„Wir möchten Impulsgeber für moderne Lehrstrategien sein“
Mit einem deutschlandweit einzigartigen Konzept setzt die „PharMSchool“ des Fachbereichs Chemie und Pharmazie an der Universität Münster auf forschendes Lernen, interdisziplinäre Vernetzung und die Förderung der wissenschaftlichen Neugier. Am 26. Juni schließt die 25. Studierenden-Kohorte nach vier Semestern mit einem Symposium zum Thema Infektionskrankheiten ab. Aus diesem Anlass geben Apothekerin Dr. Frauke Weber aus dem Leitungsteam und Studentin Daria Dezurnov im Interview mit Christina Hoppenbrock Einblicke in das Studium und die Besonderheiten des Lehrformats.
Frauke Weber: Ja. Sie lernen nicht nur Fachwissen, sondern auch, wie man problemorientiert an Aufgaben herangeht und eigene Lösungswege findet. Das macht sie wesentlich resilienter gegenüber den Herausforderungen, die im späteren Berufsleben unvermeidlich sind. Die PharMSchool schließt eine Lücke, indem sie ‚Soft Skills‘ wie Teamgeist und Eigeninitiative in den Fokus rückt. Wir bilden Apothekerinnen und Apotheker aus, die nicht nur Wissen reproduzieren, sondern kritisch denken, vermeintliche Fakten hinterfragen und Herausforderungen eigenständig meistern.
Daria Dezurnov: Wir haben zum Beispiel die Kommunikation und Koordination im Team auch in stressigen Situationen geübt oder wenn Fehler passiert sind. Und wir haben erfahren: Auch etwas vermeintlich Banales wie eine ordentliche Dokumentation gehört zum Gelingen dazu, besonders in großen Gruppen. Das sind alles Fähigkeiten, die nicht nur in der Forschung und Entwicklung, sondern auch in der Apotheke von Bedeutung sind.
Aber Sie haben sich auch fachlich tief eingearbeitet, Frau Dezurnov, oder?
Daria Dezurnov: Ja. Meine Gruppe hat sich mit dem Thema Mykosen auseinandergesetzt, das sind Infektionskrankheiten, die durch Pilze verursacht werden. Es ging weit über die Grundlagen hinaus, die wir in den Vorlesungen gelernt haben. Beispielsweise haben wir in der klinischen Pharmazie den Wirkstoff Fluconazol aus Speichel quantitativ bestimmt. Wir wollten herausfinden, ob auf diese Weise ein therapeutisches ‚Drug Monitoring‘, also die individuelle Kontrolle der Wirkung, möglich ist. Das wäre eine deutliche Verbesserung zum aktuellen Standard. Man müsste Patientinnen und Patienten nicht mehr zwingend Blut entnehmen, um die Arzneistoffspiegel im Körper zu bestimmen und eine sichere Therapie zu gewährleisten.
Welche Lehrformate sind besonders hilfreich?
Daria Dezurnov: Das Beste ist die Interdisziplinarität: Wenn man ein stimmiges Projekt auf die Beine stellen will, ist man gezwungen, die unterschiedlichen Fächer miteinander zu verknüpfen. Mit der eigenständigen Gestaltung geht auch eine Selbstständigkeit einher, die an anderen Stellen im Studium nicht vorkommt. Sie betrifft nicht nur die Auswahl der Versuche, sondern auch das praktische Arbeiten im Labor.
Was möchten Sie der kommenden Kohorte mit auf den Weg geben?
Daria Dezurnov: Seid kreativ! In der PharMSchool-Zeit habt ihr die Chance das zu machen, was euch interessiert: euer Herzensprojekt. Sucht euch eine Gruppe aus, in der ihr gut zusammenarbeiten könnt und in der alle ähnliche Ziele und Interessen haben. Bei großen Gruppen achtet besonders auf gute Kommunikation, Aufgabenteilung und auf eine sorgfältige Dokumentation. Und ihr braucht keine Angst zu haben, dass eure Ergebnisse nicht für den Vortrag beim Symposium reichen – ihr stellt in zwei Jahren vieles auf die Beine. Auch Ergebnisse, die statistisch nicht eindeutig sind oder den Erwartungen widersprechen, sind relevant. Von ihnen könnt nicht nur ihr selbst lernen, sondern vielleicht können auch die nächsten Gruppen davon profitieren.
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft, Frau Weber?
Frauke Weber: Wir möchten weiterhin Impulsgeber für moderne Lehrstrategien sein und dabei konsequent innovative Technologien integrieren – so wie wir es bereits mit der Anwendung von 3D-Druck-Technologien in der Tablettenherstellung und der Nutzung von elektronischen Laborbüchern getan haben. Ein Schwerpunkt für die kommenden Jahre ist die Etablierung nachhaltiger analytischer Methoden, um künftig den Verbrauch großer Mengen an Lösungsmitteln zu reduzieren.
Hintergrundinfos:
Die PharMSchool wurde 2012 an der Universität Münster ins Leben gerufen. Mit einem deutschlandweit einzigartigen Konzept setzt sie auf forschendes Lernen, interdisziplinäre Vernetzung und die Förderung der wissenschaftlichen Neugier. Sie fördert vernetztes Denken und den Blick über den pharmazeutischen Tellerrand. Ziel ist es, die Zusammenhänge rund um Arzneimittel bereits während des Studiums zu begreifen und nicht erst im zweiten Staatsexamen.
Über die vier Semester des Hauptstudiums begleitet die PharMSchool die Studierenden. Jedes Startsemester ist einem spezifischen Thema gewidmet, wie beispielsweise Volkskrankheiten, Pädiatrie, Geriatrie oder chronischen Erkrankungen. Innerhalb dieses Rahmens planen und erarbeiten die Studierenden in Kleingruppen eigene Projekte. So wurden zum Thema Volkskrankheiten beispielsweise Projekte zu Themen wie Diabetes, Parkinson oder Adipositas realisiert.