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Münster (upm/ch)

"Vernetzung ist ein Garant für Spitzenforschung"

Drei Fachbereiche, ein Thema: Wie Katholische Theologie, Wirtschaftswissenschaften und Biologie die Internationalisierung vorantreiben
Im Gespräch: Prof. Marianne Heimbach-Steins (l.), Dr. Roda Niebergall und Prof. Bernd Hellingrath diskutieren vor dem Schloss.<address>© WWU/Peter Grewer</address>
Im Gespräch: Prof. Marianne Heimbach-Steins (l.), Dr. Roda Niebergall und Prof. Bernd Hellingrath diskutieren vor dem Schloss.
© WWU/Peter Grewer

Welchen Stellenwert das Thema Internationalisierung hat und wie die Fachbereiche strategisch damit umgehen, darüber sprach Christina Heimken mit Prof. Marianne Heimbach-Steins (Prodekanin für Internationalisierung, Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Katholisch-Theologischen Fakultät), Dr. Roda Niebergall (Internationalisierungsbeauftragte des Fachbereichs Biologie) und Prof. Bernd Hellingrath (Prodekan für Internationales der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät)


Wie wichtig ist die Internationalisierung für die Fachbereiche?

Heimbach-Steins: Das Thema hat an der Katholisch-Theologischen Fakultät erheblich an Bedeutung gewonnen. Das betrifft vor allem auch die strukturierte Internationalisierung. Zwei Beispiele: Derzeit planen wir einen internationalen Masterstudiengang als "Joint Degree", also als Doppelabschluss-Programm, mit verschiedenen anderen europäischen und außereuropäischen Universitäten. Außerdem sind wir dabei, unser englischsprachiges Lehrangebot zusammen mit der Evangelisch-Theologischen Fakultät und dem Zentrum für Islamische Theologe der WWU auszubauen.

Hellingrath: Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät muss sich am internationalen Markt orientieren. Unter anderem haben wir die internationale "AACSB -Akkreditierung" erhalten, das macht uns international stärker sichtbar und zeigt unseren hohen Qualitätsstandard in Forschung und Lehre. Unsere Studierenden erwarten übrigens von uns, dass wir uns als Fachbereich international orientieren, denn von ihnen verlangt die Wirtschaft internationale Erfahrungen. Auch unsere Forschung wird zunehmend internationaler, und wir wollen gute Wissenschaftler nicht nur aus Deutschland gewinnen, sondern auch aus dem internationalen Umfeld.

Was tun die Fachbereiche, um internationale Studierende anzulocken?

Niebergall: Der Fachbereich Biologie hat in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich verschiedene Maßnahmen etabliert, um den Fachbereich für internationale Studierende attraktiv zu machen. So bieten wir unter anderem in jedem Wintersemester für alle "Incomings", also für die Studierenden aus dem Ausland, das sogenannte Welcome-Modul an.  Dieses soll die Studierenden gezielt auf das Biologie-Studium an der WWU vorbereiten. Gleichzeitig wollen wir die Zahl der besonders gut qualifizierten internationalen Studierenden erhöhen. Dafür haben wir im vergangenen Jahr zum ersten Mal die "International Münster Summer School in Biology" organisiert, die unter anderem vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert wurde und an der elf Studierende aus dem Ausland teilnahmen. Weiterhin planen wir, zusammen mit unseren Partneruniversitäten in Brasilien ein Doppelabschlussprogramm für Masterstudierende zu etablieren.

Hellingrath: Ein zentraler Aspekt ist unser englischsprachiges Studienangebot, das besonders auch für ausländische Studierende interessant ist. In den Bachelorstudiengängen bieten wir ungefähr ein Drittel der Veranstaltungen auf Englisch an, teilweise parallel auf Deutsch und auf Englisch. Im Masterprogramm ist es noch umfassender. Dort gibt es einen komplett englischen Masterstudiengang in der Wirtschaftsinformatik. Wir stellen zudem gerade eben den VWL-Master von Deutsch auf Englisch um. Im BWL-Master gibt es englischsprachige Schwerpunktprogramme, und wir wollen demnächst auch einen internationalen Masterabschluss in BWL anbieten.

Wie sieht es mit den deutschen Studierenden aus, die ins Ausland wollen. Gehen die auf eigene Faust?

Hellingrath: Wir haben an unserer Fakultät ein Partnernetzwerk von knapp 110 Universitäten mit einem Kontingent an Austauschplätzen. Die weitaus meisten Studierenden greifen auf diese bestehenden Strukturen zurück, nur wenige organisieren ihren Aufenthalt in Eigenregie.

Heimbach-Steins: Das ist bei uns umgekehrt: Bei uns gehen die Studierenden auf eigene Initiative. Wir haben keine eingebauten Auslandssemester in unseren Studienprogrammen. Manche machen es ganz auf eigene Faust, die meisten greifen auf die bestehenden ERASMUS-Partnerschaften zurück. Wir haben auch viele Studierende, die mit Auslandserfahrungen zu uns gekommen sind, beispielsweise aus einem freiwilligen sozialen Jahr in Ländern Lateinamerikas oder Afrikas. Sie nutzen diese Kontakte, um im Studium daran anzuknüpfen.

Niebergall: Der Fachbereich Biologie hat in den Bachelor- und Master-of-Science-Studiengängen sogenannte Mobilitätsfenster geschaffen, um die Realisierung von Auslandsaufenthalten zu erleichtern. Für die Studierenden ist es dann in der Regel unkompliziert, sich ihre im Ausland absolvierten Leistungen für ihr weiteres Studium anerkennen zu lassen.  Unsere Bachelor-Studierenden nutzen vor allem den strukturierten Austausch mit den mehr als 30 Partneruniversitäten in Europa und weltweit. Unsere Masterstudenten organisieren hingegen den Auslandsaufenthalt meistens relativ eigenständig, greifen dabei aber teilweise auf bestehende Forschungskooperationen des Fachbereichs zurück.

Wir können keine Wissenschaft machen, ohne in globalen Dimensionen zu denken
Prof. Marianne Heimbach-Steins

Welche Herausforderungen gibt es bei der Integration internationaler Studierender?

Heimbach-Steins: Die Theologie ist in unterschiedlichen Teilen der Welt sehr unterschiedlich aufgestellt. Eine überwiegend rezeptive römische Theologie, in der die kirchliche Lehre wenig hinterfragt wird und die beispielsweise auch in afrikanischen Ländern Tradition hat, steht einer stärker diskursiven, forschenden Theologie gegenüber, wie sie unter anderem im deutschsprachigen Raum seit langem verankert ist. An den Studierenden, die hierherkommen, merkt man, dass sie ganz unterschiedlich geprägt sind. Ein forschendes Lernen, eine diskursive Auseinandersetzung mit der Theologie sind nicht alle gewohnt.

Niebergall: Das naturwissenschaftliche Studium ist im Ausland oft anders organisiert und der Anteil von Praxis und Theorie anders gewichtet. Mit unserem "Welcome Module" sollen deshalb vor allem Studierende, die bisher nur wenig Laborerfahrung sammeln konnten, auf das Studium an der WWU vorbereitet werden.

Hellingrath: In den Wirtschaftswissenschaften gibt es keine stark unterschiedliche landesspezifische Fächerkultur. Wir versuchen aber natürlich, einen einheitlichen Qualitätsstandard zu halten. Dafür haben wir im Rahmen unserer Partnerprogramme gemeinsame Kriterien festgelegt.

Inwiefern profitieren die Fachbereiche von der Studierendenmobilität?

Heimbach-Steins: Sie stärkt das Bewusstsein dafür, dass wir in einer globalisierten Welt leben. Wir können heute keine Wissenschaft mehr machen, ohne in diesen globalen Dimensionen zu denken und sie auch in unseren Ausbildungsstätten zu realisieren.

Hellingrath: In den Wirtschaftswissenschaften ist die internationale Ausbildung unabdingbar. Für uns ist das Angebot zur Studierendenmobilität ein Wettbewerbsfaktor geworden: Studenten wählen Universitäten unter anderem aufgrund der Möglichkeiten aus, ins Ausland zu gehen.

Niebergall: Auslandsaufenthalte sind nicht nur ein wichtiges Element der fachlichen Ausbildung, sondern tragen auch nachweislich zur Persönlichkeitsentwicklung unserer Studierenden bei. Und es steht auch außer Frage, dass die internationale Vernetzung einer der Erfolgsgaranten für Spitzenforschung ist.

 

Hintergrund:

Die WWU hat 2012 eine zentrale Internationalisierungsstrategie verabschiedet – ihre Laufzeit endet 2016. Die Rektoratskommission für Internationalisierung, die Prorektorin für Internationales, Prof. Cornelia Denz, und das International Office arbeiten nun gemeinsam mit den Fachbereichen an einer neuen Version. Alle im Bereich Internationalisierung aktiven WWU-Angehörigen sind eingeladen, sich zu beteiligen. Infos und Anmeldung: international.office@uni-muenster.de/Tel.:0251 83-22602.

 

Dieses Interview erschien in gekürzter Fassung in der "wissen|leben" Nr. 2, 20. April 2016.

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