Zwei Experten berichten, wie der Klimawandel die heimische Tierwelt verändert
Ein warmer Dachstuhl ist für Fledermäuse ein Segen – die Jungtiere wachsen dort schneller heran als an kühleren Orten. Doch wenn sich eine Hitzewelle festsetzt, wird genau dieses Quartier zur Todesfalle – vor allem für Jungtiere. Wenn die Temperaturen auf über 40 Grad Celsius steigen, können diese die Wärme nicht mehr abführen. Solange sie nicht flugfähig sind, sind sie der Hitze ausgeliefert. Was sich an diesem Beispiel zeigt, gilt für die einheimische Tierwelt insgesamt: Der Klimawandel verschiebt Lebensräume, bringt fein abgestimmte Zeitpläne durcheinander und macht Extremereignisse wahrscheinlicher.
Doch wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Kälteangepasste Arten weichen nach Norden oder in höhere Lagen aus – doch für Gebirgsarten gebe es irgendwann kein „Weiter-oben“ mehr, betont Sascha Buchholz. Wälder leiden unter Hitzestress, Moore trocknen aus – mit ihnen verschwinden seltene, auf Feuchtigkeit angewiesene Tier- und Pflanzenarten. Die Waldeidechse zum Beispiel hat mit trockener werdenden Wäldern zu kämpfen. Bei den Fledermäusen trifft es die Teichfledermaus besonders hart: Europaweite Modelle sagen ihr unter allen Fledermausarten einen der größten Lebensraumverluste voraus, weiß Florian Gloza-Rausch
Angesichts dieser Entwicklungen sind sich beide Experten einig: Der Klimawandel verschärft bestehende Probleme – Insektenrückgang, Habitatverlust, Lebensräume, die durch Straßen und Siedlungen voneinander isoliert sind. Die wichtigste Antwort: Lebensräume sichern, vergrößern und vernetzen. Moore sollten wiedervernässt, Flüsse renaturiert und naturnahe Wälder gefördert werden. Solche Ökosysteme puffern Hitze, speichern Wasser und bieten Rückzugsorte bei Extremwetter – selbst ein strukturreicher Garten mit Totholz, Wasserstelle und heimischen Pflanzen kann als lokale Pufferzone wirken.
Viele der nötigen Maßnahmen seien technisch nicht kompliziert, betont der Fledermausforscher – sie müssten nur gewollt und konsequent umgesetzt werden. Sascha Buchholz ergänzt: „Da ein klarer politischer Wille zur Veränderung fehlt, bin ich nicht sonderlich optimistisch. Aber hoffnungsvoll bleibe ich – sonst wäre ich kein Ökologe.“
Autorin: Hanna Dieckmann
Dieser Artikel ist Teil einer Themenseite zum „Sommer im Wandel“ und stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 4, 17. Juni 2026.