Pflanzliche Immunität
Aufstrebende Talente der synthetischen Biologie treffen sich im November in Paris. Beim „international Genetically Engineered Machine“(iGEM)-Wettbewerb treten jedes Jahr interdisziplinäre Studierendengruppen aus aller Welt mit Forschungsprojekten an. Fachjurys bewerten die Projekte unter anderem nach ihrem Beitrag zur Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen und Umweltproblemen. Die Universität Münster geht beim diesjährigen Wettbewerb bereits zum vierten Mal mit einem Team an den Start.
Die münsterschen Studierenden beschäftigen sich in ihrem Forschungsvorhaben „P.A.C. Immunity“ mit der Herausforderung der Ernährungssicherheit. „Eine Folge des Klimawandels ist die leichtere Verbreitung von Krankheitserregern, insbesondere bei Pflanzen. Auf lange Sicht trägt dies zur Ressourcenknappheit bei“, betont Simon Jankord, der zum dreiköpfigen Koordinationsteam gehört. Eine mögliche Lösung sei die Stärkung des pflanzlichen Immunsystems. Mit einem „Software-Update“ ihres natürlichen Immunsystems erkennt und bekämpft die Pflanze Krankheitserreger deutlich schneller. „Wir nehmen eine winzige Änderung an einem vorhandenen Immun-Gen vor. Dadurch ist eine beschleunigte, gewebespezifische Immunantwort der Pflanze möglich“, verdeutlicht Mit-Koordinatorin Annika Ritzerfeld. Die Studierenden planen, der Jury im November ein „Proof of Concept“ vorzustellen, mit dem anschließend weitergearbeitet werden kann. Damit wäre die Zucht von resistenten Pflanzen deutlich schneller möglich als bisher.
Neben der fachlichen Weiterentwicklung schätzt das fünfzehnköpfige Team, darunter zahlreiche Studierende der Biotechnologie, vor allem die persönlichen Eindrücke, die das Projekt mit sich bringt. „Die Organisation fördert auch unsere persönlichen und methodischen Fähigkeiten und bringt uns viele Erfahrungen, die wir im Studium sonst nicht machen würden“, betont Lennart Pianka, der das Koordinationstrio komplettiert.
Vor dem großen Wettbewerb gibt es bei internationalen Konferenzen die Möglichkeit, sich mit anderen iGEM-Forschungsgruppen auszutauschen. Mitte Mai gewann das Team der Universität Münster beim „BFH European Meetup“ in Hamburg den Preis für die beste Projektpräsentation. Vom 10. bis 12. Juli sind die Gruppen aus aller Welt beim „International Junior Jam“ zu drei Tagen voller Vorträge, Workshops und Vernetzungsmöglichkeiten ins münstersche Schloss eingeladen.
Die Forschungsgruppe wird von der Universität Münster finanziell unterstützt. Für die Teilnahme am Wettbewerb ist sie allerdings auf Förderung durch Sponsorinnen und Sponsoren angewiesen. „Die Thematik ist speziell und nicht immer greifbar“, räumt Lennart Pianka ein. „Bei fachfremden Sponsoren ist es aus diesem Grund oft schwer, die Neuartigkeit unseres Ansatzes herauszustellen.“ Viele der Unterstützerinnen und Unterstützer kommen somit aus dem Feld der Biologie-Unternehmen. „Da es inzwischen viele iGEM-Teams in Deutschland gibt, ist der Markt hart umkämpft“, sagt Simon Jankord. „Ein großer Teil unserer Arbeit besteht deshalb daraus, Stiftungen, Unternehmen und Großspender zu finden, die an ‚P.A.C. Immunity‘ glauben.“
Autor: Tim Zemlicka
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 4, 17. Juni 2026.