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Münster (upm)

Ernst-Hellmut-Vits-Preis an Peter Seeberger verliehen

Universitätsgesellschaft Münster ehrt Chemiker für wegweisende Forschung
Preisträger Prof. Dr. Peter H. Seeberger (Mitte) mit Dr. Paul-Josef Patt (l.) und Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels<address>© Peter Grewer</address>
Preisträger Prof. Dr. Peter H. Seeberger (Mitte) mit Dr. Paul-Josef Patt (l.) und Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels
© Peter Grewer

Für seine wegweisenden Arbeiten hat der international angesehene Chemiker Prof. Dr. Peter H. Seeberger am Mittwoch, 11. April, den mit 20.000 Euro dotierten Ernst-Hellmut-Vits-Preis 2018 der Universitätsgesellschaft Münster erhalten. Der 51-Jährige, der unter anderem die Entwicklung von Impfstoffen maßgeblich voranbrachte, nahm die Auszeichnung bei einer Feierstunde im münsterschen Schloss entgegen. Er gilt als ein Pionier auf dem Gebiet der Glykowissenschaften. Dieses Forschungsgebiet untersucht, welche Rolle komplexe Zuckermoleküle im Organismus spielen.

Der Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), Prof. Dr. Johannes Wessels, und Dr. Paul-Josef Patt, Vorstandsvorsitzender der Universitätsgesellschaft Münster, begrüßten die Gäste. Paul-Josef Patt erinnerte daran, dass vor 50 Jahren der Vits-Preis ins Leben gerufen wurde. Nun – im Jahr 2018 – feiert die Universitätsgesellschaft ihr 100-jähriges Bestehen und 50 Jahre Vits-Preis. „Wir sind stolz, im Jahr unseres Jubiläums den Ernst-Hellmut-Vits-Preis an einen hochkarätigen Wissenschaftler vergeben zu können. Die Forschungen von Herrn Prof. Dr. Seeberger sind wegweisend“, unterstrich er. Die Laudatio hielt Dr. Markus Antonietti, Professor an der Universität Potsdam und Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam. Für die musikalische Begleitung am Klavier sorgte Justus Gericks, Student der Musikhochschule Münster.

Peter H. Seeberger, Jahrgang 1966, ist Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam und Professor an der Freien Universität Berlin. Mit der Entwicklung eines Synthese-Automaten gelang es ihm, Zuckerbausteine erstmals schnell, effektiv und preisgünstig miteinander zu verknüpfen. Die so hergestellten Zuckerketten – Glykane oder Polysaccharide genannt – sind von großer Bedeutung für die Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen. Immunzellen erkennen beispielsweise krank machende Bakterien an einer speziellen Zuckersignatur auf der Bakterienoberfläche. Laudator Markus Antonietti verglich die Zuckerverbindungen im Organismus mit einer komplizierten Sprache, deren Buchstaben aus einzelnen Zuckern bestehen. Beispielsweise setze die Natur diese Sprache ein, um „Verpackungen“, also einzelne Zellen, zu beschriften, damit die Immunzellen den Inhalt erkennen. Peter Seeberger macht sich diese Sprache zu eigen. „Er hat eine Schreibmaschine entwickelt, die in Zuckern schreibt“, veranschaulichte Laudator Markus Antonietti.

Gemeinsam mit weiteren Forschern entwickelte Peter Seeberger auch ein neues Produktionsverfahren, durch das der Wirkstoff Artemisinin kostengünstig und effizient hergestellt werden kann. Dieser Wirkstoff wird zur Behandlung von Malaria eingesetzt. Peter Seeberger hofft, durch die günstige Herstellung dringend benötigter Malaria-Medikamente eine bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung in afrikanischen Ländern zu ermöglichen. „Die auf der Basis seiner Erfindungen und Entwicklungen erfolgten Firmengründungen zeugen vom erfolgreichen Transfer der wissenschaftlichen Ergebnisse in die Gesellschaft. Darüber hinaus engagiert er sich für eine verbesserte Gesundheitsvorsorge in Äthiopien. Auch dieses außerordentliche Engagement wird mit dieser Auszeichnung gewürdigt“, heißt es in der Begründung der Preisjury.

 

Von links: Dr. Gisela Vits, Prof. Dr. Klaus Schubert (Vorsitzender des Preisrichterkollegiums), Dr. Paul-Josef Patt, Jochen Herwig (Vorsitzender des Kuratoriums), Prof. Dr. Peter H. Seeberger, Prof. Dr. Johannes Wessels, Prof. Dr. Markus Antonietti, Dr. Hans-Joachim Vits, Erika Vits<address>© Peter Grewer</address>
Von links: Dr. Gisela Vits, Prof. Dr. Klaus Schubert (Vorsitzender des Preisrichterkollegiums), Dr. Paul-Josef Patt, Jochen Herwig (Vorsitzender des Kuratoriums), Prof. Dr. Peter H. Seeberger, Prof. Dr. Johannes Wessels, Prof. Dr. Markus Antonietti, Dr. Hans-Joachim Vits, Erika Vits
© Peter Grewer
Peter H. Seeberger – Lebenslauf:

Peter H. Seeberger, Jahrgang 1966, studierte Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg und promovierte in Biochemie an der University of Colorado. Nach einem Postdoktoranden-Aufenthalt am Sloan-Kettering Institute for Cancer Research in New York City war er von 1998 bis 2002 Assistant Professor und „Firmenich Associate Professor“ am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA.

Von 2003 bis 2009 war Peter Seeberger Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Seit 2009 ist er Direktor der Abteilung für biomolekulare Systeme am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam und Professor an der Freien Universität Berlin. Seit 2011 ist er Honorarprofessor an der Universität Potsdam. Er ist Mitglieds des Senats der Max-Planck-Gesellschaft und des Rats der Berlin-Brandenburger Akademie der Wissenschaften.

Zu seinen mehr als 30 Preisen und Auszeichnungen zählen der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft (2007) sowie der „Claude S. Huson Award“ der American Chemical Society (2009).

Als Mitgründer der „Tesfa-Ilg ‚Hope for Africa‘ Foundation“ setzt er sich für eine verbesserte Gesundheitsvorsorge in Äthiopien ein. Aus den Arbeiten in Peter Seebergers Labor sind mehrere Firmen hervorgegangen.

 

Ernst-Hellmut-Vits-Preis

Der Ernst-Hellmut-Vits-Preis ist mit 20.000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung der Universitätsgesellschaft Münster. Benannt ist er nach Ernst Hellmut Vits, langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der WWU. Er wird in zweijährigem Turnus verliehen. Im Wechsel wird ein Beitrag aus dem Bereich der Naturwissenschaften und Medizin sowie aus den Geisteswissenschaften gewählt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, jeder Fachbereich der Universität Münster sowie der Vorstand und das Kuratorium der Universitätsgesellschaft Münster sind berechtigt, preiswürdige Beiträge vorzuschlagen. Preisträger waren bisher unter anderem Martin Hellwig, François Diederich, Dietmar Willoweit, Stefan W. Hell, Renate Mayntz, Wolf Singer, Günther Patzig, Otto D. Creutzfeld, Carl Friederich von Weizsäcker und Alfred Müller-Armack.

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