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Münster (upm).
Zu sehen ist ein Foto von Prof. Dr. Mohamed Albdri Sliman Bashir und Prof. Dr. Angelika Lohwasser in einem Büro am Institut für Ägyptologie und Koptologie.<address>© Uni MS - Brigitte Heeke</address>
Humboldt-Stipendiat Prof. Dr. Mohamed Albdri Sliman Bashir forscht zurzeit auf Einladung von Prof. Dr. Angelika Lohwasser am Institut für Ägyptologie und Koptologie.
© Uni MS - Brigitte Heeke

Ermutigung in Krisenzeiten

Mohamed Bashir und sein Team machen wertvolle Fundstücke der sudanesischen Kultur zugänglich

„Wir haben viele kulturelle Güter verloren“, bedauert Prof. Dr. Mohamed Albdri Sliman Bashir und meint damit die Verluste durch den Krieg im Sudan seit 2023. Was der Archäologe von der University of Khartoum (Sudan) sich jedoch bewahrt, ist die Begeisterung für sein Forschungsthema, in dem es oft um „Hidden History“ geht. So untersuchte er beispielsweise Gebiete im Hinterland der antiken Siedlung Kedurma im nördlichen Sudan. „Dort gibt es noch viel zu entdecken, weil die Archäologie sich meistens auf das benachbarte antike Ägypten konzentrierte“, sagt der Spezialist für Siedlungsmuster und die antike Urbanisierung im Königreich Kusch (circa 800 v. Chr. – 330 n. Chr.). Der aktuelle Konflikt gefährde nicht nur die Menschen, sondern auch die Forschung. Doch Mohamed Bashir, der seit Oktober 2025 mit einem Humboldt-Forschungsstipendium auf Einladung von Prof. Dr. Angelika Lohwasser am Institut für Ägyptologie und Koptologie arbeitet, lässt sich nicht entmutigen. Zwei Monate vor Kriegsbeginn habe sein Team eine Ausgrabung beendet und rund 600 archäologische Funde erfasst und digitalisiert. Viele Orte seien kurz darauf zerstört oder geplündert worden, darunter Grabstätten, aber auch das Nationalmuseum in Khartum. Dank der Fotos und Daten, etwa der für die Region charakteristischen, bis zu 2.000 Jahre alten Tongefäße, bleiben die Stücke nun immerhin auf dem Computer erhalten und können in Studium, Forschung und Lehre genutzt werden.

Mohamed Bashir verbindet traditionelle archäologische Analysen mit molekularen Ansätzen, etwa DNA- und Isotopenuntersuchungen. Darüber hinaus tragen Interviews mit lokalen Gemeinschaften zu einem besseren Verständnis der weit zurückreichenden Siedlungsgeschichte und der Gegenwart der untersuchten Region bei. „In der exzellent ausgestatteten Bibliothek der Forschungsstelle Alter Sudan arbeite ich vor allem an Publikationen“, berichtet der Wissenschaftler, der in einem Gästehaus der Universität wohnt. In den vergangenen drei Jahren lehrte und forschte er an der New York University, an der LMU München und an der University of Cambridge.

Die Universität in der sudanesischen Hauptstadt wurde weitgehend zerstört, soll aber wieder aufgebaut werden. „Um unsere Studierenden zu unterstützen, unterrichten wir im Moment alle per E-Learning, viele Kollegen machen dies von Kairo oder Staaten des Mittleren Ostens aus.“ Normalerweise hätte Mohamed Bashir während des Humboldt-Stipendiums ausschließlich geforscht. „Aber wegen der schwierigen Situation gebe ich auch Kurse, um zu zeigen, dass wir zusammenhalten.“

Angelika Lohwasser hat noch eine gute Nachricht für den Gastwissenschaftler. „Vor Kurzem habe ich eine E-Mail bekommen, laut der mehrere Kisten mit Artefakten sichergestellt wurden, die aus dem Nationalmuseum geraubt wurden“, berichtet sie. Das sei ein Lichtblick, auch über den Sudan hinaus. Ein Beispiel seien Tongefäße, die viele handwerkliche Einflüsse vereinen. „In der Region muss es einen regen Handel und eine jahrhundertelange friedlich Koexistenz verschiedener, ursprünglich teils weit voneinander entfernter Kulturen gegeben haben“, erläutert Mohamded Bashir. Er hoffe, dass dieses kulturelle Erbe zu kommenden Friedensprozessen beiträgt.

Autorin: Brigitte Heeke

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 2, 1. April 2026.

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