Gute Promotionsbetreuung im Fokus
Ob eine Promotion erfolgreich verläuft, liegt nicht allein am Thema und an der Motivation der Promovierenden. Studien belegen, dass auch die Betreuung großen Einfluss auf die Zufriedenheit und das Gelingen hat. Hier setzt das „Next Generation Research SuperVision Project“ (RSVP) an, das weltweit wohl größte interdisziplinäre und translationale Forschungsprojekt in der Promovierenden-Ausbildung. Basierend auf empirischen Daten entwickeln britische Universitäten seit 2023 kollaborative Formate zur Gestaltung einer positiven Betreuungskultur, die 24 Praxispartner in mehreren Ländern derzeit testen. Die Universität Münster ist einzige deutsche Partnerin des mit rund 5,3 Millionen Euro von Research England geförderten Projekts.
„Von Professorinnen und Professoren wird stillschweigend erwartet, dass sie wissen, wie gute Betreuung auszusehen hat. Möglichkeiten, sich gezielt darüber auszutauschen, gab es bisher kaum“, erläutert Dr. Helen Jäckel. Als Projektreferentin ist sie am Münster Centre for Emerging Researchers (CERes) für das RSVP zuständig, gemeinsam mit der Personalentwicklung. „In den vergangenen Jahren hat die Betreuungskultur auch in Deutschland zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Wir stehen aber noch ganz am Anfang. Das Projekt bietet eine gute Gelegenheit, um das Thema nachhaltig an die Universität Münster zu bringen.“ So wird ein Pool von Maßnahmen zur wissenschaftlich fundierten Professionalisierung von Betreuung bereitgestellt, unter anderem Workshop-Formate, Vernetzungsangebote und Peer-Mentoring-Programme. Die Angebote werden anschließend evaluiert, die Erkenntnisse aus der Praxis fließen zurück in die Forschung.
„Wir wünschen uns Rollenklarheit für beide Seiten, zum Beispiel durch das Festlegen klarer Erwartungen und Ziele in Betreuungsvereinbarungen“, betont Prof. Dr. Maike Tietjens, Prorektorin für akademische Karriereentwicklung und Diversity. Alle Beteiligten sollten für einen offenen, transparenten sowie respektvollen Umgang miteinander sorgen. „Das Projekt bietet die Möglichkeit, im Austausch mit Gleichgesinnten Dinge zu hinterfragen, die man bisher für selbstverständlich gehalten hat“, ergänzt CERes-Leiterin Prof. Dr. Stefanie van Ophuysen. Es sei wichtig, den Betreuerinnen und Betreuern entsprechende Werkzeuge an die Hand zu geben und dieser Aufgabe mehr Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit zu verschaffen, um die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Beginn an optimal zu fördern.
Einige Angebote richten sich auch an Postdocs, die zum Teil ebenfalls an der Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden mitwirken, wenn auch nicht hauptverantwortlich. „Besonders in der Promotionsphase mit ihren vielfältigen Anforderungen und Unsicherheiten sind ein gutes Arbeitsverhältnis und transparente Kommunikation wichtig“, betont Dr. Philipp Meer vom Englischen Seminar, der als Habilitand an zwei Workshops für Postdocs teilgenommen hat. Dabei sei vor allem die „bunte Mischung“ aus Input und Diskussion mit Übungen und Rollenspielen hilfreich gewesen, schließlich gehe gute Betreuung weit über die fachliche Beratung hinaus. Umfragen zeigen: Viele Promovierende wünschen sich Unterstützung beim Networking und der Karriereplanung, beim Umgang mit hoher Arbeitsbelastung, beim Publizieren oder in der Lehre.
„Gute Betreuung braucht Zeit – die ist im Alltag aber oft schwer zu finden“, weiß Helen Jäckel. Eine überlegte Herangehensweise und praktische Werkzeuge könnten einen großen Zeitgewinn ergeben. Das bestätigt auch Prof. Dr. Anna Windt vom Institut für Didaktik des Sachunterrichts. Sie nimmt an einem sechsmonatigen Peer-Mentoring-Programm teil, das aus regelmäßigen moderierten Treffen einer kleinen Gruppe besteht. „Wir müssen nichts grundlegend verändern. Aber es gibt hier und da Stellschrauben, um die Betreuung zu systematisieren und den Arbeitsalltag zu erleichtern“, sagt sie. „Sich auszutauschen, eigene Entscheidungen zu überdenken und voneinander zu lernen, ist förderlich für unser gemeinsames Ziel: Promovierende bestmöglich zu unterstützen und schon in der frühen Karrierephase gute Forschung zu ermöglichen.“
Autorin: Julia Harth
Terminhinweis:
Professorinnen und Professoren sowie Postdocs können sich noch bis zum 15. Juni für den Supervisors‘ Dialogue zum Thema „Challenges in Doctoral Education“ am 22. Juni (12–14 Uhr, online) anmelden.
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 3, 6. Mai 2026.