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Münster (upm/jh).
Das Bild zeigt zwei jüngere Kinder von oben fotografiert, die auf einem Sofa sitzen und auf Tablets schauen.<address>© stock.adobe.com - tommoh29</address>
Kinder nutzen digitale Bildungsmedien bereits in jungen Jahren und erleben dabei unbewusst verschiedene Rollenbilder.
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Mehr Sensibilität für gerechtere Bildung

Forschungsnetzwerk „G+Media“ untersucht, wo Bildungsmedien Benachteiligungen mitverursachen

Digitale Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch auf die Jüngsten in unserer Gesellschaft wirkt sich das aus: Selbst kleine Kinder schauen neben Bilderbüchern oft regelmäßig Videos und Filme oder nutzen Lern-Apps auf den Handys und Tablets ihrer Eltern. Dabei erleben sie unbewusst verschiedene Rollenbilder, zum Beispiel in Bezug auf Geschlecht, Alter, Herkunft oder soziale Lage, die bereits im frühen Lernen ungerecht und benachteiligend wirken können. Abenteuergeschichten etwa richten sich vor allem an Jungen, während es in Medien für Mädchen oft um Pferde oder Prinzessinnen geht, um nur ein Beispiel zu nennen.

„Die Forschung zu Auswirkungen von Rollenbildern in Lernmedien auf die Bildungsgerechtigkeit entwickelt sich ständig weiter“, erklärt Dr. Dietha Koster vom Institut für Niederländische Philologie der Universität Münster. Gemeinsam mit Dr. Christine Ott von der Universität Würzburg verantwortet sie das internationale und interdisziplinäre Forschungsnetzwerk „G+Media: Die Mediatisierung von Gender und Diversity in der frühen sprachlichen und literalen Bildung“, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft über drei Jahre bis 2027 fördert. Die Mitglieder stammen beispielsweise aus der Sprachwissenschaft, Psychologie oder Wirtschaftsinformatik. Als Ausgangspunkt nimmt das Netzwerk das soziale Geschlecht („Gender“) als Diversitätsdimension, also die gesellschaftlich und kulturell geprägte Geschlechterrolle einer Person, um zu untersuchen, welche Geschlechtervorstellungen in Bildungsmedien für das frühe Sprachenlernen mitvermittelt werden, welche Effekte die Inhalte auf die Geschlechterkonzepte von Kindern haben und wie in Bildungseinrichtungen mit Bilderbüchern, Schulbüchern, Lern-Apps und Co. diversitätssensibel umgegangen werden kann.

Gruppenfoto der Netzwerkmitglieder vor dem Krameramtshaus<address>© privat</address>
Bei einem Netzwerktreffen kamen einige Mitglieder Anfang Juni in Münster zusammen. Im historischen Krameramtshaus tauschten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über den Transfer ihrer Forschung in die Praxis aus.
© privat
„Wenn wir wissen, ob und wo Bildungsmedien Benachteiligungen mitverursachen, können wir daraus Empfehlungen für die Entwicklung neuer Medien ableiten. Außerdem möchten wir Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher für das Thema sensibilisieren, sodass sie entsprechende Effekte besser erkennen“, erklärt Christine Ott. Ziel sei es, die Bildungsgerechtigkeit insgesamt weiter voranzutreiben – vorbei an vorgefertigten Rollenbildern und Stigmatisierungen. Das Netzwerk widmet sich verschiedenen Fragen: Wer entwickelt digitale Bildungsmedien unter welchen Bedingungen? Welchen Einfluss haben beispielsweise religiöse Ansichten auf die Darstellung von Homosexualität? Und mit welchen Medien und darin befindlichen Geschlechtervorstellungen werden Kinder und Jugendliche in Bildungseinrichtungen konfrontiert?

Dietha Koster forscht an einer Grundschule zur Bedeutung von Gender-Identität und ethnischer Zugehörigkeit, inklusive Mehrsprachigkeit, in der Unterrichtspraxis. Der Fokus liegt auf den im Unterricht genutzten Bildungsmedien. „Wir wollen Impulse für eine inklusive und engagierte Sprachunterrichtspraxis generieren“, erklärt die Wissenschaftlerin. Darüber hinaus verbindet das Projekt Forschung und Lehre: Studierende des Instituts für Niederländische Philologie entwickeln mit den Lehrkräften neue Unterrichtsmaterialien, damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse direkt in die schulische Praxis einfließen.

So unterschiedlich die Teilprojekte des Netzwerks sind, so verschieden sind auch die Ergebnisse. „Auffällig ist die prominente Rolle von digitalen Technologien im Sprachenunterricht für Kinder, zum Beispiel der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI). Gerade in Bezug auf die Darstellung von Diversität in Medien, die mit KI erstellt wurden, gilt es, ein Bewusstsein für die Risiken und Potenziale zu schaffen“, betont Dietha Koster. Alle an der Bildung beteiligten Personen, Einrichtungen und Behörden müssten sich damit befassen.

„Es wäre wünschenswert, feste Strukturen zu schaffen, um die Transferaktivitäten zu systematisieren“, sagt Christine Ott. In Würzburg sei beispielsweise eine Arbeitsstelle Bildungsmedien im Aufbau, die verschiedene an der Bildungsmedienforschung und -entwicklung beteiligte Akteure vernetzt. Fortbildungsangebote und Austauschformate könnten ebenfalls zum Transfer in die Praxis beitragen. Eine Publikation mit Beiträgen der Netzwerkmitglieder soll 2027 im Klinkhardt-Verlag erscheinen. „Der wichtigste Schritt ist es, die Forschung sichtbar zu machen und sich kontinuierlich mit den verschiedenen Parteien auszutauschen“, betont Dietha Koster.

Autorin: Julia Harth

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 5, 22. Juli 2026.

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