Grußwort

Wenn dieser Newsletter mit einigen Tagen Verzögerung herausgeht, so liegt die Schuld einzig beim Unterzeichneten. Der nämlich wollte mit heute, dem 1. April d.J., bewusst auf den Tag warten, an dem er in aller Form danken und gratulieren darf:

Ab heute verliert das Institut für Sinologie der WWU Münster die Mitarbeit von Frau Dr. Monique Nagel-Angermann, deren Enthusiasmus, Ideenreichtum und unermüdlicher Einsatz das Institut über viele Jahre geprägt und vorangebracht hat und deren Weggang nur durch die Hoffnung abgemildert wird, dass sie auch als künftige Lehrbeauftragte uns allen verbunden bleiben wird. An ihrer Statt wird ab heute Frau Dr. Kerstin Storm als Wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig werden, die den meisten von Ihnen aus früheren Jahren in Münster bekannt ist.

Genau besehen hat sich der Übergang von Frau Dr. Nagel-Angermann zu Frau Dr. Storm jedoch, von den meisten unter Ihnen sicher unbeachtet, bereits während der vergangenen Wochen vollzogen, in denen viele Dutzend E-Mails betreffend der bevorstehenden Reakkreditierung unserer Studiengänge zwischen den beiden hin- und hergingen. Das ist alles andere als selbstverständlich, ist für mich ein Zeichen tiefer Verbundenheit mit dem Institut für Sinologie und Anlass, aufs Herzlichste zu danken.

Ihr Reinhard Emmerich

Anne Sapichs Einjähriges

Wenn man das Sinologie-Institut der Universität Münster betreten will, muss man klingeln. Seit Januar 2012 trifft man dort zuerst auf Anne Sapich. Sie ist die neue Bibliothekarin und Sekretärin des Instituts. Freundlich lächelnd bittet sie den Besucher hinein, steht bei Fragen zu Verfügung und weiß in Institutsbelangen immer bestens Bescheid.

Darüber, warum sie das Jobangebot des sinologischen Instituts interessiert hat, muss sie nicht lange nachdenken: „Die Kombination von Bibliothek und Sekretariat hat mich gereizt.“ Diese Besonderheit biete ihr einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Neben der klassischen Bibliotheksarbeit kümmert sie sich um Studienangelegenheiten, arbeitet am Internetauftritt der Sinologie Münster mit und betreut das LSF-Portal. Jeder Tag ist anders: „Ich sitze nicht hinten in der Bibliothek und katalogisiere, kriege nichts mit, sondern bin zentral in alles eingebunden“, sagt sie fröhlich. Ursprünglich kommt Anne Sapich aus Schwerin, studierte später Bibliotheks- und Informationsmanagement an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Heute ist sie bereits im sechsten Jahr in Münster. Wie ist ihre Arbeit am Institut ohne Chinesisch zu schaffen? „Das ist kein Problem. Aber ich habe vor, es zu lernen. Es behagt mir nicht, dass ich die Hälfte des Buchbestandes in der Bibliothek nicht verstehe.“ Seitdem Anne Sapich das Zepter des Sekretariats übernommen hat, war sie schon für viele Projekte aktiv, für die internationale Tagung im September letzten Jahres oder den nun bald in Münster anstehenden Deutschen Orientalistentag. Engagiert gestaltet sie den Alltag am Institut mit. Bevor man die freundliche Atmosphäre des Büros wieder verlässt, kommt einem noch eine letzte Frage in den Sinn: Ob sie plant, hier langfristig zu bleiben? „Ja, definitiv ja.“

Diese Antwort beruhigt sehr.

Nina Romming

Ankündigung DOT in Münster

Unbedingt vormerken! Der Deutsche Orientalistentag (DOT) vom 23. bis 27. September 2013 in Münster

Wissenschaftler aus dem In- und Ausland stellen eine Woche lang ihre Beiträge, sei es vergangenheitsbezogen, sei es mit Blick auf das aktuelle politische Tagesgeschehen, zum gegenseitigen Austausch.

Logo des 32. DOT 2013

Von „Orientalistik“ spricht man heute kaum mehr, denn dahinter verbirgt sich der weite Bogen von Japan, Korea, China über Zentralasien und den Nahen Osten bis zum Mittelmeerraum. Anders im Jahr 1845, als sich die Deutsche Morgenländische Gesellschaft (DMG) mit dem erklärten Ziel der Vertiefung und Verbreitung der Kenntnis über den Orient, Afrika und Asien gründete. Nunmehr alle drei Jahre treffen sich „Orientalisten“ und längst sind es nicht mehr nur „deutsche“ Orientalisten, die dieses Forum nutzen.

Neben dem wissenschaftlichen Austausch innerhalb der Fachsektionen wird in Münster viel Raum sein, auch interdisziplinär über Themen zu diskutieren und über den eigenen Tellerrand zu schauen. Ein spannendes kulturelles Rahmenprogramm wird den Münsteraner DOT, der im Jahr 2013 unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Reinhard Emmerich organisiert wird, abrunden.

Der Call for Paper läuft noch! Ob mit oder ohne eigenen Vortrag, merken Sie sich den Termin vor und sagen Sie ihn weiter. Weitere Informationen finden sich unter: www.dot2013.de

Dr. Monique Nagel-Angermann

Fachschaft aktuell

Chinesisch auf Niederländisch

Sie klang ein bisschen wie ein Versprecher. Die niederländische, höfliche Aufforderung einer Mitfahrerin, leiser zu sprechen – wir säßen schließlich im „stilte“ (dt.: Stille)-Abteil des Zuges. Auch die kurzen Antworten der Supermarktkassiererin auf Holländisch erinnerten daran. Schon diese kleinen Konversationen riefen uns ins Gedächtnis, dass wir fremd sind. Im Gegensatz dazu fühlten wir uns dann in der Chinatown wie zu Hause. Fast jedenfalls.

Amsterdam Neujahr 2013

Über das chinesische Neujahr (Sonntag, 10. Februar 2013) hat die Fachschaft Sinologie eine Fahrt nach Amsterdam organisiert, um die dortigen chinesischen Feierlichkeiten zu bestaunen. 18 Studenten konnten sich ein Bild davon machen, wie eine Chinatown in Europa aussehen kann. Schnell entstand auf dem Weg vom Bahnhof zum Hostel in unseren Köpfen eine Liste mit Prioritäten und einer sporadischen Route, wohin es später gehen sollte.

Am Sonntagmorgen ging es zu einem der großen Einkaufszentren Amsterdams. Um zwölf Uhr startete das Programm: Drachentänze begrüßten die Zuschauer, die sich vor dem Gebäude drängten. Eine auf Stelzen wandelnde Heldin schritt mit ihrem flügelähnlichen Riesenfächer in der Eingangshalle herum. Begleitet wurde sie von zwei chinesischen Kriegern, von denen einer eine mobile Musikanlage trug, aus der heroische asiatische Musik drang. Einige in Rot gekleidete Damen verteilten an Besucher Hongbao 红包 („rote Umschläge“), die in China traditionell an Feiertagen mit Geldgeschenken verteilt werden. Darin befanden sich ein Zettel mit einer Beschreibung der Tradition und eine glückverheißende Münze. Ein Kalligraph schrieb den Besuchern auf Nachfrage ihre Namen auf Chinesisch auf dickes Papier. Es wurde gesungen und auf drei chinesischen Harfen gespielt.

Der Besuch im Tempel war der spirituelle Höhepunkt. War der religiöse Ort auch sehr funktional und wenig prunkvoll eingerichtet, so haben wir die anhaltende Ruhe und das Dach über dem Kopf als eine wohltuende Pause im anhaltenden Schneeregen empfunden. In den von uns besuchten China-Restaurants, in denen das Essen weit chinesischer ist als in vielen asiatischen Lokalen Deutschlands, wurden Sprachbarrieren durchbrochen und das bisher Gelernte ausgetestet. Das vielfältige Kulturprogramm half uns, uns mit dem fernen China zu verbinden. Das Wochenende hat sich gelohnt, es war sehr chinesisch. Chinesisch auf Niederländisch.

Wiebke Quader & Kolja Quakernack

BA- und MA-Interviews

„Jeden Tag ein bisschen und morgen hoffentlich mehr“

Bereits mit 13 Jahren wurde Jonas Becker durch einen Austausch mit einem Pekinger Schüler für China begeistert. Seitdem war er viermal im Reich der Mitte zu Besuch, wobei sein Interesse am Land stetig wuchs. Sein, wie er sagt, „Asienfaible“ wurde durch weitere Reisen in Südostasien bestärkt, was ihn letztendlich an die WWU Münster führte. Dort studiert er nun im zweiten Semester des Bachelor-Studiengangs „Chinastudien“.

Die Sinologie gehört in Münster zu den sogenannten kleinen Fächern. Das Institut mit seinen etwa 150 Studierenden befindet sich in der Schlaunstraße. Die Betreuung dort bezeichnet Jonas Becker als „traumhaft“, diese Bedingungen kenne er aus seinem Zweitfach nicht. Er begrüßt besonders den familiären Umgang im Haus: „Die Hilfe von Kommilitonen aus höheren Semestern ist immer garantiert.“ Den Studienaufwand könne er durch hohe Motivation bewältigen, seine Lerntaktik: „Jeden Tag ein bisschen und morgen hoffentlich mehr.“ Zu einem konkreten Beruf hat Jonas sich noch nicht entschlossen, er möchte aber politisch aktiver werden. Durch seine Studienqualifikationen verspricht er sich vielfältige Berufschancen im Bereich Politik und Journalismus.
Auch Masterstudentin Liu Wenqing vermittelt ein positives Bild vom Studium der Sinologie. Vor ihrer Zeit in Münster studierte sie in China „Chinesische Literatur und Kultur“. Um eine andere Perspektive zu erhalten und die eigene Kultur besser zu verstehen, studiert sie jetzt mit dem Fokus auf klassische Literatur und Kultur in Münster. Durch ihre Erkenntnisse erhofft sie sich ein noch besseres Verständnis der chinesischen Traditionen. Münster und der Master-Studiengang „Klassische Sinologie“ gefallen ihr dabei sehr gut: „Die Dozenten sind gewissenhaft und im Forschungsbereich exzellent.“ Der Arbeitsaufwand sei machbar und im vierten und somit letzten Semester geringer als zuvor. Beruflich hat auch Liu Wenqing sich noch nicht festgelegt: „Wahrscheinlich werde ich nach China zurückfliegen und dort an einer Schule, in einer Universität oder im Bereich Medien tätig sein.“

Wer nach dieser Vorstellung Interesse an einem Studium in der Sinologie Münster bekommen hat, findet weitere Informationen zu den Studiengängen und zum Institut unter: www.uni-muenster.de/sinologie. Der Bachelor „Chinastudien“ und der Master „Klassische Sinologie“ starten immer zum Wintersemester. Zum Online-Bewerbungsportal der WWU: www.uni-muenster.de/studium/bewerbung/index.shtml

Elisabeth Gödde

Termine im Sommersemester

Frau Prof. Dr. Susanne Günthner wird am 18. April 2013 um 14 Uhr einen Vortrag in der Sinologie halten. Dieser ist Teil der Reihe „Deutsch-chinesischer Dialog“, die im letzten Wintersemester mit zahlreichen Besuchern eingeführt wurde. Für das Sommersemester 2013 sind wieder eine Stipendienveranstaltung sowie eine Informationsveranstaltung zu Berufsmöglichkeiten nach dem Studium der Sinologie geplant. Auch ein Erfahrungsaustausch über Praktika ist angedacht. Details und Termine werden rechtzeitig online, per Verteiler und als Institutsaushang bekanntgegeben. Alle Veranstaltungen finden, wenn nicht anders angekündigt, im großen Seminarraum des Instituts für Sinologie und Ostasienkunde, Schlaunstraße 2, statt. Aktuelle Informationen und etwaige Planänderungen befinden sich wie immer auf der Internetseite des Instituts.

Exkursionsbericht Berlin 2013

Auf Exkursion in die Berliner Shang-Zeit

Zu einer Exkursion ins Museum für Asiatische Kunst Berlin fanden sich am 19. und 20. Januar 2013 im Rahmen des Seminars „Gesellschaft im Spiegel der Kultur und Kunst“ Studierende und Interessierte der Sinologie zusammen. Ziel der Exkursion war die eingehende Betrachtung und Analyse der ausgestellten, vorwiegend Shang-zeitlichen Bronzeobjekte. Nach einer kurzen Einführung zu den ausgestellten Objekten aus Ostasien durch Frau Dr. Annette Kieser wurden die einzelnen Stücke näher betrachtet und über deren Verwendungszweck und Bedeutung diskutiert. Darüber hinaus hielten die Studenten ihre im Vorhinein erarbeiteten Referate über einige der Ausstellungsobjekte, unter anderem waren darunter Ritualgefäße. Auch Laien wurden die Gegenstände dank der Erklärungen durch die Dozentin näher gebracht.

Teilnehmer der Exkursion im Museum für Asiatische Kunst Berlin

Im späteren Verlauf wurden die restlichen Bereiche der Ostasien-Ausstellung besucht, darunter fanden sich sowohl diverse Lackarbeiten als auch Malerei und Kalligraphie. Am Abend wurde den Studenten abschließend die Möglichkeit gegeben, sich untereinander über den vergangenen Tag sowie die möglichen Perspektiven nach einem abgeschlossenen Masterstudium in „Klassischer Sinologie“ auszutauschen.

Am zweiten Tag der Exkursion verlagerte sich das Augenmerk von der Kunstsammlung Süd-, Südost- und Zentralasiens weiter in den Westen, der in den Blütezeiten der Seidenstraße(n) als kultureller wie religiöser Schmelztiegel diente. Zu sehen waren nun Statuetten, Statuen wie auch Bildnisse aus der einstigen Region Gandhara, die teilweise hellenistische Buddhastatuen hervorbrachte.

Ebenfalls ist eine große Ansammlung von tausenden Artefakten und Textfragmenten zu finden, die durch Albert Grünwedels zahlreiche Expeditionen den Weg ins Museum gefunden haben. Alle Studierenden nahmen die Exkursion, die durch Drittmittel erst ermöglicht wurde, sehr positiv als Bereicherung und willkommene Abwechslung zum Studienalltag wahr.

Jennifer Uhle

Vorträge im Rückblick

„Art Historical Analysis of the Buddhist Universe described in Early Chinese Translations of the Indian Scriptures“
Am 27. Februar 2013 erwies Dr. Ataru Sotomura dem Institut für Sinologie und Ostasienkunde mit einem Vortrag die Ehre. Der Titel der Veranstaltung ließ bereits erahnen, dass es sich um eine sehr spezifische Thematik handeln würde: „Art Historical Analysis of the Buddhist Universe described in Early Chinese Translations of the Indian Scriptures“. Die Veranstaltung wurde von Institutsdirektor Prof. Dr. Reinhard Emmerich eingeleitet und von Gastwissenschaftler Prof. Dr. Ryuichi Kogachi moderiert. Inhaltlich fragte der Vortrag, auf welche Textgrundlage aus der Gruppe buddhistischer Sutren sich eine Abbildung des Berges Sumeru im Todaiji-Tempel der japanischen Stadt Nara zurückführen lässt. Der Weltenberg Sumeru steht in der hinduistischen Kosmologie im Zentrum des Universums. Im Verlauf des Vortrags erläuterte der Referent Struktur und Umfeld des heiligen Berges unter Bezug auf verschiedene Sutren. Dabei machte er deutlich, dass diese Unterschiede in den Beschreibungen des Sumeru auf die verschiedenen aus Indien überlieferten buddhistischen Schriften zurückzuführen sind, die heute fast nur noch über ihre chinesische Übersetzung zugänglich sind, wobei auch noch neue, in chinesischer Sprache verfasste Schriften hinzukommen. Dr. Sotomura legte sehr anschaulich mit vielen Vergleichen dar, dass die Abbildung des Sumeru im Todaiji-Tempel sich am besten auf das Huáyán jīng tànxuán jì 華嚴經探玄記 (Avataṃsaka-Sūtra) zurückführen lässt. Für alle, die sich für dieses komplexe The-ma interessieren: Die Publikation von Dr. Ataru Sotumura, „Mt. Sumeru 須彌山: Source Manual for Iconographic Research on the Buddhist Universe“, aus der Reihe Nalanda Sriwijaya Centres (NSC) Working Paper No. 6 aus dem Jahr 2011 ist zu finden als PDF-Datei unter dem Link: http://nsc.iseas.edu.sg/documents/working_papers/nscwps006.pdf

„Die Rechtsprechung der Qin im Licht der neu erworbenen Kriminalfallsammlung der Yuelu-Akademie Changsha“
Am 17. Januar 2013 berichtete PD Dr. Ulrich Lau von seinem DFG-Projekt „Die juristischen Manuskripte der Qin-Zeit (3. Jh. v.Chr.) aus der Sammlung der Yuelu-Akademie.“ Es handelt sich um eine 2007 von der Yuelu-Akademie in Changsha aus dem Kunsthandel erworbene Sammlung von Kriminalfällen auf Bambusleisten. Als ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet von Originaltexten zum frühen chinesischen Recht stellte er diese problematische Quellensammlung juristischen Grabtexten aus gesicherten Ausgrabungen gegenüber. Sehr anschaulich machte er dabei konkrete Praktiken anhand eines „Korruptionsfalles“ wie auch allgemeine Konitinuitäten zwischen der Rechtsprechung der Qin- und der Han-Zeit deutlich. Den Abschluss bildete eine lebhafte Diskussion über das Recht und Rechtsquellen insbesondere im Vergleich mit dem Vorderen Orient.

„Des Kaisers alte Kleider und andere Geschichten aus der deutsch-chinesischen Kulturguterforschung“
Kleider aus dem alten China in neuer Aufmachung waren am 6. Dezember 2012 das Thema eines spannenden und bildreichen Vortrags von Frau Dr. Susanne Greiff, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (RGZM). Darin wurde gezeigt, wie sich durch die Kunst der Restauratoren ein unansehnlicher Textilklumpen wieder zu einer schönen Seide entfaltet und was eine Dame der Tang-Zeit unter dem Obergewand trug.

Ausgrabungsstück (Seidenfragment), Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

Frau Dr. Greiff stellte schlaglichtartig einige neue Ergebnisse der Kooperation zwischen dem RGZM, der LMU München und der WWU Münster vor. Darin aktiv sind aus der Sinologie Münster Sandra Austrup, M.A., Dr. Soon-Chim Jung und Dr. Annette Kieser, die an gegenwärtigen Forschungen zu Seidentextilien aus dem buddhistischen Kloster von Famen sowie der unberaubten Grabanlage der Adeligen Li Chui aus der Tang mitarbeiten. In der lebhaften Diskussion berichtete Frau Dr. Greiff ausführlich aus ihrem langjährigen Erfahrungsschatz über die praktische Arbeit und das chinesisch-deutsche Miteinander vor Ort in der Außenstelle des Mainzer Museums in Xi’an.

Elisabeth Gödde, Marvin Leck, Dr. Monique Nagel-Angermann

Konferenzbericht DVCS 2012

Die „Deutsche Vereinigung für Chinastudien“ (DVCS) lud zur 13. Jahrestagung unter dem Motto „China: Konflikt und Harmonie“ in die Trierer Universität ein. Vom 9. bis 11. November 2012 hielten 25 internationale Forschende, unter anderem auch aus Münster, Vorträge zu unterschiedlichen Thematiken der Chinawissenschaften.

Der behandelte Zeitraum der Vorträge ging von der Han-Zeit (206 v.-220 n.Chr.) (am Beispiel der Konsensfindung des Han-Kaiserhofes) über die Ming-Dynastie (1368-1644) bis zur Moderne (wie die Einführung des Konzeptes innerparteilicher Demokratie in der KPCh). Einige Präsentationen gingen in ihrem Schwerpunkt über die Grenzen der Volksrepublik hinaus und behandelten zum Beispiel das chinesische Engagement in Namibia und Sambia. Andere Vortragende befassten sich mit den von ihnen untersuchten literarischen Größen. Aus Münster waren Dr. Monique Nagel-Angermann („Meidung statt Konflikt – Lösung oder Kampfansage?“) und Jonas Polfuß („Yi cheng bu bian 一成不變 – Zu vergangenheitsbezogenen Erklärungsmodellen für Konfliktlösungsverhalten im gegenwärtigen China“) vertreten.

Das Wochenende bot neben interessanten Vorträgen und Diskussionen die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und an einer Weinprobe in der bekannten Weinregion teilzunehmen. Während die Vorträge zu verschiedenen Ergebnissen kamen, dominierte in Trier an diesen Tagen zwischen den Teilnehmenden die Harmonie.

Kolja Quakernack

Erfahrungsbericht Taiwan

Spätestens in den höheren Semestern weiß jeder Student der Münsteraner Sinologie: Taiwan ist ein tolles Land für ein Auslandssemester oder sogar mehr. Vom Status als demokratischer Ableger Chinas über die Kultur, an der die Revolution vorbeiging, bis zur Küche und den unsagbar freundlichen Menschen.
Von Beginn meines Studiums an wurden mir die Vorzüge der kleinen Insel aufgezeigt, und so ging ich als einer von wenigen unserer Studenten den Weg an die Soochow University 東吳大學, die Partneruniversität der WWU mit je einem Campus im Zentrum und Norden Taipeis. Die Offenheit und Hilfsbereitschaft der meisten Taiwanesen bestätigte sich gleich in den ersten Stunden meiner Ankunft. Mit vier Taschen und 40 Kilo beladen auf einer der belebtesten Straßen der Stadt stehend, wurde ich von zwei Mädchen aufgegriffen und bis an die Tür meines Hostels kutschiert. Ein guter Einstieg, der sich auch bei meinen Kommilitonen fortsetzte, die wirklich in allen Lebenslagen hilfsbereit zur Seite standen. Wer die Soochow als Studienort in Betracht zieht, sollte jedoch einige Punkte beachten: Das Angebot englischsprachiger Kurse richtet sich vornehmlich an Wirtschaftsstudenten; die Chinesischkurse sind vor allem auf Japaner zugeschnitten, die unsere Probleme mit dem Lernen der Schriftzeichen nicht kennen.

Dass die Universität kein Mandarin Center hat, ist definitiv eine Schwäche und wohl auch der Grund, warum es noch nicht viele vor mir dorthin zog. Neben einer Doppelstunde Unterricht pro Woche hatten wir die Möglichkeit, täglich an mehreren durch Studenten geleiteten Tutorien teilzunehmen. In Anbetracht der Voraussetzungen ist dies sicher als guter Kompromiss zu sehen, und die Kleingruppen boten auch eine angenehme Atmosphäre. Die gleichen Lernerfolge wie an einem der professionellen Sprachzentren stellen sich aber selbstverständlich nicht ein. Ohne wirkliche Verbissenheit sollte man sich also nach Möglichkeit für ein reines Sprachstudium an einer der anderen Universitäten einschreiben. Für das Lernen nur nebenbei, aber dafür viel Zeit für Reisen, tolle Tutoren und Kommilitonen ist die Soochow rundum ideal, zumal wir Münsteraner dort keinerlei Studiengebühren bezahlen und als Sinologen zudem gute Chancen auf Unterstützung durch ein PROMOS-Stipendium haben.

Lukas J. Herbers