Forschung

Die Liste der Forschungsprojekte der im GKM vernetzten Wissenschaftler/innen ist lang und vielfältig: Es ist eine Vielzahl von drittmittelgeförderten Forschungsvorhaben zu nennen, die zum Teil individuell, zum Teil in Arbeitsgruppen und teilweise auch in enger Kooperation mit in- und ausländischen Universitäts- und Forschungsinstitutionen durchgeführt werden. Darunter sind DFG-Langzeitprojekte und eine Leibniz-Preis-Forschungsstelle. Einen Eindruck von den Forschungstätigkeiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen Sie hier:

Übersicht der Forschungsprojekte am GKM

In dem an der WWU Münster angesiedelten Exzellenzcluster „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“ sind viele Forscherinnen und Forscher engagiert, die schon seit Jahren im GKM zusammenarbeiten. Das GKM bildet als "Centrum für Kultur und Religion des Altertums" die Grundlage der Forschung im Bereich der Antike im Exzellenzcluster und ist mit einem Sitz im Vorstand vertreten.

Was der älteste Friedensvertrag uns lehrt

Aeltester Friedensvertrag
© Staatliche Museen Berlin, Abteilung für Vorderasiatische Archäologie, Foto: Oliver Meßmer

Der älteste erhaltene Friedensvertrag der Welt widerlegt Archäologen des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ und des Archäologischen Museum der Uni Münster zufolge die verbreitete Vorstellung, die Antike habe Frieden nicht durch Verhandlungen, sondern stets durch Demütigung der Verlierer herbeigeführt.
Das Museum präsentiert ab 28. April im Ausstellungsprojekt „Frieden. Von der Antike bis heute“ eine Kopie des ältesten Vertrags aus dem Berliner Pergamonmuseum (siehe nebenstehende Abbildung).

Pressemitteilung des Exzellenzclusters "Religion und Politik" vom 23. April 2018

Archäologisches Museum der Universität Münster

Professor Achim Lichtenberger überführt antike Töpfer

Fingerabdrücke auf spätrömischer Keramik untersucht
T _pfer
© Kimberlee Moran

Fingerspuren auf Öllampen und Terrakotten zeigten Forschern nun erstmals, wie Töpfer in einer spätantiken Keramikwerkstatt vor rund 1700 Jahren gearbeitet haben. Prof. Dr. Achim Lichtenberger, Leiter des Instituts für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie der WWU, untersuchte Fingerabdrücke auf der Innenseite von tönernen Werkstoffabfällen in Beit Nattif im heutigen Israel. Der Archäologe kooperierte dabei mit der US-amerikanischen forensischen Anthropologin Prof. Kimberlee S. Moran von der Rutgers University-Camden.
Die Töpfer pressten für die Fertigung der keramischen Produkte Ton in Formen, wobei immer wieder plastische Fingerabdrücke im Ton erhalten blieben. Achim Lichtenberger und seine Kollegin erkannten identische Abdrücke auf unterschiedlichen Objekten und fanden so heraus, dass eine Person sowohl Öllampen als auch figürliche Terrakottastatuetten fertigte – bisher ließ sich das in dieser Eindeutigkeit nicht nachweisen.
Die beiden Wissenschaftler widmeten sich rund 700 Objekten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in zwei Zisternen gefunden worden waren. Das Material stammte aus einer Werkstatt, die vermutlich um 300 nach Christus in Betrieb war. Das Besondere an der Studie war zum einen die einzigartige Chance, Gegenstände zu untersuchen, die in einem engen Zeitraum von einer überschaubaren Zahl von Arbeitern gefertigt wurden. Zum anderen ermöglichte die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Archäologie und Forensik eine umfangreiche Untersuchung. Während Achim Lichtenberger die Fragmente klassifizierte und interpretierte, analysierte und fotografierte seine Kollegin aus der Forensik die Objekte mit Streiflicht und bestimmte das charakteristische Profil der Fingerabdrücke, die während des Brennens auf der Tonoberfläche konserviert worden waren.
In einer zweiten Untersuchungsstufe soll ab Frühjahr eine Spezial-Software zum Einsatz kommen, um die Fingerspuren zusätzlich EDV-gestützt zu analysieren.

Links zu dieser Meldung:
Publikation der Studie in "Antiquity"
Homepage von Prof. Dr. Achim Lichtenberger
Homepage von Dr. Kimberlee Moran

Mehr als 1.000 antike Siegelabdrücke entdeckt

Altertumswissenschaftler der WWU machen großen Fund an Siegelabdrücken in der Südosttürkei
Siegelabdr _cke
© WWU_Forschungsstelle Asia Minor

Altertumswissenschaftler der Universität Münster haben in der Südosttürkei einen großen Fund an Siegelabdrücken gemacht. „Die einzigartige Artefaktgruppe aus mehr als 1.000 Stücken, die aus dem städtischen Archiv der antiken Stadt Doliche stammen, gibt viele Einblicke in die griechisch-römische Götterwelt – von Zeus über Hera bis zu Iuppiter Dolichenus, der von diesem Ort aus zu einem der wichtigsten römischen Gottheiten wurde“, erläutert Grabungsleiter Prof. Dr. Engelbert Winter von der Forschungsstelle Asia Minor zum Ende der Grabungssaison. „Dass die Verwaltung hunderte Dokumente mit den Götterbildern besiegelte, zeigt, wie stark die religiösen Vorstellungen den Alltag prägten. Der Kult um Iuppiter Dolichenus fand nicht nur im nahe gelegenen Zentralheiligtum statt, sondern prägte auch das Stadtleben“, so Prof Winter. „Deutlich wird außerdem, wie stark Iuppiter Dolichenus, der ursprünglich an diesem Ort verehrt wurde, im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus mit dem ganzen römischen Reich verbunden war: Viele der Bilder zeigen den Gott im Handschlag mit verschiedenen römischen Kaisern.“

Pressemitteilung des Exzellenzclusters "Religion und Politik" vom 07.12.2017

Forschungsstelle Asia Minor - Projekt Doliche

Hochrangige EU-Förderung

Professor Alfons Fürst wirbt mit Partnern ein europäisches Doktorandennetzwerk ein

Gemeinsam mit Partnern aus Halle, Aarhus, Kent, Mailand und Prag hat Alfons Fürst (Alte Kirchengeschichte) den Zuschlag für ein EU-gefördertes Doktorandennetzwerk erhalten, in dem die Entstehung der Konzepte von Menschenwürde und freiem Willen in der christlichen Tradition erforscht werden soll. Die Förderung — rund 3,6 Millionen Euro für vier Jahre — kommt aus dem Marie Skłodowska Curie-Programm der Europäischen Kommission im Rahmen von HORIZON 2020. Die Universität Münster erhält davon 20 Prozent des Volumens.
Weitere Informationen zum Projekt und die aktuellen Stellenausschreibungen finden Sie hier.


DFG Langzeitprojekt "Corpus Musicae Ottomanicae" gestartet

Kritische Editionen vorderorientalischer Musikhandschriften

Das von Prof. Dr. Ralf Martin Jäger (Musikwissenschaft) erfolgreich bei der DFG eingeworbene Projekt "Corpus Musicae Ottomanicae" (CMO) startet am 30. Oktober 2015 mit einem Festakt im Schloss.  In dem auf zwölf Jahre angelegten Vorhaben kooperiert der Experte für Ethnomusikologie mit dem Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der Universität Münster (Prof. Thomas Bauer) sowie dem Orient-Institut. Die Musikhandschriften aus Zeiten des Osmanischen Reiches sind für die Musikforschung wie auch für die Orientalistik von erstrangiger Bedeutung. Die Edition des CMO wird von "perspectiva.net", der Redaktion der Max-Weber-Stiftung, veröffentlicht.

Judaistik und Byzantinistik am SFB 1150 "Kulturen des Entscheidens" beteiligt

Logosfb1150

Der Sonderforschungsbereich 1150 „Kulturen des Entscheidens“, der zum 01. Juli 2015 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der WWU Münster eingerichtet wurde, untersucht die soziale Praxis und die kulturellen Grundlagen des Entscheidens in historisch vergleichender und interdisziplinärer Perspektive vom Mittelalter bis zur Gegenwart. "Entscheiden" wird dabei voraussetzungsvolle und historisch veränderliche Form des sozialen Handelns thematisiert. Prof. Dr. Regina Grundmann (Judaistik) und Prof. Dr. Michael Grünbart (Byzantinistik) sind mit zwei Projekten daran beteiligt: 
Teilprojekt C 01:
  Mittelalterliche rabbinische Responsa als Praxis des religiösen Entscheidens
Teilprojekt C 02:
Die Rolle des Übernatürlichen in Prozessen des herrschaftlichen Entscheidens in Byzanz 

Projekt "Doliche" mit 600.000 Euro weiter gefördert

Forschungsstelle Asia Minor untersucht Stadtentwicklung im hellenistisch-römischen Syrien
Doliche Logo

Das DFG-Projekt „Doliche — Stadtentwicklung und kulturelles Milieu im hellenistisch-römischen Nordsyrien“ wird mit gut 600.000 Euro für weitere drei Jahre gefördert. Doliche war in Antike und Mittelalter ein regionales urbanes Zentrum Nordsyriens, das als Ursprungort des Iuppiter Dolichenus-Kultes auch in überregionale Kontexte eingebunden war. In mehreren Grabungskampagnen soll ein administratives Archiv der Stadt freigelegt werden, das durch Oberflaechenfunde und eine Testgrabung bereits lokalisiert werden konnte. Die Moeglichkeit, ein solches Archiv archaeologisch untersuchen zu koennen, ist von hohem wissenschaftlichem Wert und auch überregional relevant, da gruendlich untersuchte Archivbefunde weitgehend fehlen.Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden Bedeutung für das Verständnis städtischer Kultur in der gesamten Region haben. Die Gesamteitung des Projekts liegt bei Prof. Dr. Engelbert Winter (Forschungsstelle Asia Minor).