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Münster (upm/anb).
Das Bild zeigt Colin Schulz auf einer Bank sitzend. Im Hintergrund sind die Promenade und Bäume zu sehen.<address>© Uni MS – Linus Peikenkamp</address>
Entspannt und zuversichtlich: Dr. Colin Schulz hat sich beruflich – und persönlich – auf den Wandel spezialisiert, ohne ein Maß Beständigkeit zu verlieren.
© Uni MS – Linus Peikenkamp

Innovative Gelassenheit

Wirtschaftswissenschaftler Colin Schulz erhält den Förderpreis der Universitätsgesellschaft Münster

Auch wenn es mit dem Finale beim „WiWi-Cup 2026“ an diesem Tag nichts geworden ist, ist Dr. Colin Schulz guter Dinge. Der Mann im Trainingsanzug, mit über die Schulter geworfener Sporttasche, freut sich einfach, beim Fußballturnier seines Fachbereichs mitgemacht zu haben – und jetzt zum Interview für diesen Text im Schloss zu sein. Denn Colin Schulz erhält den diesjährigen Förderpreis der Universitätsgesellschaft Münster, mit dem der Verein „herausragende Forschungsleistungen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ auszeichnet. Grund genug, den Wirtschaftswissenschaftler vorzustellen.

Seit 2021 arbeitet der 35-Jährige am Institut für Entrepreneurship. Als „Assistant Professor“ forscht er zu digitaler und ökologischer Innovation in Unternehmen. „Ich bin ein klassischer BWLer und kenne mich gut mit organisatorischem Wandel aus“, erklärt er. „Großskalige Datensätze“ seien für seine Arbeit genauso wichtig wie Interviews, mit denen er die quantitativen Daten anreichert. In seiner Forschung setzt er sich unter anderem damit auseinander, wie sich künstliche Intelligenz auf die Zufriedenheit von Beschäftigten auswirkt oder wie naturwissenschaftliche Grundlagenforschung kommerzialisiert werden kann. Das Leitmotiv ist stets die Veränderung.

Der Wandel ist in Colin Schulz‘ Biografie genauso eingeschrieben wie die Beständigkeit. Beides verbindet der Betriebswirt auf eine lässige Art – so sportlich wie er an diesem Junitag gekleidet ist, so sportlich ist seine Mentalität. Denn obwohl er in den Stunden zuvor zum ersten Mal seit zehn Jahren auf dem Rasenplatz gestanden hat, ziehen sich die Fußballanalogien durch seine biografischen Ausführungen. Beispielsweise bezeichnet er sich als „Eigengewächs“ der Uni Münster, die hiesige BWL „spiele auf hohem Niveau“, indem sie wissenschaftlichen Anspruch, Internationalität und persönliche Förderung verbinde.

Die Art zu reden und zu wirken, kommt nicht von ungefähr. Colin Schulz spielte erfolgreich Fußball, genauer als Torwart in der Juniorenbundesliga bei Preußen Münster. Nach der Juniorenzeit tauschte er seine Leidenschaft für den Sport gegen das Interesse für Zahlen und Wirtschaft ein. „Ich hatte mich bereits für das Wirtschaftsabitur an einem Berufskolleg entschieden“, erklärt er. Vom Wandel kam er so wieder zur Beständigkeit, denn er stellte fest, dass er sich fachlich gut aufgehoben fühlte. Folglich entschied Colin Schulz sich für ein BWL-Studium in Münster. Zweifel hätte er keine gehabt. „Mir lag das in der Schule, also dachte ich mir, dass es auch an der Uni klappen würde.“

Nicht nur der Förderpreis der Universitätsgesellschaft zeigt, dass er richtig lag. Auf den Bachelor in Münster folgte ein Master im dänischen Aarhus, später die Promotion in Aachen. Als Doktorand widmete er sich nicht nur der Forschungsfrage, wie Betriebe digitale Geschäftsfelder erschließen können, er wurde selbst zum Unternehmer und gründete ein Softwareunternehmen. Durch diese Erfahrungen kann er als Dozent im Hörsaal oder als Mentor im REACH – Euregio Start-up Center den Studierenden nicht nur das „theoretische Einmaleins der Unternehmensgründung“ darlegen, sondern auch praktische Einblicke geben. Bei dem Stichwort kommt Colin Schulz ins Schwärmen: „Ich liebe es, zu unterrichten! Die 90 Minuten sollen sich für die Studierenden lohnen.“ Sein Antrieb und seine Freude rühren auch daher, dass er heute in denselben Räumen lehrt, in denen er früher gelernt hat.

Er genießt es, dass er als Habilitand jene Lehre mit der Forschung und der Praxis verbinden kann. Darum strebt er inzwischen eine Professur an. „Mein Doktorvater fragte mich, ob ich mir das vorstellen könne.“ Über das mit dieser Frage verbundene Vertrauen in seine Fähigkeiten habe er sich sehr gefreut. „Irgendwer muss einem das ja sagen,“ erklärt er und hat dabei auch seine eigenen Doktorandinnen und Doktoranden im Kopf. Für sie hat er viel Lob. Ebenso für den „Top-Fachbereich“. Überhaupt seien er und seine Frau „superglücklich“ in Münster. Dieses große Maß an Beständigkeit wird er aber wohl in den kommenden Jahren wieder in einen Wandel überführen müssen. Denn Hausberufungen sind in der BWL nicht üblich. Doch er scheint das Leben ohnehin so zu nehmen, wie es kommt. „Ich freue mich erst einmal darauf, den Förderpreis im Juli entgegennehmen zu dürfen. Die Initiative der Universitätsgesellschaft weiß ich sehr zu schätzen.“

Dabei profitiert er von der Unterstützung seines Vorgesetzten, Prof. Dr. David Bendig, der in seiner Nominierung viel Gutes über seinen Mitarbeiter zu sagen hat. Colin Schulz gehöre „zu den profilstärksten Nachwuchswissenschaftler:innen im Bereich der Management- und Innovationsforschung in Deutschland“. Seine Forschungsleistungen samt herausragender Publikationen seien „für einen Wissenschaftler vier Jahre nach der Promotion außergewöhnlich“. Angesichts eines solchen Lobes ist es nicht verwunderlich, dass Colin Schulz den verpassten Finaleinzug des „WiWi-Cups“ gut verkraftet – und zuversichtlich nach vorne schaut.

Preisverleihung:

Colin Schulz nimmt den Förderpreis der Universitätsgesellschaft Münster am 9. Juli (Donnerstag) ab 18 Uhr im Hause der VR Bank Westfalen-Lippe eG, Hafenplatz 2, entgegen. Alle Interessierten sind willkommen. Eine Anmeldung ist bis zum 1. Juli online erforderlich.


Autor: André Bednarz

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 4, 17. Juni 2026.

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