Grußwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Zum Wintersemester 2016/17 heißen wir Sie mit guten Nachrichten willkommen: Klassisches Chinesisch ist wieder fester Bestandteil des ZFB Chinastudien. Das heißt, ab sofort werden Sie im Bachelorstudiengang nicht nur mit der modernen, sondern auch mit der vormodernen Sprache vertraut gemacht. Sie ist ein wichtiger und unverzichtbarer Schlüssel für das Verständnis der chinesischen Kultur. Lesen und interpretieren Sie mit uns ab dem 5. Fachsemester etwa Aussprüche des Konfuzius, Zhuangzis Traum vom Schmetterling oder Oden aus dem Buch der Lieder; gehen Sie mit uns der Herkunft chinesischer Sprichwörter auf den Grund; vertiefen Sie Ihr Sprachgefühl für das moderne Chinesisch, das nicht nur im Schriftlichen häufig Bestandteile des vormodernen enthält. Zudem bereitet die Änderung im Curriculum Sie ausgezeichnet auf unseren Master Sinologie vor, wo Sie mit philologischem Handwerkszeug moderne und vormoderne Texte interpretieren.
Aber keine Angst: Die Option, am Kurs Geschäftschinesisch teilzunehmen, bleibt im BA-Studium natürlich bestehen. Wie gehabt, können Sie sich auf die Geschäftswelt in China vorbereiten und Ihren Wortschatz in diesem Bereich ausbauen. Werfen Sie einen Blick in die geänderte Prüfungsordnung auf den Internetseiten unseres Instituts und freuen Sie sich mit uns über die Neuerungen.
Ihre Kerstin Storm

Alumnitag und Sommerfest

Karrieretipps und Grillen zum Semesterabschluss

Allen Macken dieses Sommers zum Trotz war auch am diesjährigen 1. Juli der Alumnitag mit anschließendem Sommerfest eine gut besuchte, lehrreiche und amüsante Veranstaltung. Am Nachmittag versammelten sich Mitglieder, Ehemalige und Freunde des Instituts, um den Berufserfahrungen von Inga Wiens und Johannes Hederer sowie den Erinnerungen an den Berufsstart von Dr. Yu Hong zu lauschen. Dr. Yu erinnerte sich in seinem Vortrag daran, wie er sich nach seinem eher zufällig zugeteilten Studium der Germanistik und der Erfahrung der Landverschickung zuerst beim Erlernen der deutschen Sprache die nötige Geduld aneignen musste. Von einer Karriere als Student in Deutschland, als Bibliothekar, Übersetzer und schließlich Lektor, lernte er dabei, dass es notwendig
sein kann, unterschiedliche Berufsrichtungen oder auch Studiengänge auszuprobieren, und erinnerte die Zuhörer außerdem an die Wichtigkeit einer sorgfältig zusammengestellten Bewerbungsmappe. Sein Fazit: Mit Fleiß, Mut, Geduld und Vertrauen ist jedes Ziel zu erreichen. Im Anschluss hob Jonas Polfuß die Vorteile des sinologischen Alumni-Netzwerkes hervor und leitete damit zu den Vorträgen der verbleibenden Sprecher über.

Ein wichtiger Faktor bei der Berufssuche, den Inga Wiens erwähnte, war ein ehrliches Interesse an der Wunschfirma, die Bereitschaft dazuzulernen und der Mut zur Initiativbewerbung. Ihre Stelle als Auslandskoordinatorin und Verkaufsleiterin für den Bereich China in der Firma Kolbus erlangte sie unter anderem durch ihr gut gepflegtes Profil in einem Online-Jobportal. Außerdem waren ihr Studienaufenthalt an der Renmin-Universität sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung Faktoren, die vom Arbeitgeber als positiv bewertet wurden. In dem Maschinenbau-Unternehmen in der Papierfertigungsbranche stellt sie nun ein Bindeglied zwischen dem deutschen Stammwerk und den chinesischen Mitarbeitern dar.

Johannes Hederer, der im Personalbereich der Agricultural Bank of China arbeitet, berichtete von seiner ersten Berufserfahrung, bei der er für eine deutsche Firma medizinische Produkte auf dem chinesischen Markt bewerben und unterbringen sollte. Da er dort allerdings feststellen musste, dass das Arbeits- und Reisepensum für eine einzige Person zu viel waren, entschied er sich für einen Jobwechsel. Für seine Stellensuche stellte er folgende Qualifikationen in den Vordergrund: gute Chinesischkenntnisse vor allem im Vorstellungsgespräch, interkulturelle Kompetenz und eine ausführliche Vorbereitung auf Bewerbung und Vorstellungsgespräch. Weiterhin von Vorteil seien einerseits seine Praktika in Korea, Taiwan und Hamburg sowie andererseits sein soziales Engagement während des Studiums gewesen.

Nach den kurzweiligen Vorträgen und vielen hilfreichen und praxisorientierten Tipps für die Jobsuche leitete Shang-Wen Wang mit einer Vorstellung des Fächertanzes die Veranstaltung zum festlichen Teil über: Durch die tatkräftige Organisation der Fachschaft wurde der Innenhof zum Ort der Unterhaltung und des Austauschs. Mit internationalem Buffet, Grill und musikalischer Untermalung des Nachbarinstitutes klang das Sommersemester aus.

Wiebke Quader

Logische Prinzipien

Wussten die alten Chinesen, was es bedeutet, logisch zu denken?

Wer heute in Deutschland ein Philosophiestudium aufnimmt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich zu Beginn einen Logikkurs besuchen müssen, um sich mit den wichtigsten Prinzipien gültiger Schlüsse vertraut zu machen.

Die Frage, ob bestimmte Sätze wahr oder falsch sind, ist in diesem Zusammenhang nicht vorrangig, vielmehr kommt es darauf an, welche Aussagen sich aus einer bestimmten Menge von Prämissen auf korrektem Weg ableiten lassen. In der abendländischen Philosophie ist diese Form der Analyse spätestens seit Aristoteles (384-322 v. Chr.) fest verankert. Entsprechend legt sich die Frage nahe, ob klassische chinesische Philosophen ebenfalls ein nachweisbares Bewusstsein grundlegender logischer Gesetze besaßen.
Diesem Thema widmete sich Prof. Dr. Gregor Paul im Rahmen seines Vortrages "Grundlegende logische Prinzipien in ausgewählten chinesischen Texten" am siebten Juni im großen Seminarraum des Instituts. Dr. Paul lehrt seit 1993 als außerplanmäßiger Professor Philosophie am Karlsruher Institut für Technologie und ist seit 1998 Präsident der Deutschen China-Gesellschaft. Vor zahlreichem Publikum argumentierte er, dass altchinesische Denker durchaus über ein klares Verständnis derselben fundamentalen Denkprinzipien verfügten wie ihre westlichen Zeitgenossen. Dies belegte Prof. Paul anhand ausgewählter Passagen in klassischen chinesischen Texten. Gleichwohl betonte er mehrfach, welchen Widerständen diese Ansicht in der wissenschaftlichen Welt ausgesetzt sei, hafte ihr doch der Verdacht an, ihre Vertreter wollten fremden Kulturen vermeintlich westliche Rationalitätskonzepte aufzwingen und der chinesischen Philosophie ihre spezifische Eigentümlichkeit absprechen.
Vertreter des Faches Philosophie indes, welche die Einladung des Instituts zu dieser Ver-anstaltung angenommen hatten, wussten Herrn Paul in seiner Position wortreich und entschieden beizupflichten. Dieser hatte bereits zu Beginn eine Reihe seiner Publikationen ausgelegt, sodass sich nach Vortrag und Diskussion Gelegenheit ergab, das ein oder ande-re Exemplar kostenfrei zur vertiefenden Lektüre mit nach Hause zu nehmen.

Paul Fahr

Gartenakademie

Vom deutschen Schrebergarten nach China

„Wie wächst China?" lautete das Motto der diesjährigen Freien Gartenakademie, die vom 16. Juni bis zum 26. August in Münster stattfand. Unter Mitwirkung von Institutsangehörigen tummelten sich Woche um Woche hochkarätige Chinakenner unterschiedlichster Fachrichtungen, vom Tibetkundler über Bauplaner bis zum Botaniker, im wild blühenden Schrebergarten des Organisators Wilm Weppelmann.

Die ehemalige ZEIT-Korrespondentin in Peking, Angelika Köckritz, las gleich am Eröffnungsabend aus ihrem Buch "Wolkenläufer". Darin begibt sich Köckritz gezielt auf die Suche nach individuellen Träumen von Chinesen inmitten einer Zeit des Wandels. "Köckritz bringt den Außenstehenden die menschliche Perspektive auf China nahe", schildert Weppelmann, "Persönlichkeiten des Alltags gehen im Raster der deutschen Berichterstattung über China oft unter."

Ralf Fücks hingegen, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung und ehemaliger Senator für Umwelt in Bremen, nahm bei seinem Vortrag eine Perspektive auf der Makroebene ein. Der Autor von "Intelligent wachsen. Die grüne Revolution" sprach über die ökologische Herausforderung durch das rasante Wachstum der Schwellenländer, insbesondere mit Bezug auf China. "Raubbau an der Natur war im China der letzten Jahrzehnte ein enormer Motor des sozialen Fortschritts", so der Grünen-Politiker. In den letzten Jahren habe aber auch China die Chancen der sauberen Energien erkannt.

Liu Wenqing, Doktorandin an unserem Institut und Co-Kuratorin der Gartenakademie, sieht die Gartenakademie 2016 vor allem als Beitrag zum vertieften Verständnis der chinesischen Kultur: "Die Vortragenden können unseren Münsteraner Gästen ein authentisches Bild Chinas vermitteln. Durch die Diskussionen wächst das gegenseitige Einfühlungsvermögen." Über das Thema der nächsten Freien Gartenakademie wollte Weppelmann noch keine Auskunft geben. Weitere Informationen gibt es unter www.gartenakademie.org.

Studienexkursion nach Zürich

Die China-Abteilung des Museums Rietberg in Zürich genießt den Ruf, eine der herausragendsten Sammlungen chinesischer Kunst in Europa zu beherbergen. Am 17. & 18. Juni besuchten neun Studierende und Promovierende der Münsteraner Sinologie im Rahmen einer Exkursion das Museum zusammen mit der Kursleiterin Frau Dr. Kieser.

Am ersten Exkursionstag stellte dabei jede/r Teilnehmer/in der Exkursion zwei Ausstellungsstücke ausgiebig vor. Von neolithischen Tongefäßen über Bronzen aus der Shang-Dynastie bis hin zur dreifarbigen Keramik der Tang-Zeit bot sich den Studierenden Kunst sehr unterschiedlicher Stile und Materialien dar. Diese breite Fächerung ist eine Besonderheit der Dauerausstellung und ermöglicht es, eine kontinuierliche Entwicklung der chinesischen Kunst nachzuzeichnen.

Am zweiten Exkursionstag stand das Museum Rietberg selbst im Vordergrund. Frau von Przychowski, die schon viele Jahre als Kuratorin im Museum arbeitet, erklärte den Studierenden das Gebäude, die Technik und die Einrichtung des Museums, stets mit Rekurs auf die Wirkung, die diese Rahmenbedingungen auf die Exponate und die Besucher haben. Auch stellte sie die verschiedenen Möglichkeiten vor, Ausstellungsstücke zu prokurieren und anzuordnen. So lernten die Studierenden viel über den Kunstmarkt und die Abläufe in einem Museum. Frau von Przychowski stellte außerdem Porzellan und Malereien aus späteren Dynastien sowie den chinesischen Teil der Sonderausstellung "Gärten der Welt" vor.

Im Anschluss nahmen die Exkursionsteilnehmer/innen den Park, der das Museum umgibt, sowie die Stadt Zürich in Augenschein. Somit klang die mitunter sehr dichte und informative Exkursion gemütlich und ruhig aus und alle Teilnehmer/innen waren sich darin einig, dass diese zwei Tage eine große Bereicherung ihres Studiums darstellen. Die Exkursion zum Museum Rietberg in Zürich habe ihnen nicht nur unglaublich weite Einblicke in die chinesische Kunst gewährt, sondern auch Berufschancen nach dem Studium aufgezeigt.

Ke Dan

Programm der Fachschaft

Liebe Erstsemester,
liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
wir möchten euch herzlich willkommen heißen zum Wintersemester 2016/17! Wir, das ist die Fachschaft Sinologie, offiziell Fachschaftsvertretung (FSV). Wir sind Studierende, so wie ihr, und wir stehen euch bei Fragen, Anregungen und Problemen zu eurem Studienalltag zur Verfügung. Einige von den Erstsemestern kennen uns wahrscheinlich vornehmlich aus der O-Woche, die wir veranstalten. Aber auch während des Semesters organisieren wir unterschiedliche Veranstaltungen. Darunter fallen:

Der Instituts-Stammtisch
Hauptsächlich institutsinterner Stammtisch, oft auch von Interessierten und (potentiellen) Tandempartnern besucht, zum gemeinsamen Kennenlernen und Austauschen.
Jeden 3. Donnerstag (ab 20. Oktober)

Der Deutsch-Chinesische Stammtisch
Offene Veranstaltung im Internationalen Zentrum "Die Brücke". Mit Programm, Spielen und manchmal auch Buffet.
einmal im Semester

Karaoke
Karaoke-Abende mit Snacks und guter Möglichkeit, Tandempartner kennenzulernen.
1 - 2mal im Semester

Zu allen Veranstaltungen gibt es in der Regel einen Aushang an den Spinden im Flur. Vor allem größere Veranstaltungen wie der Deutsch-Chinesische Stammtisch werden auch großflächig auf anderen Kanälen beworben.

Falls ihr Fragen, Anregungen oder Probleme habt, zögert bitte nicht, uns zu kontaktieren. Das könnt ihr persönlich tun, falls ihr Fachschaftsmitglieder kennt, oder per Mail: fssino@uni-muenster.de.
Über unseren Mail-Verteiler werben wir auch regelmäßig für Veranstaltungen der Fachschaft und des Institutes. Zudem werdet ihr dort auch über Praktikums- und Jobangebote informiert, die unser Institut erreichen. Wenn ihr Interesse am Erhalt unserer Rundmails habt, so schreibt uns einfach an oder schreibt euch in die Liste ein, die an unserem Whiteboard in der Küche hängt.
Informationen findet ihr auch auf unserer eigenen Homepage www.fs-sinologie.de und natürlich auf der studentischen Facebookseite des Institutes Uni Münster Chinastudien.
Wer Interesse an Fachschaftsarbeit hat, ist uns immer willkommen und kann uns gerne kontaktieren.

Soweit wünschen wir euch noch ein schönes Semester!
Eure FSV Sinologie

Abschiedsinterview mit Shang-Wen Wang

Wenige Tage vor ihrer Heimreise nach Taiwan haben wir Shang-Wen Wang, vom Institut allseits geschätzte Gastlektorin, zu einem gemeinsamen Rückblick auf ihre Zeit in Münster getroffen. Shang-Wen spricht über deutsche Kartoffeln, unfreiwillige Komik im Chinesisch-Unterricht und ihre Zukunftspläne nach Münster.

Shang-Wen, wie war dein gestriger Abschiedsabend im Institut für dich?

Sehr, sehr schön! Ich hätte nie gedacht, dass das Institut für mich eine Party veranstaltet. Ich war wirklich sehr bewegt. Vielen Dank für das Freundebuch und das T-Shirt, das ihr mir zum Abschied geschenkt habt.

Du warst jetzt ein Jahr Gastlektorin an unserem Institut. Am 31. Juli geht es für dich zurück nach Taiwan. Freust du dich auf die Heimat oder vermisst du Münster schon jetzt?

Ich denke beides. An Taiwan vermisse ich am meisten das Essen. Aber ich bin mir sicher, dass ich auch das deutsche Brot und die Kartoffeln sehr vermissen werde. Vor allem die Kartoffeln! Sie sind ganz anders als in Taiwan [Der Autor hat sich vorbehalten, einen längeren, begeisterten "Kartoffel-Exkurs" entfallen zu lassen]. Aber ganz allgemein: Das Leben hier in Münster ist so ruhig und entspannend. Dazu trägt auch die Promenade viel bei. Es wäre sehr schön, wenn es so etwas auch in Taiwan gäbe. Oder zumindest ordentliche Fahrradwege. Aus meiner Sicht ist Münster gerade richtig – nicht zu groß und nicht zu klein. Größere Städte wie Berlin oder Düsseldorf sind doch viel zu schmutzig und unsicher. Hier ist alles ganz friedlich und die Menschen sind offen und herzlich.

Woran erinnerst du dich gerne zurück?

Ich habe die Zeit mit euch, also mit den Studenten, sehr genossen. Ich erinnere mich an einige nette Partys und schöne Grillabende am Aasee.

Was hat dir am meisten an deiner Arbeit im Institut gefallen?

Es war toll, die verschiedenen Stufen zu unterrichten! Jeder Jahrgang war ganz anders: Mit den Studenten des 1./2. Semesters habe ich viele Spiele gespielt. Besonders einige unfreiwillig entstandene Sätze werde ich nicht vergessen [lacht]. Im Geschäftschinesisch-Kurs konnten wir schon einige anspruchsvolle Themen besprechen. Ihr wisst viel, da konnte ich auch so manches Mal was dazulernen. Ich war manchmal echt überrascht, welch schöne Sätze ihr konstruieren könnt. Zum Beispiel in der mündlichen Prüfung, als ein Student sagte: "飯後一支菸,賽過活神仙." (etwa "Eine Zigarette nach dem Essen ist besser als Gott sein.") Das ist schon nicht schlecht! Mit den Master-Studenten konnte ich viele schwere philosophische Fragen diskutieren. In Taiwan habe ich ja chinesische Literatur studiert, deswegen hat mir das besonders gefallen.

Wie geht es nach deinem Auslandsjahr in Münster für dich weiter? Welche Pläne hast du?

Spätestens bis Januar 2017 möchte ich meine Masterarbeit abgegeben haben. Danach möchte ich Chinesisch-Lehrerin werden, aber ich weiß noch nicht genau, wo. Vielleicht in Taiwan oder woanders, da bin ich mir noch nicht sicher. In jedem Fall möchte ich irgendwann mal nach Münster wiederkommen!

Was bringst du deiner Familie und Freunden als Souvenir aus Deutschland mit?

Mein Vater mag gerne Brot, aber bis ich in Taiwan bin, ist das Brot nicht mehr frisch. Vielleicht also etwas Pumpernickel? Ich überlege noch. Bisher habe ich nur einige Gesellschaftsspiele gekauft. Das ist für mich typisch deutsch.

Shang-Wen, vielen Dank für das Gespräch und eine gute Heimreise nach Taiwan!

Jendrik Niebuhr

Bundesfachschaftentagung

BuFaTa der Sinologie in Heidelberg

Es erschien uns ein wagemutiges Unterfangen der Heidelberger, eine erste „BuFaTa“, eine Bundesfachschaftentagung, in unserem Studiengang der Sinologie einzuberufen. An uns sollte es jedoch nicht scheitern, also sagten wir doch zu, als uns die Anfrage aus Heidelberg im Februar dieses Jahres erreichte. Einige Wochen später stand sogar schon ein Zeitraum fest: vom 01. bis zum 03. Juli sollte es gehen. Das Datum nahte, die Organisation lief immer noch, unsere Skepsis wich schon ein wenig. Am 01. Juli war der erste Erfolg verbucht: sieben Fachschaftsvertretungen waren dem Ruf ebenfalls gefolgt und hatten jeweils Mitglieder nach Heidelberg entsandt. Neben den Gastgebern und unserer Fachschaft waren Vertreter aus Köln, Tübingen, Freiburg, Mainz, München und Zürich anwesend.
Nachdem sich der erste Tag mit einer Stadtrallye und abendlichem Grillen vor allem um den Empfang und gegenseitiges Kennenlernen drehte, ging es am zweiten Tag ans Eingemachte. Ganz ohne die Verpflichtung von professioneller Hilfe hatten die Vertreter der Uni Heidelberg vier Workshops auf die Beine gestellt, in denen sich die Teilnehmer den ganzen Tag über intensiv mit Fachschaftsarbeit und der Vernetzung zwischen den Fachschaftsvertretungen beschäftigten. So wurden die Bedingungen der verschiedenen Fachschaften offengelegt, was teils große Unterschiede und auch Missstände offenbarte. Im Vergleich mit anderen Strukturen und auch Lösungen konnten neue Ansätze für die eigene Arbeit gefunden werden. Doch vor allem die Workshops zur weiteren Vernetzungsarbeit zeigten, dass die Heidelberger schon weit gedacht hatten: Als langfristiges Projekt wurde eine Wiki-Seite gestartet, auf der die teilnehmenden Fachschaften die Studiumsgegebenheiten an ihren jeweiligen Instituten offenlegen und somit einen übersichtlichen Vergleich schaffen sollen. Ein anderer Workshop erarbeitete die Möglichkeiten zur Vereinsgründung, was zum Abschluss der Tagung als angestrebtes Ziel der vereinigten Fachschaften ausgegeben wurde.
Gespräche mit anderen Fachschaftsvertretern zeigten, dass auch sie von der Zielstrebigkeit der Heidelberger beeindruckt waren: "Ich hätte nicht gedacht, dass das so effizient werden würde", war ein häufiger Satz zwischen den Workshops. Wir müssen sehen, ob der Tatendrang dauerhaft erhalten bleibt, und uns hier auch an die eigene Nase fassen. Interessenten an der Ausrichtung der nächsten Tagungen gibt es jedenfalls schon.

Jan Kubandt

Pi Sheng – Baegun – Gutenberg

Von der asiatischen Geschichte des Buchdrucks bis zum Jikji

Auf eine Reise durch die Geschichte des Buchdrucks mit beweglichen Lettern hat Frau Dr. Soon-Chim Jung am 05. Juli all die Interessierten mitgenommen, die sich im Seminarraum unseres Institutes eingefunden hatten. Frau Jung ist nicht nur ein bekanntes Gesicht unter all jenen, die sich des Öfteren in unserer Bibliothek tummeln, sondern auch Ehrenbotschafterin des "Jikji" in Deutschland. "Jikji" ist der vereinfachte Name des ältesten erhaltenen Buches, das mit beweglichen Metalllettern gedruckt worden ist, fast 80 Jahre vor der Gutenberg-Bibel. Das Jikji ist im Jahr 1377 vom Meister Baegun im koreanischen Heungdeok-Tempel gedruckt und herausgegeben worden. Es enthält buddhistische Texte indischer und chinesischer Herkunft. Ursprünglich aus zwei Bänden bestehend, sind vom
ältesten Original nur noch Reste des zweiten Bandes erhalten, die heute zum UNESCOWeltkulturerbe gehören. Diese werden allerdings nicht in Korea, sondern in der Bibliotheque Nationale de France aufbewahrt.

In ihrer Funktion als Botschafterin lag Frau Jung vor allem die Geschichte des Jikji sowie dessen Inhalt am Herzen. Um das Kernthema herum spannte sie auch den Bogen der Geschichte des Buchdruckes: von den ersten Tonlettern des Chinesen Pi Sheng gegen 1040 bis hin zu Gutenberg. Sie führte die Zuhörer ein in die Verfahren des damaligen Buchdruckes und verglich dessen Bedeutung im ostasiatischen wie im europäischen Kontext. So ist es aus europäischer Sicht erstaunlich, dass Pi Shengs Verfahren mit Tonlettern in Vergessenheit geraten konnte, und auch Baeguns Metalllettern sorgten in der ostasiatischen Gesellschaft für weniger Umschwung als in Europa, wo Gutenbergs Bibel gar als Startschuss für die Neuzeit gilt. Grund hierfür ist vor allem die Handhabung der chinesischen Schriftzeichen, die nur durch eine sehr kleine Elite beherrscht wurde. Ist man, wie viele der Zuhörer, aufgewachsen mit dem lateinischen Alphabet, kommt einem auch erst spät in den Sinn, dass die Aufbewahrung von mehreren tausend chinesischen Schriftzeichen vielleicht doch Fragen bezüglich der Effizienz aufwirft.

Das Verfahren Baeguns war trotz allem ein wichtiger Schritt in der ostasiatischen Buchdruckgeschichte. Und wer mal in Korea ist, kann auch einen Abstecher nach Cheongju machen, wo früher besagter Heungdeok-Tempel stand: Dort ist ein ganzes Museum dem Jikji gewidmet.

Jan Kubandt