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Münster (upm/ch).
Blick auf das &quot;Mammut von Ahlen&quot; im Geomuseum der Uni Münster. Perspektive: Blick auf das Mammutskelett von vorn/unten; links läuft die gewundende Treppe in den ersten Stock hoch. Das Skelett steht auf einem Sockel. Im Hintergrund stehen weitere Exponate im Ausstellungssaal.<address>© Uni MS - Christoph Steinweg</address>
Die Museen der Universität Münster (hier ein Blick in die Ausstellung des Geomuseums) leisten einen Spagat zwischen den Anforderungen von Lehre, Forschung und einer breiten Wissensvermittlung.
© Uni MS - Christoph Steinweg

„Die Bevölkerung schätzt die Institution Museum sehr“

Lioba Keller-Drescher über den Stellenwert von Museen und Erwartungen der Gesellschaft

Der Deutsche Museumsbund richtet seine Jahrestagung vom 10. bis 13. Mai in Münster aus. Unter den Einrichtungen, die sich beim Konferenzauftakt vorstellen, sind das Archäologische Museum, das Bibelmuseum, das Geomuseum und der Botanische Garten der Universität Münster. Aus diesem Anlass sprach Christina Hoppenbrock mit Prof. Dr. Lioba Keller-Drescher vom Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Universität Münster darüber, welchen gesellschaftlichen Stellenwert Museen heutzutage haben und vor welchen Herausforderungen sie stehen.

 

Porträt von Prof. Dr. Lioba Keller-Drescher<address>© Nora Dal Cero</address>
Prof. Dr. Lioba Keller-Drescher hat die „Professur für Europäische Ethnologie“ mit den Schwerpunkten Museum, Sammlung und materielle Kultur.
© Nora Dal Cero
Im vergangenen Jahr waren die drei Uni-Museen und der Botanische Garten mit rund 346.000 Gästen sehr gut besucht. Spricht das auch für einen grundsätzlich hohen Stellenwert von Museen in unserer Gesellschaft?

Die Bevölkerung schätzt die Institution Museum sehr, wie eine aktuelle Studie des Instituts für Museumsforschung zeigt. Das ist ein sehr ermutigendes Ergebnis, denn die Museen sehen sich gleichzeitig mit hohen Erwartungen konfrontiert, die die Politik und verschiedene gesellschaftliche Gruppen an sie herantragen.

Zum Beispiel?

Die Museen sollen nachhaltige Museumsarbeit leisten, wozu nicht nur der Klimaschutz zählt. Sie sollen beispielsweise breite Bevölkerungsschichten einbeziehen und Bildung unabhängig vom sozialen Status zugänglich machen. Sie sollen sich kritisch mit ihren Sammlungen beschäftigen. Das ist alles verständlich, aber man sollte den Museen nicht zu viele neue Anforderungen aufladen, damit sie handlungsfähig bleiben. Glücklicherweise arbeiten in Museen in der Regel Menschen, die dafür empfänglich sind, diese Ziele ernst zu nehmen. Sie sehen sich nicht als diejenigen, die nur auf die Sammlungen aufpassen.

Gleichwohl haben die Museen mit diesen vielfältigen Erwartungen bereits zu kämpfen, oder?

Das stimmt. Denn Einschränkungen durch fehlendes Personal oder eine nicht ausreichende Finanzierung kommen hinzu. Eine weitere praktische Herausforderung besteht darin, dass die Museen ihre Sammlung nahbar präsentieren wollen, andererseits sollen sie die Exponate vor Berührungen schützen. Menschen haben aber den Impuls, Dinge im Wortsinne ‚begreifen‘ zu wollen. Museen reagieren zunehmend darauf, indem sie Mitmach-Stationen anbieten, in denen man etwas anfassen darf. Besonders Kinder schätzen das sehr.

Hat sich auch am Selbstverständnis der Museen im Laufe der Jahre etwas verändert?

Kuratorinnen und Kuratoren nehmen die gesellschaftlichen Herausforderungen heutzutage stärker wahr und versuchen sie in ihrer Sammlungs- und Ausstellungsarbeit zu reflektieren. So ist zum Beispiel die Ablehnung von Restitutionsansprüchen, die früher vorherrschte, heute nicht mehr denkbar.

Was zeichnet Museen als Bildungsorte aus?

Beim Besuch eines Museums oder einer Ausstellung wird durch die inszenierten Dinge, Bilder und Texte nicht nur ein Thema vermittelt, sondern es wird eine Atmosphäre geschaffen, die die Sinne anspricht, zur Auseinandersetzung einlädt und im besten Fall neues Wissen ohne merkbare intellektuelle Anstrengung ermöglicht. Man kann es als ästhetisch angeregte Selbst-Bildung verstehen. Das funktioniert in allen Museen, von der Kunstausstellung bis zum Technikmuseum, und idealerweise für alle.

Aber die universitätseigenen Museen unterliegen eigenen ,Spielregeln‘, oder?

Unsere Uni-Museen müssen auch den Anforderungen von Lehre und Forschung gerecht werden. Diese Verbindung sieht man in den Ausstellungen. Zwei Beispiele: Im Archäologischen Museum bekommt man durch ein Fenster einen Eindruck von der Forschungsarbeit hinter den Kulissen, und im Geomuseum sind Studierende als Guides präsent. Die Uni-Museen müssen den Spagat zwischen Lehre und Forschung einerseits und der breiten Wissensvermittlung andererseits hinbekommen.

 

 

Hinweis: Wegen der Auftaktveranstaltung zur Jahrestagung des Deutschen Museumsbunds bleibt das Geomuseum am 10. Mai für Besucherinnen und Besucher geschlossen.

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