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Münster (upm/kn)

Physiker bauen Pendelantrieb für Kunstwerk von Gerhard Richter

Dr. Andreas Gorschlüter: „Das Projekt stellt interessante Herausforderungen an uns“
Elektromechaniker Sandor Söter (v.l.), Elektromechaniker Christof Meiners, Dr. Andreas Gorschlüter, Geschäftsführer des Physikalischen Instituts und Daniel Troche, Leiter der Elektronik-Werkstatt, führten erste Tests des Pendelantriebs mit einer Versuchskugel in der technischen Versuchshalle durch.© WWU / Peter Leßmann
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Eine Kirche – ein Künstler – ein Foucaultsches Pendel – ein Team des Fachbereichs Physik: Voraussichtlich im Juni wird das Kunstwerk des Malers und Bildhauers Gerhard Richter in der Dominikanerkirche in Münster eröffnet. Es besteht aus einem Pendel und vier rechteckigen, sechs Meter hohen Glastafeln. An der Umsetzung dieses Projekts sind Physiker, Feinmechaniker und Elektroniker des Fachbereichs Physik beteiligt. Sie haben an der Konzeption des gesamten Pendels mitgewirkt und bauen den Antrieb dafür.

Das Pendel wird in der Kuppel der profanierten Kirche aufgehängt. Eine 48 Kilogramm schwere Kugel schwingt an einem 29 Meter langen Seil über einer runden, vom Künstler gestalteten Bodenplatte. Elf Sekunden dauert eine Schwingung. „Aufgrund der Einbindung in ein Gesamtkunstwerk stellt das Pendel interessante Herausforderungen an uns, weil wir zum einen eine sehr große Pendelauslenkung und bei lotrechtem Pendel einen großen Abstand zwischen der Kugel und dem Antrieb im Boden haben“, betont Dr. Andreas Gorschlüter, Geschäftsführer des Physikalischen Instituts der WWU. „Und zum anderen wird es im Dachgebälk aus Holz aufgehängt. Wir wissen nicht, ob sich das alte Bauwerk im Laufe der Jahreszeiten verändert.“

Der eigens entwickelte elektromagnetische Antrieb hält das Pendel über eine magnetische Kraft auf einen in der Kugel befindlichen Magneten ständig in Bewegung. Die Magnetspule ist nicht dauerhaft eingeschaltet, sondern wird von einem Mikroprozessor so gesteuert, dass sie immer wieder zur richtigen Zeit eine genau vorgegebene Kraft auf die Kugel ausübt, um das Pendel permanent schwingen zu lassen. Aufgrund der Erdrotation dreht sich der Boden der Kirche dabei unter der Schwingungsebene des Pendels weg. Für den Betrachter sieht deshalb so aus, als würde sich die Schwingungsrichtung des Pendels drehen. Eine volle Umdrehung um 360 Grad dauert in Münster etwa 31 Stunden. Am Nordpol braucht es nur 24 Stunden. Die Dauer der Drehung hängt von der Lage des Ortes auf der Erde ab.

In der nächsten Zeit testet das Team den Pendelantrieb noch weiter im Physikalischen Institut, bevor er in der Dominikanerkirche installiert wird.

 

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