Mehr als acht Millionen Euro für Interreg-Projekt zur Quantenkommunikation
Die Menge digitaler Daten, die über das Internet ausgetauscht werden, steigt unaufhörlich. Gleichzeitig bedroht das Aufkommen leistungsfähiger Quantencomputer bestehende Verschlüsselungsstandards. Eine mögliche Lösung ist die Quantenkommunikation, mit der sich Daten sicher austauschen lassen. In dem neuen Interreg-Projekt „Making ConneQtions“ wollen die Universitäten Münster und Twente mit kleinen und mittelständischen Unternehmen eine quantensichere grenzüberschreitende Testverbindung zwischen Enschede und Münster einrichten. Dem Forschungsverbund steht für etwa drei Jahre ein Budget von mehr als acht Millionen Euro zur Verfügung. Davon stammen rund 3,2 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Das Projekt bündelt Wissen aus den Bereichen Quanten- und Halbleitertechnologie, Photonik und Cybersicherheit.
Mit der rund 90 Kilometer langen Verbindung werden niederländische und deutsche Unternehmen ihre Technologie unter realistischen Bedingungen testen und auf den Praxiseinsatz vorbereiten. Die Firmen sind auf photonische Chips spezialisiert, bei denen Informationen mit Lichtteilchen (Photonen) übertragen und verarbeitet werden und die speziell für die Quantenkommunikation geeignet sind. Während die benötigte Glasfaser von einem kommerziellen Anbieter angemietet werden soll, realisieren die beiden Hochschulen die Endstücke der Verbindung und stellen die nötige Infrastruktur zur Verfügung. Aufseiten der Universität Münster ist die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Carsten Schuck am Department für Quantentechnologie beteiligt. Das Center for Information Technology der Universität unterstützt sie bei der Umsetzung der Infrastruktur. Ziel ist es, in einem Labor im münsterschen Center for Nanotechnology (CeNTech) Quantensignale zu empfangen und daraus zu versenden. Das Projekt fügt sich in die Vision der Arbeitsgruppen am Department für Quantentechnologie. „Wir wollen Münster in das derzeit entstehende Quanteninternet integrieren – die Stadt soll als ein Knotenpunkt dort auftauchen“, unterstreicht der Physiker Carsten Schuck.
Neben „Pixel Photonics“, einer Ausgründung aus dem Fachbereich Physik der Universität Münster, sind fünf weitere Unternehmen beteiligt: QSA Technology, Sabratha Photonics, PiCard Systems, Xen Quantum und Microwave Photonics. Sie alle entwickeln integrierte photonische Chips und Komponenten für sogenannte Quantenschlüsselerzeugung, quantensichere Authentifizierung und Einzel-Photon-Detektion. Gemeinsames Ziel ist es, die kommenden Chip-Generationen effizienter, vielseitiger und einfacher einsetzbar zu machen.
Die Interreg-Programme wurden von der Europäischen Union ins Leben gerufen und werden zu einem Teil aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert. Der Rest des Budgets wird von den Projektpartnern sowie von den beteiligten Ländern oder Regionen aufgebracht. Die Programme sollen die Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union fördern und Entwicklungsunterschiede zwischen den Regionen verringern.