieren.

Über die Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen hinweg soll dem diffusen Phänomen der Obszönität so mehr Konturschärfe abgewonnen werden. 

Programm der Tagung