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Münster (upm/ch)

"Klasse(n)kisten" ausgezeichnet

Prof. Dr. Kornelia Möller erhält mit 50.000 Euro dotierten Polytechnik-Preis / Projekt für Naturwissenschaften und Technik in der Primarstufe
<address>© Sebastian Schramm</address>
© Sebastian Schramm

Ob Schwimmen und Sinken, Luft und Luftdruck, Schall oder Brücken – rund 20.000 "Klasse(n)kisten" begeistern Kinder an Grundschulen in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und in Russland für Technik und physikalische Phänomene. Für das bundesweit einmalige Konzept hat die Erfinderin der Kisten, Prof. Dr. Kornelia Möller vom Seminar für Didaktik des Sachunterrichts der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), nun den mit 50.000 Euro dotierten Polytechnik-Preis 2013 der Stiftung Polytechnische Gesellschaft erhalten. Der Preis wurde am Dienstagabend (12. November) in Frankfurt am Main verliehen. Insgesamt waren fünf Projekte nach einem intensiven Auswahlverfahren nominiert worden. Die vier Zweitplatzierten erhielten jeweils 5000 Euro.

"Will man innovativem naturwissenschaftlich-technischen Unterricht zum Durchbruch verhelfen, müssen Lehrer mit allem ausgestattet sein, was sie zu seiner Umsetzung brauchen", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Dr. Roland Kaehlbrandt. "Kornelia Möller hat deshalb in enger Kooperation mit Lehrern die Klasse(n)kisten entwickelt, die den Pädagogen unzählige inhaltliche, organisatorische und materielle Hilfestellungen bieten."

Die blauen Kisten mit rotem Deckel enthalten Materialien für den naturwissenschaftlichen und technischen Sachunterricht in der Primarstufe – Equipment für 32 Kinder, dazu Arbeitsblätter, ein Handbuch, Versuchsbeschreibungen sowie fachliche, fachdidaktische und organisatorische Hintergrundinformationen für die Lehrkräfte. Ein "Rundum-Paket" also, das auf jahrelanger didaktischer Forschung beruht. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Kinder auf diese Weise an Naturwissenschaft und Technik herangeführt werden, ohne überfordert zu werden. Spielerisch erfahren sie beispielsweise, warum Holzknöpfe schwimmen, obwohl sie Löcher haben, und warum Eisenschiffe trotz ihres Gewichts nicht untergehen.

Ein wichtiger Bestandteil des Klasse(n)kisten-Konzepts sind Lehrerfortbildungen: Die Pädagogen erhalten Schulungen im Umgang mit den Kisten. Außerdem werden Multiplikatoren ausgebildet, also Lehrkräfte, die qualifiziert werden, um ihre Fachkollegen zu schulen. "Bis vor etwa 20 Jahren waren Naturwissenschaft und Technik kaum im Sachunterrichts-Lehrplan vorgesehen. In der Ausbildung der angehenden Primarschul-Lehrkräfte sind diese Fächer bis heute nicht fest verankert. Fortbildungen sind daher enorm wichtig. Die Lehrkräfte verlieren so die Angst vor diesen Themen und lernen, wie sie gemeinsam mit den Schülern auch anspruchsvolle Aufgaben erarbeiten können", erklärt Kornelia Möller.

Die erste Klasse(n)kiste zum Thema "Schwimmen und Sinken" kam 2004 auf den Markt. Inzwischen sind mehr als zehn Kisten verfügbar, die zum Teil im Handel erhältlich sind beziehungsweise an der Universität Münster ausgeliehen werden können. An der Entwicklung der Klasse(n)kisten sind neben Lehrkräften auch viele Studierende beteiligt, die im Rahmen ihres Studiums Forschungsarbeiten zur Wirkung der konzipierten Lehr-Lernmaterialien durchführen.

Der Polytechnik-Preis für die Didaktik der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ist mit insgesamt 70.000 Euro dotiert. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main verleiht ihn 2013 zum zweiten Mal. Sie ehrt damit in diesem Jahr herausragende Wissenschaftler für die Entwicklung und Erprobung von Lernangeboten und Unterrichtskonzepten für Kindertagesstätten und Grundschulen (Elementar- und Primarbereich). Zweitplatzierte sind Prof. Dr. Hedwig Gasteiger (Ludwig-Maximilians-Universität München), Prof. Dr. Gisela Lück (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Brunhilde Marquardt-Mau (Universität Bremen) und Prof. Dr. Christoph Selter (Technische Universität Dortmund). Schirmherrin ist die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka. Im Jahr 2011 war Prof. Dr. Marcus Hammann, Leiter des Zentrums für Didaktik der Biologie an der Universität Münster, für sein Didaktik-Konzept zum kompetenzorientierten Experimentieren nominiert worden. Er gehörte damals zu den vier zweitplatzierten Preisträgern.

Die Erfinderin der Klasse(n)kisten, Kornelia Möller, promovierte nach einem Lehramts- und Psychologiestudium 1983 in Münster. 1990 habilitierte sie sich im Fachbereich Physik an der WWU. 1991 bis 1994 arbeitete sie als Professorin für Didaktik des Sachunterrichts an der Universität Bielefeld. Anschließend war sie Leiterin der Abteilung Didaktik des Sachunterrichts an der WWU. Seit 2001 ist Kornelia Möller geschäftsführende Direktorin des Seminars für Didaktik des Sachunterrichts.

Stiftung Polytechnische Gesellschaft

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft versteht sich als eine "Werkbank" für die Stadtgesellschaft von Frankfurt am Main. 2005 wurde sie mit einem Kapital von 397 Millionen Euro von der Polytechnischen Gesellschaft e. V. errichtet. Heute machen 18 sogenannte Leitprojekte den Kern ihrer Arbeit aus. Die Projekte sind Kristallisationspunkte drängender gesellschaftlicher Aufgaben und verteilen sich auf folgende Arbeitsschwerpunkte: Familienbildung und Prävention, Sprachbildung, kulturelle Bildung, Hinführung zu Naturwissenschaft und Technik sowie Förderung des Bürgerengagements.

Die Stiftung sorgt für einen Transfer der prämierten Konzepte in den Regelbetrieb Frankfurter Bildungseinrichtungen. So hat beispielsweise bereits ein Viertel der Grundschulen in Frankfurt am Main zugesagt, das Konzept "Klasse(n)kisten" nach der Preisverleihung in die Unterrichtspraxis zu übernehmen.

 

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