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Münster (upm/ch)
Dr. Gregory Brennecka (oben) und Dr. Pierangelo Buongiorno<address>© privat</address>
Dr. Gregory Brennecka (oben) und Dr. Pierangelo Buongiorno
© privat

Humboldt-Stiftung vergibt "Sofja Kovalevskaja-Preise"

Gleich zwei der hoch dotierten Auszeichnungen gehen an Gastwissenschaftler der Universität Münster

Gleich zwei junge Gastwissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) erhalten einen der höchstdotierten Wissenschaftspreise Deutschlands. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung vergibt an insgesamt elf internationale Forschertalente je einen der mit bis zu 1,65 Millionen Euro dotierten "Sofja Kovalevskaja-Preise" 2014. Das teilte die Stiftung heute (5. August) mit. Unter den 29- bis 40-jährigen Preisträgern ist Dr. Gregory Brennecka. Der US-amerikanische Kosmochemiker forscht demnächst an der WWU am Institut für Planetologie bei Prof. Dr. Thorsten Kleine zur Entstehung des Sonnensystems. Der Italiener Dr. Pierangelo Buongiorno wird am Institut für Rechtsgeschichte bei Prof. Dr. Sebastian Lohsse zum Römischen Recht arbeiten.

Das Preisgeld soll es jungen Wissenschaftlern ermöglichen, in einer frühen Phase ihrer Karriere innovative Projekte umzusetzen. Sie forschen bis zu fünf Jahre lang an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen und bauen dabei eigene Arbeitsgruppen an ihren Gastinstituten auf. "Wir freuen uns und sind stolz darauf, dass sich zwei dieser herausragenden Nachwuchswissenschaftler dafür entschieden haben, ihre Forschungsgruppen an der WWU aufzubauen", unterstreicht Forschungsprorektor Prof. Dr. Stephan Ludwig. Die Standortwahl der beiden sei ein Beleg dafür, dass die Universität Münster zu den bundesweit führenden Einrichtungen auf diesen Fachgebieten gehört. "Die Wahl der Preisträger spiegelt die Forschungsstärke der Universität wider, die sich über verschiedenste Bereiche erstreckt", so Stephan Ludwig.

Gregory Brennecka sucht nach Antworten auf Fragen, die die Menschheit seit jeher bewegen. Wie ist unser Sonnensystem entstanden? Eine Theorie besagt, dass eine Supernova – eine Sternenexplosion – die Bildung des Sonnensystems ausgelöst hat. Eindeutige Belege gibt es dafür aber nicht. Gregory Brennecka setzt hier an. Er forscht an der ersten festen Materie, die im Sonnensystem entstanden ist und die in Meteoriten entdeckt wurde. Bei der Altersbestimmung dieser Kalzium-Aluminium-reichen Einschlüsse profilierte er sich bereits. Außerdem konnte er nachweisen, dass ihre Isotopenzusammensetzung von der des Sonnensystems abweicht, was nahelegt, dass unser Sonnensystem kurz nach seiner Entstehung durch eine Supernova verändert wurde. In Münster wird er in Meteoriten-Einschlüssen nach Spuren einer Supernova suchen, die kurz vor der Entstehung des  Sonnensystems stattgefunden hat.

Mit den Einflüssen des antiken römischen Rechts auf die Entwicklungen europäischer Rechtsordnungen beschäftigen sich Rechtshistoriker noch heute. Auf eine systematische Quellenlage können sie dabei allerdings nicht zurückgreifen, denn eine Zusammenstellung der Beschlüsse des römischen Senats, der die Politik des Römischen Reiches bis in die Spätantike bestimmte, gibt es nicht. Pierangelo Buongiorno möchte dies nachliefern. Er plant eine vollständige, exakt dokumentierte und kommentierte Sammlung aller Senatsbeschlüsse aus dem antiken Rom von der Gründung der Republik 509 vor Christus bis zum Beginn der Spätantike 284 nach Christus. Der Wissenschaftler gilt als bestens gewappnet für eine solche Spurensuche: Als Jurist, Altphilologe und Althistoriker ist er mit unterschiedlichsten Quellenarten vertraut.

Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte "Sofja Kovalevskaja-Preis" wurde bislang alle zwei Jahre ausgeschrieben, kann aber nun bereits im kommenden Jahr wieder vergeben werden. Aktuell läuft noch die Bewerbungsfrist bis 1. September. Den Nachwuchswissenschaftlern, die 2014 ausgewählt wurden, wird der Preis am 11. November in Berlin von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und dem Präsidenten der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, verliehen.

Lebensläufe der Preisträger

Dr. Gregory Brennecka, 1980 in den USA geboren, studierte zwischen 2000 und 2006 Chemie, Geowissenschaften und Geochemie an der University of Missouri und der Oregon State University, USA. Danach forschte er am Lawrence Livermore National Laboratory, USA, bevor er 2011 an der Arizona State University in Tempe promoviert wurde. Dort trat er nach seiner Dissertation ein erstes Postdoktorat an und wechselte 2013 für ein zweites Postdoktorat zurück ans Lawrence Livermore National Laboratory. Gregory Brennecka veröffentlichte bereits Beiträge in führenden Zeitschriften, darunter "Science" und "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Dr. Pierangelo Buongiorno wurde 1981 in Italien geboren und studierte dort von 1999 bis 2004 an der Università del Salento in Lecce. Anschließend ging er als Doktorand an die Università Aldo Moro in Bari, Italien. 2008 schloss er seine Promotion dort ab, für die er 2010 den "Internationalen Romanistischen Preis Gérard Boulvert" erhielt. Pierangelo Buongiorno verbrachte mehrere Forschungsaufenthalte im Ausland, unter anderem in Griechenland, bei der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäologischen Instituts in München, an den Universitäten Mainz und Heidelberg und der Princeton University in den USA. Seit 2011 ist er wissenschaftlicher Assistent an der Università del Salento in Lecce, Italien.

Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 26.000 "Humboldtianern" aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 50 Nobelpreisträger.

 

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