Grußwort

Sinologische Würstchenbuden“, diesen Begriff soll vor einigen Jahren ein deutscher Sinologe geprägt haben. Er verband damit die Ansicht, wir könnten mehr leisten, wenn wir unsere Kräfte in einigen wenigen großen Einrichtungen konzentrierten, statt auf kleine Seminare zu verteilen. Es ist mir nicht bekannt, ob der Urheber dieses abschätzigen Begriffs noch heute zu seinen Ideen steht, aber ich freue mich darüber, dass der deutschen Sinologie die Überprüfung der Grundannahme, mit der Größe wachse die Stärke, erspart geblieben ist. Was ginge verloren, bestünden unsere Universitäten nur aus anonymen, seelenlosen Einrichtungen, die jeder möglichst schnell mit möglichst guten Abschlussnoten zu durchschreiten wünscht! Nehmen Sie, lesen Sie, und freuen Sie sich wie ich darüber, in einem Institut zuhause zu sein, wo Enthusiasten selbst am Beginn eines Semesters sich die Zeit nehmen und die Mühe machen, einen Newsletter zu begründen. Herzlichen Dank dafür.

Viel Freude bei der Lektüre,
Ihr Reinhard Emmerich

Konferenzbericht "Public Notion of Crime and Law in East Asia"

Wie hat sich das Rechtsverständnis in Ostasien über die Jahrhunderte entwickelt? Welche grundsätzlichen Unterschiede lassen sich zwischen asiatischen und westlichen Modellen aufzeigen? Diesen und ähnlichen Fragen gingen die Teilnehmenden der Konferenz „Public Notion of Crime and Law in East Asia“ vom 3. bis 5. September im Senatssaal der WWU Münster nach.

Teilnehmer der Konferenz
© Anne Sapich

Forschende aus Kyoto, Nagoya, Peking, Taipeh und Münster diskutierten gemeinsam über das asiatische Rechtsverständnis, wie es in Literatur, Philosophie und Rechtstexten aus dem Altertum bis in die Gegenwart zutage tritt: Dr. Annette Kieser ging in ihrem Vortrag etwa auf die Grabanlagen im kaiserlichen China ein, in denen ausgeklügelte Schutzvorrichtungen vor Grabräubern schützen sollten. Prof. Dr. Ryuichi Kogachi 古勝隆一, der zusammen mit Prof. Dr. Itaru Tomiya 冨谷至 und Prof. Dr. Reinhard Emmerich die Konferenz organisiert hatte und zurzeit ein Forschungsjahr in Münster verbringt, zeigte sich begeistert vom internationalen und interdisziplinären Austausch während der Tagung. Besonderer Dank wurde abschließend der Mitorganisatorin Anne Sapich für ihre stete Unterstützung ausgesprochen. Das Projekt zur Erforschung des Verhältnisses von Recht und Literatur in Asien wird von der Japan Society for the Promotion of Science 日本学術振興会 gefördert. Im nächsten Jahr ist eine Folgeveranstaltung in Peking geplant.

Rückblick: Alumni-Tag in der Sinologie

Am Samstag, 7. Juli 2012, fand in der Sinologie Münster ein großer Alumni-Tag statt. Den Rahmen dafür bot die erste universitätsweite Alumni-Veranstaltung der WWU Münster. Das Alumni-Treffen in der Sinologie stieß nicht nur bei den Studierenden des Instituts und den Ehemaligen auf großes Interesse. Darüber hinaus fanden auch einige allgemein an China Interessierte den Weg in die Sinologie, um einmal in die chinesische Sprache und Kultur zu schnuppern.

Vortrag von Prof. Dr. Reinhard Emmerich auf dem Alumni-Tag 2012

Zu Beginn der Veranstaltung sprach der Institutsdirektor Prof. Dr. Reinhard Emmerich in seinem Keynote-Vortrag über die Geschichte und jüngere Entwicklungen der traditionsreichen Sinologie in Münster. Er wusste etwa zu berichten, dass schon im Jahr 1951-52 im Seminar für Sprachen, Kultur und Geschichte des Orients eine Abteilung Ostasienkunde eingerichtet wurde und hier zwischenzeitlich auch Malaiisch bzw. Indonesisch unterrichtet wurde. Bei einem Imbiss in der — Gerüchten zufolge — gemütlichsten Teeküche der WWU Münster konnten die Besucherinnen und Besucher anschließend alte Bekannte wiedertreffen und neue Kontakte knüpfen.

In Kurzvorträgen berichteten am Nachmittag die Alumnis Kerstin Storm, Katharina Glaab und Felix Meyer zu Venne über ihr Studium in Münster und ihren beruflichen Werdegang nach dem Abschluss. Dabei wurden unter anderem Perspektiven für Sinologie-Studierende auf dem internationalen Buchmarkt und im Verlagswesen angesprochen.

Für die ehemaligen Studierenden wurden abschließend kleine Sprachkurse angeboten, um in vertrauter Atmosphäre die ersten Schritte in die Welt der chinesischen Sprache(n) noch einmal Revue passieren zu lassen. Für Neuankömmlinge, die sich für das Sinologie-Studium interessieren, waren Schnupperkurse zur chinesischen Sprache und Kalligraphie im Angebot. Zahlreiche Sinologie-Alumnis, die heute im Ausland leben und arbeiten, aber weiterhin im guten Kontakt mit dem Institut stehen, hatten vorab Steckbriefe von sich geschickt, die zu einer großen Alumni-Weltkarte zusammengestellt wurden.

Dr. Monique Nagel-Angermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Sinologie und Ostasienkunde, erklärte, dass aufgrund des großen Andrangs davon auszugehen sei, dass ein solcher Alumni-Tag nun in regelmäßigen Abständen stattfinden werde.

Vorstellung der Fachschaft

Von der Fachschaft hören viele nur indirekt und haben noch nie konkret mit uns zu tun gehabt. E-Mails, die von der Fachschaft kommen, sind eher zweite Wahl und landen schon mal ungelesen im Papierkorb. Wir arbeiten jeden Tag daran, dass sich das ändert. Was uns am Leben hält, das seid ihr. Ihr seid für uns erste Wahl und Inhalt unserer Arbeit.

Und weil jedes eurer Anliegen anders ist, haben wir unterschiedliche Aufgaben. Wir kümmern uns darum, euch den Übergang aus der Schule in die Uni so angenehm wie möglich zu machen. Wir wollen für und mit euch informieren, Neues und Altes gestalten, euch über Neuigkeiten des Instituts auf dem Laufenden halten und bei Bedarf eine Brücke zwischen Dozenten und Studenten bauen.

Unsere E-Mails sind ein Sprachrohr, das (fast) alle in unserem Institut erreicht und noch darüber hinaus agiert. Unser elfköpfiges Team, das vor allem aus Studenten des dritten und fünften Semesters besteht, teilt sich dafür die verschiedenen Aufgaben wie Finanzierung, Exkursionsorganisation, Medienmanagement, Erstibetreuung u.Ä. auf, auch wenn ihr natürlich jeden bezüglich eines Anliegens ansprechen könnt. In unseren zweiwöchentlichen Fachschaftssitzungen werden alle Neuigkeiten, Termine, Anfragen und anliegende Veranstaltungen in unserem Fachschaftsraum, Raum 421, besprochen und koordiniert.
Da auch die Univerwaltung möchte, dass ihr gerne hier studiert, steht ab und zu ein finanziertes Grillen oder eine ähnliche, mehrstündige Lernauszeit im (meist) der Sinologie unabhängigen Stil an.

Für die Kultur des Studieninhaltes gibt es zusätzlich zum Unterricht den ein oder anderen Treff, wie z.B. für die fernöstliche Kalligraphie mit Pinsel und Tusche oder eine gemütliche Runde mit chinesischsprachigen Freunden. Ihr seht also – wir sind keine von euch unabhängige Organisation. Im Gegenteil – wir sind für euch da, diese Unterstützung dürft ihr ruhig in Anspruch nehmen. Für interessante Angebote, Kritik, Tipps, Ideen etc. sind wir immer offen!

Wir wünschen euch eine gute und erfolgreiche Studienzeit, eure Fachschaft Sinologie fs-sinologie@gmx.de.

Auszeichnungen

Prof. Dr. Reinhard Emmerich ist im April 2011 zum ordentlichen Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, Klasse der Geisteswissenschaften, gewählt worden. Die Akademie ist eine interdisziplinäre Gelehrten-Gesellschaft und bringt führende Forscher des Landes für den wissenschaftlichen und künstlerischen Austausch zusammen.

Kerstin Storm, die im Frühjahr 2012 erfolgreich ihre Dissertation in der Sinologie Münster verteidigt hat, befindet sich momentan auf einem Forschungsaufenthalt in Kyoto. Sie wird dort mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Japan Society for the Promotion of Science gefördert. Ihr Forschungsfeld sind die „Entscheidungen“ (pan 判) aus der Tang-Dynastie (618-907). Dabei handelt es sich um eine literarische Gattung von Prüfungstexten.

Prof. Dr. Ryuichi Kogachi

Prof. Dr. Ryuichi Kogachi aus Kyoto forscht derweil mit einem Stipendium für exzellente, erfahrene Wissenschaftler für ein Jahr am Institut für Sinologie und Ostasienkunde. Sein aktuelles Forschungsinteresse gilt Kommentarwerken von Kong Ying-da 孔穎達 (574-648) und anderen konfuzianischen Gelehrten zu den fünf klassischen Schriften des Konfuzianismus. Im Wintersemester 2012-13 wird Professor Kogachi ein Seminar zum Thema "Manuscripts of Chinese Texts Stored in Japan" abhalten, das offen für alle interessierten Studierenden ist.

Mit einem Vollstipendium des DAAD ausgestattet, studiert momentan der Bachelor-Absolvent Paul Fahr an der Nankai-Universität in Tianjin. Zwischen der Universität und der Sinologie Münster besteht seit dem Frühjahr 2011 eine Partnerschaft. Anna Peters, die Schülerin der Jahrgangsstufe 12 am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium Münster ist, hat den 1. Preis des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen 2012 im Fach Chinesisch gewonnen. Unterstützt wurde sie durch die Fremdsprachenassistentin Zhang Kaikai und ihren Chinesischlehrer Dr. Martin Kittlaus, dessen Veranstaltungen in der Sinologie Münster sie auch im Programm der "Junior-Uni" zwei Semester besucht hat.

Vorträge und Veranstaltungen im Wintersemester 2012/13

Auch in diesem Wintersemester werden wieder verschiedene Vorträge angeboten, zu denen Institutsangehörige und Sinologie-Externe herzlich eingeladen sind. Dr. Susanne Greiff vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz wird voraussichtlich am 6. Dezember den Vortrag „Des Kaisers alte Kleider und andere Geschichten aus der deutsch-chinesischen Kulturgüterforschung“ halten. Auch wurden PD Dr. Ulrich Lau (Asien-Afrika-Institut, Hamburg) und Patrica Frick (Museum für Lackkunst, Münster) für Vorträge in die Sinologie eingeladen. Die genauen Termine werden noch bekanntgegeben. Die Vorträge finden allesamt im großen Seminarraum des Instituts für Sinologie und Ostasienkunde, Schlaunstraße 2, statt. Aktuellste Informationen und ggf. Planänderungen befinden sich wie immer auf der Internetseite des Instituts: www.uni-muenster.de/Sinologie

Workshop zur Berufsorientierung in den Chinastudien

Am Freitag, 16. November 2012, findet der jährliche Workshop zur Berufsorientierung und Bewerbungsvorbereitung für die Studierenden der Chinastudien (ab dem 3. Fachsemester) statt. Nach Absprache können auch Master-Studierende daran teilnehmen. Für Universitätsabsolventen und -absolventinnen mit fundiertem Chinawissen und guten Chinesischkenntnissen eröffnen sich verschiedenste berufliche Möglichkeiten in Deutschland oder Asien. Mitunter kann es hilfreich sein, sich schon früh zu orientieren. Der Workshop gibt einen Einblick in mögliche Berufsfelder nach dem Abschluss in den Chinastudien, wobei auch auf die Alumni der Sinologie Münster als Beispiel und Ansprechpartner eingegangen wird. Es werden darüber hinaus Tipps für die Stellensuche auf dem internationalen Arbeitsmarkt gegeben und Unterschiede zwischen Bewerbungen und Interviews in Ost und West besprochen.

Weitere Details zur Veranstaltung werden rechtzeitig auf der Internetseite des Instituts bekanntgegeben. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung notwendig an: jonaspolfuss@uni-muenster.de.

Workshop für chinesische Studierende und Forschende

Als germanistisch-sinologische Kooperation findet am 26. Oktober 2012 in der Sinologie Münster ein Workshop für Studierende und Forschende aus China statt. Ziel der Veranstaltung ist es, den Chinesinnen und Chinesen das Einleben in Deutschland und das Eingewöhnen an der Universität etwas zu erleichtern. Neben einem kleinen Deutschland-Knigge stehen auch praktische Ratschläge für das Studium und Leben in Münster auf dem Programm. Der Info-Workshop für chinesische Teilnehmende wird von 16 bis 18 Uhr veranstaltet, eine Anmeldung wird erbeten an jonaspolfuss@uni-muenster.de. Die Teilnahme ist kostenlos, gesprochen wird Deutsch, Chinesisch und Englisch.

Im Anschluss an den Workshop wird zu einem Kennenlern-Snack und Sprachpartnertreff für deutsche und chinesische Studierende eingeladen (ab 18 Uhr).
Zu diesem zweiten Teil des Programms sind alle WWU-Angehörigen eingeladen, die Interesse daran haben, mit Studierenden und Forschenden aus dem chinesischsprachigen Raum in Kontakt zu treten, um sich z.B. gegenseitig beim Sprachstudium zu unterstützen. Eine Anmeldung an die oben genannte Adresse ist dafür ebenfalls erforderlich.

Was macht eigentlich...?

Dr. Dagmar Zißler-Gürtler

- geb. 1960, verheiratet, vier Kinder, 1994 Promotion bei Prof. Unger über Han-zeitliche Philosophie, ist heute als Beraterin und Trainerin mit den Schwerpunkten interkulturelles Marketing, Management und Kommunikation tätig.
Arbeitsgebiete
Interkulturelle Kompetenz China: Trainings, Seminare, Beratungen
Interkulturelles Branding und Marketing: Übertragung westlicher Firmen- und Markennamen ins Chinesische, Unternehmensauftritt
„Mitreden können“ – Chinesisch Kompakt-Sprachtraining für Fach- und Führungskräfte ohne Zeit
Veröffentlichungen
Fernlehrgang Interkulturelle Kompetenz China, AKAD Kolleg Stuttgart 2012 (Konzeption und Projektleitung sowie Autorin eines der sechs Studienbriefe)
Sprachkurs Plus Chinesisch, Cornelsen Verlag 2009
Turbokurs Fit in Chinesisch, Cornelsen Verlag 2013 (in Vorbereitung)
„Mein China“
China fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Es gilt das „Quecksilber-Prinzip“: Kaum meint man, etwas Festes in Händen zu halten, zerteilt es sich und löst sich auf. Und: Nicht zu lange festhalten, denn dann wird’s toxisch! Unbedingt mal lesen: „Shanzhai“, „Abwesen“ und „Hyperkulturalität“ von Byung-Chul Han!
„Meine Sinologie in Münster“
Devise: „Erst Wissen, dann raten!“ Mein Tipp an die Studentinnen und Studenten: Von Anfang an mit Mnemotechniken arbeiten und sich mit Lernstrategien und Didaktik beschäftigen; sehr inspirierend z.B. „Language Hungry“ von Tim Murphy (auch aufs Chinesische übertragbar)
Mein Wunsch
Übersetzung von Ulrich Ungers (1930-2006) „Grundbegriffe der altchinesischen Philosophie“ ins Chinesische und Komplettausgabe seiner „Haogu“

Praktikumsbericht: Bachelor-Studentin Wiebke Quader in Peking

Nach zwei Jahren Studium wollte ich einmal die Gelegenheit nutzen, China selbst durch ein dreimonatiges Praktikum kennenzulernen. Mir persönlich ging es dabei auch um eine Frage für meine Karriereplanung: Konnte ich mir vorstellen, langfristig in China zu leben und zu arbeiten? Mit dieser Überlegung im Hinterkopf schien mir ein Praktikum bei Siemens in Beijing als gut geeignet: Der Weltkonzern hat 140 Jahre China-Erfahrung. Die Vorbereitung auf das Praktikum war relativ kurz: Einlesen in die Firmengeschichte von Siemens und ihre Internetseiten, Office-Kenntnisse auffrischen, Wörterbücher besorgen, Internetseiten auf China-Tauglichkeit prüfen und Freunde in Beijing und Münster mobilisieren, die mir während meines Aufenthalts allerlei nützliche Tipps lieferten.

Das Praktikum absolvierte ich in der Marketing-Abteilung, die sich um die Pressearbeit sowie interne Kommunikation kümmert. Dadurch, dass ich den Großteil der ausgehenden Dokumente lesen konnte, hatte ich die Möglichkeit, viel über die internen Strukturen bei Siemens, über Marketingstrategien und Vertriebswege zu lernen. Als ausländische Praktikantin hatte ich allerdings trotzdem einen Sonderstatus und phasenweise nicht ausreichend Arbeit.
Gelernt habe ich trotzdem einiges: Private und geschäftliche Beziehungen lassen sich tatsächlich am besten beim Essen pflegen. Es ist sinnvoll, viel Zeit mit chinesischen Kollegen zu verbringen, allerdings bietet das „Expat“-Netzwerk eine wichtige Stütze, auf die man nicht verzichten sollte. Taxifahrer sind die perfekten Versuchsobjekte für Chinesischkenntnisse. Sturheit und Gelassenheit sollten genau ausbalanciert werden, dann kriegt man in China - fast - alles.
Ob ich mir vorstellen könnte, auch länger in China zu leben, weiß ich noch nicht genau. Allerdings ist eins ganz sicher: Trotz aller Strapazen hat es Spaß gemacht, und ich werde wiederkommen.