Künstliche Intelligenz ersetzt kein menschliches Wortgefühl
Einen Text „mal eben“ mit einem auf künstlicher Intelligenz basierenden Übersetzungstool vom Deutschen ins Englische (oder in eine andere Sprache) übersetzen oder umgekehrt: Für viele Beschäftigte der Universität Münster ist das Alltag, ob bei ihrer E-Mail-Korrespondenz, beim Erstellen von Texten oder der Übersetzung von Webseiten. Die automatisierte Übersetzung spart viel Zeit und ist eine Hilfe, schließlich beherrschen die meisten Menschen die Fremdsprache nicht so gut wie die eigene Muttersprache.
Profiübersetzerinnen und -übersetzer sehen automatische Übersetzungen mit gemischten Gefühlen. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer weist beispielsweise auf spürbare Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Werkzeugen hin und betont die menschliche Verantwortung im Umgang mit den Übersetzungen. Abhängig vom Nutzungszweck können Fehler mehr oder weniger große Folgen haben. Dennoch: Wegzudenken sind die Programme auch für viele Profis nicht mehr. „Es gibt an Hochschulen Unmengen von Texten, die übersetzt werden müssen. KI ermöglicht es uns, diese Flut zu bewältigen“, betont Robert Brambeer, der für die Supportstelle Englisch der Universität Münster arbeitet.
Zu seinen Aufgaben gehört es, Veröffentlichungen der Universität aus dem Deutschen ins Englische zu übersetzen und Übersetzungen zu prüfen. Dabei handelt es sich unter anderem um studienrelevante Ordnungen und Formulare sowie die Seiten des zentralen englischen Internetauftritts. Von den Texten, die auf seinem Schreibtisch landen und mithilfe von KI übersetzt wurden, seien viele passend übersetzt. „Für Texte, die hauptsächlich Sachinformationen und Daten kommunizieren, zum Beispiel Veranstaltungsankündigungen oder kurze Pressetexte, funktioniert die KI-Übersetzung überraschend gut“, urteilt der US-Amerikaner. Und sie spare Zeit. Aber er warnt vor teils groben inhaltlichen Fehlern, die sich hinter einer elegant klingenden Formulierung verstecken können – solche Fehler fallen ihm und dem Team der Supportstelle regelmäßig auf. Es sei daher unerlässlich, alle Texte, die die Universität öffentlich bereitstellt, zu überprüfen. Für manche Textsorten, beispielsweise Ordnungen, könne der Einsatz eines Translation-Memory-Systems hilfreich sein. Dabei handelt es sich um eine digitale Datenbank, die nach dort hinterlegten gleichen oder ähnlichen Textfragmenten sucht.
Inhaltliche Richtigkeit ist die eine Sache. Eine zweite ist der Stil, den Robert Brambeer ebenfalls im Blick hat. Die englischen Texte, die er zum Gegenlesen bekommt, sind seinem Eindruck nach gleichtöniger geworden. Wortspiele und Doppeldeutigkeiten gingen verloren. Mit KI übersetzte englische Texte klängen zudem „deutsch“. Als Beispiele nennt er Schachtelsätze, die die KI eins zu eins übersetze, die aber im Englischen nicht üblich seien. Auch im Deutschen beliebte Relativierungen wie „unter anderem“ und „auch“ kämen in der englischen Sprache nicht so oft vor. „Ich lese diese Übersetzungen, und denke: Das klingt akzeptabel, aber nicht wie von einem Muttersprachler. Dann fängt meine Arbeit an.“ Manche Texte übersetzt er lieber neu, weil die Korrektur zu aufwändig wäre. Wenn es um Wortgefühl geht oder ein tieferes gesellschaftliches und kulturelles Verständnis benötigt wird, empfiehlt Robert Brambeer menschliche Übersetzer und Redakteure. „Man kann KI-Tools für manche Textformen gut zur Übersetzung nutzen. Aber wenn es um literarische Texte geht, rate ich davon ab.“
Hintergrund:
Neuer Dienst „uniGPT Übersetzung“ ermöglicht datensichere Übersetzungen zwischen Deutsch und Englisch
Mit „uniGPT Übersetzung“ stellt die Universität Münster ihren Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Werkzeug zur Verfügung, das zwischen Deutsch und Englisch übersetzt. Noch läuft es in einer (unfertigen) Beta-Version und wird weiter verbessert. Interessierte sind eingeladen, es auszuprobieren. Jonathan Radas vom Center for Information Technology (CIT) skizziert die Idee hinter dem Projekt: „Wir möchten allen Angehörigen der Universität ein kostenfreies Tool zur datensicheren Übersetzung in annehmbarer Qualität zur Verfügung stellen.“ Das CIT hat das Projekt nach einem Impuls aus der Abteilung Web und Design organisiert, und die beiden Einrichtungen führen es nun gemeinsam durch.
„uniGPT Übersetzung“ integriert verschiedene Large Language Models. Die Entwicklung erfolgt in Abstimmung mit der Supportstelle Englisch. Seinen Nutzerinnen und Nutzern soll es ermöglichen, die sprachlichen Hausstandards ohne Aufwand einzuhalten: Es berücksichtigt das deutsch-englische Glossar der Universität zur einheitlichen Außendarstellung und orientiert sich am englischen Styleguide, der unter anderem die britische Schreibweise empfiehlt. Auch die Datensicherheit ist gewährleistet. Die Daten werden auf Uniservern verarbeitet und nicht zum Training der Modelle verwendet, sodass Texte der Vertraulichkeitsklassen eins bis drei eingegeben werden dürfen. Lediglich Daten der Klasse vier, beispielsweise Probanden-Daten aus medizinischen Studien, sind tabu.
Das CIT setzt darauf, dass möglichst viele Interessierte UniGPT Übersetzung nutzen und über die Funktion ‚Feedback zur Übersetzung‘ eine Rückmeldung geben. Gerade am Anfang sei es wichtig, Erfahrungen zu sammeln, um die Qualität der Übersetzungen kontinuierlich zu verbessern, betont CIT-Mitarbeiter Patrick Thiemig. Den Nutzerinnen und Nutzern empfiehlt er beispielsweise das Feld „erweiterte Einstellungen“ für zusätzliche Anweisungen. Um welche Fachdisziplin geht es und um welche Textform? Worauf kommt es bei der Übersetzung an? „Man kann auch ‚uniGPT‘ fragen, welche Hinweise es empfiehlt, um eine möglichst passgenaue Übersetzung zu erhalten.“
„uniGPT Übersetzung“ wird derzeit schrittweise auch in die Software Imperia integriert. Künftig steht es innerhalb des Uni-Netzes allen Nutzerinnen und Nutzern von Imperia zur Verfügung, um automatisiert Webseiten zu übersetzen. Wer möchte, kann diese Funktion bereits jetzt auf Anfrage testen (Kontakt: or.support@uni-muenster.de).
Autorin: Christina Hoppenbrock
Dieser Beitrag ist Teil einer Themenseite und stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 6, 7. Oktober 2026
Links zu dieser Meldung
- Über Robert Brambeer (Brambeer-Translations)
- Testversion von „uniGPT Übersetzung“ (erreichbar innerhalb des Uni-Netzes)
- Die Oktober-Ausgabe der Unizeitung als PDF
- Alle Ausgaben der Unizeitung auf einen Blick
- Weiterer Beitrag der Themenseite: Original anders – eine Einführung
- Weiterer Beitrag der Themenseite: Drei Sprachen – drei Perspektiven