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Münster (upm).

Europäischer Forschungsrat zeichnet Biochemikerin Lydia Sorokin aus

„Proof of Concept Grant“ dient der Entwicklung eines neuen 3D-Modells der Blut-Hirn-Schranke

Brustporträt einer lächelnden Frau, aufgenommen im Freiland (im Hintergrund sind unscharf eine Hecke und Bäume zu erkennen).<address>© Uni MS - MünsterView</address>
Prof. Dr. Lydia Sorokin
© Uni MS - MünsterView

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) hat die Biochemikerin Prof. Dr. Lydia Sorokin von der Universität Münster für ihr Projekt „BraIN“ mit einem mit 150.000 Euro dotierten „ERC Proof of Concept Grant“ ausgezeichnet. Sie befasst sich dabei mit einer der größten Herausforderungen der modernen Medizin: dem Transport von Wirkstoffen über die Blut-Hirn-Schranke (BHS). Die EU unterstützt mit dieser Förderung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereits einen ERC-Grant erhalten haben und nun das wirtschaftliche oder gesellschaftliche Potenzial ihrer Forschung ausloten möchten. Dazu zählen zum Beispiel neue Behandlungsmethoden, Technologien und Dienstleistungen. Die Projektlaufzeit beträgt 18 Monate.

Lydia Sorokin leitet das Institut für Physiologische Chemie und Pathobiochemie an der Medizinischen Fakultät, zudem ist sie Sprecherin des „Cells in Motion Interfaculty Centre“ der Universität Münster. Ihr nun gefördertes Projekt nimmt die begrenzte Aussagekraft bisheriger Labormodelle in den Fokus, die die Komplexität der Blut-Hirn-Schranke nicht realitätsgetreu abbilden. Diese Einschränkung trägt maßgeblich zu hohen Misserfolgsraten bei der Entwicklung neuer Therapien für neurologische Erkrankungen bei. Von diesen Erkrankungen sind weltweit mehr als 3,4 Milliarden Menschen betroffen.

Lydia Sorokin hat ein neues 3D-Modell entwickelt, das die natürliche menschliche Blut-Hirn-Schranke präzise nachbildet. Durch die Kombination verschiedener Zelltypen, die die BHS bilden (aus Stammzellen gewonnenen Endothelzellen, Perizyten und eine sogenannte astrogliale Barriere), in einer Hydrogelmatrix reproduziert das Modell entscheidende strukturelle und funktionelle Eigenschaften, die in bisherigen Modellen fehlen. „Dadurch ermöglichen wir eine verlässliche Vorhersage, ob die Wirkstoffe das Gehirn tatsächlich erreichen“, unterstreicht Lydia Sorokin. Die EU-Förderung dient der Optimierung und Validierung des Modells. Ziel ist es, ein robustes und patentierbares System für Anwendungen in der pharmazeutischen und biotechnologischen Forschung zu entwickeln. Die Arbeit baut auf Lydia Sorokins „ERC Advanced Grant“-Projekt „B3M – Breaking into the Brain: Basement membranes and the perivascular niche“ auf, das im Jahr 2022 bewilligt wurde, und überführt grundlegende Erkenntnisse in eine praktische und skalierbare Plattform für die Wirkstoffentwicklung.

Langfristig hat BraIN das Potenzial, die Zahl von Fehlschlägen in der Wirkstoffentwicklung zu reduzieren, Innovationen bei Therapien für neurologische Erkrankungen zu beschleunigen und neue Möglichkeiten für Kooperationen, Lizenzierungen und Ausgründungen zu schaffen. Der vollständige Projekttitel lautet: “A Conceptually New 3Dimensional Blood-Brain Barrier Model- Designed to Overcome the Limited Predictive Power of Current In Vitro Systems”.

In der aktuellen Ausschreibungsrunde erhalten 182 Forscherinnen und Forscher einen „Proof of Concept Grant“, darunter 31 aus Deutschland. Die Förderungen sind Teil des europäischen Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont Europa“.

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