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Habilitationsschrift: Germanistiken. Zum Verhältnis von Literatur- und Rechtswissenschaft 1630-1900

Seit der Frühen Neuzeit gibt es ein wachsendes akademisches Interesse an deutschen literarischen Texten und Rechtsquellen. Durch die Forschung zu deutschen Rechtstexten bildet sich um 1750 das juristische Fach Germanistik. Rund 100 Jahre später differenziert sich die gleichnamige Nationalphilologie aus. Dass in Literatur- und Rechtswissenschaft das Fach Germanistik entsteht, ist Folge eines bislang kaum beachteten Zusammenspiels von philologischer und juristischer Gelehrsamkeit. Ihm geht die Studie nach. Sie schließt an die Fachgeschichte von Germanistik und Rechtswissenschaft sowie an die gegenwärtige Law and Literature-Bewegung an, geht aber über deren Zielsetzungen hinaus, da sie in vergleichender Perspektive Sciences of Law and Literature evaluiert. 
Als Wissenschaft vom einheimischen Recht gibt die juristische Germanistik der philologischen Germanistik theoretische, methodische und praktische Impulse, während die Jurisprudenz umgekehrt Impulse aus der Philologie erhält: Es konnte belegt werden, dass Philologen und Juristen von 1630 bis 1900 gemeinsame oder ähnliche Forschungsstrategien und Heuristiken hatten.  [weiterlesen]

Keywords:

  • Sciences of Law and Literature
  • Kultursoziologie
  • Literatur- und Rechtshistorik
  • Konservativismus
  • Wissenschaftsgeschichte vom 17. bis zum 19. Jahrhundert
  • Legitimationsstrategien von Wissenschaft

Tagung:


Dissertation: Crash. Der Unfall der Moderne

Mit der Evaluation des Unfalls im 19. und 20. Jahrhundert verleiht diese Arbeit einer paradigmatischen Gewalterfahrung der Moderne Kontur. Sie weist nach, dass die juristische, versicherungsmathematische und medizinische Praxis der Behandlung von Unfällen, die um 1850 zu entstehen beginnt, den Bezugspunkt der literarischen Unfallgestaltung bildet. Während die wissenschaftliche Beschreibung den Unfall auf Begriffe der Kalkulation, der Prognostik und des Traumas festlegt, setzt die literarische Beschreibung gegen diese Strategien der Rationalisierung den regellosen Charakter des Ereignisses. Als Symbol des Umsturzes und des Einschnitts wird der Unfall zum Signum der experimentellen Literatursprache der Moderne.   

Keywords:

  • Literatursoziologie
  • Technikgeschichte und Literatur
  • Klassische Moderne
  • Medientheorie
  • Romantheorie (in Bezug auf Konzepte der klassischen Wahrscheinlichkeit und statistischen Erwartbarkeit)


Die Dissertation ist unter dem Titel „Crash. Der Unfall der Moderne“ in der Reihe „Münstersche Arbeiten zur Internationalen Literatur“ des Bielefelder Aisthesis Verlags erschienen.