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Münster (upm/kk)
Kollage von mehreren Motiven: Beim Leonardo-Campus-Run treffen sich Beschäftigte und Studierende aus allen Bereichen der Universität. Beim Konzert in der Musikhochschule, im Archäologischen Museum oder im Botanischen Garten können Besucherinnen und Besucher die Gedanken schweifen lassen.<address>© Peter Leßmann, Izabela Qevani, Nike Gais, Linus Peikenkamp (von oben nach unten)</address>
Beim Leonardo-Campus-Run treffen sich Beschäftigte und Studierende aus allen Bereichen der Universität. Beim Konzert in der Musikhochschule (hier Studierende der Cello-Klasse), im Archäologischen Museum oder im Botanischen Garten können Besucherinnen und Besucher die Gedanken schweifen lassen.
© Peter Leßmann, Izabela Qevani, Nike Gais, Linus Peikenkamp (von oben nach unten)

Die mentale Batterie aufladen

Teil 3: Vier Freizeitorte an der Uni Münster zwischen Abschalten und Auftanken

Vorlesungen, Seminare, Prüfungen, Deadlines – und irgendwo dazwischen soll auch noch Freizeit sein. Theoretisch. Praktisch sieht es oft anders aus: Laut einer Studie im Auftrag des AOK-Bundesverbands leidet mehr als die Hälfte der Studierenden unter hohem Stress. Auch Beschäftigte kennen das unangenehme Gefühl, dass Arbeit und Privatleben manchmal ineinander verschwimmen.

Dabei zeigen Forschungsergebnisse längst, dass es ohne Pausen nicht geht. „Erholung ist der Prozess, der die negativen Effekte von Stress wieder umkehrt. Umgangssprachlich laden wir dabei unsere mentale Batterie wieder auf“, sagt Prof. Dr. Carmen Binnewies. Entscheidend sei nicht, was man tut, meint die Professorin für Arbeitspsychologie an der Uni Münster, sondern wie man es erlebt: abschalten, entspannen, etwas Bedeutsames tun oder selbst entscheiden, womit man seine Zeit verbringt.

Die gute Nachricht ist, dass man an der Universität dafür nicht weit laufen muss. Der Campus bietet verschiedene Orte, um die Akkus neu aufzuladen. Vier Vorschläge:

Auf die Plätze, Feierabend, los!

4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, eine Strecke quer über den Leonardo-Campus und eine seit über 20 Jahren bestehende Tradition. Der Leonardo-Campus-Run ist eine der beliebtesten Freizeitveranstaltungen an der Universität. Er wird vom Hochschulsport organisiert, der mit rund 150 Sportarten eines der größten Hochschulsportprogramme Deutschlands anbietet.

Auch ich stehe dieses Jahr wieder am Start, zum dritten Mal, zusammen mit Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich mich schon Wochen vorher gegenseitig angestachelt habe. Als passionierte Hobbyläuferin sind die fünf Kilometer für mich keine Überwindung, aber darum geht es an diesem Abend nicht. Es geht vielmehr um die Stimmung mit dem Stimmengewirr, der Aufwärmmusik, den Startnummern auf verschwitzten T-Shirts.

Typisch für den Lauf ist, dass Erstsemester neben Professorinnen laufen, Azubis neben Doktoranden – manche sprinten, manche joggen, manche walken. Angefeuert werden alle. Hier begegnet man sich auf Augenhöhe, jenseits von Hierarchien und Dienstplänen.

Mittagspause auf vier Saiten

An einem Dienstagmittag nehme ich mit rund 30 anderen Gästen im Konzertsaal der Musikhochschule Platz. Die Studierenden der Violaklasse von Professorin Tomoko Akasaka haben zu einem Lunchkonzert eingeladen. Auf dem Programm stehen beispielsweise Werke von der britischen Komponistin und Bratschistin Rebecca Clarke. Große Namen für eine kleine Mittagspause.

Schon nach den ersten Takten wird mein Kopf ruhiger. Man muss nichts tun, nichts leisten, nichts verstehen. Man sitzt nur da und genießt. Das ist es, was die Musikhochschule als Freizeitort besonders macht. Hier kann man fast jeden Tag Konzerten lauschen, sei es zur Mittagszeit, bei der musikalischen Kaffeepause oder bei abendlichen Veranstaltungen. Egal ob Saxophon, Klavier, Gesang oder Gitarre, Barock oder Pop: Die Bandbreite ist riesig und der Eintritt fast immer frei.

Als der Applaus einsetzt, schaue ich auf die Uhr: Es ist kurz nach halb eins. Die Mittagspause ist vorbei. Mein Kopf fühlt sich frisch gelüftet an.

Mumie statt Mensa

Wer über den Domplatz schlendert, kann gar nicht anders, als hinzuschauen. Durch die große Glasfront des Archäologischen Museums blickt man direkt auf antike Statuen und Reliefs. Der Eintritt ist frei, es gibt kein Gedränge, die Tür steht jedem offen.

Mein erster Weg führt mich ins Untergeschoss, wo mit der Münster-Mumie die wohl bekannteste Bewohnerin des Hauses zu finden ist. Sorgfältig konserviert und wissenschaftlich erforscht liegt hier, mitten in Westfalen, eine echte ägyptische Mumie. Wer war dieser Mensch? Wie hat er gelebt? Es sind Momente, in denen ein Museum mehr tut als informieren. Es lässt einen innehalten.

Im Erdgeschoss erwartet mich das Kontrastprogramm. An einer VR-Station setze ich eine Brille auf und stehe plötzlich im antiken Doliche, einer Stadt im Südosten der heutigen Türkei, die seit Jahren an der Uni Münster erforscht wird. Ich blicke über antike Straßenzüge, drehe mich um und sehe Säulenreste. Forschung zum Eintauchen. Wer danach noch mehr Neugier spürt, für den liegen mit dem Bibelmuseum und dem Geomuseum zwei weitere Uni-Museen in unmittelbarer Nähe.

Kopf frei zwischen Orchideen und Edelweiß

Wer nach diesem Programm einen weiteren Beweis braucht, dass Erholung keinen Termin braucht, sollte den Botanischen Garten besuchen. Mein Büro im Schloss ist nur wenige Schritte entfernt und perfekt für eine bewegte Pause zwischen Redaktionsschluss und Recherche. Der Eintritt ist frei, und man braucht keinen Plan. Einfach reingehen, die Wege erkunden und durchatmen. Irgendwo duftet es nach Lavendel, Blüten leuchten zwischen sattem Grün. Ich bleibe stehen, staune und merke, wie die Gedanken in meinem Kopf sich von der Arbeit lösen.

Kurz darauf stehe ich vor den „Rocky Mountains“. Dieser naturnah gestaltete Lebensraum bringt ein Stück Nordamerika hinter das Schloss. Raue Felsen, alpine Stauden und das Gefühl, gerade sehr weit weg vom Stress zu sein. Ein paar Schritte weiter wird es tropisch warm. Im Epiphytenhaus wachsen die Pflanzen nicht aus der Erde, sondern auf anderen Pflanzen. Diese sogenannten Aufsitzerpflanzen ranken, klettern und hängen in alle Richtungen. Zum Abschluss drehe ich eine Runde um den See, jetzt geht es zurück an den Schreibtisch.

Das Fazit meiner kurzweiligen Besuche lautet: Es muss nicht immer ein großes Freizeitprogramm sein. „Es kommt auf das Erleben an. Ein zu stark verpflichtendes Angebot kann sogar dazu führen, dass die Erholung ausbleibt“, bestätigt Carmen Binnewies. Ihr Rat lautet, sich zu fragen, bei welchen alltäglichen Aktivitäten man entspannen kann, und diese bewusst in den Tag einzubauen. „Gerade wenn viele Termine anstehen, sollte man Erholung gezielt einplanen, sonst bleibt keine Zeit dafür übrig.“ Manchmal sind es eben die kleinen Auszeiten, die den Unterschied machen.

Autorin: Kathrin Kottke

 

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 4, 17. Juni 2026.

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