Ausgrabungen des Peshdar Plain Projekts
in der Autonomen Region Kurdistan des Nordirak


Blick auf den Westhang des Qalat-i Dinka mit den drei Grabungsstellen der Frühjahrskampagne 2018 (QiD-1, QiD-2 und QiD-3). Im Hintergrund schließt in der Ebene die Unterstadt mit dem Fundort Gird-i Bazar an. Dronenfoto von Andrea Squitieri, aufgenommen mit einer DJI Phantom 4Pro.
© Andrea Squitieri

Seit 2015 untersucht ein internationales und interdisziplinäres Team unter der Projektleitung von Prof. Dr. Karen Radner (LMU München) und der Grabungsleitung von Prof. Dr. Florian Janoscha Kreppner (ehemals LMU-München, seit 10/2018 WWU-Münster) in der Peshdar-Ebene des Zagosgebirges am Oberlauf des Unteren Zab in der Autonomen Region Kurdistan des Nordirak nahe der Kreisstadt Qaladze an der Grenze zum Iran einen großflächigen Siedlungsbefund. Die wegen moderner Bautätigkeit und landwirtschaftlicher Aktivität als Rettungsgrabungen begonnenen Ausgrabungen und geophysikalischen Prospektionen haben dort eine ca. 60 ha große Siedlung zutage gebracht, für die uns 14C-Datierungen und ein Tontafelfragment eine Siedlungsentwicklung vom 11. bis in das 8./7. Jh. v. Chr. von einem kleinen früheisenzeitlichen Dorf zu einer urbanisierten Siedlung mit tiefgreifenden Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung der Ebene verfolgen lassen. Ziel ist es, in der aufgrund der Golfkriege in den vergangenen Jahrzehnten kaum untersuchten Region des Nordirak an der Schnittstelle von mesopotamischer zu iranischer Kulturentwicklung die Ostgrenze des assyrischen Großreiches zu erforschen und dabei Globalisierungsphänomene gegenüber der Beibehaltung lokaler Kulturtraditionen genauer zu analysieren. Dazu haben wir ein digitales Dokumentationssystem entwickelt, mit dem es möglich ist, „Archäologie in real time“ zu betreiben, d.h. die Grabungsergebnisse eines Jahres umfassend im Folgejahr in einer Monographie zu publizieren. Informationen zum Projekt und den Publikationen finden sie auf der Projektwebseite des Peshdar Plain Project (PDFs der Peshdar Plain Project Publications Vol. 1-5 können dort kostenfrei heruntergeladen werden):

https://www.en.ag.geschichte.uni-muenchen.de/research/peshdar-plain-project/index.htm

Lebenswelten des frühen 1. Jt. v. C. im westlichen Zagrosrandgebirge am Unteren Zab vor und nach der assyrischen Annexion: Das zivile Zentrum des Dinka Siedlungskomplexes in der Peshdar-Ebene

Ausgrabung im Dinka Siedlungskomplex 2021. Im Hintergrund Qalat-i Dinka von Ost
© Jens Rohde, Peshdar Plain Projekt

Die Magnetometer-Prospektionen in einem prominenten Teil der Siedlung und die Ergebnisse einer 2017 durchgeführten Testgrabung zeigten die Überreste von drei bedeutenden Gebäuden (K: 280 m2, L: 800 m2, M: 650 m2) mit Lagereinrichtungen, die wesentlich größer und einen völlig anderen Charakter haben als die Häuser in Gird-i Bazar oder die sonst in der Unterstadt bekannten Strukturen, weshalb es sich vermutlich um das zivile Zentrum handelt. Die Gebäude K, L und M sind ohne Schäden durch später angelegte Gräber, moderne Bau- oder Raubgräbertätigkeit unter den modernen Feldern leicht zugänglich, laufen aber Gefahr durch Pflügen zerstört zu werden, da die Ruinen stellenweise nur 20-25 cm unter der Oberfläche liegen. Das seit 2021 DFG geförderte Forschungs- und Ausgrabungsprojekt an der WWU eröffnet die Möglichkeit, erstmals für die Zagrosregion Nordostiraks und Nordwestirans ein ziviles Zentrum einer eisenzeitlichen Großsiedlung vor und in der Zeit der assyrischen Übernahme zu untersuchen. Bei der Ausgrabung der drei Gebäude stehen die Organisation der indigenen Gesellschaft in Land- und Viehwirtschaft, ihre Ernährung, ihre materielle Kultur sowie Auswirkungen der imperialen assyrischen Expansion auf die Lebenswirklichkeit der Bewohner_innen des Dinka Siedlungskomplexes im Brennpunkt unseres Interesses.

Die erste Ausgrabung im Rahmen der Untersuchung der Lebenswelten im frühen 1. Jt. v. C. im westlichen Zagrosrandgebirge am Unteren Zab im Dinka Siedlungskomplex fand von August bis Oktober 2021 statt.

https://www.uni-muenster.de/Philologie/aktuelles/archiv/2021/ausgrabungsexpedition_kreppner.html

© DFG