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Münster (upm).
Das Bild zeigt einen Zusammenschnitt der vier Porträts von Prof. Dr. Dr. Otmar Schober, Wiebke Neelsen, Dr. Nora Kluck und Christoph Tiemann (von links)<address>© NRW-Akademie der Wissenschaften und der Künste/Johannes Wulf/Thomas Mohn/Jan Hering</address>
Prof. Dr. Dr. Otmar Schober, Wiebke Neelsen, Dr. Nora Kluck und Christoph Tiemann (von links) haben den Weg des Alumni-Clubs begleitet.
© NRW-Akademie der Wissenschaften und der Künste/Johannes Wulf/Thomas Mohn/Jan Hering

Lebendiges Netzwerk im Zeichen der Nike

Über den Alumni-Club halten Ehemalige Kontakt zu ihrer Alma Mater – vier Wegbegleiter berichten von ihren Erfahrungen

Vor 25 Jahren gründete die Universität Münster den Alumni-Club als zentrale Anlaufstelle für alle ehemaligen Beschäftigten und Studierenden. Heute ist er mit mehr als 30.000 Mitgliedern das größte Netzwerk der Universität. In Gastbeiträgen berichten vier Wegbegleiterinnen und -begleiter von Ihren Erfahrungen.

 

Bürgerschaftliches Engagement für die Universität

Bei der Gründung einer Alumni-Anlaufstelle für die Universität Münster empfinde ich mich als „pro-aktiver“ Begleiter. Die Universität hat mich in Forschung und Lehre ernährt (lateinisch alere) und zur Bildung der Persönlichkeit beigetragen. So ist mein dankender Beitrag, den ich für den Alumni-Club Universität Münster leiste, eigentlich selbstverständlich.

Mit welchen Voraussetzungen muss die Universität umgehen? Neben der Grundfinanzierung durch den Landesherrn und weiteren Hilfen, etwa über Drittmittel, bedarf es eines bürgerschaftlichen Engagements wie etwa mithilfe von Alumnae und Alumni. Ein Antrieb für dieses Tun ist die Identifikation mit der Einrichtung selbst in kreative, vergessene oder unterschätzte Projekte hinein.

Dabei erinnere ich mich an die Gründungsphase des Alumni-Clubs Universität Münster, im Rektorat Dieckheuer von 1994 bis 1998. Diesem durfte ich als Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs angehören. Wir begannen mit vielen Gesprächen mit Verantwortlichen und Ehemaligen. 2001 gelang der erfolgreiche Start. Jetzt, nach 25 Jahren, eine Generation später, erleben wir eine Erfolgsstory. Und dabei sei ein weiterer Rückblick erlaubt. Der erfolgreiche Impetus mit ehrenamtlichem Engagement setzt neben überzeugenden Projekten Vertrauen in handelnde Personen und die Kommunikation in Netzwerken voraus.

Den nächsten Generationen im Alumni-Club der Universität Münster wünsche ich vor allem inspirierende Treffen. Wie der Philosoph Martin Buber bereits sagte: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

Prof. Dr. Dr. Otmar Schober ist Mitgründer des Alumni-Clubs.

 

Kontakte in allen Altersgruppen und Branchen

Als ich 2015 nach dem Masterstudium in Münster für meine Volontariatsausbildung nach Hamburg gezogen bin, war eine meiner ersten „Amtshandlungen“, eines der Regionalgruppen-Treffen des Alumni-Clubs zu besuchen: Es ging zum Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Besonders spannend wurde es dadurch, dass eine dort beschäftigte Alumna uns Mit-Alumni führte und uns seltene Einblicke in die Arbeit des Medienhauses gewährte. Insbesondere das anschließende Treffen in der Speicherstadt ist mir in guter Erinnerung geblieben. Weil es mir das Gefühl gab, an meinem neuen Wohnort eingebunden zu sein, und weil ich angeregte Gespräche unter anderem mit einem Referenten einer städtischen Behörde, einem Ärzte-Paar und einer PR-Agentin hatte. Zwei Jahre später habe ich eine Führung bei meinem Arbeitgeber, dem NDR, organisiert und 2018 auf Anfrage meines Vorgängers die Gruppenleitung übernommen.

Ein Regionalgruppen-Treffen läuft bisher immer so ab, dass erst ein Unternehmen oder Ähnliches besucht wird. Anschließend sitzt jeder, der Lust hat, bei Speis und Trank zusammen. So waren wir unter anderem im Hamburger Schauspielhaus, im Flughafen und in der Holsten-Brauerei mit Verkostung. Wir haben im Heizkraftwerk geschwitzt, auf den Faultürmen des Klärwerks Schwindelfreiheit bewiesen (und eine herrliche Aussicht auf die „schönste Stadt der Welt“ genossen) und Photonen tanzen sehen im DESY, einem Zentrum für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung.

Besonders schön ist es, vertraute Gesichter immer wieder zu treffen: Wie einen ehemaligen Unternehmensberater in Rente, eine Chemikerin, einen IT-Sicherheitsexperten, eine Urologin in Rente, einen Bank-Abteilungsleiter und einen Rechtsanwalt. Menschen in verschiedenen Altersgruppen und aus ganz unterschiedlichen Branchen kennenzulernen – genau das macht für mich die Regionalgruppe des Alumni-Clubs aus. Möge sie noch lange weiterbestehen!

Wiebke Neelsen leitete von 2018 bis 2025 die Regionalgruppe Hamburg des Alumni-Clubs.

 

Herzliche Begegnungen und spannende Gespräche

Als ich die Koordination des Alumni-Clubs übernahm, hatte er ungefähr 6.500 Mitglieder; zu meinem Weggang zwölf Jahre später hatte sich die Zahl mehr als verdreifacht. Meine Kollegin Barbara Wicher und ich haben in dieser Zeit alles dafür getan, die Arbeit mit den Ehemaligen der Universität Münster neu zu denken und den Alumni möglichst viele Gelegenheiten zu geben, mit ihrer Alma Mater in Kontakt zu bleiben. Wir planten Führungen, Konzerte, Vorträge, Lesungen und andere Veranstaltungen und ließen den universitätsweiten Alumni-Tag wieder aufleben, der zuvor einige Jahre pausiert hatte. An meinem ersten Alumni-Tag im Jahr 2011 gab es einen Brunch in der Orangerie des Botanischen Gartens mit 50 Teilnehmern. Einige Jahre später begrüßten wir mehr als 400 Gäste beim Alumni-Tag und über 700 bei den Vorträgen.

Zu meinen schönsten Erinnerungen an die Zeit als Koordinatorin gehören die herzlichen Begegnungen und spannenden Gespräche mit Menschen aus den verschiedenen Fächern, Berufen und Lebensphasen. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie eines Tages eine Alumna in meinem Büro stand und mich umarmte, um sich dafür zu bedanken, dass ich den Kontakt zu ihrer ehemaligen Studienfreundin wiederhergestellt hatte. Erfahrungen wie diese sind nur durch ein starkes und gut gepflegtes Netzwerk möglich. Ich freue mich, dass der Alumni-Club weiterhin wächst und nun schon sein 25-jähriges Bestehen feiert. Auch wenn ich seit drei Jahren nicht mehr Teil des Koordinationsteams bin, nehme ich immer noch gerne an den Veranstaltungen teil – nun als Alumna des Alumni-Clubs.

Dr. Nora Kluck koordinierte den Alumni-Club von 2011 bis 2023.

 

Brief eines „schwierigen Essers“ an seine Alma Mater

Oh Alma Mater, du nährende Mutter – womit hast du mich nicht zu füttern versucht? Zuerst mit den Sprachen, der grundsoliden Hausmannskost beziehungsweise dem home-style cooking der Anglistik und der Germanistik. Doch irgendwann wird man dessen überdrüssig, was man schon von zuhause kennt.

Geschichte und Philosophie sahen schmackhaft aus, im Abgang aber wurden auch die mir irgendwann fad. Die Psychologie lag mir ebenso schwer im Magen wie die Mathematik, sodass du keinen anderen Weg sahst, als mich mit der Theologie durchzufüttern (die, wie wir beide nun ja wissen, liebe Mutter, nicht wirklich eine Wissenschaft ist, wenn sie nicht falsifiziert werden kann).

Sei’s drum. Obwohl du mir sieben Speisen opulent hast auftischen wollen, Alma Mater, habe ich die meisten doch verschmäht und mich stattdessen gierig auf die Beilagen gestürzt. Was gab es da nicht alles zu kosten! Die Studiobühne am Domplatz war mir ein reich gedeckter Tisch: Dort verschlang ich Dichter und Dramatikerinnen, konnte selbst mitrühren in den Töpfen und am Ende sogar auftischen. Ein Hochgenuss! Verzeih mir, Alma Mater.

Auch der Ohrenschmaus des Campusradios hat mir stets mehr zugesagt als deine reich gedeckte akademische Tafel. Sei mir nicht böse, Alma Mater. Du hast mich trotzdem großgekriegt, auch wenn der Junge so wählerisch war und nie zufrieden, egal, was du ihm vorgesetzt hast. So bin ich ein Experte geworden für die Vor- und Süßspeisen der akademischen Küche.

Danke dir für alles, Alma Mater, schön, dass wir weiter über den Alumni-Club verbunden bleiben – und lass uns bald mal wieder ein Stück Kuchen essen.

Christoph Tiemann ist Autor von Hörspielen und Theaterstücken, Radiomoderator, Schauspieler, Sprecher – und Alumnus. Er moderiert den diesjährigen Alumni-Tag am 4. Juli.

 

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 2, 1. April 2026.

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