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Münster (upm/nor).
Das Bild zeigt etwa 20 Sportlerinnen und Sportler in einer Turnhalle, die Akrobatikübungen und Hebefiguren machen.<address>© Hochschulsport</address>
Wer regelmäßig turnt, joggt oder im Fitnessstudio seine Muskeln fordert, hat gute Chancen, länger zu leben. Auf diesem Bild trainiert der Akrobatikkurs des Hochschulsports für einen Auftritt.
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Sport als sicheres „Medikament“

Teil 1 der Serie „Leben an der Uni“: Leibesübungen sind mit vielen Erwartungen verbunden / Großes Angebot an der Universität

Man kann Sport natürlich rein sportlich betrachten. Schwimmer schwimmen beispielsweise, weil sie das Element Wasser genießen und fit bleiben wollen; Läufer laufen, weil sie frische Luft mögen und ihrem Herz-Kreislauf-System etwas Gutes tun wollen; Ringer lieben ihren Sport der Anstrengung wegen und weil sie auf mehr Muskelmasse hoffen.

Das Bild zeigt drei Judo-Sportlerinnen in weißen Anzügen bei einer Übung auf der Matte - die vordere Person macht dabei eine Art Handstand.<address>© Hochschulsport</address>
Beim Judo kommt es vor allem auf Körperbeherrschung an – dieser Sport schult zudem die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeiten.
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Man kann Sport aber auch „unsportlich“ bewerten: als ein (Werbe-)Mittel für Völkerverständigung und Fairness etwa, als ein Kommerzialisierungs-Vehikel oder als eine Bühne für Despoten und Selbstdarsteller. Die Hoffnungen und Erwartungen, die mit Leibesübungen verbunden werden, scheinen grenzenlos zu sein – bis hin zur Überhöhung. „Sport ist die einzige Religion, die keine Ungläubigen kennt“, heißt es oft. Der 2013 verstorbene südafrikanische Politiker und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela glaubte schließlich fest daran, dass „der Sport die Welt verändern kann“. Gleich ob man nun zur sportlichen oder „unsportlichen“ Bewertung neigt – Sport ist mit seinem Potenzial der Wertevermittlung, als Wirtschafts- und als politischer Faktor, als Medienereignis und mit seiner gesundheitlichen Relevanz von globaler Bedeutung – seit Jahrhunderten.

Beim Völkerball an der Fliednerstraße sind an diesem Nachmittag andere Dinge wichtig. Beim 15-minütigen Aufwärmen, Zombie-Ball genannt, fliegen zig Bälle hin und her. Werfen, rennen, vorwärts, rückwärts, sich wegducken – Larifari ist ausgeschlossen, die Geschwindigkeit ist beeindruckend. „Man bewegt sich viel, ohne zu merken, dass man sich viel bewegt“, bringt es eine Teilnehmerin des gemischten Kurses auf den Punkt. Jedes Niveau sei willkommen, betont der 28-jährige Übungsleiter Marten Krohn, der kurz vor dem Ende seines Volkswirtschafts-Masters steht. „Keiner ist außen vor, jeder hat seinen Spaß, niemand ist wirklich verbissen.“

All das werden auch Gründe dafür sein, warum Völkerball an sich beim Hochschulsport (HSP) der Universität Münster ausgesprochen beliebt ist. Die sechs Kurse pro Woche sind in der Regel mit jeweils 20 Aktiven ausgebucht; das ab 1904 entwickelte Mannschaftsspiel, bei dem es darum geht, die Spieler der gegnerischen Mannschaft mit einem vergleichsweise weichen Ball zu treffen und damit „auszuschalten“, ist einer der großen HSP-Renner.

Das Bild zeigt etwa zehn Sportlerinnen und Sportler in einer Turnhalle beim Völkerball.<address>© Hochschulsport</address>
Völkerball zählt unter den zahlreichen Angeboten des Hochschulsports Münster zu den beliebtesten – jede Woche werden sechs Kurse angeboten.
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Wobei der HSP zahlreiche Blockbuster wie Tennis, Zumba, Fußball oder Salsa im Angebot hat: Meist sind alle Plätze fünf Minuten nach dem Buchungsstart vergeben. Die Studierenden der Uni Münster können mittlerweile zwischen 150 Sportarten wählen, auch unter den Universitätsbeschäftigten sind die Kurse beliebt. Tennis ist natürlich dabei, Fechten selbstverständlich ebenfalls, aber eben auch exotische Disziplinen wie die Kampfsportarten Krav Maga und Eskrima sowie das tennisähnliche Tamburello. Rund 16.000 Sportfans nehmen pro Woche an mindestens einem der 800 Kurse teil, 700 Coaches stehen ihnen zur Seite. Es soll Studierende geben, für die das eindrucksvolle HSP-Angebot den Ausschlag gibt, wenn sie zwischen zwei Studienorten schwanken. Die HSP-Verantwortlichen setzen dabei auf einen Dreiklang ihres Angebots: „Wir wollen Sport für alle bieten, um Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden unserer Kunden zu stärken.“

Für diese drei Ziele ist Sport tatsächlich eines der wichtigsten und sichersten „Medikamente“. Bewegung fördert das Immunsystem, unterstreichen alle Experten, sie unterstütze die psychische Stabilität, helfe dabei, Fett zu verbrennen, kräftige das Muskel-Skelett-System und sorge über das Ausschütten von Hormonen für reichlich Glücksgefühle.

Man könnte auf den Gedanken eines gesellschaftlichen Allheilmittels kommen, wenn man andernorts liest, dass die rund 86.000 Sportvereine in Deutschland zudem „den mit Abstand wichtigsten Beitrag zum Zusammenhalt von Menschen aus allen Schichten und Kulturen“ leisteten. Und dass Sport viele junge Menschen weltweit dazu motiviere, „ihre Zukunft aktiv selbst zu gestalten“. Die Vereinten Nation erkennen Sport mittlerweile als „Mittel zur Förderung von Bildung, Gesundheit, Entwicklung und Frieden“ an und haben ihn in die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung aufgenommen.

All das passt geradezu idealtypisch zu Xingyiquan, zum „Form-Geist-Boxen“, zu einer der drei großen inneren chinesischen Kampfkünste. „Wir legen Wert auf weiche Bewegungen, auf einen sanften Kontakt und auf Körperbewusstsein“, unterstreicht HSP-Übungsleiter Marco Schnieder. Der Physik-Promovend hat sich drei Jahre lang zum Xingyiquan-Lehrer ausbilden lassen, nachdem er zuvor Badminton gespielt hatte und viel geschwommen war.

Üblicherweise nutzen drei bis vier Teilnehmer unter seiner Anleitung jede Woche 90 Minuten lang im Campus-Gym am Horstmarer Landweg fünf sogenannte Wandlungsphasen und zwölf Tierformen, um Kampfkunst mit „energetischer Arbeit“ zu verbinden. Dieser Sport bietet den Aktiven zweierlei: Sie schulen ihre Fähigkeiten zur Selbstverteidigung – und sie sind davon überzeugt, reichlich „innere Kraft“ zu gewinnen.

Autor: Norbert Robers

 

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Serie „Leben an der Uni“
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Serie „Leben an der Uni“:

Ob Sport, eine Chorprobe oder ein gemeinsamer Abend in der WG-Küche: Ein Ausgleich zum Alltag tut gut. In dieser Serie greifen wir den Uni-Claim „wissen.leben“ auf, blicken über den Tellerrand von Forschung und Lehre hinaus und bieten Einblicke in das Leben von Menschen an der Universität. Im ersten Teil geht es um Sport.

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 2, 1. April 2026.

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