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Münster (upm).
Zu sehen sind Windmühlen an der Ruta de Don Quijote.<address>© wikimedia | Lourdes Cardenal</address>
Ist Übersetzen ein Kampf gegen die sprichwörtlichen Windmühlen?
© wikimedia | Lourdes Cardenal

Drei Sprachen – drei Perspektiven

Gastbeiträge beleuchten die Herausforderungen des Übersetzens

Zu sehen ist ein Porträt von Prof. Dr. Carl De Strycker.<address>© Kristof Ghysselinck</address>
Prof. Dr. Carl De Strycker, Institut für Niederländische Philologie
© Kristof Ghysselinck
 Übersetzen erfordert Kreativität, Einfallsreichtum und ein besonderes Sprachgefühl

In den Niederlanden wird jedes Jahr der Europäische Literaturpreis sowohl an den Autor als auch an den Übersetzer des besten Romans verliehen, der im Vorjahr ins Niederländische übersetzt wurde. In diesem Jahr gewannen die französische Schriftstellerin Cécile Wajsbrot und ihre Übersetzerin Josephine Rijnaarts mit „Nevermore“, einem Roman über die Übersetzung von Virginia Woolf ins Französische. Die Auszeichnung gerade dieses Buchs zeigt, dass das Übersetzen deutlich mehr Beachtung findet. Das ist kein Zufall, da angesichts des Aufstiegs der KI derzeit große Zweifel an dem (Mehr-)Wert von Übersetzern bestehen.

Ein französisches Buch über die Übersetzung einer englischen Autorin ins Niederländische zu übersetzen – eine Herausforderung! Josephine Rijnaarts musste alle Übersetzungsregeln über Bord werfen (so nah wie möglich am Text bleiben, nichts streichen, nichts hinzufügen). In diesem Fall musste sie genau das Gegenteil tun. Literarisches Übersetzen ist nicht einfach die Übertragung von einer Sprache in die andere; diese Aufgabe erfordert Kreativität, Einfallsreichtum und ein besonderes Sprachgefühl in der eigenen Muttersprache.

Dieses Beispiel beweist, dass die Literaturübersetzerin nicht bloß eine „Überträgerin“ ist und dass ihre Arbeit nicht von einer Maschine übernommen werden kann. Sie muss eine Sprachkünstlerin sein. Übersetzen ist (Neu-)Schaffen. Übersetzer werden deswegen heutzutage zu Recht auf den Buchumschlägen namentlich genannt.

Prof. Dr. Carl De Strycker, Institut für Niederländische Philologie

 

Zu sehen ist ein Porträt von Prof. Dr. Dina El Omari.<address>© Heiner Witte</address>
Prof. Dr. Dina El Omari, Islamisch-Theologische Fakultät
© Heiner Witte
 Auch beim Koran sollte man Sprachsensibilität mitdenken

Es gibt bereits zahlreiche Übersetzungen des Korans ins Deutsche. Jede hat ihre eigene Nuance, zugleich teilen sie viele Gemeinsamkeiten. Was ihnen bisher jedoch fehlt, ist Sprachsensibilität in Gänze mitzudenken. Hier knüpft das Projekt „Die Übersetzung des Korans in gerechter Sprache“ der Arbeitsstelle für islamisch-theologische Genderforschung an. Es hat zum einen den Anspruch, die geschlechtergerechten Potenziale des koranischen Textes auch in der deutschen Übersetzung sprachlich sichtbar zu machen und dort geschlechtergerechte Formulierungen zu bemühen, wo der arabische Text tatsächlich alle Menschen gleichermaßen anspricht – jenseits ihres Geschlechts. So möchten wir Diversität innerhalb der frühen muslimischen Gemeinde (Erstadressatinnen und -adressaten) sichtbar machen und Musliminnen und Muslimen heute einen inklusiveren Zugang zum Koran ermöglichen. Inklusive Sprache soll im Bereich der Koranübersetzungen Fuß fassen und damit einen ersten Beitrag zur sprachlichen Ent-Diskriminierung in der deutschsprachigen islamischen Theologie und ihren Subdisziplinen leisten. Zudem hat das Projekt den theologischen Anspruch, Gott geschlechtsneutral zu denken beziehungsweise denken zu können und dies entsprechend sprachlich zum Ausdruck zu bringen. Eine geschlechtergerechte und inklusive Übersetzung kann das Verständnis des Korans und der islamischen Theologie tiefgreifend verändern, indem sichtbar wird, dass insbesondere Frauen an vielen bislang unberücksichtigten Stellen mitgedacht werden.

Prof. Dr. Dina El Omari, Islamisch-Theologische Fakultät

 

Zu sehen ist ein Porträt von Javier García Albero.<address>© Dr. Timothée Pirard</address>
Dr. Javier García Albero, Romanisches Seminar
© Dr. Timothée Pirard
 Der Kampf gegen die Windmühlen geht weiter

Die KI kann heutzutage alles perfekt übersetzen, glauben einige zu wissen. Die Arbeit eines menschlichen Übersetzers ließe sich somit als Donquichotterie bezeichnen. In manchen Bereichen mag das zutreffen, nicht jedoch in der literarischen Übersetzung.
Gemeinsam mit weiteren Forschern von Universitäten in mehreren Ländern gehöre ich einer Forschungsgruppe an, die sich zum Ziel gesetzt hat, Nachahmungen von Cervantes’ Don Quijote, die im Laufe des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern erschienen sind, ins Spanische zu übersetzen. Die Texte werden von einem umfangreichen kritischen Apparat und literaturwissenschaftlichen Studien begleitet, die sich vor allem an das Fachpublikum richten.

Es handelt sich dabei in einigen Fällen um schwer zugängliche, teilweise in Vergessenheit geratene Werke, die jedoch den universalen Charakter des von Cervantes geschaffenen Mythos zeigen und erkennen lassen, wie er zahlreiche andere Autoren in einem Jahrhundert inspirierte, in dem er vor allem als Modell für die Satire auf andere Autoren, Werke oder literarische Strömungen diente.

Das Textkorpus dieses Projekts umfasst Originalwerke auf Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Was die letztgenannte Sprache betrifft, so hatte ich als Vertreter der Universität Münster das Vergnügen, gemeinsam mit Alfredo Moro Martín, einem Kollegen von der Universidad de Cantabria in Spanien, zwei Übersetzungen herauszugeben: Der teutsche Don Quichotte (1753) von Wilhelm E. Neugebauer und Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva (1764) von Christoph Martin Wieland. Derzeit arbeite ich allein an der Übersetzung von J. K. A. Musäus’ Grandison der Zweite (1760–1762). Im Laufe meiner Tätigkeit habe ich verschiedene KI-Systeme getestet, um zu prüfen, wie sie Probleme wie die Übersetzung von Kultur, Humor, den zahlreichen Anredeformen des 18. Jahrhunderts, Ton, Intertextualität oder Phraseologismen lösen. Die Ergebnisse haben mir bestätigt, wie notwendig eine menschliche, geisteswissenschaftlich fundierte Arbeit für die angemessene Übersetzung solcher Texte ist. Der Kampf geht also weiter.

Dr. Javier García Albero, Romanisches Seminar

(Webseite des Forschungsprojekts: https://www.quijotetransnacional.es)

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Themenseite aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 6, 7. Oktober 2026.

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