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Münster (upm/nor).
Zwei Personen halten jeweils einen Koran. Die Personen sind nur am Rande zu erkennen, die Bücher sind in der Mitte zu sehen.<address>© Uni MS - Linus Peikenkamp</address>
„Münster wird zum Mekka für islamische Theologie in Europa“, hieß es in den Medien anlässlich der Bekanntgabe der Fakultätsgründung.
© Uni MS - Linus Peikenkamp

Weltweites Interesse an Fakultätsgründung

An der Universität Münster entsteht die erste Fakultät für islamische Theologie in Deutschland

Im Juli 2010 berief die Universität Münster Dr. Mouhanad Khorchide zum Professor für islamische Religionspädagogik; zwei Jahre später gründete die Hochschule unter seiner Leitung das „Zentrum für Islamische Theologie“ (ZIT); 2019 beschloss das Rektorat, vorbehaltlich der gesicherten Finanzierung von acht Professuren eine islamisch-theologische Fakultät zu gründen. Wissenschaftsministerium, Senat, Hochschulrat, Fachbereichsrat, Personalrat, konfessioneller Beirat: Mittlerweile haben alle Institutionen, die an diesem komplexen und bundesweit einzigartigen Verfahren zu beteiligen sind, ihre Zustimmung gegeben – zum 1. Juli wird somit die Gründung der ersten deutschen islamisch-theologischen Fakultät umgesetzt. Studierten am ZIT anfangs 13 junge Männer und Frauen, sind es mittlerweile mehr als 450 – die Zahl der Professuren ist auf acht gestiegen, die der Beschäftigten von drei auf rund 80. „Münster wird zum Mekka für islamische Theologie in Europa“, fasste die „Neue Ruhr-Zeitung“ vor wenigen Tagen diese rasante Entwicklung zusammen.

Entsprechend groß war und ist das Interesse. Der in Frankfurt ansässige Liberal-Islamische Bund e. V. bezeichnete die Gründung als einen „historischen Meilenstein für die akademische Landschaft Deutschlands“. Neben der wissenschaftlichen Forschung und Lehre würden auch diejenigen Muslime davon profitieren, die sich in der religiösen Bildungsarbeit und der Seelsorge engagierten. Zudem weist der Verein darauf hin, dass es einen großen Bedarf an Lehrern für den islamischen Religionsunterricht gebe. Die Absolventen bildeten schließlich mit ihrer Expertise „ein Gegengewicht zu menschenfeindlichen Islam-Interpretationen“. Gerade in diesen Zeiten, in denen „islamistische und islamfeindliche Gruppen“ ihre Propaganda verbreiteten, seien „vernünftige theologische Gegenangebote“ vonnöten.

Das marokkanische Nachrichtenportal „Din Press“ sprach von einem „beispiellosen Schritt zur Förderung eines offenen Islams“. Es sei zu begrüßen, dass die Vertreter des ZIT beziehungsweise der neuen Fakultät einen aufgeklärten Islam vertreten, „der mit den Werten der modernen Gesellschaft im Einklang steht“. Auch das türkische Portal „Velev“ widmete der Nachricht viel Raum und hob dabei die Rolle des konfessionellen Beirats an der Universität Münster hervor, der die Fakultätspläne über die vielen Jahre konstruktiv begleitet und die Gründung einstimmig mittrage.

Der Beirat nimmt vor allem die Aufgabe wahr, die Anliegen und Interessen der islamischen Glaubensgemeinschaften zu vertreten. Das erstreckt sich beispielsweise auf die Mitwirkung bei Personalentscheidungen und der Erarbeitung von Studieninhalten – das Einverständnis kann dabei allerdings nur aus religiösen Gründen verweigert werden. „Wir sind sehr froh über die Weiterentwicklung des ZIT zu einer Fakultät“, unterstrich der seit 2016 amtierende Beiratsvorsitzende Kemalettin Oruç gegenüber dieser Redaktion. Es sei eine positive Entwicklung, dass der Islam im christlich geprägten Deutschland auf gleiche Weise wie die katholisch- und evangelisch-theologischen Fakultäten Teil des Wissenschaftssystems sei.

Die Berichterstattung über die Fakultätsgründung erstreckte sich von europäischen Medien wie etwa in Lettland, Bulgarien und Österreich über afrikanische Nachrichtenportale (Namibia) bis hin zur Türkei und in mehrere arabische Länder. Dort hob man unter anderem hervor, dass mit der Ausbildung von religiösen Fachkräften die Möglichkeit bestehe, „die Einflüsse aus dem Ausland zu verringern“.

Autor: Norbert Robers

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 3, 6. Mai 2026.

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