Betreute Arbeiten

  • Abgeschlossen

    • Herold, Denis (2012): "Im Zeitalter der Sachlichkeit muß man romantisch sein, das ist der Trick." Formen und Funktionen der Neuen Sachlichkeit in Erich Maria Remarques Romanen. Marburg: Tectum.

      Dennis Herold
      © Tectum

      Nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges distanzierte sich ein großer Teil der Schriftsteller und bildenden Künstler vom Expressionismus. Man misstraute jeglichem Pathos und wandte sich einer sachlichen Darstellungsweise zu, welche die Wirklichkeit betont nüchtern und rationalistisch erfassen sollte. Häufig wird das (frühe) Romanwerk von Erich Maria Remarque ohne kritische Prüfung der Literatur dieser Neuen Sachlichkeit zugeordnet. Überhaupt widmet die Literaturwissenschaft dem Schriftsteller relativ wenig Aufmerksamkeit, was verwundert – war doch sein Opus magnum „Im Westen nichts Neues“ (1929) das erfolgreichste deutschsprachige Buch des letzten Jahrhunderts.
      Denis Herold zeigt, in welcher Form und mit welcher Funktion Remarque konkret einen neusachlichen Stil einsetzt. Außerdem werden seine Romane in den Kontext exemplarischer Bücher neusachlicher Autoren gerückt und die Entwicklung des poetischen Verfahrens im Verlauf seines Romanwerkes betrachtet.

    • Hoffmann, Lena (2018): Crossover: Mehrfachadressierung in Text, Markt und Diskurs. Zürich: Chronos.

      Lena Hoffmann
      © Chronos

      Harry Potter, Edward Cullen, Katniss Everdeen – so heißen die literarischen Heldinnen und Helden unserer Zeit. Die internationale Buchbranche bringt seit Rowlings Romanreihe immer mehr Romane heraus, die ein erwachsenes Publikum ebenso ansprechen sollen wie Kinder und Jugendliche. Warum werden bestimmte Texte von unterschiedlichen Generationen gelesen? Ist diese Rezeption in den Texten angelegt oder wird sie über den Markt gesteuert?
      In komparatistischen Analysen werden Verfahren aufgeschlüsselt, die Texte an ein altersdiverses Publikum adressieren. Dabei wird eine Tradition nachgezeichnet – von «The Adventures of Tom Sawyer» (1876) und «Treasure Island» (1883) über «Krabat» (1971) und «Die unendliche Geschichte» (1976) bis hin zu «The Book Thief» (2005) und «Tschick» (2010). Im Zentrum der Verschränkung von Diskurs, Markt und Text entstand ein literarisches Phänomen, das veränderte Konzepte von Alter ebenso abbildet wie formt und das mit «Harry Potter» seinen bisherigen Erfolgshöhepunkt erlebte.

    • Hoge, Boris (2013): Schreiben über Russland. Die Konstruktion von Raum, Geschichte und kultureller Identität in deutschen Erzähltexten seit 1989. Heidelberg: Winter.

      Boris Hoge
      © Winter

      In der deutschen Roman- und Reiseliteratur seit 1989 finden sich zahlreiche Bezugnahmen auf Russland und seine Bewohner. Die vorliegende Studie rückt Formen des gegenwärtigen Schreibens über Russland ins Zentrum des Interesses. Die Beschäftigung mit dem ‚Bild vom anderen Land’ stellt dabei lediglich die Voraussetzung dar für die weiterführende Frage nach dem spezifischen Beitrag literarischer Texte zu einem russlandbezogenen Gesamtdiskurs. Denn Literatur, so die Kernthese des Verfassers, transportiert nicht einfach Bilder des Fremden und Anderen. Vielmehr werden innerhalb eines Werkes die Konstruiertheit und Funktionalität, die Bedingungen, Motive und Mechanismen literarischer Russlandwahrnehmung und -konstituierung immer wieder selbst Gegenstand der Darstellung. Das metakonstruktive Potential literarischer Texte ist beträchtlich. Es vermag sich implizit oder explizit, entsprechend oder entgegen einer möglichen Autor- oder Textintention zu entfalten. Gerade die Fokussierung auf metakonstruktive Textverfahren unterschiedlicher Ausprägung führt schließlich zur Erkenntnis: Noch die scheinbar bornierteste Festschreibung von Fremd- und Eigenbildern im Medium der Literatur vermag entscheidend zur Auflösung derselben beizutragen.

    • Horsthemke, Maria (2015): "...une manière analogue de déformer le temps". Simultaneität und Totalität bei Carl Einstein und Marcel Proust. Heidelberg: Winter.

      Maria Horsthemke
      © Winter

      In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts findet in der europäischen Kunst ein Paradigmenwechsel statt, der u.a. durch ein neues wissenschaftliches Weltbild ausgelöst wird. Auf dem Hintergrund der nichteuklidischen Geometrien und der psychophysischen Wahrnehmungs­lehren erweist sich vor allem der Kubismus als neues künstlerisches Paradigma, dessen Konzeption das Gedächtnis als zentrale Instanz begreift. Mit seiner These des kubistischen Simultanés postuliert Carl Einstein eine Auffassung von Simultaneität, in der die Zeit als Prozess eliminiert wird, während er unter einem anderen Aspekt das Gedächtnis als tendenziell unbegrenzten Erinnerungsraum definiert. Aufhebung der Zeit als Prozess und Totalität der assoziativen Erinnerung sind auch die Kriterien, in denen sich die Struktur von Marcel Prousts À la recherche du temps konstituiert. Proust entwickelt in seinem Werk eine Form des Romans, in der die Funktionen des Gedächtnisses, Simultaneität als Synthese heterogener Prozesse und Ubiquität der assoziativen Erinnerung zum Modus des Schreibens bestimmt werden. Während Einstein seine Gedanken vorwiegend als theoretische Konzeptionen entwirft, denen eine literarische Praxis zu folgen hätte, entsteht Prousts Roman primär unter philosophischen und narratologischen Aspekten, deren wahrnehmungstheoretische Fundierung erst durch die Rezeption sichtbar wird.

    • Huber, Till (2016): Blumfeld und die Hamburger Schule. Sekundarität – Intertextualität – Diskurspop. Göttingen: V&R.

      Till Huber
      © V&R

      Die Zuschreibung "Diskurs-Pop" verweist auf eine besonders ausgeprägte Form von "Sekundarität" (Diedrich Diederichsen) innerhalb der deutschsprachigen Popmusik: Speisen sich popästhetische Artefakte seit ihrem Bestehen immer schon auspräfabriziertem Zeichenmaterial, wird dieses nicht-originäre Verfahren bei den sogenannten Hamburger Schule-Bands (Blumfeld, Die Sterne, Tocotronic) in Form von intertextueller Verdichtung und Markierung/Reflexion der Differenz zur angloamerikanischen Popkultur offen ausgestellt. Untersucht wird dabei ein spezifisches lyrisches Ich, das als Diskursknotenpunkt fungiert, um sich in der Kultur der 1990er Jahre zu positionieren und sich so überhaupt erst (intertextuell) zu konstituieren.

    • Kleinschmidt, Christoph (2010): Intermaterialität. Zum Verhältnis von Schrift, Bild, Film und Bühne im Expressionismus. Bielefeld: transcript.

      Christoph Kleinschmidt
      © Transcript

      Wie in kaum einem anderen Zeitraum der Kulturgeschichte vollzieht sich im Expressionismus ein bemerkenswertes Zusammenspiel der verschiedenen Künste. Ob Bilder, Zeichnungen und Drucke in zahlreichen Buch- oder Zeitschriftenillustrationen, ob Bildkulissen und Schrift im neuen Medium (Stumm-)Film oder der ‚Kinostil‘ in Gedichten, Kinostücken und Erzählprosa, ob Klang- und Farbelemente im Theater oder Engführungen von Musik und Malerei – die unter dem Signum des Expressionismus stehenden Jahre zwischen 1910 und 1925 bieten eine Fülle von ästhetischen Programmen und künstlerischen Produktionen, die in vorher nicht gekanntem Ausmaß die Kombinationsmöglichkeiten der Künste ausloten. Mit meiner Studie sind diese Bezüge im Hinblick auf das Verhältnis von Schrift, Bild, Film und Bühne erstmals umfassend und vergleichend analysiert. Eines der wichtigsten Ergebnisse stellt dabei die Beobachtung dar, dass für den Expressionismus gerade die Bezugnahme auf das Material einer Kunst kennzeichnend ist. Zwar ist die Annäherung der Künste keine Erfindung des Expressionismus, für ihn charakteristisch ist jedoch ein Umstand, der genuin das 20. Jahrhundert auszeichnet: die Wende zur Abstraktion. Mit der Absage an Referenz- und Abbildfunktion geht eine Konzentration auf die eigenen technischen, materialen Bedingtheiten der Künste einher, die wiederum Voraussetzung ist für das Experimentieren mit den Materialien anderer Kunstformen. Vor diesem Hintergrund erschließt meine Dissertation mit den intermaterialen Kunstproduktionen einen neuen Typ intermedialer Relationen: einerseits historisch – im Hinblick auf sein Vorkommen im Expressionismus – und andererseits systematisch, indem die Intermedialitätsforschung um die Kategorie der Intermaterialität erweitert und differenziert wird.

    • Knaup, Anna Katharina (2015): Der Männerroman. Ein neues Genre der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Bielefeld: transcript.

      Anna Katharina Knaup
      © transcript

      Männlichkeit ist ein modifizierbares Bündel kultureller Maximen, das immer mal wieder neu verhandelt wird. In der Gegenwartsliteratur hat die Beschäftigung mit dem, was derzeit als männlich gilt, dabei sogar zur Genese eines neuen Genres geführt: dem Männerroman. Seit Erscheinen von Tommy Jauds 'Vollidiot' im Jahr 2004 ist er zum festen Bestandteil deutscher Bestsellerlisten geworden. In der Forschung wurde er bisher jedoch noch nicht beschrieben. Anna Katharina Knaup schließt diese Forschungslücke, indem sie etwa Abgrenzungen zum Pop- oder Frauenroman sucht und den literarischen Traditionen des Männerromans nachgeht. Es entsteht das reichhaltige Bild eines Genres, das sich (nicht nur) zwischen Ratgeber und Comedy bewegt.

    • König, Michael (2015): Poetik des Terrors. Politisch motivierte Gewalt in deutscher Gegenwartsliteratur. Bielefeld: transcript.

      Michael K _nig
      © transcript

      Religiöse Selbstmordattentäter machen uns sprachlos. Wie aus dem Nichts tauchen sie auf, scheinbar geistesgestörte, selbstherrliche Einzeltäter, die viele mit in den Tod reißen und sich am Ende selbst richten. Kulturelle Erklärungsmuster und biographische Analysen schlagen fehl. Die Frage, wie einer zum Terroristen wird, scheint nicht beantwortbar. Michael König untersucht Romane, Thriller und biographische Erinnerungen, in denen deutsche Gegenwartsautoren versuchen, dem undurchdringlichen Phänomen und seinen Urhebern näher zu kommen. Ergänzend zur literaturwissenschaftlichen Analyse berichten zehn Autorinnen und Autoren - unter ihnen Ulrike Draesner, Sherko Fatah, Gerhard Seyfried, Ulrich Peltzer und Michael Wildenhain - in Interviews über ihre Probleme beim Schreiben über Terroristen und den erzeugten Terror. Sie kennzeichnen ihre eigenen Texte als engagierte Literatur, die im Zuge von weltumspannenden Überwachungsmethoden und einer zunehmenden Beschneidung von Bürgerrechten wieder dezidiert politisch geworden ist. Gegen mediale Generalisierungen rücken sie das Individuum in den Mittelpunkt der literarischen Betrachtung. Denn Attentäter und Terroristen sind am Ende keine »Monster« oder »Gespenster«, sondern Menschen.

    • Leine, Torsten (2018): Magischer Realismus als Verfahren der späten Moderne: Paradoxien einer Poetik der Mitte. Berlin/Boston: DeGruyter.

      Torsten Leine
      © DeGruyter

      Die Texte des deutschen Magischen Realismus werden in der literaturwissenschaftlichen Forschung zumeist entweder als (kuriose) Einzeltexte behandelt oder als Teil größerer literarischer Entwicklungen der Zwischenkriegszeit betrachtet (Moderne Klassik, Synthetische Moderne). Diese Studie weist den (Erzähl-)Texten des Magischen Realismus erstmals einen konkreten literaturgeschichtlichen Ort zu, indem gezeigt wird, wie sich die neue literarische Schreibweise ab 1920 als ein nachexpressionistisches Phänomen entwickelt. Im Zentrum der programmatischen und literarischen Texte steht dabei nicht die Auseinandersetzung mit der Neuen Sachlichkeit. Vielmehr entwerfen die magisch-realistischen Texte eine Poetik der Mitte, die darauf abzielt, konträre literarische Schreibweisen (Realismus, Expressionismus) zu integrieren und gegensätzliche weltanschauliche Positionen der Moderne zu vermitteln. Die Studie führt dabei überzeugend vor Augen, in welche Paradoxien und Aporien die ‚Poetik der Mitte‘ in den untersuchten Texten führt, und demonstriert gleichzeitig die Kontinuität des magisch-realistischen Modells, das bis 1960 wirksam bleibt und sich so als durchlässig gegenüber klassischen literaturgeschichtlichen Zäsuren erweist.

    • Moussa, Brahim (2012): Heterotopien im poetischen Realismus. Andere Räume, Andere Texte. Aisthesis: Bielefeld.

      Brahim Moussa
      © Aisthesis

      Realistische Raumillusion bildet insofern einen Eckstein in der realistischen Literatur, als der kontige Bau der erzählten Welt nicht zuletzt durch die Aufrechterhaltung der denotativen Funktion räumlicher Zeichen begünstigt wird. Doch bei genauer Beobachtung räumlicher Strukturen in Texten des poetischen Realismus stechen andere Räume hervor, deren Komponenten anders als Referenzräume nicht einer substitutiven ökonomischen Struktur folgen. Es geht um Heterotopien, die besonders in Texten Wilhelm Raabes und Adalbert Stifters das Verfahren realistischen Erzählens unterminieren. Diese Räume zeugen von einer Dichte des Zeichenarsenals, bei der primäre Referenzen überboten werden. Die Arbeit legt den Fokus auf diese in einer realistischen Diegese verstörenden Räumlichkeiten und unterzieht ihre destabilisierenden Faktoren einer Analyse.

    • Rakow, Christian (2013): Die Ökonomien des Realismus. Kulturpoetische Untersuchungen zur Literatur und Volkswirtschaftslehre 1850-1900. DeGruyter: Berlin/Boston.

      Christian Rakow
      © DeGruyter

      Kulturelles Wissen, über das Literatur lesbar wird, ist nicht auf Handbuchgröße zu haben. Man muss schon tief in konkrete diskursive Manifestationen einsteigen, muss die Konnotationen von Begriffen prüfen und die verästelten Verweiszusammenhänge zwischen Aussagen aufspüren, um einen genauen Eindruck davon zu bekommen, wie sich künstlerische Werke aus den Kontexten ihrer Zeit speisen. Ebendies unternimmt meine Studie zur realistischen Diskurslage in Wirtschaft und Literatur zwischen 1850 und 1900. --- Es galt in der Forschung lange Zeit als ausgemacht, dass sich die Literatur dieses Realismus in Deutschland durch Diskursarmut auszeichnet und sich in wirtschaftlichen Fragen des aufkommenden Kapitalismus regelrecht eskapistisch wegduckt. Diese These, die durch eine marxistische Kritik des bürgerlichen Selbstverständnisses befeuert wurde, blendet dabei das spezifische Diskursdesign der seinerzeit herrschenden Ökonomie in Deutschland aus. Es ist eine Wirtschaftsauffassung, die historistisch, institutionalistisch und ordnungspolitisch argumentiert und im Ganzen eine dezidiert antisystemische Alternative zu marktwirtschaftlichen Lehren in der Tradition von Adam Smith abgeben will. Ihre sozialwissenschaftliche Orientierung beeinflusst die deutsche Ökonomie bis ins 20. Jahrhundert hinein. Um die kulturelle Sättigung der realistischen Literatur hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Wissens einzuschätzen, muss man diesen »realistischen« Diskurs der deutschen Nationalökonomie ins Zentrum stellen. --- Meine Studie kommt in eingehenden »close readings« exemplarischer nationalökonomischer und belletristischer Werke nach 1850 zu einer Neubewertung des Text-Kontext-Verhältnisses zwischen Ökonomie und Literatur im Realismus und gibt dabei eine Poetologie des Realismus im Ganzen. Mit durchweg literaturwissenschaftlichem Analysebesteck werden die Schreibweisen beider Diskurse untersucht und ihre übergreifenden Figurationen als »realistische Diskursivität« herausgestellt. Volkswirtschaftliche Werke von Wilhelm Roscher und Gustav Schmoller erfahren eine poetologisch genaue Würdigung und werden von den systemischen Ansätzen eines Carl Menger und Karl Marx abgegrenzt. Das Wirtschafts- und Sozialdenken der Literatur wird vor allem an Prosawerken von Wilhelm Raabe, Gottfried Keller, Gustav Freytag, Friedrich Hackländer und Friedrich Spielhagen analysiert. In der Tradition neohistoristischer Kulturwissenschaft, die sowohl das ökonomische Wissen der Literatur als auch die Literarizität der Ökonomie in den Fokus nimmt, gibt die Studie ein detailliertes Bildnis der realistischen Diskursivität zwischen 1850 und 1900 in Deutschland.

    • Tetzlaff, Stefan (2016): Heterotopie. Zur Konstruktion anderer Räume als Textverfahren in Romantik und Realismus. DeGruyter: Berlin/Boston.

      Stefan Tetzlaff
      © DeGruyter

      Im Zuge des sozial- und kulturwissenschaftlichen 'spatial turn' rückt die Frage nach Raumkonstellationen auch in den Mittelpunkt literaturwissenschaftlichen Interesses. Prominentes Beispiel ist Michel FOUCAULTS Konzept der Heterotopie, das sich solchen Räumen innerhalb einer Gesellschaft zuwendet, die durch ihre besondere Funktion außerhalb des Ordnungsgefüges des Normalraums liegen. Bibliotheken als Ballungen von Wissen und Zeit erweisen sich als ebenso heterotop wie Hospitäler und Altenheime als Orte des Schutzes oder Gefängnisse als solche der Auslagerung. Das Modell des heterotopen Raums dient in der Literaturwissenschaft zwar immer häufiger als topoanalytischer Angelpunkt, bleibt jedoch mit der Suche nach den von FOUCAULT beschriebenen Räumen in literarischen Texten im Bereich der Motivforschung.
      An der Epochenschwelle von Romantik und Realismus soll ein genuin literaturwissenschaftlicher Heterotopie-Begriff erarbeitet und der heterotope Raum als motivunabhängiges Verfahren literarischer Texte gezeigt werden, das auch trotz kategorialer Verschiedenheit wie der von romantischen respektive realistischen Schreibweisen über konstante Aspekte beschreibbar und für die Analyse literarischer Texte nutzbar gemacht werden kann.

  • Abgeschlossen, noch nicht publiziert

    • Agethen, Matthias: Am Ende der Erzählung. Nationalökonomie und Erzählliteratur zwischen Verausgabung und Modernisierung 1850-1900.

      Sanchino Martinez, Esteban: Pumping Blood – Drastik als kulturelles Paradigma der Populärkultur.

      Abstract: Das Dissertationsvorhaben möchte in Anlehnung an Dietmar Daths Die salzweißen Augen. Vierzehn Briefe über Drastik und Deutlichkeit analytisch zu einer Ästhetik popkultureller Drastik vordringen. Durch die Verknüpfung von kulturpoetisch-textualistischen und kultursoziologischen Theoremen soll Drastik als ein ästhetisches Grundprinzip einsichtig gemacht werden, das von konventionellen Genregrenzen nicht festgelegt ist. Drastik als Stilprinzip ist konstitutiv für eine Reihe postmoderner, kulturindustrieller Produkte, die einerseits zwar der Popkultur angehören, andererseits in den meisten Theorien zur Popkultur nur unzureichend mitgedacht werden. Im Mittelpunkt der Analyse stehen transmediale Werke, die als massenwirksame und zugleich gesellschaftspolitisch höchst umstrittene Paradigmen drastischer Kunst gelten können, wie etwa Bret Easton Ellis' American Psycho, Lucio Fulcis Splatterfilme und Songtexte aus dem Bereich des Heavy Metal.

    • Pabst, Philipp: Populärkultur in der deutschsprachigen Literatur. 1950 bis 1970.

      Mit der ‚Amerikanisierung‛ der frühen Bundesrepublik steht der deutschsprachigen Literatur ein ebenso umfangreiches wie spannungsvolles Bezugsfeld gegenüber. Insbesondere die Populärkultur wird in den Diskursen der 1950er- und 1960er-Jahre als problematisch ausgewiesen. Beispielhaft hierfür stehen die ‚Schunddebatte‛ sowie die Schriften der Frankfurter Schule um Adorno und Horkheimer. Literarische Texte von Gottfried Benn, Alfred Andersch, Arno Schmidt u. a. sind dagegen nicht einseitig aversiv, sondern von Ambivalenz geprägt. Beobachten lässt sich eine Gratwanderung zwischen dem Distinktionsanspruch der Texte und der Faszination für die schillernden Phänomene des Kinos, der Werbung, der populären Musik. Vor allem die ‚Oberflächen‛, die unterhaltenden, schablonenhaften Schauwerte, forcieren textuelle Aushandlungsprozesse und sorgen für eine verfahrensseitige Crux: Bedeutsamkeit und Sinn werden als Defizite des zeichenhaft selbstreferentiellen Populären ausgestellt. Populärkulturaffine Literatur gerät damit in Profanierungsverdacht. Auf die Defizite, so die These der Arbeit, reagieren die Texte mit Strategien der Semiotisierung und Semantisierung – diese Nobilitierungen kontrastieren ‚Oberfläche‛ durch ‚Tiefe‛, einen spezifischen Duktus der 1950er-Jahre, der Eigentlichkeit und Wertigkeit beansprucht. Da die Textverfahren zu raunender ‚Bedeutsamkeitsevokation‛ und metaphysischer Unbestimmtheit tendieren, werden sie selbst zum Gegenstand distanzierender Reflexionen und ironischer Brechungen.

      Das Dissertationsprojekt macht es sich zur Aufgabe, die Verwendungsformen und Funktionen von Populärkultur in der (Hoch-)Literatur der 1950er- und frühen 1960er-Jahre exemplarisch zu rekonstruieren und zu systematisieren. Ausgangspunkte für strukturalistisch-semiotische Analysen und kulturpoetische Text-Kontext-Studien sind Zitate aus US-amerikanischen Schlagersongs und Werbeanzeigen in Gottfried Benns Gedichten, Filmstars wie James Dean und Texte der beat literature in einem Radiofeature Alfred Anderschs oder Genres wie Western, Pornographie und Science-Fiction in der Prosa Arno Schmidts. Mit dem Projekt geht nicht weniger als eine Korrektur der Literaturgeschichte der Nachkriegszeit einher. Durch seinen ambivalenten Umgang mit Populärkultur liefert der Untersuchungszeitraum sowohl eine negative Referenzfolie als auch eine strukturelle Vorgeschichte der frühen Popliteratur um 1968. Darüber hinaus leistet das Projekt theoretische Grundlagenarbeit im Bereich der literarischen Evokation von ‚Bedeutsamkeit‛.

    • Schneider, Jens-Ole: Verkörperte Moderne. Inszenierung und Problematisierung monistischer Anthropologien in der Literatur um 1900.

      Anthropologische Theorien haben um 1900 Konjunktur. Mit der schopenhauerisch-nietzscheanischen Triebmetaphysik, der Psychoanalyse Sigmund Freuds oder der darwinistischen Evolutionsbiologie bestehen um die Jahrhundertwende unterschiedliche Diskurse über den Menschen, die aber grundsätzlich die Gemeinsamkeit haben, dass sie den Menschen nicht länger im Sinne einer Dualität zwischen Körper und Geist bzw. zwischen Leib und Seele verstehen, sondern ihn ganz von seinen physiologisch-biologischen Voraussetzungen, von seinem Körper, seiner Sinnlichkeit und nicht zuletzt von seiner Sexualität her deuten und definieren. Mit dem von Panajotis Kondylis bereits für die Aufklärungsforschung etablierten Begriff des Monismus (im Gegensatz zum Dualismus) wird das Dissertationsprojekt erstmals die entscheidenden Parallelen bezüglich der Argumentationsmuster in den anthropologischen Konzepten um 1900 herausstellen und ihre wissens- sowie problemgeschichtliche Verortung untersuchen. Dabei wird sich zeigen, dass die Anthropologie der Jahrhundertwende – ähnlich wie schon im 18. Jahrhundert – auf einen Modernisierungsschub reagiert, der sich vor allem in gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Ausdifferenzierungs- und Rationalisierungsprozessen niederschlägt. Vor dem Hintergrund solcher spezifisch modernen Dissoziationserfahrungen haben die auf ein universelles ‚Wesen des Menschen‘ abzielenden anthropologischen Diskurse vielfach die Funktion, ‚Einheit‘ herzustellen und den Menschen qua seiner körperlich-physischen Verfasstheit in die organische Totalität der Natur bzw. des ‚Lebens‘ zurückzuführen.
      Ein Medium, in dem eine solche kulturkritische Funktionalisierung zeitgenössischen biologischen Wissens besonders stark betrieben wird, ist um 1900 die Literatur. Durchaus unterschiedliche Autoren wie Gerhart Hauptmann, Arthur Schnitzler, Frank Wedekind oder Rainer Maria Rilke inszenieren in ihren Texten den Körper als letzte verbliebene Sphäre einer ‚eigentlichen‘, vorrationalen und unmittelbaren Wirklichkeitserfahrung. Besonders anhand von Texten Hugo von Hofmannsthals, Robert Musils und des jungen Thomas Mann möchte ich aber zeigen, dass bestimmte literarische Formen um 1900 nicht nur zur wirkungsvollen Inszenierung, sondern auch zur Problematisierung anthropologischer Wissensbestände eingesetzt werden. Konkret geschieht dies durch die Verwendung von Gattungen wie etwa dem fiktiven Brief oder narrativer Verfahrensweisen wie einem intern fokalisierten oder einem widersprüchlich unzuverlässigen Erzählen. Die semantische Eigenfunktion dieser Formen scheint immer wieder darin zu bestehen, gerade den Mangel eines letztgültigen Wissens und die Perspektivgebundenheit aller Erfahrung und Erkenntnis von Wirklichkeit zu artikulieren. Mittels einer sorgfältigen – insbesondere narratologischen – Analyse kann, so meine These, gezeigt werden, dass die ‚Modernität‘ dieser Texte nicht in der Popularisierung eines naturalisierten Menschenbildes besteht, sondern in der subtilen Literarisierung erkenntniskritischer Vorbehalte, die sich auch gegen den Wissensanspruch der zeitgenössischen Anthropologie zu behaupten vermögen.

    • Trapp, Franziska: Zur Narrativierung der zirzensischen Kunst - Grundlegung einer neuen Zirkusästhetik

      Die Veränderungen des Genres ‚Zirkus’ in den neunzehnhundertsiebziger Jahren von der Populär- zur Hochkultur bewegen die wissenschaftliche Forschung zu einer Beschäftigung mit seinen ästhetischen und ideologischen Charakteristika. In den Programmen und Nummern des Nouveau Cirque ist nicht länger der babylonische Aufbau, der die Elemente nach Schwierigkeitsgrad staffelt, konstitutiv, sondern eine narrative Struktur, die die Lektüre von zirzensischen Darbietungen als Text motiviert. Ausgehend von strukturalistischen Methoden von Jakobson, Lotman und Titzmann wird die Arbeit ein Instrumentarium entwickeln, um die Merkmale und Prinzipien dieser neuen zirzensischen Form als bedeutungserzeugendes System erstmals wissenschaftlich beschreibbar zu machen. Auf dieser Basis können dann Aussagen über die Funktionsweise einzelner zirzensischer Darbietungen getroffen werden.

  • Im Entstehen

    • Andres, Lennart: Die Lyrische Form und die kulturpoetische Funktion des deutschen Rap.

      Abstract: Deutschsprachigen Rap als lyrische Form oder gar als Gedicht zu begreifen, erscheint anhand formaler Gattungstraditionen leicht. Er bedient sich zum einen der Versform, dies sowohl in strophischen als auch in stichischen Varianten. Dazu tritt zum anderen sein liedhafter Charakter als Sprechgesang im Zwischenraum von Gesang und Gesprochenem. Dennoch, diese vorschnellen Gattungszuweisungen des Raps als eine liedhafte Form des Gedichts, meist unter Hinweis auf das Trivialere bzw. Populäre seiner Art, verschleiern den Blick auf seinen formpoetischen Eigenwert. Obgleich keine Gattungsmerkmale im Sinne einer deskriptiven Poetik für den Rap explizit formuliert worden sind, sind diese dennoch vorhanden, dies ist augenscheinlich: Die Gattung selbst ist nämlich bereits durch einen ständigen Streit um die Form charakterisiert. Die in diesen impliziten Konventionen manifeste lyrische Form Rap soll in der Studie in ihrer textuellen, performativen und medialen Gestalt erfasst werden. Zugleich weist sich Rap in der Folge seiner (schematischen wie avantgardistischen) Formbildung ebenso als kulturpoetisches Produkt aus und hat dabei modellierenden Charakter. Rap kann in diesem Verbund als modellierende Ausdrucksform für eine Jugendkultur gelten und kann zugleich als eine Modellbildung von Gegenwartskultur verstanden werden, die es zu beschreiben gilt. Für eine Betrachtung des literarischen Phänomens Rap im System Kunst lassen sich damit für das angestrebte Vorhaben folgende Fragestellungen formulieren: Inwieweit lässt sich Rap in seiner dargeboten Form mit dem ihm eigenen lyrischen Sprechweisen als eigenwertig innerhalb der literarischen Traditionen und dem Populären bestimmen? Wie lässt sich die kulturpoetische Modellfunktion des Raps im massenmedialen Verbund und damit innerhalb seiner diskursiven sowie intertextuellen Vernetzungen beschreiben? Auf welche Art und Weise generieren Form und Modell des Raps innerhalb dieser Verbünde die Möglichkeit zur Teilhabe, die sinnstiftende Selbstverortung im (vermeintlichen) Gegendiskurs des Populären erlaubt?


    • Böni, Oliver: Soteriologie des Lustmords. Das Paradigma der Erlösung in Robert Musils Roman ‚Der Mann ohne Eigenschaften‘ und in seinem Kontext.

      Börger, Judith: Komik in realistischer Gegenwartsliteratur.

      Dömer, Christian

      Ilic, Ana: Sorge um den Nachwuchs – Die Jugend bei der Musterung in der Literatur der Frühen Moderne.

      Horn, Melanie: Die Verwendung von Popmusik in der Markenwerbung.

      Kigle, Martina: Figure M. Eine andere Geschichte der Postmoderne.

      Unter einem großen Baum liegt M.,
      den Blick nach oben in die Krone gerichtet.
      Zwischen Daumen und Zeigefinger hält sie einen Grashalm,
      den sie wie eine Zigarette zum Mund führt. Aus halb geschlossenen Lidern
      beobachtet M., wie sich der Rauch
      in Ringen zwischen ihren Lippen
      hervor schiebt.

      Die Postmoderne hat uns in einer Aporie zurückgelassen: So wichtig wie richtig es war, die radikale Konstruiertheit von Welt und Wirklichkeit herauszustellen und ihre Dekonstruktion zu betreiben, so sehr wurde damit auch der Raum für einen Relativismus geöffnet:
      Das Ende der Großen Erzählungen sowie der Verlust des Meta-Narrativs machen zwar das Leben offener, reicher, vielfältiger und damit lebendiger: „Ihr Niedergang hindert Milliarden von kleinen und weniger kleinen Geschichten nicht daran, weiterhin den Stoff des täglichen Lebens zu weben.“ (Lyotard 1987) Wenn allerdings gleichzeitig gesamtgesellschaftliche Sicherheiten wegbrechen, dann siegt statt lebendigem Leben das Recht des Stärkeren und Performanz und Verfahren beherrschen das Feld. Das Wegfallen des Meta-Narrativs kommt dann einer „gesellschaftstheoretische[n] Selbstentmächtigung der Kulturwissenschaften“ (Maderthaner/Musner 2007) gleich: „Die Postmoderne, als die kulturelle Logik des Spätkapitalismus, hat sowohl die Künste wie die Theorie bemerkenswert klassenlos und konsumentenfreundlich gestaltet.“ (Ebd.)
      Wie also lässt sich ein tragfähiges Narrativ nach dem Ende der Großen Erzählungen formulieren, das weder zurückfällt hinter die postmodernen Erkenntnisse und wutschnaubend DIE Realität einfordert, noch eine Ästhetisierung, Kulturalisierung, Diskursivierung und deren große Folgenlosigkeit betreibt, wenn „der Weg vom Denken zur sogenannten Praxis […] viel verschlungener [ist], als man es im allgemeinen heute sich vorstellt“ (Adorno 1996)?
      Es ist das Ziel der Arbeit, diese postmoderne Aporie zu überwinden – mit postmodernen Mitteln: In einer Hybridisierung von Wissenschaft und Kunst werden Elemente wissenschaftlicher, essayistischer, journalistischer und literarischer Prosa integriert. Da bisher dichotom funktionierende Diskurse wie Wissenschaft vs. Kunst, Theorie vs. Praxis, Fakt vs. Fiktion ihre Produktivität eingebüßt haben, lernt Literaturwissenschaft von ihrem Gegenstand: Ihre Literarisierung und Poetisierung ist das wissenschaftliche Pendant zum Artistic Research in der Bildenden Kunst und die Wiederaufnahme eines Kritik-Diskurses, der mit dem Ende der Großen Erzählungen seine Legitimation verloren hat.
      Im Mittelpunkt der Arbeit steht dabei die Hauptfigur und Heldin M.

      Es ist vollkommen still, nichts regt sich.
      Ruhig führt M. den Grashalm zum Mund, schiebt den Rauch
      in Ringen zwischen den Lippen hervor. Ringe wie Os und Os wie Löcher –
      Löcher, in die M. fallen könnte.
      Aber M. fällt nicht.
      M.
      fällt nie.

      Meischen, Gerold: Das Prosawerk Max Herrmann-Neißes in seiner Berliner Phase (1917-1933): Post-wilhelminische Parameter und literarische Verfahren im Übergang vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit.

      Abstract: Der literarische Diskurs zwischen dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dem Ende der Weimarer Republik charakterisiert sich durch zahlreiche Brüche. Diesen Verwerfungen am Beispiel der Prosatexte von Max Herrmann-Neiße nachzugehen, hat sich das Dissertationsvorhaben zum Ziel gesetzt. Ausgeprägte Disparitäten und Spannungsfelder im Werk selber begleiten die Exegese. Dabei interessiert die Frage, inwieweit sich der Autor aus dem oberschlesischen Neiße paternalistischen Einflüssen der Gesellschaft und poetologischen Anregungen seiner literarischen Zeitgenossen stellt. Intertextuale Überlegungen würdigen naturgemäß auch Max Herrmann-Neißes Affinitäten gegenüber literarischen Vorbildern wie Eichendorff, Flaubert, Hesse, Sternheim, Heinrich Mann oder Robert Walser. Die sich hier spiegelnde Heterogenität verhindert eindeutige literaturhistorische Epochenzugehörigkeiten und soll am Beispiel in ihren prozessualen Ausprägungen bestimmt werden. Durchdrungen von einer sich bei Max Herrmann-Neiße herausbildenden Poetik und den zu analysierenden Charakteristika des ästhetischen Verfahrens einschließlich ihrer Literarizität formt sich ein zeittypisches Bild literarischer Werkbausteine – oszillierend zwischen romantischen Einflüssen, Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Ein weiterer Forschungsaspekt ergibt sich aus der Einbettung der untersuchten Romanprosa in den gattungs- und literaturtheoretischen Diskurs der Epoche am Beispiel von Filippo T. Marinetti, Georg Lukács, Carl Einstein, Gottfried Benn, Alfred Döblin und Vertretern des New Criticism.

      Müller, Konrad: Präsenzbegehren und Erinnerung. Philosophischer Diskurs und literarische Verfahren zwischen Realismus und emphatischer Moderne.

      Abstract: Der philosophische Diskurs um 1900 ist in hohem Maße von einem Begehren nach Präsenz geprägt. Am Übergang vom Unmittelbarkeit scheuenden realistischen Dispositiv zur emphatischen Moderne bringt auch und gerade die vielfältige Erinnerungsliteratur jener Zeit das Begehren in spannungsvoller Weise zum Ausdruck. Meine Untersuchung fokussiert die erzählende Erinnerungsliteratur dieser Zeit unter dem Gesichtspunkt ihrer Verfahren und liest sie in Beziehung zum philosophischen Präsenzdiskurs als Bestandteil derselben Kultur. Sie versteht sich sowohl als Beitrag zur aktuellen literaturwissenschaftlichen Präsenzforschung als auch als literaturgeschichtlicher Beitrag zu literarischen Verfahren um die Jahrhundertwende.

      Schuller, Karina: Die Sprache der Transzendenz. Das Surreale in ausgewählter deutscher Literatur zwischen 1800 und 1960.

      Abstract: Den Franzosen den Surrealismus – den Deutschen den Expressionismus? Auch in der deutschen Literaturlandschaft der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lassen sich klare surrealistische Züge erkennen. Denn es zeichnet sich die Signatur einer Sprache ab, die auf eine Poetologie verweist, welche die Emphase für Sprache, deren Universalität und deren damit eng verknüpfte transzendentale Dimension, wie sie der écriture automatique des französischen Surrealismus zugrunde liegt, mit diesem nicht nur teilt, da Sprache auch hier in erkenntnistheoretischer Hinsicht als Schlüssel zur Öffnung des Anderen, des Surrealen, der Transzendenz etabliert wird, sondern in der Setzung von Sprache als Transzendentem schlechthin sogar übersteigt. Das Forschungsvorhaben fragt dementsprechend nach der Möglichkeit einer Exegese ausgewählter deutscher Literatur des 20. Jahrhunderts anhand der Prosa und Lyrik Carl Einsteins, Ivan Golls und Paul Celans als genuin surrealistischer Literatur ebenso wie nach deren poetologischer Genese entlang ausgesuchter Prosa Heinrich von Kleists, E.T.A. Hoffmanns, Robert Walsers, Hanns Heinz Ewers' und Franz Kafkas.

      Seidel, Anna

      Shraim, Iyad: Der Klon-Mensch im deutschen und arabischen Roman. Ein interdiskursiver Vergleich.

      Abstract: In der vorliegenden Dissertation wird das argumentative Verhältnis zwischen Literatur und weiteren Spezialdiskursen über das Motiv des geklonten Menschen unter Berücksichtigung von Interdiskursanalyse untersucht. Als Grundlagetexte dienen ausgewählte deutsche und arabische Romane, die das Klonen von Menschen aus verschiedenen Perspektiven thematisieren. Diskursive Positionen und Kollektivsymbolik sollen aus der literarischen Texten, die durch diverse Erzählstrategien und kontroverse Argumentationsmodelle gekennzeichnet sind, herausgearbeitet, klassifiziert und mit ihren Entsprechungen in der jeweils anderen Literatur verglichen werden. Darüber hinaus werden die Besonderheiten der Literatur und ihr Beitrag zur aktuellen Klon-Debatte gegenüber anderen Diskursen hervorgehoben. Eine erste Beobachtung lässt erkennen, dass deutsche und arabische Romane die in den spezialisierten Diskursen überwiegend ablehnende Haltung in Bezug auf das auf Menschen zu übertragende Klonverfahren und dessen Folgen teilen.

      Zipfel, Hannah

      Als Zweitgutachter: Busch, Nicolai: Literarischer Konservatismus. Narrations-, Distinktions- und Diskursstrategie deutschsprachiger Gegenwartsliteratur.

      Abstract: Wo einer deutschsprachigen Gegenwartsliteratur von Literaturwissenschaft und -kritik formaler und/oder weltanschaulicher Konservatismus attestiert wird, geschieht dies meist unter Verweis auf ästhetische und philosophische Traditionen der literarischen Moderne. Romantisch-ästhetizistisch etwa sei das Autonomiepostulat oder das ironische Spiel konservativer Literatur. Ihre religiöse Aufladung eines geschichtslosen ›Schönen‹ und ihre pessimistische Kulturkritik von geistesaristokratischer Warte stehe in der ästhetisch-fundamentalistischen Tradition eines Stefan George. An Akteure der konservativen Revolution fühlt sich die Forschung erinnert, wo eine konservative Gegenwartsliteratur deren antimoderne und antiliberale Ansichten imitiere. Stets, darin scheint man sich einig, liegt das konservativ-ästhetische Moment zeitgenössischer Texte in der bloßen Wiederbelebung und Fortführung bekannter Muster. Mehr als einen rein ästhetischen Oppositionscharakter will die Forschung aktuellen konservativen Texten kaum zusprechen.
      Einer solchen traditionsbezogenen Deutungsweise beabsichtigt das Projekt eine bisher vernachlässigte kulturpoetische und kultursoziologische hinzuzufügen: Mittels text-kontext-theoretischer Analysen fiktionaler wie nicht-fiktionaler Texte, ästhetischer Positionierungen und sozialer Positionen verschiedener AutorInnen (darunter Uwe Tellkamp, Martin Mosebach, Reinhard Jirgl, Christian Kracht, Monika Maron, Michael Klonovsky, Simon Strauß etc.) sollen Narrations-, Distinktions- und Diskursstrategien ermittelt werden, welche, so die Hypothese, vor dem Hintergrund gesellschaftlichen Wandels das politisch-konservative ›Normalspektrum‹ (J. Link) unserer Zeit ästhetisch modellieren, (de)konstruieren und aktiv mitgestalten. Im Zentrum des Vorhabens steht damit, neben einer intra- und intertextuellen Untersuchung konservativer Texte, vor allem die Verhältnisbestimmung gesellschaftlich-politisch- und ästhetisch-konservativer Wissensfelder bzw. ihrer Austauschprozesse (S. Greenblatt). Insofern gezeigt werden kann, dass und wie liberal-konservative, bildungsbürgerlich-wertkonservative, aber auch aktuelle neurechte Denkmuster Eingang ins literarische Feld finden, beabsichtigt das Projekt nicht weniger, als eine bis vor kurzem noch semantisch entleerte Weltanschauung in ihrer aktuell wiedererstarkenden politischen, ideologischen und ästhetischen Schlagkraft kritisch zu erfassen.