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Münster (upm/jp)

Zwischen Windeln und Wissenschaft

In einem Workshop an der Universität Münster setzten sich junge Väter mit ihrer Rolle auseinander
Bernd Christmann mit seiner Tochter Karla<address>© WWU/Juliette Polenz</address>
Bernd Christmann mit seiner Tochter Karla
© WWU/Juliette Polenz

Früher waren die Elternrollen in Westdeutschland klar verteilt: Papa ging arbeiten, Mama kümmerte sich um Kinder und Haushalt. Heute wählen gerade Akademiker-Paare immer häufiger alternative Modelle und teilen Erwerbs- und Familienarbeit gleichberechtigter untereinander auf. Welche Chancen und Herausforderungen das mit sich bringt, zeigte Ende Januar ein Workshop, der sich speziell an Väter an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) wandte. Juliette Polenz sprach mit Teilnehmer Bernd Christmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft, über die Inhalte des Seminars und die Anregungen, die der 37-Jährige mitgenommen hat.

 

Seit vergangenem August sind Sie Vater. Was sind Ihre ersten Erfahrungen?

Bernd Christmann: Ich habe zwar geahnt, dass sich vieles ändert. Jetzt weiß ich, dass es wirklich so ist. Zum Beispiel der Schlafmangel, von dem alle reden: Klar habe ich im Vorhinein davon gehört. Aber wenn man die dritte, vierte, fünfte Nacht in Folge wenig bis gar nicht geschlafen hat, spürt man, wie sich das anfühlt – eine echte Herausforderung! Auch wenn wir drei mittlerweile ein eingespieltes Team sind, tut der Austausch mit Gleichgesinnten gut.

 

Der Workshop kam also zur rechten Zeit ...

Kann man so sagen (lacht)! Wir wohnen noch nicht lange in Münster. Wie bei vielen Wissenschaftlern auch führte uns der Beruf nach Westfalen. Unser Freundes- und Bekanntenkreis ist nicht groß, nur wenige haben Kinder. In unserer neuen Lebenssituation interessiert uns aber, wie das andere Paare machen. Wie lassen sich Kind und Karriere vereinbaren? Was können wir für uns tun? Gut an dem Seminar war, dass sich alle Teilnehmer in einem ähnlichen beruflichen Umfeld bewegen.

 

Was erwartete Sie?

Das Seminar fand an einem ganz besonderen Ort statt, im Kaminzimmer im Haus der Niederlande. In der Vorstellungsrunde zeigte sich, dass wir zwar alle an der WWU studieren oder arbeiten. Die Fächer und das Alter der Kinder unterscheiden sich aber natürlich. Die Berichte derjenigen, die schon größere Kinder haben, machten Mut – irgendwann wird es also einfacher (lacht)!

 

Gab es Aha-Momente?

Es war spannend, wie unterschiedlich Väter mit der neuen Situation umgehen! Ein Papa kümmert sich beispielsweise im ersten Jahr komplett um das Kind, andere Paare teilen Familien- und Erwerbsarbeit gleichberechtigt untereinander auf. Auch die Fächerunterschiede haben Einfluss auf das gewählte Modell: Bei Juristen beispielsweise gibt es ein ganz klares Berufsbild, auf das sie hin studieren. In den Natur- oder den Erziehungswissenschaften ist das viel offener. Durch die dezentrale Struktur an der Universität gibt es nicht nur einen Weg, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Jeder Fachbereich hat eigene Lösungsideen.

 

Für welches Modell haben Sie sich entschieden?

Wir persönlich halten es „klassisch“: Meine Partnerin hat zwölf Monate Elternzeit genommen, und ich gehe im nächsten Sommer für zwei Monate in Elternzeit. Danach brauchen wir einen Betreuungsplatz für unsere Tochter, weil wir wieder berufstätig sein werden. Meine Partnerin ist schon promoviert und wollte sich gern im ersten Jahr um das Kind kümmern. Bei mir steht die Promotion noch an, durch unsere Aufteilung kann ich mich wissenschaftlich weiterqualifizieren. Generell sind unsere Karrieren schwieriger planbar als in anderen Berufen. Eine Sicherheit gibt es nicht. Es tat gut, in dem Workshop zu erfahren, wie andere mit diesen Fragen umgehen.

 

Wie fällt Ihr Fazit aus?

Es war ein schönes Erlebnis, vier Stunden Zeit zu haben und sich mit anderen Vätern auszutauschen, die aus einem ähnlichen Bereich kommen. Ich nehme viele Anregungen mit – vor allem für meine Rolle als Vater. Ich würde mich über weitere Vernetzungsangebote für männliche Wissenschaftler mit Kind freuen!

 

Der Workshop

Welche Rolle wollen Väter in der Familie einnehmen? Dieser Frage gingen die Workshop-Teilnehmer Ende Januar unter Anleitung von Elterncoach Nils Seiler aus Berlin nach. Im Zentrum standen ihre Vorstellungen von einem erfüllten Familien- und Erwerbsleben sowie der Austausch mit anderen Vätern, die an der WWU studieren oder arbeiten. Das Servicebüro Familie der WWU hatte die Veranstaltung organisiert. Für Januar 2018 ist ein weiterer Workshop geplant.

 

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