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Münster (upm/anb/nor).
Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels (r.) und Gründungsdekan Prof. Dr. Mouhanad Khorchide (vorne l.) begrüßten die Ehrengäste.© Uni MS - Peter Leßmann
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Islamisch-Theologische Fakultät feierlich eröffnet

Universität Münster gründet deutschlandweit einzigartigen Fachbereich

Die Universität Münster hat mit rund 350 Gästen in der Schlossaula die Gründung der ersten deutschen Islamisch-Theologischen Fakultät gefeiert. An dem gesellschaftspolitisch wie akademisch wichtigen Startschuss nahmen neben Universitäts- und Fachbereichsvertretern zahlreiche politische und religiöse Würdenträger aus Deutschland und dem Ausland teil. Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels bezeichnete die Gründung als „die Vollendung eines sehr langen Wegs“ – als Vorläufer der Fakultät hatte die Universität 2012 das „Zentrum für Islamische Theologie“ gegründet. Es habe Beharrlichkeit und viele Gespräche gebraucht, um diesen wichtigen Schritt der Hochschulentwicklung zu gehen. „Mit der Gründung wächst die Eigenständigkeit – und mit der Eigenständigkeit wächst die Verantwortung“, fügte er hinzu.

Der wohl wichtigste Adressat dieser Worte war Gründungsdekan Prof. Dr. Mouhanad Khorchide. Mit seiner Berufung zum Professor für islamische Religionspädagogik im Jahr 2010 war der Grundstein für die Fakultätserrichtung gelegt worden. „An die Fakultät werden hohe Erwartungen gestellt“, betonte Mouhanad Khorchide. Als erste islamisch-theologische Fakultät an einer staatlichen Hochschule in Westeuropa übernehme sie eine besondere Verantwortung. „Der Islam muss beitragen zu einem großen Wir. Einem Wir der Menschen, einem Wir der Deutschen, einem Wir der Europäerinnen und Europäer, einem Wir des Mensch-Seins.“ Dafür benötige die Theologie „die volle Freiheit der Wissenschaft, die frei von jeglicher Bevormundung“ sein müsse.

Es habe auf dem Weg zur Fakultät auch viel Widerstand und persönliche Anfeindungen gegeben, ergänzte Mouhanad Khorchide. „Es gab Momente, in denen ich ans Aufhören dachte. Ich spreche das bewusst aus, um mir selbst und allen, die Ähnliches erleben, Mut zu machen: Hört nicht auf, geht euren Weg.“ Rabbiner Dr. Gábor Lengyel von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover sorgte für einen weiteren emotionalen Höhepunkt des Abends. Mouhanad Khorchide sei bereit gewesen, etwas Neues zu schaffen, betonte der Shoa-Überlebende, Israeli und ehemalige Soldat, der Mouhanad Khorchide seinen „Bruder“ nannte und dessen Dialog mit dem Judentum lobte. „Du hast in mir einen begeisterten Unterstützer gewonnen“, sagte er. Gábor Lengyel bestärkte eine „Brüderlichkeit, die Unterschiede aushält“ und schloss mit einem hebräischen Ausspruch an die gesamte Fakultät: „Sei stark, sei stark und lass uns gestärkt werden.“

Weitere Grußworte kamen unter anderem von Dr. Heiner Wilmer, dem Bischof von Münster und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, und Prof. Dr. Sahiron Syamsuddin, dem Direktor für islamische Hochschulbildung des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten der Republik Indonesien. „Die Gründung dieser Fakultät ist bedeutend, weil sie zu den wegweisenden institutionellen Entwicklungen der islamischen Theologie in Westeuropa gehört“, unterstrich der Gast aus dem Land mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung. Zu den Ehrengästen zählte auch Annette Schavan, ehemalige deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl im Vatikan und als Bundesministerin für Bildung und Forschung (2005 – 2013) eine Unterstützerin der ersten Stunde der münsterschen islamischen Theologie.

In seinem Festvortrag widmete sich der Soziologe und Sozialphilosoph Prof. Dr. Hans Joas dem moralischen Universalismus. Er sprach darin unter anderem über moralische Verpflichtungen und die Traditionen von Moral und Ethik in verschiedenen Religionen, Kulturen und Epochen. Ein zentrales Thema des Abends war der interreligiöse Austausch. Die Universität Münster verfügt über eine lange Tradition der theologischen Forschung, die mit der Gründung der Islamisch-Theologischen Fakultät fortgesetzt wird. Im Frühjahr 2027 sollen die drei großen Theologien – die katholische, evangelische und islamische – gemeinsam auf den „Campus der Theologien und religionsbezogenen Studien“ ziehen. Der Campus werde sich, prophezeite Rektor Johannes Wessels, zu einem „Hotspot für den interreligiösen Diskurs“ entwickeln.

Dem „Team hinter dem Team“ aus Verwaltung, Technik und Bibliothek überreichte Mouhanad Khorchide zum Dank handgefertigte Gebetsketten. Der Gründungsdekan beendete die Veranstaltung mit einem handfesten Aufruf: „Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit und Aufgabe.“


Weitere Stimmen zur Fakultätsgründung:

Prof. Dr. Johannes Wessels, Rektor der Universität Münster:

„Das ist für die Universität ein wichtiger Schritt. Ein Schritt, der keineswegs überraschend kommt.“
 

Gonca Türkeli-Dehnert, Staatssekretärin im NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft:

„Heute wird aus einer Idee eine Institution, aus einer Vorstellung ein konkreter Ort. Ein Ort, an dem Wissen entsteht, vermittelt und immer wieder kritisch hinterfragt wird. Ein Ort, an dem Menschen gemeinsam nach Antworten suchen und dabei den Mut haben, neue Fragen zu stellen.“

„Der Islam ist fester Teil unserer Gesellschaft geworden. Es ist deshalb nur folgerichtig, dass auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam ihren festen Platz in unserer Wissenschaftslandschaft haben muss. Die Universitäten sind dafür die richtigen Orte."

„Die Eröffnung ist ein Ausdruck des Vertrauens - des Vertrauens in die Wissenschaft, in die Universität Münster und in die Menschen, die diese Fakultät mit Leben füllen werden.“

Prof. Dr. Sahiron Syamsuddin, Direktor für islamische Hochschulbildung des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten der Republik Indonesien:

„Diese Fakultät wird zu einem wichtigen Treffpunkt zwischen verschiedenen intellektuellen Traditionen werden.“

„Die Gründung dieser Fakultät ist besonders bedeutend, weil sie zu den wegweisenden institutionellen Entwicklungen der islamischen Theologie in Westeuropa gehört.“

„Möge diese Fakultät weiterhin für akademische Exzellenz, intellektuelle Offenheit und attraktiven Dialog wachsen.“

Dr. Heiner Wilmer, Bischof von Münster und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz:

„Die Eröffnung ist ein historischer Schritt – nicht nur für die Universität Münster, sondern auch weit darüber hinaus.“

„Mit der Entwicklung des Zentrums für Islamische Theologie hin zu einer Fakultät der Universität Münster wird etwas manifest, was mir grundlegend erscheint: die tiefe Verankerung und damit die institutionell sichtbare Selbstverständlichkeit der Existenz einer islamischen Theologie an einer staatlichen Universität. Dies bedeutet Anerkennung und Vertrauen seitens der Zivilgesellschaft, der staatlichen Einrichtungen, der anderen Religionen und nicht zuletzt seitens des Bistums Münster.“

„Die islamische Theologie gehört an unsere Universitäten. Sie gehört in die wissenschaftliche Debatte und in die Ausbildung derjenigen, die künftig Verantwortung in Gemeinden, Schulen, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen übernehmen werden.“

Dr. Adelheid Ruck-Schröder, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen:

„Der lange Weg, der hier zu einem Ziel kommt, hat begonnen in den 60er-Jahren mit der vermehrten Zuwanderung von Muslimen und Musliminnen nach Deutschland. […] Er gewinnt heute eine wunderbare Gestalt hier in Münster.“

„Ich finde es großartig, dem Islam eine eigene akademische Stimme zu verleihen und zwar auf Augenhöhe und gleichrangig mit den anderen Theologien.“

„Ich wünsche Ihrer Fakultät die nötige Kraft, das, was jetzt eine Struktur gewonnen hat, mit akademischem Leben zu füllen.“

„Möge Münster ein Standort und Inbegriff der interreligiösen Zusammenarbeit und Verständigung werden.“

Kemalettin Oruç, Beirat für Islamische Theologie an der Universität Münster:

„Heute wird ein langjähriges Anliegen Wirklichkeit: der islamischen Theologie einen dauerhaften, eigenständigen und gleichberechtigten Ort an der Universität zu geben.“

„In dieser Fakultät verbindet sich die Hoffnung vieler, dass der Islam in Deutschland selbstverständlich wird und institutionell dauerhaft seinen Platz findet – mit eigenen wissenschaftlichen, theologischen und sozialen Strukturen. Die heutige Gründung führt dieses Ankommen einen wichtigen Schritt weiter.“

 

Annette Schavan, Bundesministerin a. D. für Bildung und Forschung:

„,Fakultät‘ bedeutet, eine wirkliche Entwicklungsgeschichte schreiben zu können. Dass es in Europa erst die zweite und in Deutschland die erste ist, zeigt auch, dass es überfällig war.“

Prof. Dr. Milad Karimi, Professor für Kalām, Islamische Philosophie und Mystik:

„Wir übernehmen Verantwortung aus der Tradition heraus.“


Hintergrund:

Für die Gründung des Fachbereichs 16 bedurfte es jahrelanger Vorbereitungen. Ausgangspunkt war die Einrichtung des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) im Jahr 2012. Drei Jahre später erarbeitete die „AG Theologien“ erste Ideen für eine Weiterentwicklung des Zentrums. 2019 fasste das Rektorat den Beschluss, das ZIT in einen Fachbereich zu überführen. An diesem Prozess waren neben dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft der Senat der Universität Münster, der Hochschulrat, der „Konfessionelle Beirat für islamische Theologie“ an der Universität Münster und der Fachbereichsrat des für das ZIT zuständigen Fachbereichs Philologie beteiligt. Auch die Studierenden waren über die Beteiligung der entsprechenden Fachschaften und des Allgemeinen Studierendenausschusses einbezogen.

Die Fakultät, die am 1. Juli offiziell gegründet wurde, wird ihren Betrieb in wenigen Tagen, zum Wintersemester 2026/27, starten. An der Islamisch-Theologischen Fakultät werden vier Professorinnen und vier Professoren lehren, unter anderem zur islamischen Philosophie und zum Islam in der Sozialarbeit. Aktuell sind rund 450 Studierende sowohl für das Lehramt (alle Schulformen) als auch in theologischen Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben. Alle Mitglieder der Fakultät werden im Sommersemester 2027 erstmals ihren eigenen Fachbereichsrat wählen, der die Amtszeit des Gründungsdekans festlegt.

Die Islamisch-Theologische Fakultät wird neben der Evangelisch- und der Katholisch-Theologischen Fakultät einer der zentralen Bestandteile des neuen „Campus der Theologien und Religionswissenschaften“ sein, der in den kommenden Monaten eröffnet werden wird. Der einzigartige Campus soll sich in der Stadt des Westfälischen Friedens zu einem Ort der Verständigung zwischen Wissenschaft, Politik und Religion, Medien, Kultur und Künsten entwickeln. Gleichzeitig wird dort eine der weltweit größten Forschungsbibliotheken zum Thema Religion entstehen.

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