
Anna Isabell Wörsdörfer: Serielles Erzählen und kollektive Identitäten. Narrative Konstruktionen kulturellen Bewusstseins in aktuellen spanischen und lateinamerikanischen TV- und Streaming-Serien, Schüren: Marburg, 2026. ISBN: 978-3-7410-0488-9
Die in der kulturwissenschaftlichen Fernsehforschung verortete und literatur- mit medienwissenschaftlichen Ansätzen kombinierende Monographie untersucht die spanische und lateinamerikanische TV- und Streaming-Serie der letzten zwölf Jahre auf ihre narrativen Vermittlungsstrategien und die ihr inhärenten Mechanismen kollektiver Identitätsbildung. Diese Doppelperspektive fußt auf der Grundbeobachtung, dass die beiden komplementären Prinzipien von Serialität – Wiederholung und Innovation, das heißt statische Wiederkehr und dynamische Variation – sowohl für den seriellen Erzählvorgang als auch für die Entwicklung kulturellen Bewusstseins innerhalb des kollektiven Gedächtnisses konstitutiv sind. Geleitet wird die Untersuchung von der These, dass in der audiovisuellen Serie ein innerer Zusammenhang zwischen beiden Kategorien konstruiert wird und somit eine enge Verzahnung von discours- und histoire-Ebene besteht, sodass eine systematische Analyse nur in der Zusammenschau von Form- und Inhaltsstrukturen erfolgen kann. Aufgrund ihres medien- und kulturspezifischen Kontexts von Narration und kollektiver Identitätsstiftung erweist sich gerade die im globalen Vergleich durch die Forschung (trotz der jüngsten Netflix- Erfolge von Las chicas del cable und La casa de papel) weiterhin vernachlässigte spanischsprachige Serie als ergiebiges, neue Erkenntnisse versprechendes Analysefeld.
















