Newsletter-Cover Oktober 2026
Newsletter im PDF-Format
© Pia Wend-Erdel, Uni Münster

Grußwort

Liebe Studierende!

Die gegenwärtige Zeit ist von Umbrüchen geprägt, leider sind die wenigsten davon erfreulich. Auch unsere Sinologie bekommt das zu spüren, einschneidend z.B. durch die vermehrte Nutzung von KI. Während auf dem Weltparkett dieser Tage China und die USA über KI als bedrohliche Gefahr für die Menschheit und Möglichkeiten zu ihrer Kontrolle diskutieren, schlagen wir Sinolog*innen uns mit kleinteiligeren Fragen herum: Darf ich KI in der Wissenschaft nutzen? Wie verlässlich ist eine KI-Übersetzung? Darf ich mich darauf verlassen, wenn KI mir einen wissenschaftlichen Aufsatz zusammenfasst? Mir die Hausaufgaben macht? Meine Hausarbeit korrigiert – oder gar schreibt? Täglich vergrößert sich das Feld der Möglichkeiten, täglich scheint die Zuverlässigkeit zuzunehmen. Was also tun?

Die Universität Münster verbietet die Nutzung von KI nicht grundsätzlich, wohl aber die Täuschung durch KI in Prüfungen; das sei klar gesagt. Jenseits dessen meine ich: Probieren Sie es aus, nutzen Sie KI, binden Sie sie in Ihre tägliche Beschäftigung mit China ein – und zwar dann, wenn Sie das, was die KI macht, selbst beherrschen; wenn Sie die Kontrolle behalten. Nur wenn Sie selbst etwas vermögen, sind Sie in der Lage zu überprüfen, ob andere – auch eine KI – Fehler machen. Erst wenn Sie Chinesisch schreiben, lesen und sprechen können, erst wenn Sie solide Kenntnisse des Klassischen Chinesisch haben, erst wenn Sie mit Wörterbüchern umzugehen gelernt haben, sind Sie in der Lage, Übersetzungen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Erst wenn Sie einen Aufsatz gelesen und verstanden haben, sind Sie in der Lage, ihn zusammenzufassen, ihn mit anderen zu diskutieren. Und erst wenn Sie eine Hausarbeit selbst geschrieben, Argumente formuliert, Ihre Aussagen belegt haben, sind Sie in der Lage, Grenzen und Schwächen einer KI zu erkennen. Befähigen Sie sich zunächst selbst, und dann gehen Sie transparent mit Ihrer Nutzung von KI um.

Die Auseinandersetzung mit einer fremden Kultur erfordert Neugier, aber auch Durchhaltevermögen. Wissenschaftliches Arbeiten erfordert mindestens so viel Fleiß wie Geisteskraft. Investieren wir die Mühe des Lernens! Belohnt werden wir am Ende mit soliden selbstgewonnen Erkenntnissen, die uns helfen, Fremdes zu verstehen und uns selbst zu reflektieren. Welch Privileg! Streben wir mit Konfuzius (551–479) danach, den richtigen, nicht den bequemen Weg zu gehen: „Der Edle versteht sich auf das Rechte; der Kleingeist versteht sich auf den eigenen Vorteil.“ 君子喻於義,小人喻於利。 (Lunyu 4.16).

Allen Erstsemestern und allen aus den Ferien Zurückgekehrten ein herzliches Willkommen zum Wintersemester 2026/2027!

Ihre
Kerstin Storm

Alumnitag & Absolvent*innenfeier 2026

Viele Gründe zum Feiern

Das Wetter war ein weiteres Mal auf unserer Seite und so fand der diesjährige Alumnitag bei Sonnenschein und zum Glück nicht allzu hohen Temperaturen statt. Studierende, Alumni, Institutsangehörige und Interessierte waren am Nachmittag zu Snacks und Getränken in den Innenhof des Instituts geladen.

Begleitet wurde der Alumnitag auch in diesem Jahr wieder von einer Absolvent*innenfeier. Sieben Absolventinnen und Absolventen, die in den letzten 12 Monaten ihren Bachelor- oder Master-Abschluss an unserem Institut gemacht haben, wurden von Professorin Kerstin Storm geehrt und erhielten neben einer symbolischen Urkunde auch ein kleines Geschenk. Nach einem kleinen Sektempfang ging es mit dem Alumnivortrag weiter.

Carolin Pohl, Bachelor-Absolventin von 2023, berichtete über ihren Werdegang, der sie an die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und dort in den Bereich Internationales des Fachbereichs Informatik geführt hat. Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand der Aufruf, Mut zu haben und eingeschlagene Wege auch mal zu verlassen. Daraufhin entwickelte sich im Anschluss an den Vortrag eine interessante Frage- und Diskussionsrunde, die im Laufe des Abends sicher von einigen Gästen fortgesetzt wurde.

Die Fachschaft Sinologie und das Asienzentrum luden anschließend zum Sommerfest ein und rundeten den gelungenen Tag mit Buffet, Tombola, einem Quiz und weiterhin guter Stimmung ab.

Anne Sapich

Unsere Sinologie-Fachschaft

Hey, wir sind die Fachschaft für Sinologie und Ostasienkunde an der Uni Münster. Wir organisieren Events jeglicher Art und sind auch gerne eure Ansprechpersonen für alle Fragen rund ums Studium und stehen euch gerne unterstützend zur Seite.

Unsere Events reichen von wöchentlichen Stammtischen über Sommerfeste bis hin zu gemeinsamen Dumpling-Abenden. Wir freuen uns über alle, die gerne mal vorbeischauen möchten.

Unsere Fachschaft besteht aus Studierenden aus verschiedensten Semestern. Neue Gesichter sind immer sehr gerne gesehen!

Erreichen könnt ihr uns über unsere E-Mail oder unseren Instagram-Account:

E-Mail: fssino@uni-muenster.de

Instagram: @fssino.muenster

Schreibt uns gerne bei Fragen und folgt uns, um nichts zu verpassen.

Bastian Juhr, YunTin Wang

Neues Lehrbuch für Wirtschaftschinesisch erschienen

Am 8. Juni 2026 ist im Helmut Buske Verlag mein Lehrbuch Wirtschaftschinesisch erschienen. Es richtet sich an fortgeschrittene Chinesischlernende, insbesondere an Studierende und Lernende in der Erwachsenenbildung, die ihre sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen im Bereich Wirtschaftschinesisch gezielt erweitern möchten. Das Lehrbuch ist dem Niveau B2/C1 zugeordnet.

Dem Lehrbuch liegt ein mehrjähriger Entwicklungsprozess zugrunde. Erste konzeptionelle Überlegungen entstanden bereits in den Jahren 2017 und 2018. Im Rahmen qualitativer Experteninterviews mit Lehrenden an mehreren deutschen und chinesischen Hochschulen untersuchte ich damals, welche Anforderungen an ein modernes Lehrbuch für Wirtschaftschinesisch gestellt werden und vor welchen Herausforderungen Lehrende in der Unterrichtspraxis stehen. Die Ergebnisse bestätigten den Bedarf an einem Lehrwerk, das didaktische Fundierung, Praxisorientierung und interkulturelles Lernen miteinander verbindet.

In die weitere Konzeption flossen meine Erfahrungen aus der Hochschullehre in China ebenso ein wie meine langjährige Lehr- und Forschungstätigkeit an deutschen Hochschulen sowie Erfahrungen aus Sprachtrainings im wirtschaftlichen Kontext. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie sich sprachliche Handlungskompetenz, interkulturelles Verständnis und wirtschaftsbezogenes Wissen sinnvoll miteinander verbinden lassen.

Die eigentliche Arbeit am Manuskript begann während der COVID-19-Pandemie. In den folgenden Jahren wurde das Lehrwerk kontinuierlich weiterentwickelt, mehrfach überarbeitet und in der Hochschullehre erprobt. Rückmeldungen von Studierenden und Erfahrungen aus der eigenen Lehrpraxis flossen fortlaufend in die Überarbeitung ein. Von den ersten konzeptionellen Überlegungen bis zur Veröffentlichung vergingen damit nahezu zehn Jahre.

Das Lehrbuch verbindet wirtschaftsbezogene Themen mit einem aufgabenorientierten Lehr- und Lernkonzept und legt besonderen Wert auf die Verbindung von Sprachkompetenz und interkulturellem Lernen. Inhaltlich reicht das Spektrum von wirtschaftlichen Entwicklungen und unternehmensbezogenen Themen bis hin zu Fragen der Alltags- und Arbeitskultur in China. Der wirtschaftssprachliche Wortschatz wird anhand authentischer Kommunikationssituationen und unter Einbeziehung der Struktur chinesischer Schriftzeichen erschlossen. Lernende sollen dadurch nicht nur Fachvokabular erwerben, sondern zugleich Strategien entwickeln, mit denen sie ihren wirtschaftssprachlichen Wortschatz selbstständig erweitern können.

Besonders berücksichtigt werden die Lernvoraussetzungen deutschsprachiger Chinesischlernender. Das Lehrbuch eignet sich sowohl für den Einsatz in der Hochschullehre als auch für das Selbststudium und soll dazu beitragen, sprachliche Kompetenz, interkulturelles Verständnis und Handlungssicherheit in der deutsch chinesischen Wirtschaftskommunikation weiterzuentwickeln.

Nach dem langen Weg von den ersten Überlegungen bis zum fertigen Buch freue ich mich sehr, das Lehrbuch nun einem größeren Kreis von Lernenden und Lehrenden zugänglich machen zu können. Rückmeldungen und Erfahrungen aus dem Einsatz in der Lehre sowie der fachliche Austausch zum Thema Wirtschaftschinesisch sind herzlich willkommen.

Yue Gao

Bibliographische Angaben:

Yue Gao: Lehrbuch Wirtschaftschinesisch. Hamburg: Helmut Buske Verlag, 2026. ISBN 978-3-96769-253-2.

Standort in der unserer Bibliothek: J II 318

Ein unvergesslicher Auslandsaufenthalt

Liebe Leserinnen und Leser,

ich befand mich von August 2025 bis Juli 2026 in Shanghai, China, auf meinem Auslandsaufenthalt. Ich habe dort an der Fudan University das Sprachprogramm abgeschlossen und kann nun rückblickend sagen, dass dies eine der aufregendsten Erfahrungen meines Lebens war.

Ich wusste schnell, dass ich meinen Auslandsaufenthalt in China machen würde und auch die Wahl meiner Universität fiel mir nicht schwer. Die Fudan war für ein gutes und vor allem breit aufgebautes Sprachprogramm bekannt, welches aus vielen verschiedenen Sprachniveaus bestand. Die verschiedenen Kurse haben einen auf verschiedenste Situationen vorbereitet und auch mein Lese- und Schreibniveau konnte ich stark verbessern. Für den Ausbau meiner sprachlichen Fähigkeiten habe ich aber auch den Austausch mit anderen chinesischsprachigen Studentinnen und Studenten gesucht. Die größte Hilfe hierbei waren meine beiden Mitbewohnerinnen, mit denen ich mir eine kleine Wohnung auf dem Campusgelände geteilt habe. Beide kamen aus Malaysia und sind mit Chinesisch als Muttersprache aufgewachsen. Sie haben mich oft ermutigt, mit ihnen Chinesisch zu sprechen und auch keine Angst vor Fehlern zu haben.

Mit nach Hause nehme ich zudem die vielen wertvollen Eindrücke, die ich während meiner Reisen durch China gesammelt habe. Sobald wir freie Tage oder Ferien hatten, haben wir diese immer genutzt, um zu reisen. Die enorme Bandbreite an Landschaften und Städten in China ist einfach überwältigend. Trotz eines ganzen Jahres vor Ort gibt es noch so vieles, das ich gerne entdeckt hätte. Zwei Momente bleiben mir jedoch unvergesslich: wie ich mitten im Winter durch die magische Eisstadt in Harbin spaziert bin und wie mich das sommerliche Yunnan mit seiner atemberaubenden Natur völlig mitgerissen hat. Immer dabei hatte ich meine Freunde aus meinen Sprachkursen, mit welchen ich diese Momente zu meiner größten Freude immer teilen konnte.

Abseits der Sehenswürdigkeiten haben mich vor allem die Begegnungen geprägt. Die Leute vor Ort waren unglaublich gastfreundlich und neugierig. Ich habe mich ständig bei kleinen Fotoshootings wiedergefunden und trotz kleiner Sprachbarrieren immer eine helfende Hand bekommen. Auch kulinarisch war die Reise für mich ein Highlight. Die Auswahl war riesig und ich habe super viel Neues ausprobiert. Mein persönlicher Gewinner ist definitiv 地三鲜 (Dì sān xiān), ein regionales Gericht aus Auberginen, Kartoffeln und Paprika, welches vor allem im Nordosten Chinas gefunden werden kann.

Abschließend kann ich nur jedem, der die Chance auf einen Auslandsaufenthalt in China hat, raten, diese wahrzunehmen. Und falls es kein Auslandsaufenthalt werden sollte, kann ich trotzdem eine Reise nach China nur jedem ans Herz legen. Dieses Land hat so viel zu bieten und für jeden ist etwas dabei!

Svea Lücke

Tea & Talk

Die „Tea & Talk“-Veranstaltungen des Asienzentrums entstanden aus dem Wunsch heraus, ein zwangloses Programm für Studierende aus und für Studierende mit Interesse an Asien anzubieten. Als Hilfskräfte des Asienzentrums fiel Amina Catic und mir die Aufgabe zu, die Veranstaltungen zu planen, zu organisieren und durchzuführen. Dabei standen wir stets im Austausch mit Frau Prof. Dr. Kerstin Storm und Anne Sapich, die uns bei der Durchführung tatkräftig unterstützte.

Etwa ein- bis zweimal pro Semester trafen wir uns mit Studierenden und sprachen über verschiedene Themen rund um Asien. Die erste Veranstaltung mit dem Thema „Erste Eindrücke / Kulturschock“ fand im Juni 2025 statt. Wir freuten uns über etwa 15 Teilnehmende aus den verschiedensten Fachbereichen und lernten dabei interessante Perspektiven kennen.

Die zweite Veranstaltung im Juli 2025 stand unter dem Motto „Kulturen Asiens“. Wir bereiteten ein Quiz vor, bei dem die Teilnehmenden in Teams gegeneinander antraten und ein schönes Paar Essstäbchen gewinnen konnten.

Nachdem die ersten beiden Veranstaltungen im Sommer erfolgreich verlaufen waren, ging es im Wintersemester 2025/26 weiter. Bei „Around the World in a Teacup“ unterhielten wir uns bei Snacks und Tee über unser liebstes asiatisches Essen. Die zweite Veranstaltung des Wintersemesters verlief leider ohne Teilnehmende. Das lag wohl weniger daran, dass wir geplant hatten, Origami zu falten, als vielmehr an dem ungünstigen Termin direkt nach den Weihnachtsferien.

Bei der letzten Veranstaltung im Sommersemester 2026 luden wir Studierende aus Asien ein, die über Schwierigkeiten, Unterschiede und allgemeine Erfahrungen beim Studieren in Münster berichteten. Die sieben chinesischen und taiwanischen Studierenden gaben faszinierende Einblicke und eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf den Umgang mit einer anderen Kultur, Unterschiede im Unterricht und vieles, was ihnen im Alltag ungewohnt oder bemerkenswert aufgefallen war.

Da ich nun selbst ein Auslandsjahr in Taiwan mache, wird die Veranstaltungsreihe ab dem kommenden Semester von jemand anderem weitergeführt. Ich bin sicher, dass daraus auch in Zukunft viele spannende und schöne Momente entstehen werden!

Ronja Abbenhaus

Exkursion nach China vom 8. bis 18. September 2026

Bereits am 7. September hieß es für ein paar von uns endlich Koffer packen und ab zum Bahnhof, denn der Flug nach Peking für unsere gemeinsame Exkursion stand an.

Ein paar von uns haben den Flug nach Peking allein auf sich genommen.

Angekommen in Peking, ging es deshalb zunächst in unser Hotel, wo die restlichen Studierenden  herzlich in Empfang genommen wurden. Somit war unsere Gruppe also komplett und bereit, den ersten Tag in Peking zu starten.

Aufgrund der Zeitverschiebung von sechs Stunden haben wir uns am ersten Tag erst einmal Zeit genommen, um anzukommen. Beim gemeinsamen Mittagessen in einem Hotpot-Restaurant stieg dann aber die Vorfreude, endlich die Stadt zu erkunden.

Unser erster Stopp war dabei der Platz des Himmlischen Friedens südlich der Verbotenen Stadt. Zum Glück konnten wir schnell die Sicherheitskontrolle passieren und hatten somit genug Zeit, den Platz und die umliegenden Gebäude zu bestaunen. Neben dem Mausoleum von Mao Zedong grenzt auch das chinesische Nationalmuseum an den Platz.

Nach 20.000 gesammelten Schritten waren alle bereit, ihren Jetlag auszuschlafen, schließlich ging es für uns am nächsten Tag nicht nur zur Chinesischen Mauer, sondern auch zu einem Kaisergrab der Ming-Dynastie.

Am nächsten Morgen sind wir also früh aufgebrochen, um den Mutianyu-Abschnitt der Chinesischen  Mauer zu besuchen. Auf der Mauer erwartete uns dann das erste Referat der Exkursion. Claas und Bastian erzählten von der Geschichte der Chinesischen Mauer. Wieder zurück zum Eingang ging es danach mit einer Sommerrodelbahn.

Unser nächster Stopp war das Grab des Kaisers Wenli, des dreizehnten Kaisers der Ming-Dynastie. Sein Grab ist eines von vier der dreizehn Gräber der Ming-Dynastie im Norden Pekings, welches betretbar ist.

In den Grabkammern erwarteten uns unter anderem drei Lacksärge der Kaiserinwitwe und seiner Konkubine, aber auch drei Throne und andere Lackboxen. Einen Vortrag dazu hatten YunTin und Fine vorbereitet.

Zurück in Peking stand schließlich der Besuch des Campus‘ der Tsinghua-Universität an. Und auch Pekingente am Abend durfte natürlich nicht fehlen.

Für unseren letzten ganzen Tag in Peking nahmen wir uns die unzähligen Höfe der Verbotenen Stadt vor, bevor wir am Abend zum Himmelstempel aufbrachen.

Am nächsten Morgen hieß es vorerst „Tschüss Peking!“, es ging nämlich weiter nach Anyang. Ein Highlight in Anyang waren vor allem die Orakelknochen im noch recht neuen Yinxu-Museum. Was viele von uns überrascht hat, waren die doch recht kleinen Abmaße der Orakelknochen und wie filigran die Schriftzeichen dementsprechend waren. Im Museum konnten wir außerdem zahlreiche Bronzearbeiten aus der Shang-Dynastie bestaunen.

Am nächsten Morgen ging es für einige von uns außerdem in das Anyang-Museum, in welchem viele Steintafeln mit Grabinschriften ausgestellt sind.

Nach diesem kurzen Aufenthalt in Anyang wartete auch schon die nächste alte Hauptstadt auf uns: Es ging weiter nach Luoyang. Neben der Altstadt Weipo waren wir aber vor allem beeindruckt von den Longmen-Grotten und dem passenden Vortrag von Anna und Samuel. Bei dem abendlichen Besuch hatten wir das Glück, die Grotten auch beleuchtet zu sehen.

Ein weiteres Highlight unseres Besuchs in Luoyang war das Museum antiker Gräber. Das auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Museum wurde vor allem im Untergrund spannend. Die Grabkammern verschiedenster Dynastien wurden nämlich unterirdisch zugänglich gemacht, sodass wir neben kleineren Grabkammern der Han, Tang, Song, Jin und Wei auch das Grab des Kaisers Xuanwu der Wei betreten konnten.

Am nächsten Tag ging es auch schon weiter zu unserem vorletzten Stopp: Qufu, dem Geburtsort des Konfuzius.

In Qufu haben wir natürlich den Konfuzius-Tempel besucht. Julia hat uns in ihrem Referat aber nicht nur diesen vorgestellt, sondern auch das Familienanwesen der Familie Kong, welches wir im Anschluss besucht haben.

Langsam näherte sich das Ende der Exkursion, als wir zu unserem letzten Stopp Tai'an aufgebrochen sind.

Tai'an liegt südlich des Berges Tai, welchen wir natürlich besteigen wollten. Beim gemeinsamen Abendessen wurde kurzerhand beschlossen, dass der Sonnenaufgang auf dem Berg sehr schön sein muss, sodass wir ausnahmsweise nicht gemeinsam den Berg bestiegen haben, sondern ein Teil von uns nachts aufgebrochen ist und ein Teil am nächsten Morgen den Berg bestiegen hat. So oder so erwartete jeden eine spektakuläre Aussicht auf die umliegenden Berge und die Stadt. Vom berühmten Ritual der Kaiser am Berg-Tai hat am Ende unseres Besuchs Kirsten erzählt.

Und schon wurden die Koffer ein letztes Mal gepackt, und es ging für uns Richtung Peking. Am letzten Tag in der Hauptstadt konnten alle, die Lust hatten, noch gemeinsam die Peking-Universität besuchen, bevor wir am Abend zum Flughafen aufbrachen.

Die elf Tage in China vergingen wie im Flug. Besonders Spaß hat unsere vollgepackte Route aber vor allem wegen unserer Gruppe gemacht. Bei den verschiedenen Sehenswürdigkeiten ist jeder auf seine Kosten gekommen, und besonders unsere gemeinsamen Mahlzeiten waren reich an Geschichten aus unseren Erfahrungen und Eindrücken von China.

Vielen Dank an Dr. Alexander Brosch und Lu An für die Organisation und Begleitung der Exkursion. Ich glaube, jeder von uns hat eine ganz neue Begeisterung für das weitere Studium gesammelt und viele von uns können sagen, dass unser Besuch nicht der letzte in China war.

Mia Sommer

Tempel, Texte und Transfer: Projekttagung im Heereman’schen Hof

Vom 13. bis 15. November 2025 widmete sich die internationale Konferenz „Intercultural Knowledge Transfer in (Transregional) Asian Religious Contexts“ der Frage, wie religiöse Kontexte den Transfer und die Transformation von Wissen in, über und zwischen asiatischen Gesellschaften geprägt haben, angefangen in der Frühen Neuzeit bis hinein in die Gegenwart. Im Fokus dieser Tagung standen dabei insbesondere die Regionen Ostasien und Indo-Persien, wobei auch transregionale und vergleichende Perspektiven auf andere Teile Asiens willkommen waren.

Untersucht wurden dabei die Akteure und Netzwerke, die an diesen Prozessen beteiligt waren – darunter Geistliche, Gelehrte und Laien – ebenso wie die Institutionen und informellen Strukturen, die den Austausch ermöglichten oder behinderten. Darüber hinaus wurden die unterschiedlichen Formen und Medien des Wissenstransfers vorgestellt, von Texten und Übersetzungen über mündliche Traditionen bis hin zu konkreten Riten, sowie die Frage gestellt, welches Wissen weitergegeben, angepasst, zurückgehalten oder zensiert wurde. Die Konferenz hat hierbei auch die Auswirkungen solcher Transferprozesse bis in die Gegenwart in den Blick genommen: Wie wurden übernommene Wissensbestände in neuen kulturellen Kontexten interpretiert und verändert, und inwiefern führten sie zu Innovation, Widerstand oder synkretistischen Formen? 

Besondere Highlights der Tagung waren die drei Keynote-Vorträge aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten von PD Dr. Thoralf Klein von der Loughborough University, Prof. em. Cho Kwang von der Korea University und Prof. Dr. Fabrizio Speziale von der EHESS Paris. 

Die interdisziplinäre Tagung mit circa 50 Teilnehmer*innen aus der ganzen Welt war angeschlossen an das Forschungsprojekt von Prof. Dr. Kerstin Storm und der Doktorandin Lisa Kerl am Exzellenzcluster Religion und Politik mit dem Titel Neues aus China? – Wissensquellen, Wissensaneignung und Wissenstransfer von Missionaren in China im 19./20. Jahrhundert. Die Projekttagung wurde dabei vom Institut für Missionswissenschaft und außereuropäische Theologien, unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Hintersteiner, sowie vom Asienzentrum der Universität Münster mitorganisiert.

Lisa Kerl

Reflections on a Research Stay in Germany

I arrived in Münster on a cold day in February. My previous visits to Germany had always been short-term, so this was my first opportunity to spend an extended period in a German academic environment devoted to the study of Chinese history and culture while also experiencing everyday life here. Looking back, I would like to share what I have taken away from my time in Germany in three areas: encountering historical memory, academic exchange, and teaching.

After arriving in Germany, I began to pay more attention to how German society engages with its own past. Since my research focuses on the history of violence, I took the opportunity to visit several museums and memorial sites, including the NS Documentation Centre in Cologne, the Stasi Museum, and the Hohenschönhausen Memorial in Berlin. What impressed me about these places was not only the historical documents, objects, photographs, and contemporary polls on display, but also the ways in which they preserve and discuss a difficult past. These visits also led me to reconsider my own research: when studying violence in the past, we can also ask how a society remembers, interprets, and reinterprets violence over time. 

These questions also resonated with my own research on violence in the Tang dynasty. In May, I had the opportunity to present my dissertation and its approach to violence in Tang society. The discussion following the presentation was particularly stimulating. Some questions addressed specific aspects of my arguments, while others encouraged me to reconsider the relationships among my sources and think about possible directions for further research. Conversations with faculty members and students also made me more aware of how different academic traditions can shape the ways we ask and discuss research questions. For me, this was a chance to reflect on some of the methods and assumptions I have taken for granted. 

During my stay, I also co-taught a course on the history of emotions with Dr. Alexander Brosch. One of the things that struck me most was the students’ training in Classical Chinese and their interest in gender issues. They were able to engage closely with the texts and raise questions of their own. Our discussions went beyond simply asking what a text says and considered how we might understand emotional expression in historical sources. These conversations also made me reflect on some differences between Germany and Taiwan in the ways emotions are described and expressed. 

Now that late summer has arrived, my research stay is coming to an end. I have had the opportunity to move between different academic and cultural environments, to see familiar questions from new perspectives, and to experience what everyday life is like in another country. These experiences will become part of my future research and teaching, and will remain an important part of what I learned during my time in Münster.

Shih Hou-yu

Ein Jahr Kunming – mehr als nur ein Auslandsjahr

Am 31. August kam ich in Kunming an. Wenige Tage später begann für mich an der Yunnan-Universität ein einjähriger Sprachaufenthalt im Rahmen meines Chinastudiums an der Universität Münster. Mein Chinesisch lag damals ungefähr auf HSK-2/3-Niveau – ich konnte also schon einiges, war aber noch weit davon entfernt, mich problemlos durch den Alltag zu bewegen.

Für Kunming hatte ich mich nach einem Vortrag meines Kommilitonen Jan Kubandt entschieden, der selbst dort gewesen war. Schon in  meinen ersten Tagen in der Stadt merkte ich, wie anders Kunming im Vergleich zu Münster war: lebendiger, bunter und voller Menschen. Gleichzeitig war ich zunächst etwas überfordert – vor allem bei der Frage, wo und was ich eigentlich essen sollte. Eine Überraschung waren für mich die vielen Halal-Restaurants.

Ich wohnte auf dem Campus der Yunnan-Universität, direkt neben dem Cuihu-Park (翠湖公园), zusammen mit drei Studenten aus Laos. Der Unterricht umfasste etwa zwölf Stunden pro Woche. Ehrlich gesagt fand ich ihn häufig eher eintönig. Viel mehr gelernt habe ich außerhalb des Klassenzimmers: beim Einkaufen, Essen gehen und vor allem im Gespräch mit chinesischen Freunden. Gerade am Anfang war es schwierig, schnell gesprochenes Chinesisch und verschiedene Dialekte zu verstehen. Mit der Zeit verbesserte sich mein Hörverständnis jedoch deutlich. Meine Lehrer meinten irgendwann sogar, dass mein Chinesisch langsam wie das eines chinesischen Kommilitonen klinge.

Kunming wurde schnell zu meinem Zuhause. Ich verbrachte viel Zeit auf der Nanping Jie (南屏街), der Yuanxi Lu (园西路) und am Cuihu (翠湖). Besonders gerne saß ich abends auf meiner Lieblingsbank am See. Auch das Siye Café (四叶咖啡馆) neben der Universität wurde zu einem meiner Lieblingsorte. Mein Lieblingsessen war gebratener Reis mit  Rindfleisch (牛肉烤饭), besonders bei einem Laden neben einer Moschee im Stadtzentrum.

Am meisten geprägt haben mich jedoch die Menschen. Ich fand Freunde aus zahlreichen Ländern und knüpfte auch enge Freundschaften mit Chinesen. Einige dieser Kontakte bestehen bis heute. Besonders ungewöhnlich war unsere Freundschaft mit Verkehrspolizisten in Qujing, mit denen wir später gemeinsam etwas trinken gingen oder KTV besuchten.

Daneben erlebte ich viele Dinge, die ich nie geplant hätte: Ich half einmal dabei, einen Mann zu melden, der Schüler auf der Straße ansprach und belästigte, weshalb er anschließend festgenommen wurde. Für unsere Hilfe bekamen wir sogar ein Zertifikat und eine Belohnung. Außerdem drehte ich mit einem Kommilitonen ein Video über die Palisanderholzbäume (蓝花楹) in Kunming und half bei einer Umfrage mit 200 Schülern.

Natürlich nutzte ich die Zeit auch zum Reisen und besuchte unter anderem Harbin, Peking, Xi’an, Zhangjiajie, Ürümqi, Chongqing und Chengdu.

Heute würde ich mich jederzeit wieder für ein ganzes Jahr entscheiden. Mein Chinesisch hat sich stark verbessert, ich bin selbstständiger und selbstbewusster geworden und habe Freundschaften auf der ganzen Welt geschlossen. Aus einem Studienaufenthalt wurde für mich deshalb viel mehr: Kunming wurde ein Stück Zuhause.

Efe Tokmak

Nachts im Institut: Die langen Nächte des Lernens und Schreibens

Wir Studis kennen es alle: Nach einem langen Tag kurz vor der Klausurenwoche oder der Deadline der nächsten Hausarbeit schließt die Bibliothek. Man geht nach Hause, isst zu Abend und macht eine Pause; im Hinterkopf der Vorsatz, sich später noch eine letzte Runde an den Schreibtisch zu setzen. Einmal auf dem Sofa oder auf dem Bett angekommen, wird es dann jedoch immer schwieriger, sich wieder aufzuraffen. Mit jeder Minute wird die magnetische Anziehungskraft des gemütlich weichen Untergrunds stärker und der Wille zur Produktivität versinkt zwischen den Fasern des Polsters.

Dieses Jahr gingen an unserem Institut für Sinologie und Ostasienkunde gleich zwei Veranstaltungen an den Start, die genau das verhindern sollten. Beide sahen vor, nach demselben Prinzip, jedoch zu unterschiedlichen Phasen des Semesters, eine gemeinschaftliche und semi-verbindliche Lernatmosphäre für Studierende zu schaffen. Die erste der Veranstaltungen war die Lange Nacht des Schreibens kurz vor dem Ende der vorlesungsfreien Zeit des Wintersemesters 2025/26 und die zweite die Lange Nacht des Lernens am Ende der Vorlesungszeit des Sommersemesters 2026 und damit kurz vor der Klausurenwoche.

Die Idee dahinter war, die Öffnungszeiten der Bibliothek an jeweils einem Abend bis 22 Uhr zu erweitern und mit gemeinsamen Konzentrations- und Pausenabschnitten zu füllen. Dafür wurde im großen Übungsraum ein Timer aufgestellt, der eine fokussierte und zielorientierte Lernatmosphäre schaffen sollte, in der eine Art kollektive Verbindlichkeit entstehen konnte. Ebenfalls konnten die Studierenden die Arbeitsplätze der Bibliothek regulär weiternutzen. Als ungeschriebene Abmachung galt lediglich, dass alle Anwesenden lernen beziehungsweise schreiben oder sich anderweitig konzentriert beschäftigen. Wenn sich die Gruppe als Ganzes einmal an diese Abmachung hält, motiviert das jede und jeden Einzelne:n, sich ebenfalls weiter daran zu halten. Hinzu kommt folgende Überlegung: Warum sollte man sich bis 22 Uhr in den Übungsraum oder in die Bibliothek setzen, um dann nicht konzentriert zu arbeiten?

An beiden langen Nächten nahmen jeweils knapp über zehn Studierende teil. Die Hälfte bevorzugte die etwas lockerere Atmosphäre der Bibliothek, während die andere Hälfte sich im Übungsraum zusammensetzte. In den gemeinsamen Pausen mischte sich die Gruppe dann wieder bei von Institut und Fachschaft bereitgestellter Lernmotivation in Form von Nüssen, Obst, Müsliriegeln, Kaffee und Tee, bevor es in die nächste Runde ging.

Bei den anwesenden Studierenden kamen die beiden langen Nächte sehr gut an. Es musste natürlich nicht jeder von Anfang an oder bis zum Ende dabei sein. Viele blieben jedoch trotzdem die vier Stunden über da. Einige von ihnen meldeten zurück, dass sie sich ohne das Angebot an dem Abend wahrscheinlich nicht mehr an den Schreibtisch gesetzt hätten. Das Institut freut sich, den Studierenden mit dieser schnell organisierten und einfach durchgeführten Aktion in den jeweils kritischen Phasen des Semesters ein wenig unter die Arme greifen zu können und einen Raum für Austausch und Vernetzung zu eröffnen, in dem die Studierenden sich gegenseitig motivieren und in Sachen Prüfungsstress zur Seite stehen können. Für die Zukunft sind daher weitere lange – und natürlich produktive – Nächte angedacht.

Kirsten Tangelder

Veranstaltungen im Wintersemester 2026/27

Sinologische Vortragsreihe Münster

Donnerstag, 29. Oktober 2026, 18 Uhr c.t., RS 23
Buchzensur im 18. Jahrhundert unter dem Qianlong-Kaiser
Julia C. Schneider, Universität Hamburg

Donnerstag, 28. Januar 2027, 16 Uhr c.t., RS 23
Underground Music - Musikalische Darstellungen in Gräbern aus der Zeit der Teilung Chinas (220-589)
Annette Kieser, Universität Münster

Emerging Scholars Research Asia (ESRA)

Dienstag, 10. November 2026, 16 Uhr c.t., RS 23
Helden oder Opfer? Das ungeklärte Erbe der chinesischen Arbeiter im Ersten Weltkrieg
Kevin Bockholt, Ruhr-Universität Bochum

Studis für Studis - Studierende berichten von ihren Erfahrungen in Praktika und Auslandsstudium

Dienstag, 10. November 2026, 10 Uhr c.t., RS 23
Yunnan Normal University 云南师范大学, Kunming, VR China
Sichuan University 四川大学, Chengdu, VR China

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