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Münster (upm).
Vier Studierende sitzen an einem Tisch im Freien auf einer Wiese. Im Hintergrund steht ein Baum, dahinter sind Hecken zu erkennen.<address>© Uni MS – Linus Peikenkamp</address>
Sina Becker, Ann-Sophie Jochmann, Phil Holtbernd und Jost Hanfland (von links) sowie die anderen Promovierenden aus der AG Schmid sind nicht nur eine Laborgemeinschaft, sondern auch Freunde.
© Uni MS – Linus Peikenkamp

Ein gutes und hilfreiches Miteinander

Teil 4: An der Uni Münster gibt es zahlreiche Gemeinschaften – vier Beispiele

Die Soziologie kennt eine hilfreich-einfache Definition: Demnach handelt es sich bei Gemeinschaften um überschaubar große Gruppen von Menschen, die durch ein „Wir-Gefühl“ miteinander verbunden sind. Das gilt beispielsweise für (Dorf-)Gemeinden, Freundeskreise, Clans und Familien – oder für die einstigen Wildbeuter-Horden. Gemeinschaften gelten als die ursprünglichste Form des Zusammenlebens. Auch an der Universität gibt es zahlreiche Gruppen, deren Mitglieder gemeinsame Interessen, Erfahrungen und Ziele teilen – vier Beispiele:

Über die Promotion hinaus

Was die aktuell acht Doktorandinnen und Doktoranden von Prof. Dr. Jochen Schmid am Institut für Molekulare Mikrobiologie und Biotechnologie verbindet, ist das Interesse an ihrem Fach. Aber neben der Doktorarbeit haben sie momentan ein kulinarisches Ziel: Sie möchten lernen, indisch zu kochen – zumindest das eine oder andere Gericht. Suprava Priyadarsini Nayak weiß, wie es geht, und gibt ihr Wissen bei Kochtreffen weiter. Auch gemeinsame Mittagspausen mit selbstgemachten Quesadillas, Send-Besuche, Spieleabende, Grillen am Institut und andere Aktivitäten gehören regelmäßig dazu. Oft sind auch Studierende und Postdocs der Arbeitsgruppe dabei. „Seit Kurzem haben wir zudem eine Volleyball-Gruppe, an der auch Angehörige anderer Arbeitsgruppen des Instituts teilnehmen“, erzählt Jost Hanfland. Das gute Miteinander entsteht dadurch, dass es zwischenmenschlich passt, da sind sich alle einig. „Die Promotion trägt einen wichtigen Teil dazu bei“, unterstreicht Pauline Gravermann. „Wir stehen vor ähnlichen Herausforderungen und können Erfolge und Rückschläge miteinander teilen, uns gegenseitig um Rat fragen oder bei Experimenten unterstützen. Das schweißt zusammen.“

Rhetorik und Freundschaft

Im Debattierclub geht es um mehr als nur das Training von Rhetorik. Studierende verschiedener Fachrichtungen nutzen die Gruppe, um ihre Argumentationsfähigkeit zu schärfen und eine mögliche Hemmschwelle beim öffentlichen Sprechen abzubauen. Zweimal wöchentlich treffen sich die Teams zu Debattierabenden, jede Gruppe bekommt per Los eine Position zugewiesen. Beispiel: Brauchen wir eine Wehrpflicht? „Wichtig ist, die Debatte von der eigenen Meinung zu trennen. Oft vertreten wir Positionen, die nicht unsere eigenen sind“, erklärt Julia Peris, die seit 2024 dabei ist. Das schule den Blick für andere Perspektiven.

Bei gemeinsamen Barbesuchen oder Ausflügen festigt sich die Bindung der etwa 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Wir sind Freunde geworden“, sagt sie. Diese Verbundenheit zeigt sich besonders bei Turnieren im deutschsprachigen Raum, wo das Miteinander wichtiger ist als das Endergebnis. Ein typisches Merkmal der Gruppe: Wenn eines der eigenen Teams debattiert, sitzen die anderen in der ersten Reihe und nicken bestätigend – eine Geste, die gerade Neulingen Sicherheit gibt. Der Club zeigt, dass intellektuelle Herausforderungen und ein entspanntes Miteinander funktionieren. Wer hier eintritt, lernt nicht nur für das spätere Berufsleben, sondern findet eine Gruppe, die gerne Zeit miteinander verbringt.

Mensa-Buddies

Der Zeitplan ist klar und eindeutig: montags um 13.30 Uhr in der Mensa am Ring, dienstags um 11.30 Uhr in der Mensa am Bispinghof und jeden Donnerstag ebenfalls um 11.30 Uhr in der Mensa am Aasee. Seit rund einem Jahr treffen sich die vier Studentinnen und ein Student dreimal pro Woche zum gemeinsamen Mittagessen. Pünktlich und komme, was wolle. Irgendwie passt dieses auf den ersten Blick strenge Timing geradezu perfekt zum Studienfach, das den „Fünfer-Club“ ebenfalls miteinander verbindet: Sie alle studieren strategische Kommunikation. Viel wichtiger als die minutiöse Organisation sei natürlich, betont Katharina, „dass wir die Mensen als Ort der Gemeinschaft lieben – und natürlich das tolle Essen“.

Als sich die fünf Studierenden, die zuvor ihren Bachelor in unterschiedlichen Studienorten gemeistert hatten, erstmals zum vergangenen Wintersemester im Seminarraum trafen, stand für alle schnell fest: Unsere Freundschaft soll auch durch den Magen gehen. „Für uns ist die Mensa nicht nur ein Raum zum Essen, sie ist für uns auch ein sozialer Anlaufpunkt.“ Ihr „Ritual“ ist mittlerweile bis ins Detail durchdacht, strategisch halt. Ist 11.30 Uhr nicht etwas früh fürs Mittagessen? „Nein“, meint Katharina, „an diesen Tagen frühstücke ich einfach nicht. Außerdem ist es um diese Uhrzeit wunderbar leer.“

Der Glaube isst mit

Das von der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG) ausgerichtete sommerabendliche „Meet & Eat“ (mittwochs, 19.30 Uhr) ist leiblich durch das gemeinsame Essen und geistig vom einander verbindenden Glauben geprägt. Letzterer ist im Garten der KSHG aber auffällig unauffällig. Zu Beginn spricht Leon Lindstedt, Referent für Diversität und Gemeindeleben, ein kurzes Tischgebet. Doch viel mehr organisierte Spiritualität gibt es an diesem Abend nicht. Ein kurzes Fachsimpeln über die kirchenrechtliche Bedeutung von Laienpredigten ergibt sich ganz spontan.

Religiosität ist also keine Voraussetzung, um dabei zu sein. Doch sie schwingt mit. Allein weil einige der rund 15 jungen Menschen, die um den heutigen Couscous-Gemüse-Topf versammelt sind, Theologie an der Fakultät nebenan studieren. Greta, Sophia, Paula etwa, auch Referent Leon studiert im Master. „Der Glaube ist ein gemeinschaftsstiftendes Element“, sagt Leon Lindstedt. Doch jeder könne dazukommen. Das gilt für einige andere Angebote der Gemeinde (!) ebenfalls. Mittagsgebete, Gottesdienste, Yoga, Chor oder Improtheater bringen viele Menschen zusammen – nicht nur (gläubige) Studierende.

Autorinnen und Autorin: André Bednarz, Hanna Dieckmann, Christina Hoppenbrock und Norbert Robers

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 5, 22. Juli 2026.

 

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Serie „Leben an der Uni“
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Serie: „Leben an der Uni“

Ob Sport, eine Chorprobe oder ein gemeinsamer Abend in der WG-Küche: Ein Ausgleich zum Alltag tut gut. In dieser Serie greifen wir den Uni-Claim „wissen.leben“ auf, blicken über den Tellerrand von Forschung und Lehre hinaus und bieten Einblicke in das Leben von Menschen an der Universität. Im vierten Teil geht es um Gemeinschaft.

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