|
Münster (upm/bhe).
Das Bild zeigt das Ensemble in der Kongresshalle der Halle Münsterland. Etwa vier Dutzend Musikerinnen und Musiker stehen in dunkler Abendgarderobe eng nebeneinander auf einer Treppe und, schauen fröhlich in die Kamera und präsentieren ihre Instrumente.<address>© Adam Karas</address>
Etwa 90 Musikerinnen und Musiker, größtenteils Studierende der Universität, aber auch der Musikhochschule, sowie Berufstätige erarbeiten jedes Semester gemeinsam ein sinfonisches Programm. Die Proben finden donnerstags abends in der Aasee-Aula statt. Einen festen Konzertort für die Sinfonieorchester der Uni gibt es derzeit nicht.
© Adam Karas

Die Probe als Höhepunkt der Woche

Das Studierendenorchester feiert sein 50-jähriges Bestehen – vier Mitglieder erzählen, warum sie dabei sind

Das Studierendenorchester Münster (SOM) feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Seit seiner Gründung im Jahr 1976 haben viele Hundert Mitglieder aller Fachbereiche in diesem Ensemble der Universität mitgewirkt, das bis vor Kurzem noch „Studentenorchester“ hieß. Das Üben des eigenen Parts zu Hause, unzählige Proben und Zusatztermine, Engagement über die Musik hinaus, etwa beim Auf- und Abbau der Bühne, in Vorstandssitzungen und in der Konzertwerbung: Das alles findet in der Freizeit neben dem Studium statt. Was bewegt die Mitglieder zu diesem Engagement? Exemplarisch geben hier eine Fagottistin, ein Streicher, ein Tubist und ein Oboist einen Einblick in ihre Motivation.

Für Hannah Dewein war sonnenklar: „Das Orchester war quasi das erste, um das ich mich nach dem Studienplatz und der Wohnungssuche in der neuen Stadt gekümmert habe.“ Die Medizinstudentin ist seit dem Sommersemester 2024, ihrem ersten Semester, dabei. Zuvor spielte sie bereits im Landesjugendorchester Baden-Württemberg sowie während und nach ihrem Abi im Freiburger Studierendenorchester. „Mein ganzes Leben dort war gut gefüllt, unter anderem mit Kammermusik und Orchesterprojekten. In Münster, mehr als 500 Kilometer entfernt, kannte ich fast nichts und niemanden.“ Das SOM wurde zu ihrem „ersten musikalischen Zuhause“, das ihr die Tür zu einer neuen Münster-Musikwelt öffnete. Neben vielen guten Freundschaften halte diese zahlreiche weitere Musikprojekte und Möglichkeiten bereit. Zum vergangenen Wintersemester hat Hannah Dewein zudem die Stimmführung der Holzbläser übernommen.

Dass solche Ämter in der Musik und in der Organisation der Gruppe wichtig sind, weiß auch Benjamin Thieroff, der im Vorstand des Orchesters für die Organisation der Proben und Konzerte zuständig ist. Der 21-Jährige möchte dem Orchester damit etwas zurückgeben. „Außerdem plane und gestalte ich gerne die Konzerte mit.“ Ein schöner Nebeneffekt sei der Kontakt, der auf diese Weise zu allen Mitspielenden bestehe. „Es macht mir unfassbar viel Spaß, zusammen mit anderen zu musizieren“, schwärmt der Medizinstudent. „Musik hat etwas Verbindendes, und das spürt man sofort. Über die Musik habe ich viele meiner besten Freundinnen und Freunde kennengelernt.“ Er vergesse schnell, wie voll der Kalender im Jubiläumssemester sei: das „Neue Wände“-Festival, der Besuch eines befreundeten Orchesters aus dem niederländischen Utrecht, ein Pfingstprojekt und natürlich die Semesterabschlusskonzerte. „Jedes einzelne Erlebnis macht viel Spaß“, findet der Oboist. „Ich lerne jedes Mal etwas Neues dazu.“ Jetzt blicke er mit Vorfreude vor allem auf das Probenwochenende und die Jubiläumskonzerte im Juli.

Joost Hoveling freut sich immer auf die nächste Probe: „Meist den ganzen Tag, fast schon die ganze Woche“, fiebert der Tubist darauf hin. „Für mich ist es ein absoluter Ausgleich zum Alltag.“ Das schönste Erlebnis seien die Probenwochenenden. „Viel Musik, viel Freude und ganz viele schöne und witzige Momente, dazu ein unterhaltsamer bunter Abend mit sehr abwechslungsreichem Programm“, zählt der 26-jährige Lehramtsstudent auf. „Es entsteht ein großes Gemeinschaftsgefühl.“

Für dieses Gemeinschaftsgefühl findet Timo Veenhuijzen eine sportliche Umschreibung: „Das Schönste ist, wenn kurz nach dem Stimmen der Dirigent auftritt und das Konzert beginnt. So stelle ich es mir als Fußballprofi in einem Stadion kurz vor Anpfiff vor.“ Der 28-Jährige studiert Mathematik und Niederlandistik, ebenfalls auf Lehramt. Im SOM spielt er Geige beziehungsweise Bratsche. „Das gibt mir viel Energie“, betont der ehemalige Vorsitzende des Orchesters, das sich regelmäßig an besondere Konzertformate oder Kooperationen wagt. „Am interessantesten fand ich das Projekt ,Quantum100‘. Die Kombination aus Quantenphysik und Musik, dazu noch mit internationalen Gästen, bleibt für mich unvergesslich.“ Verrückt sei für ihn das Konzert „Barock bis Rock“ gewesen. „Insbesondere der gemeinsame Auftritt mit der Death-Metal-Band ,Words of Farewell‘ war eine unfassbare energetische Kombination.“

 

Terminhinweis:

Das SOM feiert sein Jubiläum mit zwei Konzerten im „Messe und Congress Centrum Halle Münsterland“: Am 17. Juli (19.30 Uhr) und 18. Juli (18 Uhr) spielt es unter der Leitung von Farhad Garayusifli unter anderem Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1 in D-Dur und George Gershwins „An American in Paris“. Tickets sind online für 16 Euro (ermäßigt acht Euro) erhältlich.

 

Im aktuellen „UniKunstKultur“-Magazin ist ebenfalls ein Beitrag zum Studierendenorchester erschienen – mit Einblicken in die Geschichte und Glückwünschen. Der Beitrag ist online zu finden.

 

Autorin: Brigitte Heeke

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 4, 17. Juni 2026.

Links zu dieser Meldung