Grußwort

Liebe Studierende!
„Themen, die sich mit dem gegenwärtigen China befassen, sind in Abschlussarbeiten nicht gern gesehen.“ So oder ähnlich trug mir schon mancher von Ihnen dieses hartnäckige Gerücht vor. Die Forschung der Mitarbeiter fokussiere ja auf das alte China, und so wohl auch ihr Interesse in Sachen Abschlussarbeit, lautete oft der logische Schluss.

Alles Quatsch, es ist an der Zeit, damit aufzuräumen: Sie haben, so will es die (übrigens von uns bewusst so formulierte) Prüfungsordnung, das Vorschlagsrecht für ein Abschlussarbeitsthema. Nutzen Sie es, seien Sie neugierig, recherchieren Sie Quellen und Literatur, lesen Sie sich schlau, formulieren Sie kluge Fragen, besprechen Sie diese mit uns und versuchen Sie dann, sie in Ihrer Arbeit zu beantworten. Was hat es mit der steigenden Selbstmordrate von Parteikadern seit Xi Jinping auf sich? Welche Auswirkungen hat die #MeToo-Bewegung eigentlich auf China? Und wie begegnen deutsche Universitäten der steigenden Anzahl chinesischer Auslandsstudierender? Drei Themen, die sicher mein Interesse träfen und gegenwärtiger nicht sein könnten. Und sollte mich Ihr Vorschlag doch hinter dem Ofen nicht hervorlocken können: In Ihrer Abschlussarbeit weisen Sie nach, dass Sie das wissenschaftliche Handwerkszeug beherrschen. Ob Sie sich dabei zum Gähnen langweilen oder ich mich, ist zweitrangig. Aber wäre es nicht besser, wenn zumindest Sie sich begeisterten?

Darum: Seien Sie neugierig, stellen Sie kluge Fragen, verschließen Sie weder vor der Gegenwart noch vor der Vergangenheit Ihren Blick – letzten Endes sind sie meist doch nicht voneinander zu trennen.
Ihre Kerstin Storm

Veranstaltungen der Fachschaft: Sino-Kino

China mal mit anderen Augen sehen

Letztes Semester wurde es wieder gemütlich: Zwischen Knabbereien, Bier- und Limoflaschen wurde in den institutseigenen vier Wänden der Beamer angeschmissen. Es wurde geweint, gelacht und gestaunt. Und das Motto war wieder: Drei Filme, drei Genres, eine Wahl. Entschieden wurde gemeinsam und vor Ort. Wir achten darauf, dass die gezeigten Filme einen Chinabezug haben und wenn möglich in der Originalsprache gezeigt werden können.
Oft hat es nach Plan funktioniert, manchmal vergaß auch jemand die DVD zu Hause. Großes Kino waren die Filme Leben! (活着 Huozhe) von Zhang Yimou, Infernal Affairs (无间道 Wu Jiandao) von Andrew Lau und Alan Mak und Eat Drink Man Woman (飲食男女 Yin Shi Nan Nü) von Ang Lee. Da außerdem The Killer (喋血双雄 Die Xie Shuang Xiong) von John Woo fast jedes Mal im Rennen war und knapp verlor, planen wir, diesen Film nochmal separat zu zeigen. Freut euch also drauf, auch in diesem Semester wieder viele gemeinsame Filmabende zu erleben!
Details zum Sino-Kino im Sommersemester 2019 werden noch bekannt gegeben.

Jennifer Joa

Veranstaltungen der Fachschaft: Sino-Stammtisch

Die Alternative zur Sino-Küche

Auch letztes Semester hatten unsere KommilitonInnen wieder die Möglichkeit, außerhalb der gemütlichen Sino-Küche und mit netter Gesellschaft einen Drink zu sich zu nehmen. Auf dem Stammtisch, der ungefähr 1 x im Monat stattfand, konnten Studierende des Sinologie-Instituts, Auslands-Studierende aus China und Taiwan und auch andere China-Interessierte in entspannter Atmosphäre aufeinander treffen.
In diesem Rahmen wurden viele gute Gespräche geführt, es gab interessante neue Bekanntschaften und die eine oder andere Partie Billard, wenn es dazu die Möglichkeit gab.
Auch dieses Semester soll es natürlich so weiter gehen:
Jeden 3. Donnerstag im Monat soll der Stammtisch stattfinden, der Veranstaltungsort ist wahrscheinlich „Die Brücke“. Genaueres wird aber noch bekannt gegeben. Die Fachschaft Sinologie lädt euch auch dieses Semester ein, wieder zahlreich vorbei zu schauen.
Bringt gerne eure Tandempartner und Freunde mit. Je mehr, desto lustiger!

Jennifer Joa

Das neue Büro der chinesischen Doktoranden

Vorstellung der Doktoranden und ihrer Forschungsthemen

Dank der Bemühungen unseres Instituts haben die Doktoranden seit dem Wintersemester 2018/19 ein Büro in der Schlaunstraße 2 bekommen, wo sich auch die Doktoranden aus China ein Büro teilen konnten. Die Schreibtische und die Schreibtischlampen wurden ordentlich im Büro aufgestellt und die Doktoranden haben daraufhin umgehend ihren Platz mit Fachbüchern ausgestattet. Nun müssen sie nicht mehr mit den vielen Büchern zwischen dem Institut und ihrem Wohnheim pendeln. Sie können bequem ihre Bücher und Forschungsunterlagen im Büro lassen und sich mit ganzer Kraft auf ihre Arbeit konzentrieren.
Das alltägliche Leben im Büro besteht aus Forschung, Diskussionen und Kaffeepausen. So wird neben der individuellen Forschungsarbeit sehr häufig über die Forschungsthemen der Anderen sowie über aktuelle politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Nachrichten aus China und Deutschland diskutiert. Die Kritik an den Ereignissen in diesen beiden Ländern wird dabei geäußert und Meinungen werden ausgetauscht. Ansonsten stehen natürlich die Forschungsschwerpunkte im Fokus, besonders bei Fragen zu Übersetzungsschwierigkeiten. Im neuen Büro können sich die chinesischen Doktoranden gegenseitig helfen. Hierdurch entstehen wichtige Synergieeffekte.
Neben der Arbeit sind kleine Päuschen immer notwendig. Kaffee und Tee gehören zu den präferierten Getränken, aber auch kleine Snacks von REWE oder Instant-Nudeln aus dem China-Laden sind im Büro stets beliebt.
In den folgenden Kurzvorstellungen werden wir einen Einblick in die akademische Laufbahn und die Dissertationsthemen drei unserer chinesischen Doktoranden geben.

Zhao Yuan studierte Rechtswissenschaften an der Beijing Forestry University (B.A.) und an der Universität Trier (LL.M.). Im Moment promoviert sie zum Thema „Recht und Sprache“ an der Universität Münster.

Thema: „Der Allgemeine Teil des Bürgerlichen Gesetzbuches und sein chinesisches Äquivalent Zhonghua Renmin Gongheguo Minfa Zongze 《中华人民共和国民法总则》. Ein linguistischer Vergleich.“

Das Recht lebt in der Sprache. Das Thema „Recht und Sprache“ wird deswegen viel diskutiert. Während der chinesischen Rechtsmodernisierung wurden nicht nur die ausländischen (insbesondere die deutschen) Rechtsphilosophien, sondern auch Fachwörter importiert.
Im März 2017 wurde der allgemeine Teil des Zivilgesetzbuchs (Minfa Zongze / MFZZ) in China erlassen. Im MFZZ gibt es auch viele aus dem deutschen Zivilrecht stammende Fachbegriffe, die jedoch verschiedene Konnotationen oder Extensionen haben. Eine wörtliche Übersetzung bzw. eine direkte Anwendung ohne oder mit schematischen Veränderungen ist hinsichtlich des Verständnisses als problematisch zu erachten.
Auf dieser Grundlage und unter den bestehenden Einflüssen aus dem deutschen Zivilrecht ist ein Vergleich und eine Analyse der linguistischen Methoden der beiden Gesetzbücher (BGB und MFZZ) als sinnvoll zu erachten.
Aus diesem Grund behandelt meine Dissertation folgende Themen:

  1. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der deutschen und chinesischen Juristensprache hinsichtlich Semantik, Syntax und Textlinguistik.
  2. Besteht die Möglichkeit, eine Balance zwischen fachlichem Ausdruck und alltäglichem Bedarf zu finden?
  3. Welche Vorschläge sind für Studienanfänger der Rechtswissenschaften und Dolmetscher nützlich, die komplexen Fachtexte als Fachlaien besser zu verstehen und auch übersetzen zu können?

Zhao Yuan


Lu An studierte Geschichtswissenschaft an der Pädagogischen Universität Ostchinas (B.A.) und Klassische Sinologie an der Universität Münster (M.A.). Seit 2017 promoviert er in Münster zu buddhistischen Klöstern in der Song-Zeit (960-1279).

Thema: Buddhistische Klöster in der Song-Zeit (960-1279)

Was sind buddhistische Klöster in der Song-Zeit? Über diese große Frage handelt meine Dissertation. Geschichte besteht nicht aus abstrakten Zahlen und ist nicht eindimensional; sie läuft eben nach keinen vorhandenen Regeln. Denkt man daran, dass unsere Vorfahren so wie wir heute gelebt haben - Emotionen und Begierden hatten und unter der Gottes-Perspektive der Spätzeit standen - sollten sich Geschichtswissenschaftler zumindest um dieses Thema noch mehr Mühe geben. Ich hoffe, mit zahlreichen Materialien ein lebendiges Panorama der songzeitlichen buddhistischen Klöster darzustellen, das keine einfache Sammlung von Quellen ist, sondern sich dabei die Klöster, ihre Mönche, ihre Umgebung und die Verhältnisse zwischen ihnen, sowie verschiedenen Typen der Klöster und verschiedenen Gruppen der Mönche, in jeder Epoche und in unterschiedlichen Gebieten zeigen, was aber schließlich eine Gesamtheit ergibt.

Lu An


Min Li-Mönkediek studierte Asienwissenschaften an der Universität Bonn (B.A.) und Orientalische und Asiatische Sprache (Übersetzen) an der Universität Bonn (M.A.). Seit 2017 promoviert sie in Münster.

Thema: Bezüge zwischen Song-zeitlichem Seladon und der zeitgenössischen nichtmateriellen Kultur

Ru-Seladon (汝窯 Ruyao) ist eines der berühmtesten chinesischen Porzellane. Im Vergleich zu der prunkvollen Schönheit der Kunst der Tang-Dynastie präsentiert uns das Ru-Seladon der Nördlichen Song-Dynastie (960-1126) eine besondere schlichte Schönheit. Laut einer Statistik aus dem Jahre 2012 von dem Auktionshaus Sotheby’s sind heutzutage 79 erhaltene Ru-Seladons auf der ganzen Welt verteilt.

In Bezug auf Ru-Seladon bleiben jedoch bislang noch viele offene Fragen in der Forschung, z.B. die Fragen über den Grund für die Herstellung und über den Zeitabschnitt der Produktion; Warum ließ der Kaiser Huizong (1082-1135) Dingyao (Ding-Porzellan) durch Ruyao am Hof ersetzen? Hat seine starke Affinität zum Daoismus eine wichtige Rolle in der Blütezeit von Ruyao gespielt? Und hatte die daoistische Ästhetik einen starken Einfluss auf die himmelblaue Farbe und Form von Ruyao? Warum wollten die Kaiser in der Ming- und Qing-Zeit das Seladon der Nördlichen Song-Zeit immer wieder reproduzieren? Während meiner Dissertationsarbeit werde ich mich auf Grundlage von bisherigen Studien und archäologischen Untersuchungsergebnissen, mit antiken Quellen sowie mit eigener Feldforschung mit diesen offenen Fragen wissenschaftlich auseinandersetzen.

Zum Schluss heißen wir Sie alle im neuen Büro willkommen! :)

Min Li-Mönkediek

Colloquimur!

Das Experiment Bachelor- und Mastercolloquium

In diesem Semester trafen Bachelor- und Masterstudierende in einem Colloquium zusammen, welches erfolgreicher nicht hätte laufen können:
Das Colloquium wurde im Wintersemester 2018/19 für die Bachelorstudierenden als Wahl-Kurs im achten Modul angeboten und zum ersten Mal mit dem Mastercolloquium zusammengelegt; ein Experiment, das mit vollem Erfolg zu Ende gebracht worden ist.

Jeder der Teilnehmer hatte seine nächste schriftliche Arbeit vorzustellen - sei es nun Master-, Bachelor- oder Hausarbeit, vorerst geplant, bereits in der Bearbeitung oder schon fertig. Jede Idee und jeder Ansatz wurden in einem Vortrag präsentiert und in einer angeregten Diskussion genauestens erörtert. Eine Hülle und Fülle von Themenbereichen wurde angeschnitten und beweist erneut, wie wunderbar breit gefächert das Fach Sinologie angelegt ist.
Von der Altersvorsorge im heutigen China oder den Steuerreformen, über beunruhigende soziale Experimente wie das Social Credit System bis hin zu Matteo Ricci sowie Schamanismus im vorkaiserlichen China wurden zahlreiche Arbeiten vorgestellt, die unter dem leitenden Zusammenspiel von Herrn Prof. Dr. Emmerich und Frau Dr. Storm intensiv diskutiert wurden. Neben Lob und Anerkennung wurden umfassend konstruktive Kritik geäußert, Literaturvorschläge gegeben und mögliche Schlachtpläne entwickelt, die jedem der Teilnehmer sicherlich zum äußersten Vorteil gereicht haben werden. Trotz einiger terminlicher und räumlicher Probleme ist dies ein Colloquium gewesen, wie es vorzeigbarer nicht hätte sein können und als Ergebnis des Experiments vom Zusammenspiel der Studiengänge wird dieses Colloquium im folgenden Semester erneut angeboten.

Jan Kubandt

Außenpolitik hautnah

Ein Praktikum im Deutschen Institut Taipei

Ständige Treffen mit den wichtigsten Politikern, geheime Gespräche hinter verschlossenen Türen, rauschende Botschaftsempfänge mit Sekt und Champagner… All das könnte man erwarten, wenn man an die Arbeit eines Diplomaten oder einer Diplomatin denkt. Dass diese Vorstellung wohl in den wenigsten Fällen etwas mit der alltäglichen Realität zu tun hat, konnte ich während meines dreimonatigen Master-Wahlpflichtpraktikums im Deutschen Institut Taipei feststellen – aber nichtsdestotrotz verlebte ich dort eine sehr spannende Zeit!
Das Deutsche Institut ist die deutsche Auslandsvertretung in Taiwan und aufgrund der nicht vorhandenen diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern keine offizielle Botschaft. Das ändert aber wenig daran, dass dort trotzdem fast alles wie in einer „richtigen“ Botschaft läuft:

Die Aufgaben umfassen hauptsächlich die Pflege und Förderung der deutsch-taiwanischen Beziehungen – insbesondere in den Bereichen Kultur und Wirtschaft – sowie die Vertretung der deutschen Interessen in Taiwan.

Des Weiteren fallen konsularische Dienstleistungen, Bürgerdienste für deutsche Staatsangehörige und die Bereitstellung deutschlandbezogener Informationen für Taiwaner in den Aufgabenbereich des Instituts. In meinem Praktikum durfte ich die verschiedenen Abteilungen der Vertretung, von der Wirtschafts- über die Politik- bis hin zur Konsularabteilung, bei ihren Aufgaben unterstützen. Täglich schrieb ich z.B. im Wechsel mit dem anderen Praktikanten einen Newsletter über die wichtigsten Nachrichten der taiwanischen Zeitungen, recherchierte Informationen und verfasste Entwürfe für Berichte, die an andere Vertretungen und die Zentrale geschickt wurden, oder unterstützte die Mitarbeiter bei der Vorbereitung auf Reden und offizielle Auftritte. Und davon gibt es im Leben eines Diplomaten gar nicht so wenige…

Dank der guten Einbindung in das Team konnte ich also ausgiebig in die Welt der Diplomatie reinschnuppern und durfte an vielen Terminen, Besprechungen und Konferenzen teilnehmen. Besonders spannend fand ich das Gefühl, ganz nah am Weltgeschehen zu sein. So fielen einige für Taiwan bedeutsame Ereignisse in die Laufzeit meines Praktikums, wie etwa die historische Gerichtsentscheidung zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe oder der Abbruch diplomatischer Beziehungen durch Panama. Alles in allem kann ich also nur jedem, der vielfältige und anspruchsvolle Aufgaben sucht und dabei spannende Einblicke in die deutsch-taiwanischen Beziehungen gewinnen will, ein Praktikum im Deutschen Institut wärmstens empfehlen!

Lena Wurm

Exkursion im Wintersemester

Ein Besuch im „Museum für Lackkunst“ in Münster

Am 29. November 2018 wurde eine Exkursion in das Lackkunstmuseum in Münster von der Fachschaft Sinologie für euch organisiert. Die Kuratorin Frau Dr. Frick hat dabei speziell für die StudentInnen der Sinologie eine Führung durch die Ausstellung und Sonderausstellung geboten. Studentin Britta war bei der Führung dabei und erzählt uns von ihren Eindrücken. (Redaktion)

Wer sich einmal genauer die Plakate angesehen hat, welche die Wände unseres Institutes schmücken, wird es bestimmt dem Namen nach kennen: das „Museum für Lackkunst“ in Münster.

Ursprünglich in den 50er Jahren als das „Herbig-Haarhaus-Lackmuseum“ auf dem Kölner Firmengelände des gleichnamigen Unternehmens gegründet, öffnete es 1993 unter der Ägide der heutigen BASF Coatings GmbH in einem klassizistischen Stadtpalais im Herzen der Stadt Münster erneut seine Tore. Mit über 2000 Lackobjekten aus über zwei Jahrtausenden und einer Bibliothek von etwa 4500 Büchern bietet es einen wahren Fundus für jeden Interessierten.
In der westlichen Welt wird Lack hauptsächlich als ein künstlich hergestellter Werkstoff für die Industrie sowie Automobilproduktion wahrgenommen, jedoch wird während eines Besuches des Museums klar, wo die Ursprünge jenes für uns so alltäglichen Stoffes liegen: in China. Schon seit dem chinesischen Neolithikum wurde Lack, eine harzige Flüssigkeit des Lackbaumes, durch Einschnitte in die Rinde gewonnen; zahlreiche Gebrauchsgegenstände wurden mithilfe seiner konservierenden Wirkung versiegelt. Aufgrund seiner ästhetischen Eigenschaften bildete sich die Lackkunst als ein eigenständiger Handwerkszweig heraus und wurde Jahrhunderte später in Europa durch synthetische Stoffe imitiert.
Um auch jenen Aspekt der chinesischen Kultur näher kennenzulernen, unternahm am 29. November 2018 eine Gruppe Studierender unseres Institutes einen Ausflug in das „Museum für Lackkunst“. Hierbei führte uns die Kuratorin des Hauses, Frau Dr. Patricia Frick, durch die vielfältige Sammlung und erläuterte mit viel Humor die dortigen Objekte. Nach einer kurzen Einführung zur Gewinnung und Verarbeitung des Lackes begaben wir uns zunächst in die chinesische Ausstellung. Dort gibt es zahlreiche Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs wie Truhen, Schränke, Schalen, Trinkgefäße, Teller und Kästchen von der Qin- (秦朝, 221-206 v. Chr.) bis zur Qing-Dynastie (清朝, 1644-1911) zu sehen. Sie bestehen aus unterschiedlichen Trägermaterialien (Metall, Holz, Stoff, Leder oder Papiermaché) und sind mit schwarzem sowie rotem Lack überzogen – den ersten farbigen Beschichtungen, die mit dem so gut wie alles zersetzenden Lack erzeugt werden konnten. Die polierte Oberfläche wurde oft zusätzlich mit eingeritzten Ornamenten oder filigranen Motiven aus Perlmutt verziert. Während die koreanischen Stücke ebenfalls häufig mit Perlmutt dekoriert wurden, lassen die japanischen Exponate eine ganz eigene Innovation erkennen: maki-e (蒔絵). Hierbei handelt es sich um Bilder, welche mit unterschiedlich großen Gold- und Silberstaubpartikeln freihändig auf den schwarzen Lackgrund eingestreut wurden.
So entstanden stimmungsvolle und detaillierte Szenerien auf Gebrauchsgegenständen wie etwa Behältern für Reise- und Schreibutensilien. Im Obergeschoss befinden sich ferner russische sowie europäische Lackobjekte und Importwaren aus Asien, welche den Wünschen des jeweiligen Kunden angepasst worden sind. Jene „Chinoiserien“ bieten mit ihren medaillenförmigen Herrscherportraits sowie asiatisch inspirierten Kulissen bisweilen einen kuriosen Anblick und sollten offensichtlich den exotischen Geschmack der fürstlichen Besitzer während der Kolonialzeit zum Ausdruck bringen. Auf jener Etage befinden sich zudem Exponate aus dem muslimischen und südostasiatischen Kulturraum, doch unser Weg führte nun zur aktuellen Sonderausstellung „Lacquer Friends of the World“. In dieser zeigen insgesamt 24 zeitgenössische Künstler aus acht Nationen ihre Werke, die in experimenteller Weise die traditionelle Lackkunst uminterpretieren und so einen Ausblick auf die mögliche Zukunft jenes alten Handwerks geben.
Es gibt sehr viel im „Museum für Lackkunst“ zu sehen und so verging die Zeit wie im Flug. Aus den ursprünglich geplanten 60 bis 90 Minuten wurde eine Führung von über drei Stunden, in welchen zahlreiche Eindrücke gesammelt wurden. Unser Dank gilt hierbei insbesondere Frau Dr. Frick und ihren informativen Erläuterungen, kurzweiligen Anekdoten sowie ihrer Bemühung, all unsere Fragen zu beantworten.

Für weitere Informationen: http://www.museum-fuer-lackkunst.de/

Britta Dick

Mediathek

Hier wollen wir euch in jeder Ausgabe einen Einblick in verschiedene Themenbereiche geben.
Das Thema dieser Ausgabe: Recherche aktueller Informationen zur chinesischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Während noch bis in die 1990er Jahre hinein zuverlässige Informationen zu aktuellen Geschehnissen in China nicht immer schnell und einfach zu bekommen waren, hat man heute eher die Qual der Wahl. In Folge der umfassenden Digitalisierung hat sich der Schwerpunkt der Informationsbeschaffung inzwischen auf online-verfügbare Medien verlagert. Auch hierbei gelten nach wie vor die Gütekriterien der Aktualität und Zuverlässigkeit, aber auch ein zusätzlicher Perspektivwechsel ist angeraten, um interne chinesische Diskurse verfolgen zu können. Eine Auswahl entsprechender Online-Medien bleibt natürlich immer subjektiv und hat auch viel mit individuellen Recherche- und Lesegewohnheiten zu tun. Hier nun ein paar Tipps zur Online-Lektüre, die es ermöglichen sollen, sich in relativ kurzer Zeit einen soliden Überblick zu verschaffen.

  1. Täglich aktualisierte Online-Plattform „China in the News“ u.a. mit Links zur New York Times, South China Morning Post (Hongkong) und zum britischen Guardian
    http://chinapoliticsnews.blogspot.com
  2. Offizielles Nachrichten-Portal „Taiwan Today“ des Außenministeriums der Republik China auf Taiwan
    https://www.taiwantoday.tw
  3. Online-Angebote deutscher „Denkfabriken“, die auch als Beratungsinstanzen politischer Entscheidungsträger dienen:
    GIGA-Institut (Hamburg)
    https://www.giga-hamburg.de/de/giga-institut-für-asien-studien
    Mercator Institute for China Studies (Berlin)
    https://www.merics.org/de
    Stiftung Asienhaus (Köln)
    https://www.asienhaus.de
    Stiftung Wissenschaft und Politik (Berlin)
    https://www.swp-berlin.org/forschungsgruppen/asien/
  4. Online-Angebote englischsprachiger thinktanks, die auch die kritische Perspektive von Auslandschinesen integrieren:
    China Digital Times (Berkeley)
    https://chinadigitaltimes.net
    China Media Project (Hongkong)
    http://chinamediaproject.org/~/this-week/
    East Asia Forum (Canberra)
    http://www.eastasiaforum.org
    Jamestown Foundation (Washington)
    https://jamestown.org/programs/cb/
  5. Chinesischsprachige Informationsquellen, die die unterschiedlichen Perspektiven der kontrollierten Staatsmedien und der chinesischen Opposition widerspiegeln:
    人民网 (Plattform mit Links zu offiziellen Online-Medien der Volksrepublik China)
    http://www.people.com.cn
    獨立中文筆會 (Independent Chinese PEN Center)
    https://www.chinesepen.org

Martin Kittlaus

Die Landbevölkerung Chinas und die Kommunistische Partei

Vortragsreihe von Dr. Zhu Ya

Im Wintersemester 2018/19 erhielt das Sinologie-Institut Besuch von der Nanjing Agricultural University. Gastprofessorin Dr. Zhu Ya nutzte hierbei die Gelegenheit, gleich mehrere Vorträge über ihr Fachgebiet zu halten.

Als Gastprofessorin stellte Dr. Zhu Ya im vergangenen Jahr in mehreren Vorträgen ein Thema vor, über das viele Studierende bisher wenig gelernt hatten: Die historische, politische und wirtschaftliche Entwicklung im ländlichen China. Diese Gelegenheit konnten die Studierenden gleichzeitig nutzen, um ihr chinesisches Hörverständnis zu verbessern. Als Hilfe für weniger geübte HörerInnen wurden die Vorträge außerdem durch eine englische Präsentation ergänzt.

In ihrem ersten Vortrag mit dem Titel „China’s rural reform over the past four decades from 1978 – 2018“ zeigte Dr. Zhu auf, welche unterschiedlichen Wege chinesische Dörfer auf dem Weg zu einer Modernisierung und zum wirtschaftlichen Fortschritt eingeschlagen hatten. Außerdem beschrieb sie die sich wandelnden Verhältnisse von Bauern zu ihrem Farmland, zur Dorfgemeinschaft und zur Regierung, welche infolge der Bodenreformen auftraten, und schilderte auch den Einfluss anderer politischer Einschnitte. Auch zeigte sie auf, wie die Reformen der vergangenen 40 Jahre halfen, Armut auf dem Land zu bekämpfen. Zuletzt traf Dr. Zhu einige Bemerkungen zu den chinesischen Besonderheiten bei der Wiederbelebung des ländlichen Raumes. Hier beschrieb sie vor allem den Kontrast zwischen einer großen Gesamtpopulation und einer im Gegensatz dazu klein skalierten, durch Einzelpersonen betriebenen Landwirtschaft. Einen weiteren Vortrag hielt Dr. Zhu unter dem Titel „Action Strategy for Rural Elections in China“. Dort referierte sie über demokratische Wahlen und darüber, wie diese in ländlichen Regionen Chinas durchgeführt werden. Hierbei thematisierte sie ebenfalls die Vorteile und Probleme der Wahlen und skizzierte die Positionen der Kommunistischen Partei zu diesen.

Wiebke Quader

Kulturaustausch in Hülle und Fülle

Der 2. Sino-Arabische Abend

Da sitzt man schon im selben Haus und kennt sich aber so gar nicht: Gerne betrachtet als „exotische“ Nischenfächer, sitzen die Sinologie und die Arabistik zwar beide in der Schlaunstraße 2, aber so wirklich haben sie nichts miteinander zu tun. Um dem Abhilfe zu schaffen, fand nun im Dezember 2018 zum zweiten Mal der sino-arabische Abend statt.

Der Raum ist geschmückt, Essen und Getränke stehen bereits auf den Tischen, Musikinstrumente und allerlei Utensilien sammeln sich dort, wo die Dozenten normalerweise Unterricht halten. An den Erfolg von letztem Mal, eine gutbesuchte Veranstaltung mit feinem Buffet und entspanntem Gespräch, schließt der Tag im Dezember wieder an.

So entwickelt sich auch diesmal ein bunt gemischter Abend, an dem die Kultur chinesisch- und arabischsprachiger Länder präsentiert, an dem aber genauso ausgelassen Musik gehört, gegessen und geplaudert wird. Ganz unorthodox breiten die Veranstalter dafür Kissen und Decken auf dem Boden aus. Ein kleiner Weihnachtsbaum (aus den Händen der FS) steht in der Ecke, um für romantisches Licht zu sorgen.

Der Abend startet mit einer chinesischen Teezeremonie. Die aus Xi’an stammende Germanistikstudentin 畅桐 Chang Tong hat sich mutig bereit erklärt, die Teezeremonie vorzuführen. Während sie von den fünf übergeordneten Arten des chinesischen Tees erzählt, probieren die Studierenden von 铁观音 Tie Guanyin, einem Oolong aus der Region Fujian. Als nächster Programmpunkt folgt eine deutsch-arabische Lesung alter und zeitgenössischer Poesie, mit Gefühl sowie auch mit Witz.

Musikalisch gibt es ebenfalls viel zu bieten. Von den zarten Klängen der traditionellen aus dem Vorderen Orient stammenden Kurzhalslaute عود Oud, zu mit Gitarre untermaltem Gesang und deutschem Rap ist alles mit dabei.

In einer Pause zwischen den Programmpunkten wird das Buffet eröffnet, das von den Studierenden ganz allein gestellt wird. Großzügig wird einiges an unterschiedlichen Speisen beigesteuert, chinesische und arabische Küche, aber auch Kuchen, Muffins, Brownies. Ein Genuss, dem sich viele glücklich hingeben. Mit vollem Bauch und betörten Sinnen schauen wir auch auf nächstes Jahr und hoffen, dass sich wieder eifrig StudentInnen melden, die bei der Vorbereitung, beim Kulturprogramm oder auch gerne beim Aufessen helfen wollen.

Fleur Grüninger

Die SinoJobs-Messe 2019 in Düsseldorf

Ein Bericht

Wir waren von der SinoJobs-Messe enttäuscht. Diese Enttäuschung hat natürlich mit unseren Erwartungen genauso viel zu tun wie mit der Messe selbst. Was waren also unsere Erwartungen, als wir in einer Gruppe von einer Hand voll Bachelorstudierenden nach Düsseldorf fuhren? Und was ist die SinoJobs-Messe überhaupt?

SinoJobs ist eine jährliche Messe für Jobs, die etwas mit China zu tun haben. Sie findet im Wechsel in Düsseldorf und München statt und wird jährlich bei uns im Institut in Form von Flyern und zum Teil auch von Lehrenden beworben. Wir erwarteten deshalb, auf der Messe Unternehmen, die mit China kooperieren, kennenzulernen, vielleicht mit einigen ins Gespräch zu kommen oder sogar ein paar Kontakte zu knüpfen. Wir erwarteten, zumindest einen Eindruck davon zu bekommen, was für Tätigkeitsfelder sich einem Sinologen nach dem Studium eröffnen könnten.
Schon im Vorfeld unserer Exkursion gab es Grund zu Skepsis. Fragte man im Institut genauer nach, wusste niemand so recht, was auf der Veranstaltung eigentlich passiert. Auf der Website der Messe war ausgeschrieben, dass man im Vorfeld eine vorgefertigte Bewerbungsmappe einreichen sollte, die man dann auf der Messe den Arbeitgebern zeigen könne. Von datenschutzrechtlichen Überlegungen ganz abgesehen, war das für uns, die nur „schnuppern“ wollten, absurd und hätte uns wohl vorwarnen sollen. Nach einer Mail von Frau Dr. Storm versicherten uns jedoch die Veranstalter, dass man uns hereinlassen würde. Auf der Messe angekommen funktionierte das Hereinkommen wie geplant, auch wenn leicht irritierte Blicke der Mitarbeiter uns bereits das Gefühl gaben, fehl am Platz zu sein.
Der ersichtlichste Grund dafür ergab sich für uns beim ersten Anblick: Die Messe richtet sich an in Deutschland lebende Chinesisch-Muttersprachler. Nicht nur an den anwesenden Chinesen ließ sich das erkennen, sondern es schlug sich auch in den überall angebrachten Jobbeschreibungen nieder: Sehr oft waren muttersprachliche Chinesischkenntnisse explizit Voraussetzung für eine Bewerbung, in anderen Fällen wurde diese Voraussetzung implizit deutlich.

Der zweite Grund ist, dass die Veranstaltung sehr konkret auf die Jobsuche zugeschnitten ist, wie an den vorher abzuschickenden Bewerbungsmappen schon zu erahnen war. Bei einer Jobmesse mag das offensichtlich erscheinen, doch kann sich der Grad unterscheiden, wie konkret es um die Jobsuche geht. Es wäre beispielsweise vorstellbar, dass der Fokus einer solchen Veranstaltung auf der Vorstellung von und Werbung für Unternehmen liegt. Bei der SinoJobs-Messe hingegen verhält es sich sehr konkret: Die Teilnehmer suchen in diesem Moment einen Job und die teilnehmenden Unternehmen suchen Bewerber für bestimmte Stellen. Als Bachelorstudierende waren wir schlicht nicht in dieser Situation.
Die Jobs, die angeboten wurden, kamen fast ausschließlich aus den Bereichen Wirtschaft und Technik. Gesucht wurden Ingenieure, Elektrotechniker, Betriebswirte, Manager usw. Das mag einerseits nicht verwunderlich sein, ist aber für uns oft geisteswissenschaftlich geprägte Sinologiestudenten ein Problem. Hinzu kommt, dass in vielen der ausgeschriebenen Stellen, selbst bei denen für Praktika, einiges an Arbeitserfahrung vorausgesetzt ist, die Studenten in den meisten Fällen noch nicht haben.

Natürlich sind diese Aspekte nur negativ, wenn man in unserer Situation ist und mit unseren Erwartungen dorthin fährt. Für einen arbeitssuchenden Chinesisch-Muttersprachler oder Sinologie-Absolventen mit Qualifikationen in den Bereichen Wirtschaft und Technik könnte gerade der konkrete Fokus auf die Jobsuche eine sehr gute Möglichkeit darstellen. Für uns ergab sich immerhin die Möglichkeit, den Ablauf einer solchen Veranstaltung kostenlos zu erleben, dabei auch Stellenausschreibungen und Arbeitgeber mit Chinabezug zu begutachten.
Dass wir also nicht zur Zielgruppe der Veranstaltung gehörten, wäre nicht unbedingt schlimm gewesen, wäre da nicht die vielleicht frustrierendste und am wenigsten voraussehbare Erfahrung, die wir auf der Messe gemacht haben: Auf die Suche nach Bewerbern konzentriert waren die Aussteller auf der Messe kaum zu Gesprächen bereit.

Es schien, als wären sie wirklich nur zum Einsammeln von Bewerbungsmappen dort. Auch wenn das nicht der Fokus der Veranstaltung ist, hätten sich aufschlussreiche Gespräche durchaus ergeben können. Dass das nicht möglich war, lässt uns das Fazit ziehen, dass wir auf dieser Veranstaltung eher nichts zu suchen hatten. Das kann natürlich auch eine einmalige Erfahrung sein – vielleicht ist es in anderen Jahren anders und vielleicht haben wir mit den Falschen gesprochen.
Insgesamt kann man die SinoJobs-Messe in Deutschland lebenden Chinesisch-Muttersprachlern empfehlen, die auf Jobsuche im Bereich Wirtschaft oder Technik sind. Was Sinologen angeht, könnten solche, die ihren Abschluss haben, aktuell auf Jobsuche sind, sehr gut Chinesisch sprechen und am besten ein wirtschaftliches oder technisches Nebenfach studieren bzw. Erfahrung in diesen Bereichen haben, sich potentiell etwas von der Messe erhoffen. Gut vorbereitet könnte man dort den Job finden, den man sucht.
Wer nur mal schnuppern will, wie eine solche Veranstaltung abläuft und was dort angeboten wird, kann natürlich etwas mitnehmen, sollte sich jedoch nicht zu viel versprechen. Die SinoJobs-Messe muss man nicht unbedingt gesehen haben.

Thomas Grosser

Reise nach Hongkong

Kantonesisch sprechen mit Jenny

Im Sommersemester 2018 wurden erstmalig ein paar Stunden Kantonesischunterricht gegeben – da der Kurs viele Interessierte angezogen hatte, lief nun ein Probesemester Kantonesisch im Wintersemester 2018/19 an. Die hochmotivierte Lehrende ist Jenny Joa, eine Studentin der Chinastudien an der WWU. Freudig können wir verkünden, dass der Kurs im Sommersemester 2019 weitergeführt wird!

Freitags mittags in der Uni zu sitzen ist nicht immer ein Grund zur Freude – und doch trifft die kleine Gruppe des Kantonesischkurses dafür jeden Freitag ein. Dass wir jede Woche erneut motiviert sind, mag nicht nur an der charmanten Kursleiterin Jenny Joa liegen, die mit Witz und Entspanntheit (und fast immer mit Leckereien, um uns zusätzlich zu ködern) empfängt, sondern auch daran, dass man selten die Chance bekommt, Kantonesisch an der Universität zu lernen. Und dafür kommen auch Gäste von außerhalb: Manchmal kommen Gasthörer und motivierte Berufstätige und besuchen den Kurs, ab und zu sitzen auch Gäste aus Festland-China da, die Interesse am Kantonesischen haben. Natürlich gab es auch schon neugierige Studenten aus dem Südosten Chinas, die interessiert zuhören, wie ihre Muttersprache unterrichtet wird.

Jetzt fragen sich so manche Studenten: Wieso denn Kantonesisch?
Wir lernen doch schon Pǔtōnghuà 普通话, das Hochchinesische! Dabei liegt es auf der Hand:

Die Sprache ist einer der besten Zugänge zu Kultur, und es gibt reichlich Kultur, die mit dem Kantonesischen verbunden wird. Gesprochen wird Kantonesisch nicht nur in Hong Kong und Macau, sondern auch in Südostasien. Es ist aber auch in westlichen Ländern, z.B. den Vereinigten Staaten und im Allgemeinen in Diaspora-Gemeinschaften präsent. Die frühesten chinesischen Migranten kamen nun mal aus Guangdong. Neben Festlandchina und Taiwan werden Kanton und Südchina selten beim Sinologiestudium gesondert behandelt, dabei ist die Geschichte und Politik Hong Kongs auch heute noch ein brandaktuelles Thema. Wem das immer noch nicht reicht: Kantonesisch hat in der Aussprache mehr Gemeinsamkeiten mit dem Mittelchinesischen und ist dafür zusätzlich ein guter Zugang zum klassischen Chinesisch.

Nächstes Semester geht es weiter, denn Kantonesisch mit Jenny ist sap sap seoi 濕濕碎!*
*ein Klacks!

Fleur Grüninger

Chinesische Kalligraphie

Die Kunst des schönen Schreibens

Mit einer Jahrtausenden alten Tradition zählt sie zu den ältesten Kunstformen Chinas und wird bis heute weltweit gelehrt und praktiziert. Eng mit der Philosophie und der Literatur verwoben, fokussiert sich die Kalligraphie auf die Kraft des Schriftzeichens, seine Dynamik und Reflexion der menschlichen Empfindungen und Bewegungen während des Schreibprozesses.

Die chinesische Kalligraphie wurde an unserem Institut des Öfteren in Form von einzelnen Kalligraphie-Veranstaltungen angeboten: Mal brachte die taiwanische Sprachassistentin den Studierenden am Semesterende Pinsel und Tinte mit, damit diese das Kalligraphieren ausprobieren konnten. Ein anderes Mal war Kalligraphie Thema eines Deutsch-Chinesischen Abends. Ab und an erzählte auch Herr Yu im Unterricht etwas über diese, von ihm geliebte und ausgeführte Kunstform. Einen systematisch aufgebauten, wöchentlichen Kalligraphie-Kurs jedoch gab es dieses Semester zum ersten Mal.
Zwei Mal wöchentlich konnten sich die Studierenden unter fachkundiger Leitung von Kolja Quakernack mit dieser altehrwürdigen Schreibkunst befassen. Dabei stand das Praktische, das kontinuierliche Üben, immer im Vordergrund, denn bereits nach einigen einleitenden Worten über Kalligraphie, den Unterrichtsrahmen und die vier Schätze – Pinsel, Tuschestein, Reibstein und Papier - wurde den Studierenden ein Bambuskrug mit Pinseln präsentiert. Aus selbigen durfte sich jeder einen eigenen Pinsel aussuchen, mit welchem er oder sie in den kommenden Wochen schreiben und dabei die Schriftzeichen, den Pinsel und sich selbst kennen lernen sollte.
Mit der Wahl des Pinsels einher ging auch die erste Aufgabe bzw. das erste zu schreibende Zeichen, „Eins“ (yi 一): Ein auf den ersten Blick leichtes Zeichen - besteht es doch aus nur einem Strich.

Außerdem ist ein Pinsel in der Hand trotz der sich von der westlichen Malerei unterscheidenden Haltung an sich kein völlig fremdes Gefühl. Dementsprechend machten sich die Studierenden voller Tatendrang an diese Aufgabe. Jedoch täuschte diese Leichtigkeit. Versuchte man das Zeichen mit dem Pinsel getreu der Vorlage zu schreiben, so misslang es wieder und wieder, obwohl es „nur“ ein Strich ist. Es fielen einem mit der Zeit, mit jedem Versuch, neue Makel am eigenen Schriftzeichen auf. Diese Erfahrung durchzog das gesamte Semester: Es galt, den Blick auf die Zeichen zu schärfen, seien es die Konturen des einzelnen Striches, das Zusammenspiel der Striche in einem Zeichen oder die Harmonie der Zeichen auf einem Blatt. Gerade dieser geschärfte Blick erlaubte den jungen Kalligraphinnen und Kalligraphen nicht nur, beachtliche Fortschritte zu machen, sondern ließ sie diese eigenen Fortschritte auch mehr würdigen.

Die Studierenden ermutigend und für ihre Aufmerksamkeit lobend, führte Herr Quakernack sie Schritt für Schritt in die hohe Kunst der Kalligraphie ein. Gemeinsam machten sie sich nach weiteren Stunden der Einübung schließlich an die Aufgabe des Semesters: Das Schreiben des Idioms 龍飛鳯舞 lóng fēi fèng wŭ (Drachen fliegen, Phönixe tanzen). Dieses Sprichwort beschreibt metaphorisch einen besonders schönen und lebhaften kalligraphischen Stil und passte dementsprechend thematisch gut zum Kurs. Es besteht außerdem aus vier komplexen Zeichen, die sich individuell stark unterscheiden und doch gemeinsam harmonieren. Jedes dieser neuen Zeichen wurde systematisch, nacheinander in mehreren Wochen Abstand behandelt. Dabei schrieb Herr Quakernack diese zunächst einige Male selbst mit dem Pinsel vor, damit die Studierenden einen besseren Eindruck von der Technik, dem Schwung des Pinsels und von der Strichreihenfolge erhalten konnten. Anschließend waren sie selbst am Zuge, das Zeichen zu üben. Jederzeit konnten sie dabei Herrn Quakernack um Hilfe bitten, der durch Korrektur, Tipps und individuelle Vorführungen zur Seite stand.
Die Stunden selbst waren geprägt von ruhiger und meditativer Atmosphäre, die das fleißige Üben förderte und neben dem freundlichen und herzlichen Umgang miteinander war die Kritik stets konstruktiv und wurde durch Lob über die Fortschritte aufgewogen. Ab und an wurden die neu erworbenen Erkenntnisse der Stunde mit einer kleinen Anekdote über die großen Kalligraphen und deren Anfänge untermauert oder es wurde gemeinsam über „Fehler“ gelacht.
Mit dem Ende des Semesters durften die Studierenden dann das über Wochen fleißig eingeübte Sprichwort 龍飛鳯舞 auf weißes Reispapier bringen. Beim Betrachten sprachen die Ergebnisse für sich: Über das Semester hinweg hatten die Studierenden nicht nur ein tieferes Verständnis für die Kunstform der Kalligraphie erlangt, auch hatte jeder für sich in seinen Zeichen große Fortschritte gemacht und dabei seine eigene Handschrift entwickelt.

Zum Abschluss des Kurses war deutlich zu erkennen, dass die Begeisterung für die und das Interesse an der Kalligraphie bei den Studierenden geweckt war. Um diesen Impuls weiter zu fördern, stellte Herr Quakernack den Studierenden deshalb frei, Pinsel und Tusche über die Ferien mitzunehmen, um fleißig für die kommenden Kalligraphiestunden im nächsten Semester zu üben.
Alles in Allem ist zu sagen, dass dieser ab dem kommenden Semester erstmals regulär angebotene Kurs eine gelungene Einführung in die Kalligraphie für Studierende jeden Niveaus war und jedem Interessierten für das kommende Semester wärmstens zu empfehlen ist.

Nicole Gieser