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Münster (upm/kk)
Mehrere Poster stehen in einer Reihe, eine Person mit einer Tasse in der Hand schaut sich die Poster an.<address>© Alice&Eve</address>
Einblicke in die Ausstellung „Alice & Eve“
© Alice&Eve

„Neugier und Kreativität hängen nicht vom Geschlecht ab“

Anne Remke spricht im Interview über Frauen in der Informatik und Mathematik / Ausstellung „Alice & Eve“ an der Universität Münster

Mathematikerin Ada Lovelace, Computerpionierin Grace Hopper oder die Kryptologinnen von Bletchley Park: Frauen haben die Informatik und Mathematik von Beginn an geprägt. Ihre Leistungen sind bis heute jedoch oft unsichtbar. Genau hier setzt die Wanderausstellung „Alice & Eve” an, die vom 28. September bis zum 30. Oktober an der Universität Münster zu sehen ist. Prof. Dr. Anne Remke, Informatikerin am Fachbereich Mathematik und Informatik, hat die Ausstellung gemeinsam mit ihrer Kollegin Prof. Dr. Paula Herber nach Münster geholt. Im Interview mit Kathrin Kottke spricht sie über hartnäckige Klischees, ihren eigenen – eher zufälligen – Weg in die Informatik und darüber, was sich ändern muss, um mehr Frauen für dieses Fach zu begeistern.

Informatik gilt noch immer als Männerdomäne. Warum ist das ein Problem für die Wissenschaft und für die Gesellschaft?

Bis heute gibt es nur wenige weibliche Rollenvorbilder in der Informatik. Die Disziplin ist seit vielen Jahren stark männlich dominiert und wird auch heute noch entsprechend wahrgenommen. Dieses Bild wird durch die Medien verstärkt: Dort werden Informatiker häufig als Männer gezeigt, die allein im dunklen Kämmerlein programmieren oder als Hacker agieren. Dabei ist moderne Informatik vor allem Teamarbeit. Neue Software, KI-Anwendungen oder IT-Systeme entstehen in interdisziplinären Teams, in denen Kommunikation und Kreativität ebenso wichtig sind wie technisches Know-how.

Zwei Frauen stehen in einem Hörsaal mit blauen Bänken<address>© Uni MS - K. Kottke</address>
Anne Remke und Paula Herber (v.l.)
© Uni MS - K. Kottke
Und dieses Bild wirkt sich konkret auf junge Frauen aus?

Viele Mädchen und Frauen schätzen in den MINT-Fächern ihre eigenen Fähigkeiten kritischer ein und zweifeln schneller an sich, selbst dann, wenn ihre Leistungen genauso gut oder sogar besser sind. Diese Unterschiede beginnen oft schon in der Grundschule. Deshalb können sich viele junge Frauen gar nicht vorstellen, später einmal Informatikerin zu werden, und trauen sich ein Studium von vornherein nicht zu, obwohl sie alle Voraussetzungen mitbringen. Gute Informatik erfordert vor allem Neugier, logisches Denken, Kreativität und Ausdauer – Eigenschaften, die unabhängig vom Geschlecht sind.

Impulse dafür liefert die Wanderausstellung ‚Alice & Eve‘, die nun nach Münster kommt. Welche Wirkung kann eine solche Ausstellung entfalten?

Eine Ausstellung wie ‚Alice & Eve‘ kann Denkanstöße geben und gesellschaftliche Diskussionen anregen. Sie lädt dazu ein, bestehende Vorstellungen von Geschlechterrollen zu hinterfragen und sich damit auseinanderzusetzen, warum bestimmte Personen in der Geschichte sichtbar wurden und andere nicht. Denn oft entsteht der Eindruck, Frauen hätten in Wissenschaft und Technik kaum eine Rolle gespielt. Tatsächlich wurden ihre Beiträge häufig übersehen. Ein bekanntes Beispiel sind die ‚ENIAC‘-Frauen, die zu den ersten Programmiererinnen der Welt gehörten, deren Leistung aber lange kaum Beachtung fand. Indem die Ausstellung solche Geschichten sichtbar macht, kann sie stereotype Rollenbilder aufbrechen und neue Vorbilder aufzeigen.

Wie sind Sie zur Informatik gekommen?

Tatsächlich eher zufällig. Lange wollte ich Lehrerin für Mathematik und Physik werden. Der entscheidende Impuls kam dann durch einen Schulfreund, der schon an der RWTH Aachen eingeschrieben war und mich einfach mal mit in eine Informatikvorlesung nahm. Ehrlich gesagt habe ich dort kaum etwas verstanden, aber ich hatte sofort das Gefühl, dass dieses Studium genau das Richtige für mich sein könnte. Besonders angesprochen hat mich die Kombination aus einem hohen Mathematikanteil und der Möglichkeit, theoretische Konzepte direkt praktisch umzusetzen. Diese Mischung aus analytischem Denken und kreativem Problemlösen fasziniert mich bis heute. Rückblickend war diese Entscheidung ein echter Glücksfall.

Was muss aus Ihrer Sicht geschehen, um Frauen in diesen Bereichen weiter zu stärken?

Wir müssen vor allem mehr Gelegenheiten schaffen, damit Kinder und Jugendliche früh herausfinden können, ob MINT-Fächer zu ihnen passen. Angebote wie der Girls' Day, Programmier-Workshops oder Schülerlabore sind dafür sehr wichtig, denn oft reicht schon ein erster positiver Kontakt, um Interesse zu wecken. Dabei sollte die Förderung bereits in der Grundschule beginnen und alle Kinder unabhängig vom Elternhaus erreichen. Schule kann einen wichtigen Beitrag zur Chancengerechtigkeit leisten.

Gibt es dabei etwas, das häufig übersehen wird?

Ja, die Vielfalt. Manche Kinder begeistern sich für das Programmieren von Spielen, andere für Robotik oder mathematische Rätsel. Und es geht nicht nur um Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Manche arbeiten gerne im Team, andere lieber allein. Manche lernen praktisch, andere analytisch. Auch neurodivergente Menschen, etwa mit Autismus oder ADHS, bringen oft besondere Fähigkeiten mit, die in der Informatik sehr wertvoll sind. Deshalb sollten wir Lernumgebungen schaffen, die dieser Vielfalt gerecht werden, statt von einem einzigen ‚richtigen‘ Weg auszugehen. Das kann allerdings keine Lehrkraft allein leisten. Es braucht das Zusammenspiel von Schulen, Hochschulen, Eltern, Unternehmen und Politik.

 

Ausstellung „Alice & Eve“ – Frauen, die die Informatik und Mathematik geprägt haben

Die Wanderausstellung ist vom 28. September bis 30. Oktober 2026 am Fachbereich Mathematik und Informatik der Universität Münster zu sehen – im Foyer der Einsteinstraße 62 und im Erdgeschoss des benachbarten Seminarraumzentrums Orléans-Ring 12. Anhand von 30 Porträts würdigt sie die Lebenswege und Leistungen bedeutender Informatikerinnen und Mathematikerinnen. Sie richtet sich an Studierende, Schülerinnen und Schüler sowie die interessierte Öffentlichkeit.

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