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Münster (upm/bhe).
Zu sehen sind die Studentin Shaya Eldar (links) und der Student Elnur Misirli vor dem Portal der Musikhochschule.<address>© Uni MS - Brigitte Heeke</address>
Shaya Eldar (links) und Elnur Misirli, hier vor dem Portal der Musikhochschule, studieren in der Querflötenklasse.
© Uni MS - Brigitte Heeke

Musik verbindet die Welt

Teil 8 der Serie „Von der Uni in die Welt“ wechselt die Perspektive: Wer kommt aus anderen Ländern nach Münster?

Elnur Misirli und Shaya Eldar stehen vor dem Portal der Musikhochschule am Ludgerikreisel und frieren etwas im deutschen Winterwetter. Für einen Fototermin holen sie ihre Instrumente kurz aus dem Koffer. Auch das Kunstwerk, das mit zwei überdimensionalen Ohren die Eingangstür rechts und links rahmt, signalisiert: In diesem Haus geht es um Musik. Was man dagegen nicht sieht: Unter diesem Dach arbeiten und lernen Menschen aus aller Welt zusammen. Rund 60 Prozent der Studienanfängerinnen und -anfänger haben einen ausländischen Pass – die Musikhochschule ist der internationalste Ort der Universität Münster.

Elnur Misirli kommt aus Aserbaidschan, Shaya Eldar aus Israel. Die beiden 20-Jährigen studieren Querflöte bei Prof. Eyal Ein-Habar und berichten von der guten Gemeinschaft in ihrer Klasse und von Orchesterwerken, bei denen sie gerade mitgespielt haben. Er ist Muslim, Shaya Eldar ist Jüdin. „Aber das war nie ein Thema zwischen uns“, betont sie. „Wir sind gut befreundet“, bestätigt Elnur Misirli.

Elnur Misirli, der im ersten Bachelorsemester in Münster studiert, kennt die Hochschule als Mitglied der Jugendakademie schon seit 2023. Seine Familie zog 2014 von Baku nach Deutschland. „Meine Eltern wollten uns gute Zukunftschancen bieten“, erzählt er. Mit neun Jahren erhielt er an der Musikschule Herten seinen ersten Querflötenunterricht. Regelmäßig nahm er an Jugend-musiziert-Wettbewerben teil und erreichte erste Plätze auf Bundesebene. Der Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben ist stolz darauf, dass er inzwischen sein Können selbst weitergeben und unterrichten darf.

Shaya Eldar lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Die Preisträgerin mehrerer internationaler Wettbewerbe studiert ebenfalls ihr Hauptfach Flöte im Bachelor. „Ich kannte Münster vorher gar nicht“, erinnert sie sich, „und habe es zu Beginn mit München verwechselt, weil es sich so ähnlich anhörte. Ich wusste aber, dass es hier einen guten Professor gibt, Eyal Ein-Habar, der vorher Solo-Flötist beim Israel Philharmonic Orchestra war.“ In ihrem ersten Jahr in Deutschland hat Shaya Eldar nur Sprachkurse belegt und spricht nun fließend Deutsch. „Trotzdem ist es gut, dass wir im Unterricht Hebräisch sprechen können.“ Elnur Misirli und sie sprechen meist Englisch miteinander, das haben sie sich in ihrer ersten Zeit in Münster angewöhnt.

Zu sehen ist der Student Areg Navasardy. Er steht auf der Bühne im Saal der Musikhochschule.<address>© Uni MS - Brigitte Heeke</address>
DAAD-Stipendiat Areg Navasardyan aus Armenien studiert Geige an der Musikhochschule.
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Überhaupt, die Sprachkenntnisse. Der Armenier Areg Navasardyan lernte mit Deutsch die vierte Fremdsprache, neben Russisch, Englisch und Slowenisch. Vor etwas über zwei Jahren nahm er sein Masterstudium in Münster auf. Wie die anderen beiden hat er seinen Studienort vor allem danach ausgesucht, wer sein Hauptfach unterrichtet. „Für mich ist Professor Koh Gabriel Kameda einer der besten Geiger und Lehrer weltweit“, betont der Student. Mittlerweile studiert Areg Navasardyan im ersten Semester auf sein Konzertexamen hin, den höchsten künstlerischen Abschluss im Hauptfach Musik.

Der Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ist mit einer slowenischen Musikstudentin verheiratet, sie haben sich im Bachelorstudium in Wien kennengelernt. Für eine öffentliche Aufführung im Mai bereitet der 26-Jährige im Unterricht gerade den Solopart des Violinkonzerts des finnischen Komponisten Jean Sibelius vor. Nach dem Studium würde er am liebsten Geige an einer guten Schule unterrichten. „Das wäre ein Traum.“

Im Gespräch mit den internationalen Studierenden wird schnell klar, was rund um den Globus in aller Regel ebenfalls gilt: Wer ein gemeinsames Ziel hat, etwa eine Sinfonie aufzuführen oder ein Instrument zu lernen und andere dafür zu begeistern, der hält zusammen. International zu denken ist in der Musik keine Sensation, sondern der Normalzustand. Elnur Misirli ergänzt: „In Orchesterprojekten treffen ohnehin viele Nationalitäten aufeinander.“

Auch Barbara Plenge versteht Musik als universelle Sprache. „Sie eröffnet globale Berufsperspektiven in Orchestern, Ensembles und auf Konzertbühnen, die eine internationale Ausbildung erfordern“, unterstreicht die Prodekanin für Studium und Lehre. Deutschland habe als Wiege der klassischen Musik ein einzigartiges Erbe, das internationale Nachwuchstalente, etablierte Künstlerinnen und Künstler und Lehrpersönlichkeiten gleichermaßen anziehe. „Die Ausbildung in Deutschland – insbesondere an einer Musikhochschule und zumal an einer Universität – genießt auch im Ausland höchstes Ansehen.“

Autorin: Brigitte Heeke

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 1, 4. Februar 2026.

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Serie „Von der Uni in die Welt“:

Immer schön im eigenen Saft schmoren, mit Scheuklappen durch den Lernmarathon, forschen ohne Kontakt zur Außenwelt? Nicht an der Uni Münster! Die Universität legt Wert auf Internationalität und eine weltoffene Atmosphäre. Wer eine Zeit lang im Ausland forscht oder lehrt, bringt viele Geschichten mit. Einige davon erzählen wir in dieser Serie.

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