Die Uni als gemeinsame Sache
Ob im Großen oder Kleinen, beruflich oder privat: Ohne ein über das übliche Maß hinausgehende Engagement vieler Menschen würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Wer sich für andere einbringt, übernimmt soziale Verantwortung und hat gleichzeitig die Chance, Dinge im Sinne des Gemeinwohls zu verändern. Auch an der Universität Münster engagieren sich viele Beschäftigte zusätzlich zu ihrer Arbeit, etwa in Gremien und Fachbereichsräten, Kommissionen und Arbeitsgruppen, Mentoring-Programmen oder im Personalrat. Dieses Engagement ist ein wichtiges Standbein der akademischen Selbstverwaltung und eine tragende Säule im hiesigen Wissenschaftssystem.
Wer erfahren möchte, was es heißt, das Leben an der Universität durch persönlichen Einsatz zu bereichern, kann beispielsweise der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) einen Besuch abstatten. Im Gebäude an der Wilmergasse haben die sechs JAV-Mitglieder seit Kurzem ein eigenes Büro. Ihre Hauptaufgabe ist es, in Absprache mit dem Personalrat die Interessen aller Auszubildenden und jugendlichen Beschäftigten gegenüber deren Vorgesetzten und der Universitätsleitung zu vertreten. Mit rund 150 Auszubildenden in mehr als 20 Berufen zählt die Uni Münster zu den größten Ausbildungsbetrieben im Münsterland.
„Die Azubis sind traditionell die schwächste Statusgruppe, deshalb ist eine gemeinsame Interessenvertretung besonders wichtig“, sagt Janis Liebetruth, der sich im vergangenen Jahr das erste Mal zur Wahl gestellt hat. „Wir setzen uns sowohl für individuelle als auch kollektive Interessen ein. Alle Azubis können sich mit Fragen oder Problemen in ihrer Abteilung an uns wenden. Wir kümmern uns aber auch um allgemeine Themen wie die Übernahme nach der Ausbildung.“ Bei den Bewerbungsgesprächen der neuen Auszubildenden ist ebenfalls immer ein JAV-Mitglied anwesend.
Allen ist es ein Anliegen, dass ihre Arbeit auch nach der zweijährigen Amtszeit erfolgreich weitergeführt wird. „Die JAV lebt vom Engagement ihrer Mitglieder. Naturgemäß ist die Fluktuation groß“, erklärt die zweite Vorsitzende Anne Degen. Gewählt werden darf nur, wer unter 25 Jahren beziehungsweise in der Ausbildung ist. Anne Degen ist bereits seit drei Jahren dabei und hat durch ihren Einsatz dazu beigetragen, dass das Gremium derzeit so gut aufgestellt ist. Um die JAV bekannter zu machen, besuchen die Mitglieder nach und nach alle Auszubildenden an ihrem Arbeitsplatz – ein Mammutprojekt, denn Janis Liebetruth und der Vorsitzende Anton Schütt sind selbst noch in der Ausbildung, und die darf durch das Engagement nicht gefährdet werden.
„Für mich war von Anfang an klar, dass ich mich in meinem Betrieb engagieren möchte, um für die Azubis etwas zu erreichen und eigene Themen einzubringen“, sagt Anton Schütt. Meist kämen sechs bis zehn Stunden JAV-Arbeit pro Woche zusammen, mal mehr, mal weniger. Für diese Zeit werden die Mitglieder von ihrer Arbeit freigestellt. Unterstützung erhalten sie unter anderem vom Personalrat, von der Personalentwicklung und dem Ausbildungsbeauftragten, von der Gleichstellungsbeauftragten und der Schwerbehindertenvertretung. „Das konstruktive Miteinander liegt uns besonders am Herzen“, betont Anne Degen.
Traditionell gehört die Mitarbeit in Gremien für Professorinnen und Professoren neben der Forschung und Lehre zu den Dienstaufgaben – mittlerweile nimmt sie laut einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Hochschulverbandes und der Konrad-Adenauer-Stiftung rund 40 Prozent der Arbeitszeit ein. Auch Hinnerk Wißmann ist vielseitig engagiert. So war er unter anderem Mitglied des Promotionsausschusses und Vorsitzender von Berufungskommissionen an seiner Fakultät sowie Mitglied und Vorsitzender diverser Fach- und Verfassungskommissionen auf Ebene der Gesamtuniversität. „Wenn man sich selbst nicht einbringt, tun es andere, und dann darf man sich nicht beschweren“, beschreibt er seine Motivation. Die Leitung des „großen Forums“ Senat könne nur mit dem Vertrauen der Mitglieder, in ständiger Abstimmung mit dem Rektorat und Hochschulrat und mit Unterstützung aus der Verwaltung gelingen.
An der Universität Münster treffe er überwiegend auf Menschen, die ähnlich denken und sich in den Dienst einer gemeinsamen Aufgabe stellen, berichtet Hinnerk Wißmann. „Durch wechselseitiges Zuhören und den Widerstreit der Argumente lassen sich am Ende die besseren Lösungen entwickeln“, unterstreicht er. „Diese optimistische Annahme möchte ich gerne weiter verteidigen.“ Allen, die sich in Zukunft engagieren möchten, rät er, von der Sache her zu denken und nicht zu viel zu erwarten – aber die Chance auf Resonanz und Wirksamkeit zu ergreifen. „Sowohl Rücken- als auch Gegenwind sind wichtige Erfahrungen in der Selbstverwaltung. So wird die Universität zu einer gemeinsamen Sache. Gerade für Studierende gilt: Sie sind bei uns nicht Kunden oder Publikum.“
Autorin: Julia Harth
Ob Sport, eine Chorprobe oder ein gemeinsamer Abend in der WG-Küche: Ein Ausgleich zum Alltag tut gut. In dieser Serie greifen wir den Uni-Claim „wissen.leben“ auf, blicken über den Tellerrand von Forschung und Lehre hinaus und bieten Einblicke in das Leben von Menschen an der Universität. Im zweiten Teil geht es um Engagement.
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 3, 6. Mai 2026.