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Münster (upm).
Zu sehen ist ein Auftritt der „Bliss Dance Crew – It’s Magic“ bei der Abschlussgala des Festivals „Neue Wände“ im Mai 2026.<address>© Ralf Emmerich</address>
Beim Festival „Neue Wände“ präsentieren Studierende alle drei Jahre auf der Bühne des Stadttheaters viele Facetten der Hochschulkultur, so wie hier die „Bliss Dance Crew – It’s Magic“ bei der Abschlussgala im Mai 2026.
© Ralf Emmerich

Kultur für die Seele

Teil 5: Zum Wintersemester nehmen viele Hochschulgruppen wieder neue Mitglieder auf

In einem Chor singen, Theater spielen, tanzen oder im Orchester musizieren: Am Anfang steht häufig eine Nachricht à la „kann ich bei euch mitmachen?“. An der Universität Münster lautet die Antwort oft „ja“, denn das Angebot an musischen Hochschulgruppen ist groß. 32 Chöre, Orchester und Theatergruppen laden zum Mitmachen ein – von zahlreichen Initiativen, die nicht offiziell gelistet sind, ganz zu schweigen.

Für viele Aktive, die es neben ihrem Studium auf die Bühne zieht, ist es nicht neu, jeden Tag zu üben und jede Woche zur Probe zu gehen. Lisanne Kempf spielt beispielsweise ihrer Erinnerung nach Theater, solange sie denken kann. „Auf einer Bühne stand ich das erste Mal in der Grundschule“, berichtet die Masterstudentin der Fächer Geschichte und Englisch. Dass kulturelles Engagement häufig auch Eigeninitiative fördert, trifft bei ihr besonders zu. Im Januar zählte sie zu den Gründerinnen einer neuen Hochschulgruppe, dem „Campus Theater Münster“, mit dem sie im Sommersemester als Emilia Galotti in Gotthold Ephraim Lessings gleichnamigem Werk in der Studiobühne der Universität zu sehen war. „Da ich ansonsten fast den ganzen Tag allein vor dem Laptop saß, war das Theaterspielen immer ein Höhepunkt. Ich habe es als Ausgleich gesehen, auf den ich mich gefreut habe.“

An ihrer Rolle habe sie vor allem die Emotionalität der Figur gereizt. „Und sie kommt mit vergleichsweise wenig Text aus. Das war attraktiv, weil ich nebenher noch einiges im Hintergrund gemacht und meine Masterarbeit geschrieben habe.“ Wahrscheinlich hat sie mit ihrem Engagement zusätzlich etwas für ihre Gesundheit getan. Denn gerade erst zeigte eine Studie des University College London mit 3.000 Probanden, dass kulturelle Aktivitäten Stress abbauen, Entzündungen hemmen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten senken können.

Typisch für die studentischen Kulturgruppen ist unter anderem, dass viele Mitglieder neben dem Theaterspielen oder Musizieren auch wichtige organisatorische Aufgaben übernehmen. So verwandeln die Orchester, die in der Aula am Aasee proben, jede Woche den Hörsaal in eine Bühne, indem sie beispielsweise Stühle, Notenpulte und die Kesselpauken aus dem Keller herauftragen und aufbauen. Andere Mitglieder engagieren sich im Vorstand, für den sie Auftritte planen, Fördermittel einwerben oder die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen. Und sei es, um zum Semesterende Plakate in der Stadt aufzuhängen – fast alle engagieren sich über das Bühnengeschehen hinaus. Dass sie auf diese Weise zusätzlich zum Studienfach andere Fähigkeiten erlernen, ist nicht die Hauptmotivation, kann aber bei der späteren Jobsuche positiv auffallen.

Den meisten Studierenden geht es mit ihrem kulturellen Engagement um den Ausgleich zu ihrem Alltag und um den Funken, den solche Erfahrungen bringen. „Ich liebe die Momente, in denen man in den Proben die Menschen um sich herum auch nach dem x-ten Mal mit einer Szene so sehr bewegt, dass sie lachen müssen oder bei unangenehmen Szenen halb unter den Tisch rutschen“, schildert Lisanne Kempf. Mit dem „Campus Theater Münster“ ist ihr Traum in Erfüllung gegangen. „Wir haben alles hinbekommen und darüber hinaus viel positiven Anklang gefunden.“

Das bestätigen auch ihre Mitstreiterinnen. Die Chemiestudentin Sarah C. van Veen, in „Emilia Galotti“ als Angelo beziehungsweise Rota, hat das Theaterspielen neben ihrem Laborpraktikum gewuppt. „Manchmal war es sehr anstrengend. Aber meistens habe ich mich auf etwas Abwechslung von meinem Studium gefreut.“ Emily Leonhard, die in den Neurowissenschaften promoviert, hatte den Aufruf zum Mitmachen im AStA-Newsletter gelesen. „Ich war sehr nervös, weil ich keine Vorerfahrungen hatte.“ Nach einem erfolgreichen Casting stand sie als Marinelli auf der Bühne und erinnert sich besonders gerne an die Euphorie nach der letzten Aufführung: „Dieser Moment war groß, und wir haben uns so verbunden gefühlt.“

Vom Medizinerchor über Bigbands bis hin zum Tanzensemble nehmen die Gruppen zu Semesterbeginn neue Mitglieder aus allen Studienfächern auf, je nachdem mit oder ohne Vorerfahrungen. Das Kulturbüro der Universität listet die Ensembles in einem Kulturatlas auf und verlinkt zu den wichtigsten Informationen, etwa Probenzeit und -ort. Im Wintersemester erscheint der Kulturatlas auch im „UniKunstKultur“-Magazin der Universität. Die Aufnahmebedingungen der Chöre, Orchester, Theatergruppen und literarischen Zirkel sind sehr unterschiedlich, deshalb lohnt sich ein Blick auf die jeweiligen Internetauftritte. Dann fehlt nur noch die kurze Nachricht: „Kann ich bei euch mitmachen?“

Hintergrund: das Kulturbüro

Mit dem Ziel, die wissenschaftlichen Universitätssammlungen der Universität in übergreifenden Belangen zu unterstützen, hat das Rektorat im Jahr 2015 die Zentrale Kustodie ins Leben gerufen. Seit Juli 2017 gehört das Uni-Kulturbüro zur Zentralen Kustodie. Außerdem betreut die Kustodie den Kunstbesitz der Universität. Wer aktiv werden möchte, kann sich im Kulturatlas über Chöre, Orchester, Bands, Theatergruppen und die Kulturorte auf dem Campus informieren. Wer ein eigenes kulturelles Projekt realisieren möchte, kann beim Kulturfonds der Universität finanzielle Unterstützung beantragen. Das Kulturbüro berät auch bei der Beantragung von außeruniversitären Förderungen und Sponsoring. Es unterstützt die Hochschulgruppen außerdem beim Marketing und bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Autorin: Brigitte Heeke

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Serie „Leben an der Uni“
© Uni MS - Designservice
Serie: Leben an der Uni

Ob Sport, eine Chorprobe oder ein gemeinsamer Abend in der WG-Küche: Ein Ausgleich zum Alltag tut gut. In dieser Serie greifen wir den Uni-Claim „wissen.leben“ auf, blicken über den Tellerrand von Forschung und Lehre hinaus und bieten Einblicke in das Leben von Menschen an der Universität. Im fünften Teil geht es um Kultur.

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 6, 7. Oktober 2026.

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