Zwei Physiker mit einer Laser-Vision
Der Technologiehof im Nordwesten Münsters beherbergt aktuell mehr als 60 Unternehmen und Start-ups aus den naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Fachbereichen. Die dort ansässigen Firmen entwickeln beispielsweise zukunftsweisende Lösungen in der Quantentechnologie und der Medizintechnik. Eine von ihnen ist „Refined Laser Systems“. Das mehr als 20 Mitarbeiter starke Start-up hat es sich zur Aufgabe gemacht, Prozesse der Krebsdiagnostik um ein Vielfaches zu beschleunigen. „Der große Vorteil, der durch unsere Technologie entsteht, ist die Einsparung von Wiederholungen“, erklärt Maximilian Brinkmann, Geschäftsführer und Co-Gründer des Unternehmens.
Wenn im Operationssaal Gewebe aus dem Körper entnommen wird, muss dieses aktuell in die Pathologie geschickt werden, um dort untersucht zu werden. Sollte sich dabei beispielsweise herausstellen, dass die Nadel nicht richtig gesetzt wurde, wird der Patient ein weiteres Mal einberufen und der Stich erneut gesetzt. Das bedeutet zusätzlichen Stress und lange Wartezeiten. Mit „Refined“ soll das Procedere auf wenige Minuten reduziert werden. „Der Nutzer kann innerhalb kurzer Zeit nach der Biopsie zahlreiche Informationen analysieren und am Bildschirm darstellen lassen“, fasst Tim Hellwig, technischer Direktor und Co-Gründer zusammen. So kann der gesamte Prozess direkt im OP vonstattengehen.
Die beiden Physik-Alumni verfolgen ihre Idee bereits seit fast zehn Jahren. Ihre wissenschaftlichen und persönlichen Wege kreuzten sich zum ersten Mal im Jahr 2011 in der Arbeitsgruppe „Optische Technologien“ von Prof. Dr. Carsten Fallnich. „Wir hatten beide ein starkes Interesse an optischen und insbesondere Lasertechnologien“, erinnert sich Tim Hellwig. „Während unserer Abschlussarbeiten wurden wir gleichzeitig Mitglied der Gruppe.“ Im Gegensatz zu seinem heutigen Kollegen, der zu dieser Zeit an seinem Bachelorabschluss arbeitete, schrieb Tim Hellwig noch eine Diplomarbeit. Die Umstellung auf das Bachelor-System erfolgte genau zwischen ihren Studienanfängen.
Sechs Jahre später begannen die Freunde, ihr Konzept der Laser- und Mikroskopietechnik auf Konferenzen vorzustellen. Mit ihren Ideen und Businessplänen warben sie Förderungen des Landes NRW sowie das prestigeträchtige EXIST-Gründungsstipendium ein. „Das Projekt war eine erweiterte Ausarbeitung meines Promotionsthemas“, sagt Maximilian Brinkmann.
Bei der Ausgründung im Jahr 2019 erhielt „Refined Laser Systems“ Unterstützung von der Universität Münster. Neben ihrem Institut war es vor allem die Abteilung Wissenschafts- und Technologietransfer, damals noch bekannt als Arbeitsstelle Forschungstransfer, die ihnen wichtige Hilfestellungen gab.
Obwohl die Physiker aus Brakel und Lüdenscheid kommen, verstehen sie sich inzwischen als Münsteraner. „Meine drei Kinder sind hier aufgewachsen, ich wohne und arbeite in dieser lebenswerten Stadt, also bin ich auch Münsteraner“, betont Tim Hellwig. Auch Maximilian Brinkmann lebt mit seiner Frau und Tochter in der Westfalenmetropole und hat sie längst als seine Heimat anerkannt. Wenn er gerade nicht Zeit mit seiner Familie oder in seinem Büro in der Mendelstraße verbringt oder nebenbei den Master of Business Administration an der Professional School der Universität Münster abschließt, geht der 39-Jährige einem Hobby nach, das ihn seit seiner Studienzeit begeistert. „Beim Durchblättern der Angebote des Hochschulsports bin ich damals auf Feldhockey gestoßen“, berichtet er. „Daran habe ich großen Gefallen gefunden, sodass ich bis heute versuche, den Sport in mein Leben zu integrieren.“ Auch Tim Hellwig probierte während seines Studiums verschiedene Hochschulsport-Angebote aus, einen Großteil der Zeit verbrachte er allerdings am Steuer eines Krankenwagens, um Geld für sein Studium zu verdienen.
Die Arbeitswelt von „Refined Laser Systems“ hat sich mit steigendem Erfolg stark verändert. Hatte das Unternehmen zu Beginn zwei Räume angemietet, belegt es nun mehr als 300 Quadratmeter im Technologiehof. Auch die Arbeit der Geschäftsführer sieht inzwischen anders aus. „Wir sind heute vor allem administrativ tätig, in den Bereichen Finanzen, Marketing und Vertrieb“, schildert Tim Hellwig. „Als technischer Direktor bin ich zwar noch in die Prozesse involviert, beim Bau von Lasern legen wir aber nicht mehr selbst Hand an.“ „Das können unsere Mitarbeiter inzwischen auch viel besser“, ergänzt Maximilian Brinkmann und lacht.
Das kommende Jahr wird das wohl spannendste in der Geschichte des münsterschen Unternehmens, denn aktuell arbeiten die beiden Geschäftsführer da-ran, die Laser-Lösungen in Krankenhäuser und Kliniken zu bringen. „Wir haben die meiste Zeit an der Technologie gearbeitet, um möglichst schnell Daten zu bekommen und zu analysieren“, erläutert Maximilian Brinkmann. „Für 2027 planen wir den Start eines Geräts, das in einem OP-Saal steht und direkte Ergebnisse liefert.“ Bis dahin gilt es noch, viele Hürden zu überwinden. Aber der Name der Hardware steht bereits fest: Aquila – der Adler.
Autor: Tim Zemlicka
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 6, 7. Oktober 2026.