Außerirdische zum Jubiläum
Über den Tellerrand des eigenen Fachs hinaus zu denken, das ist der Impuls, den das Zentrum für Wissenschaftstheorie (ZfW) der Universität Münster vermitteln möchte – und seit 20 Jahren vorlebt. In den gut besuchten öffentlichen Ringvorlesungen und anderen Formaten sind alle Disziplinen willkommen. Die Gründung ging seinerzeit von der Philosophie aus. Sechs andere Fachbereiche waren von Anfang an dabei. Heute wird das Zentrum von fast allen Fachbereichen getragen. „Dabei gibt es immer wieder andere Schwerpunkte. Eine Zeit lang war Medizin stark vertreten, dann eher die Physik, die Biologie und generell die Lebenswissenschaften“, berichtet Geschäftsführer Prof. Dr. Jens Lemanski.
Die zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität ist ein Magnet für alle, die ihren Horizont erweitern möchten. Jens Lemanski empfiehlt besonders Studierenden, auch außerhalb der eigenen disziplinären Schranken einen Blick darauf zu werfen, was sie interessiert, und sich mit anderen zu vernetzen. Die Mitglieder des ZfW und die Besucherinnen und Besucher der Seminare, Tagungen und Vorträge setzen sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit Fragen und Problemen der Wissenschaftstheorie auseinander: Was ist Wissenschaft? Welche Methoden stehen uns zur Verfügung, um neue Erkenntnisse zu erlangen? Welche ethischen Folgen haben bestimmte wissenschaftliche Entdeckungen? „Man lernt nie aus, wenn man derartige Fragen interdisziplinär diskutiert“, meint Jens Lemanski. „Wir sind im Laufe der Jahre gewachsen und haben nun mehr Mitglieder sowie mehr Möglichkeiten und Personal.“ Er betont, dass das ZfW hochschulübergreifend in guter Gesellschaft sei: „Fast alle großen deutschen Universitäten leisten sich ebenfalls ein vergleichbares Zentrum. Das sollte man pflegen.“ Perspektivisch will sich das ZfW-Team international stärker vernetzen, ohne dabei das lokale Angebot zu vernachlässigen.
Die Geschichte:
Das ZfW wurde 2006 als ein fächerübergreifender Forschungsverbund gegründet. Seit 2020 ist es eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung. Es bündelt die vielfältigen Forschungsinteressen und organisiert Veranstaltungen. Neben dieser Verknüpfung und Intensivierung der Forschungs- und Lehraktivitäten sowie dem Wissenstransfer auf dem Gebiet der Wissenschaftstheorie leistet es Beiträge zu aktuellen Debatten. Darüber hinaus beteiligt sich das ZfW an der Planung und Organisation des wissenschaftstheoretischen Lehrangebots der Universität und unterstützt die Interdisziplinarität und Strukturierung der Graduiertenförderung. Seit dem Wintersemester 2007/2008 bietet das ZfW eigene Lehrveranstaltungen an, die sich primär an Studierende im Rahmen der allgemeinen Studien richten, aber auch von Studierenden anderer Studiengänge belegt werden können.
Die Ringvorlesung:
Autorin: Brigitte Heeke
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 6, 7. Oktober 2026.