Uni-Glossar: die Doppelblindstudie
Die Doppelblindstudie ist ein zentrales Forschungsdesign in der Medizin und Psychologie. Sie dient dazu, Effekte wie Wirksamkeit und Sicherheit von Behandlungen objektiv zu überprüfen – ohne Verzerrungen durch Vorurteile und andere unbewusste Beeinflussungen der Menschen, die an den Versuchen beteiligt sind. Nicht nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind ahnungslos, wer das zu testende Medikament oder ein Placebo erhält. Auch das Team, das die Studie durchführt, ist nicht eingeweiht. Erst nach Abschluss der Datenerhebung und -auswertung wird die Zuordnung der Probandinnen und Probanden aufgedeckt („Entblindung“).
In der evidenzbasierten Medizin gelten Doppelblindstudien als Goldstandard. Zu den Aspekten, die bei der Konzeption und der Durchführung gewährleistet sein müssen, gehört die korrekte Codierung. Fehler bei den Codes oder in den Listen können dazu führen, dass die Verblindung aufgehoben wird. Außerdem muss die Verblindung sicher sein – das Prüfpräparat und das Placebo müssen möglichst identisch aussehen, schmecken und verpackt sein. Zur Konzeption der Studien gehört auch der Umgang mit Notfällen. Bei schweren Nebenwirkungen muss manchmal die Verblindung für einzelne Personen aufgehoben werden. Trotz der Vorteile von Doppelblindstudien gibt es ethische und praktische Grenzen. Bei chirurgischen Eingriffen beispielsweise sind sie in der Regel nicht umsetzbar. Doppelblindstudien sind zudem aufwendig. Sie benötigen eine konsequente Organisation und Dokumentation durch erfahrenes Personal.
Wer mehr über das Thema erfahren möchte, ist bei der Vorlesung „Prinzipien klinischer Studien“ im Kurs „Interdisziplinäre Tumormedizin“ willkommen. Prof. Dr. Andreas Faldum, geschäftsführender Direktor des Instituts für Biometrie und Klinische Forschung der Medizinischen Fakultät, stellt dort die Doppelblindstudie und weitere Studienmethoden vor und freut sich über viele Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Vorlesung findet in der Regel am ersten oder zweiten Tag der Vorlesungszeit statt.
Autorin: Christina Hoppenbrock
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 4, 17. Juni 2026.