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Münster (upm/kk)

Millionen-Förderung für Juristen und Chemiker der WWU

Niels Petersen und Ryan Gilmour mit "Consolidator Grant" des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet
Prof. Dr. Niels Petersen<address>© Privat</address>
Prof. Dr. Niels Petersen
© Privat

Zwei "Consolidator Grants" 2018 des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) gehen an Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU): Der Jurist Prof. Dr. Niels Petersen von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und der Chemiker Prof. Dr. Ryan Gilmour vom Organisch-Chemischen Institut erhalten je eine der begehrten Förderungen in Höhe von zusammen 3,6 Millionen Euro.

„Die Förderung des Europäischen Forschungsrats ist eine besondere Anerkennung für unsere Wissenschaftler und ein Indikator für exzellente Forschung an der WWU. Besonders erfreulich ist in diesem Fall, dass wir sowohl in den Naturwissenschaften als auch auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft erfolgreich sind – das ist ein eindrucksvoller Beleg für die Breite unserer Spitzenforschung“, betont Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels. „Diese Förderung wird es den Wissenschaftlern ermöglichen, an ihren bisherigen Leistungen anzuknüpfen und ihre wissenschaftliche Reputation weiter zu stärken.“

Niels Petersen ist Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht sowie empirische Rechtsforschung. Er erhält in den kommenden fünf Jahren etwa 1,6 Millionen Euro für ein Forschungsprojekt zu der Frage, wie Ungleichheit durch Recht korrigiert werden kann. In fast allen Verfassungen und Menschenrechtsverträgen finden sich Gleichheitsrechte und Diskriminierungsverbote. Auf den ersten Blick scheint Gleichheit ein fundamentales Postulat der Gerechtigkeit zu sein. Bei näherem Hinsehen ergeben sich allerdings zahlreiche Fragen. Gleichheit in Bezug auf was beispielsweise? Schützen Gleichheitsrechte gegen soziale Ungleichheit? Schützen sie Minderheiten vor Diskriminierungen? Schützen sie gegen willkürliche staatliche Entscheidungen?

Die Verfassungstexte geben zumeist nur wenig Aufschluss. Daher ist es wenig überraschend, dass die gerichtliche Konkretisierung dieser Normtexte in verschiedenen Rechtsordnungen stark variiert. Das Forschungsprojekt von Niels Petersen hat in erster Linie zwei Ziele. Zum einen macht es eine Bestandsaufnahme der Gleichheitsrechtsprechung. Es untersucht die Rechtsprechung von 16 verschiedenen internationalen und nationalen Obergerichten und ermittelt die Konzeption von Gleichheit, die der jeweiligen Rechtsprechung zugrunde liegt. Zum anderen hat es aber auch ein normatives Ziel. Niels Petersen will herausfinden, welche Konzeption von Gleichheit sich für den gerichtlichen Kontext am besten eignet. Welche Arten von Ungleichheiten sollten Gerichte korrigieren, und wo sollten sie sich eher zurückhalten und die Korrektur dem demokratischen Gesetzgeber überlassen?

Prof. Dr. Ryan Gilmour<address>© Privat</address>
Prof. Dr. Ryan Gilmour
© Privat
Ryan Gilmour ist Inhaber des Lehrstuhls für Organische Chemie und Professor für chemische Biologie am Exzellenzcluster „Cells in Motion“ (CiM). 2013 erhielt er bereits einen „ERC Starting Grant“. Aufbauend auf diesem Erfolg erlaubt die Auszeichnung mit dem mit zwei Millionen Euro dotierten „Consolidator Grant“ ihm und seinem Team, sich in den nächsten fünf Jahren intensiv mit der Erforschung neuer Bereiche der Organofluor-Chemie auseinanderzusetzen.

Zum Hintergrund: Betrachtet man alle in der Natur vorkommenden Moleküle, so tragen nur rund zwölf davon ein Fluor-Atom. Im Gegensatz dazu machen fluorierte organische Materialen 20 bis 30 Prozent der Pharmazeutika und Agrochemikalien aus. Dieses Ungleichgewicht spielte eine wichtige Rolle bei der Entdeckung und Entwicklung vieler Hochleistungsmaterialen, die unser tägliches Leben beeinflussen – beispielsweise Teflon. In den meisten Fällen jedoch sind die Fluorierungsmuster, die die molekularen Eigenschaften maßgeblich beeinflussen, auf Strukturen beschränkt, die im Labor herstellbar sind. Dies deutet darauf hin, dass es weitgehende Bereiche des chemischen Raums gibt, welche noch zu erforschen sind, auf der Suche nach „Next-Generation“-Materialien für Medizin und Agrarchemie sowie Materialwissenschaften und Biomedizin. Die grundsätzliche Zielsetzung des Projekts ist die Entwicklung neuartiger und hochselektiver Fluorierungsreaktionen. Ausgehend von einfachen, günstigen und kommerziell erhältlichen Quellen soll somit der Zugang zu komplexen, räumlich definierten fluorierten organischen Materialen ermöglicht werden.

Die Förderlinie "Consolidator Grants" richtet sich an Nachwuchswissenschaftler zwischen sieben und zwölf Jahren nach der Promotion. Sie unterstützt den Aufbau oder die Verstetigung eines unabhängigen exzellenten Forschungsteams. Weitere Förderlinien sind "ERC Starting Grants" und "ERC Advanced Grants". Insgesamt gibt es rund 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der WWU, die im Laufe ihrer Karriere einen Grant der EU-Kommission erhalten haben.

Niels Petersen – zur Person:

Niels Petersen, Jahrgang 1978, studierte Rechtswissenschaft und sozialwissenschaftliche Methodik an der WWU, der Universität Genf und der Columbia University. Nach der Promotion an der Universität Frankfurt a.M. war er 2007 bis 2015 Postdoktorand am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und forschte 2012 und 2013 zudem an der New York University School of Law. Im Jahr 2014 habilitierte er sich an der Universität Bonn und wurde Anfang 2015 an die Juristische Fakultät der WWU berufen.

Ryan Gilmour – zur Person:

Ryan Gilmour, geboren 1980 in Ayrshire (Schottland), hat an der Universität Cambridge in England promoviert und danach am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) in der Schweiz geforscht. An der ETH hatte er anschließend eine "Alfred Werner Assistant Professorship" der Werner-Stiftung inne, durch die talentierte Nachwuchswissenschaftler in der Schweiz gefördert werden. Seit Oktober 2012 ist er Professor für Chemische Biologie an der WWU. Seit 2016 hat Ryan Gilmour den Lehrstuhl für Organische Chemie und die CiM-Professur für Chemical Biology inne. Zudem ist er Preisträger des Ružička-Preises der ETH Zürich, wurde zum "Fellow of the Royal Society of Chemistry" ernannt.

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