Universität Münster feiert Rektoratsübergabe
Die neue Rektorin der Universität Münster, Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl, hat alle Angehörigen der Hochschule zu einem konstruktiven Miteinander aufgerufen. „Ich wünsche mir, dass wir uns in den Gremien dieser Universität nicht als Regierung und Opposition verstehen“, sagte sie bei der feierlichen Verabschiedung von Prof. Dr. Johannes Wessels, der die Universität zehn Jahre lang geleitet hatte. „Einstimmigkeit brauchen wir nicht“, fügte sie hinzu. „Wir brauchen Streit, Debatte, Widerspruch. Das ist Wissenschaft: These und Antithese. Aber Einigkeit bedeutet: Wenn wir gestritten und entschieden haben, dann tragen wir die Entscheidung gemeinsam.“
Dieser Konsens sei vor allem mit Blick auf die großen und aktuellen Herausforderungen der Universität geboten. Dazu zählten die Haushaltskonsolidierung, ein besseres Abschneiden im nächsten Exzellenz-Wettbewerb, die sinkenden Studierendenzahlen und der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Sie sei deswegen froh darüber, dass sich mit Prof. Dr. Ulrike Weyland (Studium und Lehre), Prof. Dr. Sven Meuth (Forschung), Prof. Dr. Benjamin Risse (Digitalisierung und Transfer) sowie Kanzler Matthias Schwarte ein kompetentes und engagiertes Rektoratsteam diesen Aufgaben stellen werde. Gleichzeitig warb sie um Unterstützung für ihre Arbeit. „Ich bin die erste externe Rektorin dieser Universität. Ich weiß, was das in Münster bedeutet. Eine Universität mit fast 250 Jahren Geschichte wählt nicht leichtfertig von außen. Eine solche Situation erscheint als Risiko – für die Universität, aber auch für mich. Machen Sie mit mir aus dem Wagnis eine Erfolgsgeschichte. Lassen Sie uns streiten – und dann einig sein. Für diese Universität, für die Wissenschaft, für die Demokratie, die uns trägt.“
Für die Universität war es ein besonderer Abend. Dessen zeremonieller Höhepunkt war um 18.35 Uhr erreicht, als Johannes Wessels die Amtskette aus dem Jahr 1832 von seinen Schultern hob und seiner Nachfolgerin Susanne Menzel-Riedl anlegte. Zuvor hatte Johannes Wessels, der zum 1. Dezember die Leitung der Universität Göttingen übernehmen wird, der neuen Rektorin und ihrem Team „ein gutes Händchen“ gewünscht. Er blickte auf „zehn ereignisreiche Jahre“ zurück, auf Erfolge, doch vor allem auf sein Rektoratsteam, dem er für die gute Zusammenarbeit dankte. Zum Abschied wünschte er sich, dass die Universität „ein Ort des gegenseitigen Respekts und des offenen Diskurses zum Wohle der Gesellschaft“ bleibe. „Stellt sicher, dass diese Universität ihre besondere gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt: unabhängig, kritisch und dem offenen Austausch von Wissen und Argumenten verpflichtet zu sein.“
Respekt und Dialog hob auch Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, hervor. Sie lobte Johannes Wessels’ Haltung und Engagement etwa im Kampf gegen Antisemitismus, was ihm „menschlich sehr hoch anzurechnen“ sei. Der scheidende Rektor habe sich um die Universität Münster, durch seine langjährige Arbeit in der Landesrektorenkonferenz zudem „um die gesamte Universitätslandschaft“ verdient gemacht. Vom neuen Rektorat wünschte sich die Ministerin, dass es sich in der nächsten Runde der Exzellenzstrategie einbringe – die Kommunikationsstärke und das strategische Geschick von Susanne Menzel-Riedl seien dafür eine gute Voraussetzung.
Mehrere Rednerinnen und Redner hoben die infrastrukturellen Verbesserungen an der Universität Münster während der vergangenen Jahre hervor – beispielsweise neue Forschungsbauten wie das „Center for Soft Nanoscience“, das „Multiscale Imaging Centre“ und das „Centre for Mathematics Münster“, das in Kürze fertiggestellt werden wird. Prof. Dr. Stephan Ludwig, Vorsitzender des Forschungsbeirats, lobte diese Fortschritte als eine „in Beton gegossene Forschungsstrategie“. Auf diesem Fundament möchte Susanne Menzel-Riedl aufbauen – und auf den Leistungen ihres Vorgängers. „Eine Universität vergisst nicht, wer sie in schwierigen Zeiten getragen hat“, sagte sie. Die Anwesenden in der Aula taten es ihr gleich.
Weitere Stimmen zur Rektoratsübergabe:
Dr. Elke Topp, Vorsitzende des Hochschulrats der Universität Münster:
„Die Amtszeit von Johannes Wessels war geprägt von tiefgreifenden Veränderungen. Von besonderer Bedeutung war die Namensumbenennung der Universität. Für die Verlässlichkeit, die Arbeit, das Engagement und den Dienst an der Universität danken wir Johannes Wessels vielmals.“
„Wir sind davon überzeugt, dass die Universität mit Susanne Menzel-Riedl an der Spitze für aktuelle und künftige Herausforderungen bestens aufgestellt ist.“
Tilman Fuchs, Oberbürgermeister der Stadt Münster:
„Es ist auch ein Verdienst von Johannes Wessels, dass die Universität so stark zur Stadtgesellschaft gehört.“
„Im Sinne der Stadt und der Universität haben wir viel zu gestalten.“
Prof. Dr. Hinnerk Wißmann, Senatsvorsitzender der Universität Münster:
„Die Amtskette zeigt, dass wir in die Zeit gestellt sind – es gibt Vorgänger, Übergaben und Traditionen an einer Universität.“
„Lieber Herr Wessels, Sie haben sich nicht geschont. Ihre Integrität, Hochachtung vor der Vielfalt, Menschenfreundlichkeit und Ihr Interesse an der Wissenschaft als Sache haben Sie ausgezeichnet.“
„Liebe Frau Menzel-Riedl, wir sind gespannt auf den Weg, den Sie anführen. Wir möchten Sie dabei unterstützen und die Freiheit der Wissenschaft und Lehre als Pflicht begreifen.“